Ich hadere nun beinahe jahrelang damit, mich endlich dazu durchzuringen, mich zu meinem definitiven zweitliebsten Album "ever" zu bekennen. Und das einzig aus der Scham heraus, es nicht zur Nummer Eins erheben zu können. Nicht, weil es das nicht verdient hätte, sondern weil ich mich bereits kurz zuvor, auf ein durchaus verwandtes Werk - "The Misery Index - Notes From The Plague Years" von Boysetsfire - festgelegt hatte. Und auch das völlig zu Recht und, natürlich, mit Herz und Hirn.
Ladies`n`Gentlemen, wer dieses Album nicht kennt, ist kein Banause, aber definitiv ärmer als ich, am geistigen Reichtum schmelzender Herzen aufgrund poetischer Texte, hart an der Kante gesellschaftlicher Narben und mitreißender, emotional beinahe zersetzender aber auch im Angesicht brachialster Zerstörungsanmutung immer positiver und konstruktiver Musik, die in der Tradition des Posthardcores, dessen ohnehin seit Jahren ausgeweitete Kampfzonen, mühelos in so vielfältiger Weise zerstäubt:

"Vheissu" von Thrice - erschienen am 17. Oktober 2005.

Das Album soll spaßigen Gerüchten zu Folge - und das würde so perfekt in den humanistischen Kontext der gesamten Platte passen - nach der Aussprache-Wahrnehmung der Band der deutschen Frage "Wie heißt Du?" benannt sein. In der Tat zitiert es jedoch die Novelle "V" von Thomas Pynchon. Textzeilen wie "We are the named and we are known" drücken das Gefühl einer zutiefst menschenliebenden, lebensbejaenden und stets latent technokratiefeindlichen Ausrichtung direkt im ersten Song aus und fordern mit einem geschrieenen "We are the image of the invisible" zum gemeinschaftlichen, bewussten Blick in die Schatten auf.

Technisch sind Thrice ohnehin brillant, weswegen ich eigentlich kaum weiter auf die musikalischen Fähigkeiten dieses, den Mainstream immer gekonnt umschiffenden, Quartetts eingehen muss. Die vier Ausnahmemusiker Dustin Kensrue (Voc/Git), Teppei Teranishi (Git) und die Brüder Eddie Breckenridge (Bass) und Riley Breckenridge (Drums) eint zum einen vielmehr der Glaube an das eigene Können, die Vision eines menschlicheren Zusammenlebens und der Wille mit jeder Platte etwas Besonderes mit Inhalt zu erschaffen, ohne Rücksichten auf die Genrepolizei oder aktuelle Strömungen. Beim ersten Hören vermeindlich sperrig, reiht "Vheissu" einen absoluten Ohrwurm an den nächsten. Vertrackte Takte versüßen das Vergnügen, die Songs auch bei mehrmaligem Hören nicht sofort in Gänze zu durchschauen, jedoch von Anfang an zu fühlen. So ist dies auch der beste Zugang zum Album: Kopfhörer auf und erst einmal versonnen lauschen und sich immer tiefer in den Sog der intensiven Kompositionen ziehen lassen. Erst bei den nächsten Durchgängen sollte man sich mit den exzellenten Texten von Kensrue beschäftigen, den hier macht die Band eine weitere, tiefere Ebene auf. Beides, Musikgewalt wie auch die niemals überambitionierten, aber stets äußerts gehaltvollen Texte, verschmelzen in den 11 Songs, die einem nicht zuletzt durch das geschickte Arrangement zwischen den einzelnen Stücken vorkommen können, wie dreimal so viele, zu einem Erlebnis der Extraklasse.

Einer meiner Höhepunkte eskaliert bereits bei Song Nummer 5, dem intensiven "For Miles". Während sich die ersten Zweidrittel des Songs in wahrhaften Emotionsstürmen der eher ruhigen Art suhlen und den Hörer auf eine fantastische Reise mitnehmen, bricht im letzten Drittel die Hölle los. Kensrue, der zudem über eine brillante Singstimme verfügt, schreit aus vollem Herzen los und das in einer Intensität, die zu Tränen rühren kann. Das Ende des Songs ist so aufgewühlt, dass Thrice es nicht einmal versuchen ihn wieder in die ruhigen Gefilde des Anfangs zurückzuführen, sondern ihn stattdessen - für sie äußerst ungewöhnlich - ausblenden. Nicht jedoch ohne ihn mit dem darauf folgenden "Hold Fast Hope" in Sachen Härte und Kompromisslosigkeit wieder zu zitieren. Auf "Vheissu" reihen sich Glockenspiele an Moshparts, zarte Obertöne werden von heftigen Grunts hinweggefegt, nur um sogleich von wärmenden Sounds voller Hall umspült und getröstet zu werden.

Diese Platte berührt mein Herz - die Musik, die Lyrics, die Produktion, das Artwork. Hier passt einfach alles zusammen. Und obschon jedes der bislang 8 kompletten Thrice-Alben ein Genuss für sich ist und war, setzt das vieret, eben "Vheissu" für mich den Meilenstein ihrer Karriere, der alles beinhaltet wofür diese Band steht.

Und ich schließe mit einem Zitat aus "For Miles", welches beinahe kitschig klingen mag, aber im Kontext dieses Songs einfach nur Gänsehaut hervorruft:

" ... and as long as we live, every scar is a bridge to someone's broken heart
and there's no greater love, than that one shed his blood for his friends ..."

Ich ramm Dir meinen Blog ins Herz,
Nicht voller Grahm, nicht voller Schmerz.
Ich werfe ihn mit Leinen los,
   Bis meine Rinde liegt gar bloß.
Von Bäumen lernen sei der Sinn,
Viel weiter oben, bis ins Hirn,
Treib ich des Wortes eitle Klinge,
   Auf dass es stetig neu beginne.
Das messerscharfe Stahlgeflecht,
Aus Verben, Jamben - immer echt.
Dem Lug und Trug vors Knie getreten,
   Von hier an könnt Ihr gerne beten.
Zu Götzen, Göttern und dem Glanze,
Und kommt nur, wenn Ihr geht aufs Ganze.
Ansonsten lasst es Lügen regnen,
  Damit ein jeder kann begegnen,
Der Wirklichkeit, gebeugt, versklavt,
Hinaus kommt niemand ungestraft.
Und kennt Dein Herz das Eine, Reine,
   Dann sei die Eine, sei die meine.

Für @Konsonaut

SO geht Netzwerken heute:

http://weblog.hundeiker.de/item-6278.html#10669

Grüße von Blog zu Blog!
Ausgehende Eingangsbestätigungen treiben mich mit Hochdruck in einen ähnlich verwahnsinnigten Zustand, wie abgehende Aufgänge es vermögen, die man gerade in den komplexen Gebäuden des Spätkapitalismus zu Hauf zu finden vermag. Den Umgang mit den Bewohnern derselben, vermeide ich nach Möglichkeit.
Und das geht!

Welche Firmen sollten Ihrer Meinung nach überhaupt in Sozialen Netzwerken tätig werden und warum?
Im Prinzip alle Unternehmen, die sich einem Service- und Informationsgedanken an ihre Kundschaft verpflichtet fühlen und sowohl transparent als auch kundenorientiert auftreten wollen. Das betrifft natürlich konsumorientierte Unternehmen in anderer Hinsicht, als, sagen wir  einmal, Zulieferfirmen oder Businesskunden, da hier die Kommunikationsumschlagsrate generell erheblich geringer ausfällt.

Ist ein Social Media-Engagement Pflicht für ein modernes Unternehmen 2012?
Nein. Nicht wirklich. Man sollte zuvor für sich selbst entscheiden, was die eigenen Ziele sind und ob man bereit ist eine gewisse Offenheit an den Tag legen zu wollen. Das bedeutet auch, dass Sie als Unternehmen bereit sein sollten, ein klein wenig von dem an die Community abzugeben, was Sie bisher „Kontrolle“ genannt haben. Dabei sollten Sie aber nie vergessen, dass die Öffentlichkeit ohnehin über Sie als Unternehmen redet, vor allem, und auch oft, um Kritik zu üben – auch und gerade im Internet. Und ist es nicht viel besser, wenn das auf der von Ihnen moderierten Seite geschieht, auf der Sie selber regulierend eingreifen können, als irgendwo im Netz, wobei Sie dann nur zuschauen, respektive kommentieren können? Und ich gebe auch zu bedenken, dass die meisten Ihrer Fans auf einer Facebook-Fanseite ja bereits den Like-Button geklickt haben, also Ihrem Unternehmen sehr wohlwollend gegenüberstehen. Wenn nun also jemand daher kommt und unberechtigte Kritik oder gar üble Nachrede übt, können Sie relativ sicher sein, dass die Gemeinschaft Ihrer Fans hier bereits regulierend eingreift. Auf Ihre Frage bezogen, kann man aber schon sagen, dass mittelfristig die meisten Unternehmen ihre Dependance auf Facebook und Co. eröffnen werden.

