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Wir leben in einer Zeit der sprachlichen Paradigmenwechsel.

Gut ist plötzlich schlecht, frei ist unfrei, denken ist nachplappern. Ist das wirklich so oder möchten uns dies die nach rechts versprengten Teile der Gesellschaft weismachen?

Man wird heutzutage vom rechten Rand hin weg als sogenannter Gutmensch bezeichnet, wenn man auch nur Mitgefühl für vor Krieg oder sonstigen Katastrophen fliehenden Menschen äußert. Wohlgemerkt soll dies dann als Schimpfwort aufgefasst werden, was nicht wirklich funktioniert, was dann wiederum bei Menschen mit xenophobem Hintergrund ebenso wenig ankommt, wie sonstige Argumente.

Ebenso pervertiert wird das Wort "pro" – in einem Votum ursprünglich gleichbedeutend mit dafür verwendet. Nämlich ins komplette Gegenteil verkehrt, wie man an menschenfeindlichen Parteien wie Pro NRW und ähnlichen Gruppierungen sehen kann, die schlicht dagegen sind. Gegen Asylanten, gegen Moslems, im Grunde gegen Freiheit und gegen Ausländer im Allgemeinen schon mal allemal.

Dann hätten wir da natürlich das aus aller braunem Munde gespiene Wort "Lügenpresse". Wo die Argumente versagen und man sich selbst als kleiner, die sogenannte "Wahrheit" kennender Gegenentwurf versteht, muss man wohl so ... ach komm, ich sage jetzt einfach mal denken, dass man gerade den hierzulande extrem gut und frei ausgebildeten Qualitätsjournalismus in all seinen Facetten als ein die Unwahrheit verbreitendes Organ zu verunglimpfen sucht, ganz so, als gäbe es nicht eine unglaubliche Vielfalt in der Presselandschaft. Wenige davon schreiben sich auch die Fahnen, dass sie die eine Wahrheit kennen würden, vielmehr wird hier off- wie online der Diskurs gelebt. Eine Kunst, die die tumben Parolen skandierenden Keilschrift-Mobs leider nur recht unzulänglich beherrschen, bzw. gar nicht erst schätzen.  

Überhaupt Wahrheit. Wir leben in einer seltsamen Zeit, da alle möglichen Lautsprecher, einer spannenderweise unsympathischer, als der andere, das Wort Wahrheit in ihrem Sinne dehnen, beugen, ge- und missbrauchen. Religionen, hüben wie drüben, haben sie. Parteien, Gruppierungen, sogar Hooligans und Motorradfahrer glauben, sich unter dem Banner irgendeiner Wahrheit versammeln und randalieren zu dürfen. Vom Papst und Helmut Schmidt spreche ich an dieser Stelle einfach mal gar nicht.

Okay, und dann war da noch die BILD. Das bundesdeutsche Mainstreamhetzblatt par excellence, dem kein Sumpf zu tief, keine Parole zu stumpf, kein Ziel zu weich, kein Opfer zu groß ist welches sich plötzlich anmaßt, Hetzer auf Facebook mit Klarnamen zu outen. Das ist in etwa so, als würde Darth Vader geläutert mit mehreren Todessternen gegen den Imperator vorrücken. Der Bock, der Gärtner, hurz.

All diese ins Gegenteil verkehrt verwendeten Worte werden zum Glück – entlarvend inflationär – von jenen ausgebrochen, die sich stets den offensichtlichen Dumpfsinn des Ungebildeten auf das wehende Fähnlein haben schreiben lassen. Zumeist jeweils von einer Galionsfigur, die – so will es der historische Brauch – sich persönliche Vorteile, sei es monetär oder machttechnisch, davon erhofft, eine Gruppe Ungebildeter gegen andere aufzuhetzen. Für letztere müssen dann zumeist die Schwachen und Wehrlosen herhalten auf die man sich dann voller Hass zu stürzen beginnt. Die Mitläufer, die ihren selbsternannten Führern an den Lippen hängen, lassen sich nur allzu willfährig missbrauchen und grölen, objektiv gesehen, relativ hirnlos das nach, was ihnen als alternativlose Alternative vorgesetzt wird. Befeuert durch nackte Angst vor dem Unbekannten, beflügelt nicht selten durch das eigene Versagen.

Hass, ja Hass. Der Hass, und das ist schon ulkig, ist eines der wenigen Worte, welches sich erfolgreich gegen Missbrauch zu wehren vermag. Hass war Hass, Hass ist Hass und Hass wird Hass bleiben. Und stets führen ihn jene ins Felde, die alle anderen Wort zu ihren Gunsten beugen und verdrehen möchten.