Welche Infrastrukturen, Voraussetzungen muss man im Unternehmen aufbauen, bevor man sich in die Sozialen Netzwerke begibt?
Vom Brandmanagement wie vom Marketing müssen hier gewisse Zugeständnisse dahingehend gemacht werden, dass man sich davon lösen muss, alles was hier passieren wird generalstabsmäßig durchplanen zu wollen. Das bedeutet nicht, dass man ohne einen vorher abgestimmten Jahresplan durch die Community navigiert, lässt aber einen Spielraum, um möglichst schnell und spontan auf Ereignisse, Kommentare und Sonstiges seitens der User reagieren zu können. Um hier das nötige Vertrauen zwischen den Markenverantwortlichen und den Social Media-Moderatoren zu schaffen, sind ausgiebige Schulungen und Gespräche eine unabdingbare Voraussetzung. Es muss vor allem allen klar sein, dass nicht jedes zu postende Bild, nicht jeder Kommentar der Abstimmung und Freigabe bedarf, sondern von den Moderatoren eigenverantwortlich geleistet werden muss. Um das, und auch eine schnelle Reaktion zu gewährleisten, muss eine möglichst barrierefreie, offene Kommunikation innerhalb des Unternehmens die Bereitstellung von Informationen und Neuigkeiten ermöglichen.

Gilt hier überhaupt noch das gleiche Zielgruppenverständnis wie in der konventionellen Unternehmenskommunikation?
Nun zunächst einmal muss das Unternehmen wissen, wer genau die Zielgruppe ist und wie diese wirklich tickt. Was sind ihre realen Wünsche, ihre Interessen, worüber unterhält sie sich. Es ist amüsant wie erschreckend gleichermaßen, wie wenig einige Unternehmen tatsächlich über ihre Zielgruppe Bescheid wissen. Im Gegensatz zur klassischen Werbung hat man es hier plötzlich nicht mit standardisierten Zielgruppen von Menschen zwischen 18 und 69 zu tun, sondern mit Individuen. Eine Tatsache, mit der viele Unternehmen kommunikativ zunächst überfordert sind.

Müssen die Social Media-Moderatoren zwangsläufig aus dem Unternehmen kommen?
Absolut nicht. In den Sozialen Netzwerken ist den meisten Usern ohnehin klar, dass diejenigen, die da twittern oder auf facebook aktiv sind, nicht unbedingt die klassischen Angestellten sind, die sich dann plötzlich zu Netzberufenen aufschwingen. Es ist natürlich absolut nichts dagegen zu sagen, wenn es im Unternehmen jemanden gibt, der sich beruflich zu derlei Dingen hingezogen fühlt. Aber dabei kommt dann bei den Personalverantwortlichen schnell der Gedanke auf, dass der betreffende Mitarbeiter den ein oder anderen Social Media-Kanal noch neben seiner eigentlichen Arbeit betreuen könnte. Und genau hier liegt der Denkfehler, der vielen unterläuft. Das Betreuen von Social Media-Accounts ist ein Fulltime-Job! Was wiederum nicht heißt, dass man die Timelines ohne Unterlass mit Postings zubombt. Der größte Teil der Zeit muss dabei für das Lesen, das Beobachten, das Verstehen eingeplant werden. Und natürlich muss jederzeit die Bereitschaft und die nötige Aufmerksamkeit gegeben sein, um spontan, schnell und persönlich einzugreifen, wenn es nötig ist.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Social Media-Moderator mitbringen muss?
Entgegen der landläufigen Meinung, ist es nicht unbedingt notwendig, einen Germanistik-Absolventen mit fehlerfreier Orthografie auf die Community loszulassen. Viel wichtiger sind Dinge wie eine natürliche Gabe zur zwischenmenschlichen Kommunikation, Einfühlungsvermögen, diplomatisches Geschick, oder auch mal – wenn es hart auf hart kommt – die Fähigkeit zum souveränen Krisenmanagement. Der Moderator muss begreifen, dass er auf Augenhöhe mit der Community redet. Er ist nicht der Vorsitzende eines elitären „Gefällt Mir-Clubs“ oder der Stellvertreter eines Konzernchefs, sondern im besten Sinne ein Vermittler, der gleichermaßen informieren wie unterhalten, aber auch schlichten können muss. Das Wichtigste ist wohl, dass er die zu betreuenden Kanäle und deren Wirkungsweisen verstanden hat, was am besten dadurch gewährleistet – aber kein Muss – ist, wenn er bereits privat über einen eigenen Account in den relevanten Netzwerken verfügt und über diese seine Erfahrungen gemacht hat. Gerade bei twitter zum Beispiel ist es geradezu völlig unmöglich einem Novizen diesen Kanal theoretisch ernsthaft nahezubringen, ohne praktische Erfahrung. Hier ist das Scheitern dann schlicht vorprogrammiert. Für facebook wie auch twitter gilt jedoch gleichermaßen: der Output sollte nicht so groß sein, dass man als Spam wahrgenommen wird, aber ebenso ist hier keine journalistische Feinarbeit gefragt, die 1 Tweet oder Post pro Tag zur Folge hat.

Wo liegt der gravierendste Unterschied zwischen klassischer Werbung und dem Social Media-Auftritt?
Das Klientel auf facebook, twitter und Co. ist nicht länger nur rezipierendes Publikum, bloßer Zuschauer einer von Werbeagenturen durchgestylten Inszenierung, sondern mischt sich aktiv in alles ein, wo es sich einmischen möchte. Das Spannende an den Netz-Communities und somit auch die besondere Herausforderung für die Social Media-Moderatoren ist es nun, die User, die im Prinzip ja bereits Fans einer Marke sind, in die eigene Kommunikation mit einzubinden. Und zwar nicht als die eigene Markenbotschaft wiederholende Lautsprecher, sondern als Anstoßgeber mit äußerst kreativen Multiplikatoren. Wenn man das nicht versteht, passieren solche Kommunikations-Super-GAUs wie kürzlich bei McDonald´s, die dachten per Twitter-Hashtag #McDStories eine virale Kampagne fahren zu könnten und von der Twitter-Community sofort „gekapert“ wurden, oder – als anderes Beispiel – die Marke Pril, die über Soziale Medien die User über selbstentworfene Etiketten für eine Sonderaktion abstimmen ließ und mit dem Ergebnis so unzufrieden war, dass sie kurzerhand eine Jury dazwischen schaltete, was wiederum einen so gewaltigen sogenannten „Shit-Storm“ auf der Pril-Seite auslöste, dass hier die Kommentarfunktion abgeschaltet werden musste.

Hat der Auftritt in Sozialen Netzwerken noch immer den Sonderstatus, außerhalb der klassischen Kommunikations-Maßnahmen.
Ja und nein. In den Kindertagen der Social Media gab es immer diese, von vielen Werbeagenturen postulierte Vision, hier ließe sich mit verschwindend geringem Budget auf viralem Wege ein Hype auslösen, der ein Produkt quasi über nach wie von selbst bekannt macht. Inzwischen hat sich wohl herumgesprochen, dass es dann doch einiger Arbeit – und sehr wohl auch des entsprechenden Budgets - bedarf, um derart effizient zu arbeiten, dass es nicht bei einem Strohfeuer bleibt. Denn man darf niemals vergessen, dass hinter erfolgreicher Social Media-Aktivität immer Manpower steckt, und Aufmerksamkeit rund um die Uhr erfordert. So gesehen ist der Sonderstatus noch immer gegeben, besonders weil in den Marketingabteilungen das Verständnis für diesen Kanal noch nicht wirklich angekommen ist. Dabei gibt es nirgendwo direktere Response-Zahlen und eindeutigeres Feedback auf Kommunikationsmaßnahmen als hier.  

Kann man über Social Media-Kanäle etwas verkaufen?
Etwas verkaufen zu wollen, muss das absolut letzte Ziel sein, wenn man sein Unternehmen via Social Media in Stellung bringt, um nicht zu sagen, es spielt in dieser direkten Kommunikation keine Rolle. Ein Erkenntnis, die in Unternehmen noch immer für viele Missverständnisse sorgt. Es geht hier um wirkliche Kommunikation mit Sendern und Empfängern, wobei jeder der Kommunikationsteilnehmer alle Positionen einnehmen kann. Auch wenn es den klassisch geschulten Marketingmanagern oft schwer zu vermitteln ist, ernsthafte Social Media zu betreiben bedeutet, Emotionen aufzubauen, und zwar ernst gemeinte Emotionen.

Ist die Ansprache auf facebook und twitter dieselbe, wenn man doch ohnehin für das gleiche Unternehmen schreibt?
Absolut nein. Auch wenn es nicht mehr unbedingt die Trennung gibt, die noch vor ein paar Jahren galt, dass die politisch eher Interessierten auf Twitter zu finden sind, während sie die Smalltalk-Fraktion auf Facebook tummelt, ist die Kommunikation auf beiden Plattformen komplett unterschiedlich. Das noch weitaus bildorientiertere Facebook bietet Usern ein öffentlich sichtbares Dazugehörigkeitsgefühl, wenn sie einer bestimmten Marke folgen, quasi eine Profilierung über die Werte der bevorzugten Marke, während ein werblicher Account auf Twitter nach wie vor eher verpönt ist und abgelehnt wird. Daher muss man hier noch viel mehr darauf achten, auf einer persönlichen Ebene zu schreiben und glaubwürdig zu sein. Infos werden hier eher unterschwellig eingestreut, in Gesprächen oder Diskussionen. Auf Facebook dagegen  kann man mit entsprechend exklusiven Informationen ziemlich sicher mit einer recht automatischen Weiterverbreitung rechnen. Twitterer definieren sich noch immer eher individuell und sehen sich als eine Art elitärerer Community an, was – wenn man die reinen Userzahlen vergleicht – in Deutschland auch definitiv zutrifft. Und da lässt man eben keinen so schnell in die eigene Wohnung ein, Werbung schon gar nicht.

Was erwarten Fans und Follower von einem Unternehmen, dass sich in Social Networks den Fragen und Meinungen der User stellt?
Aus langer Erfahrung kann man diese Frage mit drei Worten beantworten: Geschenke, Unterhaltung, Informationen. Und das in genau dieser Reihenfolge. Natürlich wollen alle, die eine Marke und deren Produkte mögen stets auf dem neuesten Stand sein, was Entwicklungen und Veröffentlichungen neuer Produkte angeht, aber es ist nicht zu verleugnen, dass es einen absoluten Anstieg an Kommunikationsanteilnahme gibt, wenn es um Gewinne geht. Dabei steht spannenderweise nicht einmal so sehr das persönliche Gewinnen im Vordergrund, sondern die reine Tatsache, dass jemand etwas gewonnen hat. Die Gemeinschaft freut sich durchaus über den Gewinn anderer, und hält mit dieser Freude auch nicht hinter dem Berg. Dabei mag natürlich die Transparenz eine Rolle spielen, also die Gewissheit, dass hier die Gewinner öffentlich bekannt gegeben werden, dass es sie auch wirklich gibt und der Gewinn nicht in irgendwelchen obskuren Kanälen versickert, sowie selbstverständlich auch die Hoffnung, selber eines Tages hier genannt zu werden. Einen anderen wichtigen Aspekt stellt natürlich die schnelle und ausführliche, eben offene Beantwortung von Konsumentenfragen dar. Nichts ist überzeugender als schwierige, oft auch heikle Fragen, ehrlich und öffentlich zu beantworten.

Kann ein Social Media-Kanal die Distanz zwischen Marke und Kunde verringern, gar abbauen?
Auf jeden Fall. Je nach Produkt kann hier eine Emotionalität, eine Bindung zur Marke aufgebaut werden, die das Produkt in keiner anderen Präsentationsform sonst jemals erreichen würde. Ob man es glaubt oder nicht, in den Sozialen Netzwerken können Marken in der Tat Vertrauen im ureigendsten Wortsinn aufbauen – vorausgesetzt, sie sind ehrlich und verdienen sich dieses Vertrauen auch.

Was sind die wichtigsten Voraussetzung für einen Social Media Kanal?
Absolute Glaubwürdigkeit. Man muss den Betreuern des Kanals abnehmen, dass sie es ernst meinen, dass sie echt sind und sich wirklich um die Belange, Fragen und auch Sorgen der User kümmern. Und ob das dann nun Firmenvertreter oder Angestellte einer Werbeagentur sind, ist dann letztendlich zweitrangig. Agenturen haben jedoch den unschätzbaren Vorteil, dass sie zum einen ein  wesentlich entspannteres Verhältnis zur Marke haben, als die eigenen Angestellten und zum anderen die so wichtigen Kleinigkeiten, wie Grafiken, Bilder, Filmchen selber in Windeseile herstellen können. Denn Schnelligkeit ist die beste Antwort auf die Kurzlebigkeit mancher Trending Topics in den einzelnen Kanälen.





Man muss sich die Frage an sich selber zu stellen gestatten, ob es denn wirklich sein muss, seine ohnehin arg fragmentierte Zeit, mit Dingen zu verhöhnen, die einem im Endeffekt weder Befriedigung, noch existenzsichernde Elemente versprechen. Ich antworte von nun an mit einem glasklaren Nein in dreidimensionalen Versal-Lettern aus Acryl - der Transparenz wegen.
Liebes Feuilleton, liebe Klatschpresse, liebe Politiker, liebe Wirtschafstführer, verehrte Nation. Es ist an der Zeit für Euch alle, zwei Dinge zu verstehen und zu akzeptieren:
Erstens, ...
... es gibt nicht DIE Netz-Gemeinde.
Ich kann es nicht mehr ertragen, dass mediale Offliner mir Leute wie Sascha Lobo, Julian Assange oder Kim Schmitz als Gallionsfiguren einer ganzen Szene, schlimmer noch als Wortführer aller online Aktiven vorsetzen. Ich teile weder die politische, noch die gesellschaftliche Weltanschauung von schnurbarttragenden und in sich selbst verliebten Altpunkclowns, wie ich auch auf keinen Fall mit pekuniär überversorgten Vollprolls in einen Topf geschmissen werden möchte, mit denen ich nicht einmal ein Bier trinken gehen würde.
Die Gesamtheit des Internets, ist die Summe aller Gesellschaften, aller denkbaren Charaktere. Ich würde selber gerne glauben, dass sich hier eher die verantwortungsbewussten und gebildeten Menschen tummeln, denen es um eine bessere Gesellschaft geht. Dem ist aber nicht so. Wir hier im Netz sind "Viele" - wie es Tocotronic ausdrücken würden und wo viele sind gibt es die unterschiedlichsten Meinungen. Und das ist gut so.
Ich selber umgebe mich auf Twitter mit Menschen, deren Gedanken ich gerne lese, die ich mit der Zeit sogar schätze, die sogar zu guten Freunden werden. Ich suche mir meine Gesellschaft nicht anders aus, als in meinem sonstigen Leben. Und das macht jeder so, und jeder hat seine eigene kleine Welt von Persönlichkeiten, Meinungen und Ansichten. Und keiner von uns braucht hier irgendeinen prominenten An- oder Wortführer. Die sogenannte Netz-Gemeinde ist so bunt und vielfältig, wie die ganze Welt, mit einem entscheidenden Vorteil: Sie ist frei und so demokratisch, wie sonst nichts. Wer könnte sich wirklich anmaßen, diese Vielfalt mit seiner eigenen Meinung vertreten zu wollen.
Und noch etwas sehr wichtiges. Viele meiner Freunde sind, wie ich selbst, seit Anfang der 90er Jahre Nutzer und Gestalter des Internets. Der eine mehr, der andere weniger. Andere haben es dank Twitter oder Blogs erst seit Kurzem für sich entdeckt. Niemand den ich kenne, würde nach jemandem Rufen, der sich in seinem Namen als Vertreter der Netz-Gemeinde äußert und aufspielt. Schön, wenn es auch hier Nutznießer gibt, die von ihrer Stilisierung zur Ikone mehr als gut und egostreichelnd leben können, aber ich möchte bitte nicht als Teil ihrer Inszenierung verstanden werden. Ich liebe die Vielfalt meiner Timeline, genau wie ich die Vielfalt des Netzes im Allgemeinen liebe. Und die kann man nicht mit einem praktischen Begriff klammern - und in den Griff bekommen.
Zweitens, ...
... wir, die wir das Internet leben und als realen Teil des Lebens verstanden haben, sind ein ebenso ganz realer Teil der Gesellschaft.
Wir leben nicht nur in Eurer Mitte, wir sind ganz normale Bürger, mit ganz normalen Bürgerinteressen. Es ist so leicht für Leute wie Guttenberg oder Wulff sich als Opfer einer außergesellschaftlichen Antibewegung zu wähnen und den hier besonders starken politischen Protest als antidemokratisches Gebahren der ominösen Netz Gemeinde abzutun. Was diese Leute leider in, es sich all zu leicht machender, Manier von Machtmenschen vergessen: Es gibt uns alle wirklich. Wir sind lebendige, interessierte, informierte und vernetzte Bürger dieses Landes. Denkende Bürger, die das Internet für freie Meinungsäußerungen, mehr (gewagte) Demokratie, den gelebten Diskurs nutzen. Wir bedienen uns unserer interaktiver Netzwerke für die Verbreitung unserer Meinung, wie der Geld und Machtadel seit jeher seine Seilschaften einsetzte, für seine solitären Interessen.
In keinem Fall brauche ich irgendeinen Prominenten, der sich in unseren Anliegen stellvertretend äußert - weder um uns anzugreifen und anzuzweifeln, noch um uns vorgegeben zu verteidigen und zu vertreten. Auch schon aus dem Grund heraus, dass sich die Notwendigkeit der bloßen Existenz von Prominenten im Netz überholt hat. Wenn Ihr Prominente braucht, kauft Euch die Gala. Bei "uns" geht es um Meinungen und Haltungen, nicht um Frisuren und Hochzeiten.
Also, liebe Adressaten, versucht noch einmal zu überdenken, wen Ihr mit Netz-Gemeinde verallgemeinern wollt.

Markus G. Sänger

Tegel10 - Werbung | Kommunikation | Design

    Ich bin ein äußerst diplomierter, dennoch in vieler Hinsicht passioniert autodidaktischer Kommunikations-Designer, langjährig (bis heute) aktiver Art-Director bei Kugelfisch Kommunikation für regional, national und international operierende Brands, schreibe sogar Briefe in Photoshop, träume bunt und laut, kann eine große Erfahrung im Ersinnen und Umsetzen kreativer Ideen vorweisen, besitze große Erfahrung und Kompetenz IN und ein definitives Faible FÜR Social-Media, bin ein passionierter Wortspieler, Schlagzeuger, Schriftsteller, Maler, Lautsprecher, bekennend süchtiger Twitterer, Blogger. Dennoch scheine ich nicht ausgelast. *lufthol*

   Tegel 10 ist der Solo-Präsentations-Flug des Grafik-Designers Markus G. Sänger.
Ich möchte Ihnen einen kurzen Überblick über das Spektrum meiner Leistungen geben und Ihnen die Möglichkeiten einer - von meiner Seite sehr gerne gewollten - Zusammenarbeit aufzeigen. Mit anderen Worten, schauen Sie sich in Ruhe an, was ich für Sie tun kann.