Doch, liebe Freunde der Hasskultur, die Sprache lässt sich nicht von ein paar Freaks, die sich selbst genügen und somit hermetisch "argumentieren" verarschen. WIR lassen und nicht von Euch verarschen. Ihr könnt Euch hundertmal wünschen, dass stoisches Brüllen die Worte aushöhlt, dass Recht hat, wer die Faust schwingt. Sagen dürft Ihr natürlich alles, das ist Freiheit. Und genau jene entlarvt Euch mit jedem Wort, das Ihr vergewaltigt.

Es siegt immer die Feder über jedes Schwert.
Und Angst essen Hirne auf.




Edit:
Gut, Helmut Schmidt ist inzwischen seltsamerweise dann doch verstorben, und nach "Lügenpresse" wurde nun auch das andere rechtsnational genutzte Wort "Gutmensch" zum Unwort des Jahres gewählt. Zurecht, wie ich finde.




Und immer wenn ich den marodierenden Pöbel dann sehe, wie er sich aufmacht die Schwächsten der Schwachen mit Schimpf und Schande zu bewerfen, frage ich mich, was passieren muss, wie allen Ernstes aus einem ursprünglich unschuldigen Kind, ein solches Monster heran wachsen kann, welches derart viel Hass in sich aufgebaut, angesammelt und für sich kultiviert hat, dass es dazu im Stande ist, sich selbst in Gänze der Menschlichkeit und andere der letzten Habseligkeit namens Würde zu berauben.


Ich wollte nie wieder ein Blog mit "ich"  beginnen.  Aber das tut wenig zur Sache.

Kennen Sie das? Sie setzen sich hin in der festen Absicht eine Mauer zu bauen. Eine Mauer aus einstmals bleiernen Lettern. Gut, im Grunde wollen Sie lediglich einen Gedanken elegant zu Papier bringen, was heutzutage nichts anderes bedeutet, als dass sie kleine Plastikkarte hinunter drücken und einen ganzen Haufen Daten erzeugen.

Sehen Sie, und kaum öffnet man ein Dokument, um diesen Gedanken nieder zu tippen, schleicht sie sich ein. Die Schreibblockade. Keine, die sich dergestalt offenbart, dass man schlicht nichts mehr zu sagen hat, sondern vielmehr jene, die einem suggeriert, zu viel zu sagen zu haben. Und das alles gleichzeitig. Just dieses ist auch in diesem Blog wieder passiert.

How to avoid also a Schreibblockkad? Es ist doch im Grunde ganz einfach. Man muss nur so lange weiter schreiben, bis der ganze Unsinn, der einem das Hirn vernebelt verfasst und somit heraus ist aus eben diesem Hirn. Dumm nur, wenn bereits der erste Satz nicht ansatzweise auf das eigentlich gewählte Thema einzahlt, sondern einen komplett nebensächlichen Gedanken, wie den ersten Satz dieses Blogs, heraus würgt.

Ich persönlich habe meinen eigenen Rat mit diesem Text bereits in Perfektion umgesetzt. Und ja, Glück gehabt. Wusste ich doch nach der Headline weder Thema, noch sonst etwas zu berichten. In Grunde gibt es keine Schreibblockade, denn das was uns blockiert, sind nur die vielen Gedanken. Die Gedanken, die wir als unwürdig empfinden heraus gelassen zu werden und die uns dann genau aus diesem Grund die Synapsen verstopfen.

Schreiben kann also, auch wenn man im Grunde nichts zu sagen hat, extrem befreiend wirken. Quod erat demonsrandum.

Und immer wenn mir dann die ganzen hochauflösenden Bilder, alles erklärenden Grafiken und professionellen Schönmachereien ob ihrer Perfektion zum wohlgenährten Halse raus hängen, klatsche ich voller Wonne simple Buchstaben aneinander und hoffe voller Wonne, dass Sie sich aneinander reiben, sich nicht fügen und am Ende mehr Fragen aufwerfen, als Antworten geben.



Nur weil man die Absicht hat eine Wanze auf die Mauer zu legen, lauert man noch lange nicht darauf, den anderen in die selbstgegrabene Grube zu folgen. Vielmehr ruft man nahezu täglich in Wälder, die einem auch die andere Wange hinhalten, nur um es einem mit barer Münze zurück zahlen. Aber, wie man sich bettet, so kommt - guter, teurer, Rat auch dem dümmsten Bauern zu Gute. Drum prüfe, wer sich ewig eigen lobt, auf dass er zwar nicht Rom an einem Tag erbauen, jedoch auch einmal als Meister vom Himmel fallen kann. Immerhin ist aller Tage Abend auch aller Laster Anfang.


Und auch sonst bin ich ein großer Anhänger der universellen Weisheit von Sprichwörtern.