   Nationale Kampagnen, Corporate Communications für weltweit operierende Konzerne - habe ich alles schon mit sehr viel Spaß und Herzblut gemacht, aber was am Ende wirklich zählt, ist die eine Idee, die alle Seiten - den Auftraggeber und den Kreativen - glücklich macht. Und die kann sich ebenso gut in einem Flyer für den Nachtclub nebenan oder das Cover für den Debut-Roman manifestieren.

   Was immer Sie umtreibt, bei dem ich Sie unterstützen kann, lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken, und das Projekt nach vorne bringen.

Ich freue mich auf Sie, willkommen an Bord,
Markus Sänger
 
Na toll!
Im Moment arbeite ich recht üppig, womit ich mich nicht fett genannt wissen möchte - auch wenn ich das hier seit heute Mittag ungekühlt herum stehende Eiermayonnaisendings lieber nicht mehr hätte mit den Restbrötchen aufstippen sollen - da freue ich mich über jedwede Ablenkung. Aber dann passiert mir das ...

Verdammt, der Herr Kanzler, der einzige wahre Mann mit Stil, der Bügeln kann wie ein junger ich, hat mich erwischt, da lese ich voller Interesse seinen Blog und denke, "didumm didummsel ... das ist aber ein zauberhaftes Anliegen mir einen Tweet zu schicken mit einem Link zu seiner regierungsherrlichen Seite" und schon hat er mich am Wickel. Nicht, dass ich Locken hätte um sie zu benutzen, aber vielleicht ist genau das der perfide Plan. Meine nicht vorhandenen Locken mit seinem Wickel zu tunen ... aber zurück zum Stock! Heikooooo, was sind denn das für Fragen - denke ich bei mir, denn bei anderen zu denken wäre so vermessen, wie es mir mein Zollstock versprach, bevor er brach. Aber das ist eine verdammt noch mal ganz andere Geschichte!

Also *räusper* - die Rache ist mein, sprach ich einst - und ich muss wohl mal wieder härter durchgreifen. Was also möchte mein Kanzler von seinem Herrgott wissen, mal sehen:


Kannst Du Dich noch an Dein erstes mal erinnern? Beschreibe es mit EINEM Satz. Ausführlich natürlich. Kommata und Klammern sind erlaubt. Gedankenstriche sind erlaubt. 
Es war ein dunkler Tag, der vom Fehlen jeglichen Lichts dominiert wurde (ich erinnere mich, als wäre es erst vor ein paar Millionen Jahren gewesen) und ich fühlte mich leer, einsam aber derart kreativ, dass ich um einen Akt nicht herum kam und so sprach ich voller Erregung und Tatendrang jene Worte der Lichtwerdung, die seitdem ein gevögeltes in aller Munde Wort darstellen - aber ob ich es jemals wieder tun würde?!  
  
Beruf oder Berufung? Ist das die Aufgabe mit der Du Dein restliches Leben füllen willst?
Ich denke, ich bin einer der wenigen, denen es eine Berufung ist - und das betrifft sowohl meinen verdammten Schicksalsjob des Weltenerschaffers, als auch den in meiner irdischen Tarnung als Mensch, in al seinen Facetten. Es muss nicht die Werbung sein, aber Grafik, Kreativ sein, eben ... *grins* ... Erschaffen liegt mir wohl im Blut. Und das auf vielen Gebieten. Berufung!

Du sitzt mit 70 in Deinem Haus am See. Nenne mir DEN EINEN Satz den Du Deinen Enkeln mitgeben willst?
Verschwendet keinerlei Zeit an Hass, Missgunst oder Neid, und macht etwas Euch glücklich macht!

 Natürlich ist Dir nie was peinliches passiert. Aber mal angenommen, es wäre doch passiert: was könnte das peinlichste sein, das Dir, rein hypothetisch gesehen, je widerfahren ist? 
Ich denke, das wäre der Fall, dass mir beim Schnellnocheinentweetabsetzen das Smarttphone (natürlich Android ;-) ins Klo fällt. Nicht auszudenken ...

Romantik wird überbewertet, oder? Was würdest Du als romantisch bezeichnen? Also wenn Du romantisch sein würdest.
Auf einem Gipfel mit meiner Liebsten sitzen, einfach nur schauen, glücklich sein und schweigen. 


So - wer ist denn nun dran? 
Gedankenhalde
Ulf_Hundeiker
Suppenspucker
Worte wie Wogen
Pan Pagan


Eure 5 Fragen:
Was war das Bekloppteste, das Ihr bislang träumen durftet?
Welche Temperatur sollte Euer Essen im Idealfall haben?
Welches Thema interessiert Euch weltweit von allen Nachrichten am Allerwenigsten und warum?
Wen würdet Ihr zum Weltpräsidenten ernennen (mit Begründung)?
Wenn Ihr ohne Einschränkungen finanzieller oder zeitlicher Natur ein Hobby ausüben künntet, was wäre das?


Regeln für das Stöckchen
• Verlinke die Person, die Dir das Stöckchen zugeworfen hat
• Beantworte die Fragen, die gestellt wurden
• Bewerfe anschließend 5 Leute mit dem Stöckchen
• Gib den Personen Bescheid, dass Du sie ausgewählt hast
• Stelle 5 Fragen, die beantwortet werden müssen

Uff - ich denke, ich danke ... und zwar ab ... sofort zurück zur Arbeit ;-)

Meine neuen Seiten www.tegel10.de (Kommunikation | Werbung | Design) und www.tegel11.de (bildende und freie Kunst) sind online! Schaut doch mal rein und gebt mir gerne Feedback!
Was man als künstlerisch veranlagter Mensch in den mittleren Jahren für sich verinnerlichen muss, ist die Ruhe, dass man nicht binnen der nächsten 5 Jahre sein gesamtes Lebenswerk erschaffen haben muss. Selbst wenn man das sich selbst Vorgenommene nicht vollenden können würde ... der Welt wäre es doch leidlich egal, liebes Ego. Du machst das alles nur für Dich. Vergiss das bitte nicht.
Liebe Freunde der alternativen Musik - vom Schreiben kann ich natürlich genauso wenig leben, wie vom Musik machen, (oder Malen, oder ... :-) aber auch hier offenbart sich mir und meiner "kleinsten Big-Band der Welt" ein innerlicher Zwang zum unaufhaltsamen Weitermachen. Und so kommt es, dass gerade die nagelneuen Band-Shirts, Longsleeves und Co. zur aktuellen CD "Damocles" meiner wundervollen und heißgeliebten Alternative-Rockband PORTER erschienen sind.

Einfach mal stöbern, Größe auswählen und stolz damit angeben, dem Underground ein kennerisches Ohr geliehen zu haben.



Mehr Infos zu PORTER gibt`s auf http://www.porter-online.de/ - www.derherrgott.de/bands oder https://www.facebook.com/porter.rockt

Am anderen Ende der Welt sitzt ein sich selbst wiederholender Schriftsteller und weiß genau, dass es mich auch gibt. Ich reiche Dir die Hand, mein Bruder.

Einen Zugang zum eigenen Ich zu bekommen, einer gesättigten Masse gerecht werden wollend, angesichts auf einen hereinströmender Fluten, ist nahezu unmöglich - nimmt man das ursprüngliche Unterfangen aus Zeile eins derart ernst, wie man das zweitgenannte zu hassen bereit ist. Gab es auch zu allen Zeiten jene Gedanken, opferbereiten, ja im Wortsinne selbstlosen Menschen eine Art oberflächliches Denkmal zu setzen, vergas man bei aller Heldenverehrung mit einiger Zuverlässigkeit stets, die Frage nach dem Kern des Wesens des so Verehrten, dergestalt zu stellen, ob nicht auch genau jener Handlung ohne scheinbar eigenen Profit, ein individuelles Belohnungssystem innewohnt, welches den vermeidlichen Helden erst befähigt, seinen Dienst am Allgemeinwohl zu verrichten.

Keinesfalls die wohltätige Tat in Abrede stellend oder in die Nähe egoistischen Denkens rückend, gebe ich schlicht zu Bedenken, das sogar der reinste und viel zu selten auftretende Altruismus sein ganz eigenes psychologisches Motivationsprogramm mitbringt. Das Helfen an sich kann für dementsprechend emotional Determinierte ein Suchtpotential sondergleichen darstellen, welches des schlichte, von Gier angetriebene Streben nach dem "Mehr" nicht nur die ebenbürtige Stirn bieten kann, sondern einen so mächtigen Schatten erzeugt, der das Restglimmen der Raffgier leicht erstickt. Und das ist auch gut so. Denn schafft man es, die eingangs bemühte Masse, sich in einer so selbstlosen Form aufopfernd, komplett zu ignorieren, dass es derselben wie der pure Dienst an ihr erscheinen muss, ist man auf einem guten, emanzipatorischen Weg, dem eigenen Weg wohlgemerkt, sich eine Enklave des Ichs zu erschaffen.

Die Möglichkeiten der Freiheit, die sich nun seltsamerweise auftun, sind protegiert durch das staunende, aber auch weitestgehend desinteressierte Wohlwollen der Masse, da man als "Nicht Begriffener", plötzlich so unendlich viel mehr Raum zum Atmen erhält, dass es einen zunächst erschrecken mag.

Der Helfer ist in dieser sich kreativ ausweitenden Blase dem Künstler, der das Ansehen der Masse am Besten nicht nur weitgehend, sondern, um der Freiheit der Kunst und seiner selbst, in Gänze ausblendet, ganz nah. Näher, als man es vermuten könnte. Näher, als jeder der beiden es zugeben würde. Und dennoch schaffen beide auf ihre Weise etwas Relevantes, ja Gemeinnütziges, weitab der gängigen Verhaltensweisen, fernab des gesellschaftlich geförderten, per Dividende belohnten Raubtiersystems. Und im Kern, im Idealfall finden beide das, was so viele verloren glauben: Ihre Bestimmung, ihr Ich. Und ... die Wahrheit.

Was Hähme war wird Mitleid sein.

Was haben wir nicht alles über „den“ Amerikaner an sich, als Klischee und Archetyp des egozentrierten, eher mindergebildeten und in jedem Falle bis an die Zähne waffenstarrenden Menschen nachgedacht, gerätselt, geurteilt, gelacht. Wie haben wir die Cowboy-Mentalität republikanischer Präsidenten wie Reagan und der Mitglieder des Bush-Clans geschimpft. Wie einig und sogar stolz fühlten wir uns, als Bush jr. uns als das „alte Europa“ vermeidlich zu beschimpfen versuchte und uns unserer viel zu wenig aggressiven Haltung bezichtigte. Ich selber erinnere mich übrigens an jenen Moment, als den Punkt, da die meisten aus meinem Umfeld, mich eingeschlossen, ihren Antiamerikanismus, sowie auch das sich Besinnen auf die eigenen Stärken und ethischen Ansichten eines geeinten Europas, auf dem Höhepunkt sahen. Doch das sei hier nur deshalb nebenbei kurz erwähnt, da dieses Gefühl der moralischen Überlegenheit gegenüber einer – von Mitteleuropa aus gesehen – durchaus zum billigen Revanchismus neigenden Nation mit Weltvormachtsstellungsanspruch, die ihren Zenit vermutlich seit einigen Jahren hinter sich gelassen hat, niemals größer war, als in diesen Tagen, nach Beginn des zweiten Irak-Krieges.

Überhaupt: Krieg. Faktischerweise haben die Amerikaner und ihre Alliierten gerade Deutschland mit Hilfe des Eingreifens in den von Nazideutschland verschuldeten Krieg, nicht nur von der furchtbaren Katastrophe eines Greuel- und Verdummungsregimes befreit, dazu Europa und die Welt noch vor viel mehr unnötigen Opfern bewahrt, sondern dem Nachkrigsdeutschland auch zu wirtschaftlicher Stärke und sozialem Wohlstand verholfen, wenn auch, das sei aber verziehen, natürlich nicht ohne eigene Interessen. Mitunter ist dieser Umstand auch der Grund, dass ich das Amerika der Jetztzeit nicht schlicht sich selbst überlassen, mild lächelnd zusehen möchte, wie diese stets auf sich bezogene Nation langsam ausbrennt und den Weg aller irdischen Superimperien geht. Es geht mir um Mitleid.

Paradoxerweise oder eben als direkte Konsequenz aus der kriegerischen Befreiung aus dem Krieg haben gerade die Mitteleuropäer, als – böse gesagt – letztendliche wirtschaftliche Kriegsgewinnler, eine Art Kriegs-Getöse-Intoleranz entwickelt – zum Glück, möchte ich hinzufügen. Diese darf man nicht wirklich mit einem absoluten und finaldefensiven Pazifismus verwechseln (unterschlagen sei hier allerdings Westerwelles jämmerliche Libyen-Enthaltung 2011), sondern sollte stattdessen verstehen, dass Europas innerer Frieden seit dem Ende des zweiten Weltkriegs durch eine (für viele inzwischen zu schnell) gewachsene politische Einheit – ja, auch der Euro ist eines der Instrumente für diese, liebe Euro-Kritiker – gewährleistet wird. Über all die Jahre und wechselnde Regierungen in den unterschiedlichen Ländern Kern-Europas hinweg hat sich, auch vor dem immerpräsenten Hintergrundes der verheerenden Kriege des 20. Jahrhunderts, somit eine Art Psychologie des friedfertigen Intervenierens entwickelt. Und der sanfte Zwang zu Kooperation und Einheit hat den Europäern meiner Ansicht sehr gut getan und ist ein Garant für ein dauerhaft friedfertiges und zielgerichtetes Zusammenleben, steht aber eben auch – neben all der nationalen Vorurteile die es selbstverständlich gibt und immer geben wird – für eine gewachsene Kultur der Diskussion untereinander. Das Wort ist hier eben gewichtiger, als das Schwert.

Nato hin oder her, die Vereinigten Staaten hatten und haben einen solchen ersatzfamiliären Verbund (inklusive der familiär üblichen Streitereien selbstverständlich), ein diskutativ die Inhalte überprüfendes Korrektiv nicht. Die Amerikaner sind seit Generationen, gerade auch seit jener Zeit, da sie sich als Weltmacht sahen, initiierten und dieser Einstellung entsprechend handelten, der gefühlte Mittelpunkt, nicht nur ihrer, sondern auch der ganzen Welt überhaupt. Selbst politische Partner werden zwar angehört, aber äußerst selten wirklich ernst genommen, könnte eine – im schlimmsten Fall kritische – Meinung von außen, doch die eigene Integrität bezogen auf das Wohl Amerikas verwässern und somit gefährden. Dies ist beim amerikanischen Bürger eine mit Sicherheit noch weitaus ausgeprägtere Einstellung, als bei der jeweiligen Administration.

Mit einiger Überheblichkeit wird den Amerikanern und ihren Urängsten von Wehrlosigkeit und militärischer Unterlegenheit aktuell angesichts der Verkleinerungspläne der Obama-Administration der absolut überteuerten US-Armee seitens der Europäer begegnet. Gerade die Konservativen in den USA, ich verorte hier mal besonders die küstenfernen Regionen – vom Bible-Belt möchte ich lieber erst gar nicht anfangen – als Epizentren der Stammtischsorge, haben regelrecht Angst (war das nicht mal ein deutsches Copyright?) vor einer wie auch immer gearteten Abrüstung und ergehen sich in Weltuntergangsfantasien, wenn Amerika nicht mehr in der Lage ist, zwei Kriege gleichzeitig, wohlgemerkt fern der Heimat, zu führen. Dabei sind auch Obamas Demokraten nicht zum unpopulären Pazifismus oder gar einer Art Empeacementpolitik übergetreten, sondern werden stattdessen von rein wirtschaftlichen Sorgen und Bedenken gelenkt. Für den von uns im Klischee gemalten Durchschnittsamerikaner mutet dieses Vorhaben ähnlich bedrohlich an, wie seine eigene Waffen reduzieren oder gar abgeben zu müssen.

Klar ist es verzwickt, wenn man sich jahrelang zur Wahrung der eigenen wirtschaftlichen Interessen zum internationalen staatlich gelenkten und per Bürgermeinung und Selbstverständnis legitimierten Aggressor Nummer eins und somit zur Zielscheibe für ebensolchen Revanchismus gemacht hat, den man im Prinzip ja selber stets vertreten und praktiziert hat. Im bibeltreuen Amerika gilt schließlich seit jeher das Westernklischee der 1:1-Vergeltung, des Auge-um-Auge-Prinzips. Und das auch auf international-politischer Bühne. Die Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte, sowie die politischen Umbrüche seit Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und dem Ende des kalten Krieges haben natürlich auch in den USA zu einem Umdenken geführt. Allerdings offensichtlich nicht zu jenem notwendigen selbstreflektiven, sondern eher zu einer weiteren Abschottung von der Welt im nach wie vor elitär gesteuerten kollektiven Denken, bei gleichzeitigem Beibehalten des Anspruchs, die Weltmacht überhaupt zu sein. Ignoriert werden dabei recht fahrlässig die Tatsachen der wachsenden Weltmächte China und Indien, das erwachende Selbstbewusstsein der bislang so (sehr wohlwollend begleitet) erfolgreich unterdrückten arabischen Völker oder auch das geschichtlich stets wiederauftretende Phänomen einer imperialen Macht, die immer dann unterzugehen begann, wenn die Militärausgaben prozentual zum Bruttosozialprodukt (auch wenn das nun wirklich nicht schon zu Urzeiten erhoben wurde) in derart exorbitante Höhen schnellten, wie es in den USA derzeit der Fall ist.

Das aus europäischer Sicht Spannende an der aufkommenden kollektiven Angst der Amerikaner vor dem Verlust einer weltweiten Vormachtstellung ist, dass diese völlig unbegründet und unnötig wäre, würden sie sich von diesem inneren Teufel befreien können, der die Bildung und die Aufrechterhaltung eines eigenen Selbstbewusstseins nur angesichts weltweiter Achtung (und sei sie ausgelöst durch Angst vor der Macht des Stärkeren) und Wirkungskreise voraussetzt. Paradoxerweise definiert sich die amerikanische Bevölkerung scheinbar in der Tat über ihren Status in der Welt, welche sie andererseits absolut nicht interessiert, da man selber ja den Mittelpunkt derselben bei sich verortet hat. Amerika ist eines der ersten Paradebeispiele für eine durchglobalisierte Welt, der US-Normalbürger will aber andererseits mit dieser nicht allzu viel zu tun haben und hält sie allenfalls noch für wild, fremd und gefährlich. Das Ganze gleicht dem Dilemma einer Diva, die mit sich und ihren eigenen Problemen sowie der innerlichen Leere nicht klarkommt, das alles aber erfolgreich verdrängen kann, solange die Boulevard-Presse noch Titelstories über sie bringt. Eine Nation, für die eine soziale Krankenversicherung bedrohlicher zu sein scheint, als der Kommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges, kann gar nicht dazu im Stande sein, sich nicht als Global Player erster Instanz zu sehen, sondern sich um dringende innenpolitische Belange zu kümmern. Das allgemeine Bewusstsein ist ein durchaus gewachsenes, jedoch kaum fähig zu einer Richtungsänderung des Denkens. Zu einem Besinnen auf sich selbst und damit auf das wirkliche Allgemeinwohl der eigenen Bevölkerung. Und so kommt es zu einer äußerst spannenden Feststellung: Das Musterland des Egoismus muss lernen, sich auf sich selbst zu besinnen. Damit wären schon Individuen mitunter überfordert.

Wenn US-Amerikaner in der Lage wären, sich selber weniger wichtig zu nehmen, möchte ich unterstellen,wären sie zum einen wesentlich weniger ängstlich, zum anderen angenehmere, weil weniger überhebliche Gesprächspartner auf politischer Ebene. Man kann nun weder die erlebte Geschichte, noch das anerzogene Denken von heute auf morgen ändern, aber wären Amerikaner in der Lage einmal mit den Augen militärisch weit weniger aggressiv aufgestellten, dafür politisch wesentlich besser und loyaler vernetzter Staaten auf die Welt zu schauen, wären sie von ihrer aktuellen „American-Angst“ um ein gutes Stück entlastet, und könnten dem vorbeugen, was im Falle des Weiterfahren ihres bisherigen expansiven, wirtschaftlichen und militärischen Besitzstand wahrenden Kurses unweigerlich bevorsteht: der noch tieferen Spaltung der ohnehin fatal auseinander dividierten sozialen Schichten, der Verarmung eines Großteils der Bevölkerung, dem Fall in die vielleicht nicht sofortige politische, wohl aber moralische, und dank Guantanamo und ähnlichen unumkehrbaren Verfehlungen langsam auch völkerrechtliche Isolation.

Auch wenn Obamas militärischer Schritt in Richtung der angestrebten Verkleinerung der US-Streitkräfte nicht der Vernunft entspringt, ist er dennoch unterbewusst ein Schritt in die richtige, psychologische Richtung – den nach wie vor perversen und völkerrechtlich durch nichts gedeckten Hang zum Einsatz von unbemannten Dronen zur weltweit praktizierten Tötung „Verdächtiger“ jetzt einmal ganz außen vor gelassen. Der inzwischen „kranke Mann von Chesapeake Bay“ wurde zwar laut Zitat „mit dem Gewehr in der Hand geboren“, nun wird es aber Zeit, der Vernunft das Wort zu erteilen. Auch wenn in Zeiten der grenzdebilen und jegliche Vernunft verneinenden Tea-Party-Bewegung, mit in der Tat sogar wohlwollend nur als dumm zu bezeichnenden Köpfen an der Spitze, das Gegenteil zu befürchten ist, wünsche ich Amerika eine baldige Kehrtwende, weg vom angstgesteuerten Kurs eines waidwund um sich beißenden Hundes, der noch nicht verstanden hat, dass die Zeiten, dass die ganze Welt sich geändert haben, hin zu einem verlässlichen Partner, dessen fragwürdiges Ansehen in der Welt nicht mit Waffengewalt erzwungen werden muss, sondern auf wahren Leistungen und Vernunft beruht.

Der Tod, ich glaube ihn in gefühlter Sicherheit noch weit von meiner Person zu wissen, stellt sich, zunehmend von Jahr zu Jahr, immer persönlicher bei uns vor und nicht selten, hinterlässt er bei seinen Stippvisiten unschließbare Lücken in uns und um uns herum. Religiöse Menschen haben es da, ich erwähnt es bereits an anderer Stelle, stets ein wenig leichter, ist ihnen doch die Aussicht auf ein irgendwann stattfindendes Wiedersehen mit der geliebten Person in einer wie auch immer gearteten Form von Jenseits sicher. Aufgeklärte Menschen, Atheisten, Agnostiker, also alle wie auch immer nicht an die Existenz einer höheren Macht, die uns in das Spiel des Lebens gesetzt hat, Glaubenden trifft der Schlag des Verlustes natürlich nicht unmittelbar stärker, als gläubige Menschen. Diese haben jedoch die Chance ihre Trauer auf eine verträgliche Weise zumindest mittelfristig mit Hilfe ihres Glaubens an einen höheren Sinn, einen Plan zu verarbeiten, ja beinahe an die nächst höhere Direktive zu delegieren. Das Bewusstsein einer absoluten Endlichkeit von allem Sein – und ich spreche hier nicht von Energien oder sich in den universellen Kreislauf zurückspeisender Materie – ist für einen Agnostiker wie mich solange kein Problem, wie es theoretisch bleibt.

Geht es aber um den Tod, wird die Sache um ein ganzes Stück komplizierter, gefährlicher, essentiell bedrohlicher. Dabei geht es im Übrigen kaum um den eigenen Tod, zumindest nicht in dem Sinne, dass man Angst vor ihm haben müsste. Das ist wieder ein ganz anderes Thema und hängt in erster Linie – jenseits von Glaubensvorstellungen – davon ab, wie unter welchen Bedingungen man letztendlich stirbt. Die Bedrohung in Form von alles überlagernder Trauer, sowie schon der abstrakten, vorgelagerten Furcht vor ihr, betrifft besonders den Tod eines geliebten Menschen, von dem man weiß, dass man ihn, ist er einmal gegangen, niemals wiedersehen wird. Weder in seiner diesseitigen Existenz, noch in einer als nicht nur abstrakt, sondern als dilettantisch-abstrus, ja kindlich-naiv empfundenen Jenseitigkeit. Man steht plötzlich vor einer unumstößlichen Tatsache, die einen nichts vertagen lässt. Von nun an verblassen Erinnerungen. Es gibt keinerlei Chance sich damit zu trösten, dass eine Aussprache, ein letzter Gruß, die Beschäftigung mit dem was diesen Menschen ausgemacht hat, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen dem Verstorbenen gegenüber in irgendeiner abstrakten Zukunft möglich sein wird, ohne dass man verklärt, Details vergisst, dem Menschen als das Individuum, das er war, einfach nicht mehr gerecht wird. Der Tod trifft einen so unmittelbar, wie jeden anderen auch. Keine Frage. Aber von nun an gibt es keine Ruhe mehr. Will man seine – von nun bis zum eigenen Tod immer, wenn auch vielleicht nur unterschwellig anhaltende, Trauer, in eine erträgliche Bahn lenken, gibt es keinen Aufschub.

Wie einfach wäre es also angesichts dieses immensen Drucks, sich doch schlicht so zu verhalten, wie viele Menschen es mit zunehmendem Alter und insbesondere in der Nähe des eigenen Lebensendes tun, und sich all jenen anzuschließen, die plötzlich – obschon sie ihr Leben sichtbar bequem ohne Religion und all die lästigen Pflichten die damit einhergehen zubrachten – an Gott zu glauben beginnen. Aus Verzweiflung, aus Angst, aus Bequemlichkeit. Nicht, dass man nicht in einem langen Leben durchaus seine Meinung ändern dürfte, nicht, dass es keine Einsichten geben dürfte, nicht, dass Angst zu unterschätzen wäre. Aber es hat auch etwas mit Haltung zu tun, mit Rückgrat, mit Würde, genau das im Angesicht des eigenen Endes nicht zu tun.   

Warum mich das Verhalten der Menschen in dieser schweren Situation überhaupt so beschäftigt, wobei es mir doch so was von egal sein könnte, schließlich ist – ganz nach meiner Auffassung – Religion ein absolutes Privatvergnügen und ich es in der Tat auch niemandem absprechen möchte, in seiner dunkelsten Stunde aus Angst einen Gott anzurufen, den er bislang verächtlich verneint hat? Nun, ich denke, es ist mein eigener Versuch, den Tod meines Vaters mit über 80 Jahren und das Verhalten meiner Mutter in ebensolchem Alter in einen Zusammenhang zu meinem und ihrem Leben zu setzen, den ich verstehe, der mir letztendlich selber hilft, meine Trauer zu verarbeiten. Vielleicht ist es auch mein Versuch, meinen Eltern ein kleines philosophisches Denkmal zu setzen, haben sie mich doch gelehrt, dem freien, unvoreingenommenen Denken den Vorzug vor erstickenden Dogmen und in Stein gemeißelten „Wahrheiten“ zu geben, die über Jahrtausende Menschen in Unfreiheit gehalten haben.     
Meine Eltern hatten, mein Vater bis hin zu seinem Tod, meine Mutter nach dem schmerzlichen Verlust ihres geliebten Mannes, nicht ein einziges Mal auch nur den leisesten Zweifel an ihrem – ich nenne es nun einmal liebevoll – Religion ignorierenden Unglauben geäußert, ganz im Gegenteil. Was für meine Generation in großen Teilen vielleicht sogar bereits zum Selbstverständnis geworden ist, ist genau das für Menschen die noch vor dem zweiten Weltkrieg geboren wurden absolut nicht.

Dies ist im Übrigen kein Fanal für den Atheismus oder gegen gläubige Menschen. Wer wäre ich, Menschen ihren Glauben abzusprechen. Diese Frage muss jeder Mensch für sich alleine beantworten. Und solange man seinen Glauben mit sich ausmacht und nicht auf andere übertragen möchte, ist es mir absolut egal, wer an was glaubt. Dies ist schlicht eine, meine Art, mich bei meinen Eltern zu bedanken, dass sie es geschafft haben, aus mir einen denkenden, freien Menschen zu machen, dass ich mit dieser Auffassung von Leben sehr glücklich bin und ihnen zu sagen, dass ich unglaublich Stolz auf sie bin. Nicht dass ich auch nur ansatzweise der Versuchung ausgesetzt wäre, mein Weltbild in Frage gestellt zu sehen, aber die Tatsache meine Eltern in dieser Situation nicht umfallen zu sehen, hat mir eine enorme Stärke verliehen.   

Letztlich dient mir die Einstellung meiner Eltern in hohem Alter zum Tod und zu Gott als Beweis, dass man seinem Gewissen treu bleiben kann, dass man seine Einstellung nicht verraten muss, ja, dass die Überzeugung, die ich mir zu einem gehörigen Teil von ihnen abgeschaut habe, eben doch auch existentiellen Situationen, großen Dramen, der Prüfung des Seins an sich Stand hält. Es geht mir hierbei nicht um das bloße Aussprechen eines Satzes wie: „Habe ich also doch Recht gehabt.“ Es geht um das beruhigende Gefühl eines emotionalen Beweises, mit einer im Endeffekt potentiell schwierigen Lebensanschauung, auch nach Schicksalsschlägen wie dem Tod meines Vaters ohne Zweifel weiterleben, mehr noch, diesen auf meine Weise verarbeiten zu können, wie es sonst vielleicht nur gläubige Menschen aufgrund der geistigen Topografie ihrer Religion in der Lage sind.

Mein Herz ist wieder ein klein wenig schwerer geworden, aber mein Rüstzeug wieder ein klein wenig stärker.

Einer immergleichen kindlichen Vorfreude verhaftet gehe ich mit.

Nein falsch. Ich bin es, der sie mitnimmt. Es ist mehr als eine Pflicht.
Tiefer als jede Tradition. Es ist eine Verantwortung.
So dringen wir also ein, in den frei zugänglichen Kreis einer zwar
losen Gemeinschaft, wie sie dennoch eingeschworener nicht hätte
sein können; dessen ursprüngliche Entstehung ich selber zwar auch
nur nachgelesen hatte, der ich mich aber dennoch in einem übergeordneten
Sinn, tief verankert in meinem Herzen, zugehörig fühle.
Selbstverständlich bin ich längst einer derjenigen, die sich – selber
– aufgrund ihres Status quo, nicht zuletzt des Alters, in den Stand
der alles Hinterfragenden befördert hatten. So ist es auch nur allzu
offensichtlich, dass jeder, der hier noch älter ist, ein direkter Verbündeter
und damit Mitwissender zu sein scheint.
Hohepriester unter sich.
Zu erkennen sind wir für andere kaum. So ist es schon immer
gewesen. Wenn man dazu gehört, versteht man sich blind und
mitunter auch taub, aber niemals für die Mehrheit ersichtlich. Ein
kurzes Nicken, ein vielsagender, nicht selten grinsender Blick genügt,
Wo seid Ihr in 10 Jahren?

um den Eingeweihten die eigene Erleuchtung, und somit einen eingeforderten
Respekt, wie ein gewährtes gegenseitiges Inruhelassen,
zu signalisieren. Kein territoriales Platzhirschgehabe bestimmt fortan
die Atmosphäre, sondern vielmehr die Wahrnehmung einer geistigen
wie ordnenden Verantwortung, angesichts der erlebten Geschichte,
wie sie hier und an ähnlichen Orten in der ganzen Welt stattgefunden
hatte.
Ein seit jeher gleicher Ritus bestimmt den Ablauf. Elitäres
Denken im Privaten eines jeden Einzelnen prallt frontal auf eine kollektive
Weltoffenheit, die sich selber zu genügen scheint. Doch außer
im Scherz spricht niemand ernsthaft darüber. Dazu ist es viel zu
ernst. Aufgedrehte Novizen wie abgeklärte Großmeister – die Drahtzieher
im Stillen, die Exekutive in der Aura des Rampenlichts: jeder
spielt die ihm letztendlich von sich selbst zugedachte Rolle. Und das
in einer Perfektion, die man niemals wird durchschauen können,
wenn man nicht wenigstens für eine gewisse Zeit ein kleines Teil des
großen Ganzen gewesen ist.
Ein ganz genau auf die essentiellen Bedürfnisse und offensichtlichen
Aufgaben des Individuums ausgelegtes taktisches
Stellungsspiel, bringt die ersten größeren Bewegungen in eine nur
vordergründig träge erscheinende Masse von permanent Konsumierenden.
Dichter Rauch liegt über dem Schauplatz und Sauerstoff
ist eine begehrte wie knappe Luxusware, von der abhängig zu sein
man sich jedoch nicht die Blöße gibt. Keine Schwäche dulden oder
offenbaren. Das bedeutet auch, die bereits zum virtuellen schneiden
vorbereitete, atembare Luft, durch eigenes inzestuöses Zutun
noch ungenießbarer werden zu lassen. Nichtraucher mutieren zu

Kettenrauchern, obschon sie sich bereits seit Jahren aufgrund des
gesundheitlich motivierten Verzichts durchschnorren müssen. Nebulöse
Schemen tanzen vor aller Augen ihren bedrohlichen Schattentanz,
geisterhafte Bewegungen fließen sich aneinander liquidierend
ineinander, Körper tauschen flüchtige Energien aus, muten sich
gegenseitig innigste Berührungen zu. In Sekundenbruchteilen finden
und verlieren sich Überzeugungen, die unterschiedlicher nicht sein
könnten, hier jedoch ihren kleinsten gemeinsamen Ethik-Nenner im
Nebelrausch suchen und für die zuckenden Momente, die es andauert,
auch finden. Schweißnasse Aggressionen entladen sich auf denkbar
bedrohlichste, wenngleich harmloseste Art, alltägliche Ängste
brechen sich Bahn, aufgestaute Emotionen dirigieren ihre Besitzer
schamanenhaft durch die sich durch sie rotierende Menge.
Ich stehe abseits und betrachte, versunken in den Untiefen
meiner sich auch dank solcher Ereignissen herausgebildeten Persönlichkeit,
die Erinnerung, einmal genau den gleichen Impulsen
auf genau die gleiche Art gefolgt zu sein, dem schreienden, sich
verausgabenden Pulk angehört zu haben; immer darauf bedacht, für
winzige Augenblicke noch einmal so fühlen zu können, wie einst.
Und es funktioniert.
Es reichen ein paar Worte, ein Ruf, eine Folge gelernter und
gänsehauterzeugender Töne, vielleicht gepaart mit einem meine
Augen blendendem, die Wirklichkeit fragmentierenden Licht, und es
ist wie damals. Die Augen ins Unendliche fokussiert genieße ich, wie
mein Körper von Wärme durchströmt wird, von diesem unnachahmlichen
Gefühl der Einheit, dieser für diesen Moment unumstößlich
wahren Gewissheit, dass ich mein eigener, in seinem sakralen Still-

stand um sich selbst kreisender Mittelpunkt und in diesem Moment
wahrhaft glücklich bin. Hier gehöre ich her. Mein Körper steht unter
einer in seiner Vertrautheit eigenartigen Spannung. Was auch immer
um mich herum passiert, verschmilzt zu einem großen Ganzen, zu
einem fraktalen Wirklichkeitsklumpen, wie es ihn homogener nicht
geben kann. Ich gebe mich dem schieren und reinsten Genuss hin,
sogar jetzt im tiefsten Bewusstsein, dass es nicht von Dauer ist und
genau das macht den finalen Reiz aus.
Doch dann. Eine seltsame Klarheit schießt durch meine
Nervenbahnen, lässt mich immer ruhiger werden, den Puls verflachen,
der Lärm, alles um mich herum verebbt, als würde jemand den
Master-Regler herunterziehen, als wäre der Stöpsel aus diesem jede
aktive Teilnahme beanspruchende Existenz in sich hineinsaugenden
Abfluss gezogen worden. Meine Wahrnehmung ist mitnichten gestört,
alles funktioniert, wie ich glaube, dass es soll und sogar noch
weit darüber hinaus. Der Mob hat sich keineswegs beruhigt, nichts
hat sich im Vergleich zu den Sekunden vorher auch nur im kleinsten
Detail geändert. Wie automatisiert, gedankenverloren, nehme ich
einen selbstbelohnenden Schluck aus meinem Bier, in beinahe melancholischer
Erinnerung an eine dem Zeitstrom zum Opfer gefallene
Unbeschwertheit. Dann lasse ich meine Augen über die sich langsam
wieder in optisch klar unterteilbare Bereiche entzerrende Szenerie
schweifen, die verschiedenen Grade der Involviertheit an Kontur
gewinnen und die wie kommandoartig organisierte Struktur wird
sichtbar. Meine sich gegenseitig der Federleichtigkeit versichernden
Gedanken spielen sich unbeschwert die Sinnbälle zu, jonglieren freier
denn je mit – mal wieder – aufgebrochenen Denkmustern.
Von vorne erschallt ohrenbetäubend eine Kampfansage, die

in ihrer Güte und Klarheit, ihrer Simplizität und Wahrheit, reiner nicht
hätte sein können. Die Stimme ist ungefähr so alt wie ich und muss
sich ebenso der Tragweite, wie auch der sich in letzter Konsequenz
offenbarenden, unterhaltenden Sinnlosigkeit ihres Tuns bewusst
sein. Dennoch erreicht sie voller echt empfundenem Idealismus die
ekstatischen Massen, die ihre Zustimmung – man ist versucht zu
sagen, ihre blinde Zustimmung, auch wenn das hier nur die halbe
Wahrheit ist – durch lautstarkes Klatschen und Brüllen auf eine mehr
als archaisch anmutende Weise bekundet.
Ich muss grinsen.
Halb die neuerstarkte Gänsehaut genießend, halb das, was
ich in diesem Moment als Weisheit empfindende verspürend, begleiten
mich für die idealisierte Masse finstere Gedanken treusorgend
in meine geräumige Oase der Unberührbarkeit. Ein weiterer Schluck
Bier aus dem immer gleichen Plastikbecher und ich bin sicher. Was
sich bereits seit einigen Jahren seinen Weg bahnt, ist nun Gewissheit.
All die energetischen Novizen, nicht weniger diese vielen langjährigen,
die Ideen einer Szene lebenden Vitalteile des Pulks, sie alle
erhalten das Ganze am (Über-)Leben, sie alle sind sein Leben. Ohne
sie wäre ich nicht hier, wäre niemand hier, hätte ich diesen kleinen,
nahorgasmischen Höhepunkt nicht erleben dürfen, wären all die
Ideen, die das hier ausmachen, kraftlos, belanglos, nicht existent,
vielleicht auf ewig tot.
Und dennoch, ein Gedanke übertrifft sie alle. Eine simple
Frage kristallisiert sich heraus, die zu stellen mir die Reife auferlegt,
und ich bin größer, als noch vor fünf Minuten.


Wo seid Ihr alle in zehn Jahren?
Sitzt Ihr morgendlich gekämmt in einem angenehm klimatisierten
Büro? Habt Ihr 26 Tage Urlaub und einen Firmenwagen? Macht Ihr
Pauschalurlaub im All-Inclusive-Hotel? Verstopft Ihr die Straße mit
extra für sie verbauten Allrad-Jeeps? Lauschen Eure Ohren denselben
mainstreamformatierten Radiosendern wie diejenigen, die Ihr
heute verlacht? Haben Eure Kinder jene Markenattribute verinnerlicht,
die Euch noch in diesem Moment als indiskutabel erscheinen?
Verspürt Ihr das Bedürfnis, wenigstens etwas sollte so bleiben wie es
ist? Schaut Ihr Euch manchmal die Fotos an und klopft Euch auf die
Schulter, um Euch zu vergewissern, dass Ihr dabei wart? Kauft Ihr
Eure Lebensmittel in Geschäften, die Ihr Euch heute schlicht nicht
leisten könnt? Wählt Ihr vielleicht sogar die Partei, die in diesem
Moment auf Euch herabschaut?
Und dann wird mein Grinsen noch etwas breiter und mit leider zu
gleichen Teilen rückwärts wie vorwärts gewandter Sentimentalität
bedankt sich die Gewissheit bei meinem Verstand.
Wir
Können
Nicht
Alle
retten.
Die Frage stellt sich im Prinzip doch überhaupt nicht.

Wo seid Ihr in 10 Jahren? Angepasst wie Arsch!
Und es ist in Ordnung.
Und mit einem mal fühle ich mich gut.

Liebe Online-Devotees, apfelgesteuerte Markensklaven,gleichgeschaltete Mobile-Süchtel, monitheistisch Vernagelte und massenimplantierte Nondividualisten:

Dies ist Eure neue Heimat - für immer!

• Gelangweilt von facebook, weil es Euch zu viele Persönlichkeitsrechte einräumt?
• Enttäuscht von Apple, weil das iPhone nach wie vor ausschaltbar ist?
• Abgewandt von Gott, weil er sich einfach nicht mehr meldet und der AB aus ist?
• Verdrossen von Euren Social Netwürgs, die sich einfach nicht vergrößern wollen?
 
Die Lösung erblickt Ihr soeben auf Eurem Screen (sei es ein winzig leuchtender Mobileklumpen oder ein mit faulem Obst imprägnierter 16:9-Bildschirm).

Und demnächst neu im Netz:

Endlich muss sich keiner mehr die Mühe machen seine Identität auf ehrlich, strahlend, erfolgreich oder sympathisch zu trimmen. Schreibt nicht was Ihr gerne wärt, schreibt was Ihr seid. Also verhaltet Euch einfach genauso wie auf facebook, nur ohne Gefahr der Wahrheit überführt zu werden, denn die gibt`s hier nicht.



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Ganz gleich ob Du Dein geisterhaft hell leuchtendes iBook immer dort auspackst, wo sich andere mit ihren menschlichen Freunden nach Feierabend gut gelaunt auf ein Bier treffen, weil Du immer noch glaubst, Dein Leben wäre reicher, wenn Du allen mit dem was Du für Arbeit hälst in der Öffentlichkeit auf den Sack gehst, anstatt Dir endlich mal eine Freundin zu besorgen ...

Komplett unwichtig wenn Du ein werbetreibendes, sich selber der Hyperkreativität bezichtigendes und somit per Definition chancenloses Hype-Opfer bist, welches zwar mitunter studiert, aber sein Hirn irrwitzigerweise mit dem Eintritt in den Agenturkosmos der Brainstorming-Abteilung gespendet hat, um fortan Coolness fördernd dem – eigentlich eher anarchistisch aufgestellten – FC St.Pauli Trikot bewehrt seine Treue zu schwören, unsäglich langweiligen und uninspirierten Schmonz im Stile Café del Mars zu hören, als einziger Mensch freiwillig Saab-Cabrio – jenen Automobil gewordenen feuchten Traum des schwedischen Rasenmäher-Herstellers – zu fahren, so es der Arbeitgeber denn zu bezahlen bereit ist, nur noch Chucks zu tragen, weil Understatement eben zumindest bei Schuhwerk alles ist und dasselbe dann in Form der devot gehorchenden Anschaffung aller nur erdenklichen Markenartikel des Multikonsenskonzerns Apple komplett wieder zu verdrängen ...

Es ist noch nicht einmal ein unschienbarer Beinbruch, wenn Du morgens im Bad mit dem Finger über Dein Spiegelbild wischst, weil Du nicht glauben kannst, dass Du das Bild, welches Du da siehst, nicht einfach wegscrollen kannst, wenn Du beim Gemüsehändler nach angebissenen aber leuchtenden Äpfeln Ausschau hälst bevor Du im McCafé einen Latte Mac Chiato bestellst und Dir jeden Abend das Mac-up-App in Dein Gesicht klatschst in der Hoffnung, dass das nur Pixel sind und facebook nicht wörtlich gemeint ist ...
 
 
Gemahnend an die Krisen erprobten Errungenschaften der mittelalterlichen Kirche, lassen wir eine lieb gewonnene Tradition der Läuterung für alle jene wieder auferstehen, die  sich – ihrer Verfehlungen bewusst – eines Besseren zu besinnen fähig zeigen:

Die „App-Lass-Mail Basic“

Seht Ihr Euch in einer der oben beschriebenen Zielgruppen gefangen oder seit Ihr auf dem Besten Weg, die Arge mit dem Jobs-Center zu verwechseln:
wir lassen Euch nicht im digitalen Regen stehen.

Schickt einfach eine Mail mit der Betreff-Zeile „App die Pest“, Eurem Namen und der Nennung Eurer Sünden an faith-book und wir schicken Eure Sünden auf dem digitalen iTerhaufen zur Hölle.

Wem die „App-Lass-Mail Basic“ zu schwach erscheint, weil er oder sie bereits seit Jahren bekennder Mac-iAner ist oder vielleicht seine privaten Daten im Dienste des Geoslaverys á la Four Square bereitwillig in den Äther jagt, was den Großen Lauschangriff des ehemaligen Innenministers oder die Volkszählung der 80er Jahre wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt oder weil er sich sogar der Mittäterschaft der Jobs-Maschine schuldig gemacht hat, indem er es nicht unterlassen konnte, das hohe Lied auf seinen Herrn und Meister öffentlich, in an religiös verblendete Litaneien erinnernden Versen den bereits blutenden Ohren der Zuhörer einzuhämmern, dem sei die absolute Highend-Version der App-Lass-Mail empfohlen:

App-Lass-Mail Deluxe Suite 2.0

Sendet Euer Foto und die Beschreibung Eurer Sünde, respektive Sünden (wobei für jede einzelne Sünde ein Foto gesendet werden muss) mit der Betreff-Zeile „App-Sofort-Nur-Noch-Appelsaft“ an faith-book und wir überantworten Eure fahrlässigen Verfehlungen der heiligen iQuisition, welche ihnen dann ein für alle Male das Kerngehäuse rausschneiden und Eure Seelen wieder reinwaschen.

Beide Appsolutionen sind natürlich appsolut kostenlos.

Jetzt von Deinen Sünden reinwaschen!