Posts mit dem Label existenz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Nichts ist so einfach und zugleich so genial, wie ein Band zu gründen.

Man benötigt kein Kapital, man muss nichts unterschreiben, man braucht keine Mindestanzahl an Mitgliedern. Man sagt einfach: "Wir sind jetzt eine Band!", und dann ist das einfach so. Niemand kann einem sagen, nee, ätsch, stimmt nicht, da ist diese oder jene Voraussetzung nicht erfüllt. Völlig egal, keiner kann einem etwas, man muss sich nirgendwo melden oder entgeltlich eintragen lassen.

Man existiert einfach ab genau jenem Zeitpunkt, da man postuliert "Wir sind eine Band!" Man muss nicht einmal ein Instrument spielen können oder eine schwierige Prüfung ablegen. Man braucht keine Fürsprecher oder gar jemanden der für einen bürgt. Kein Vitamin B der Welt ist nötig um seine bloße Existenz als Band zu beschließen.

Und genauso verhält es sich mit der Auflösung einer Band. Kein Veto, keine Umfrage, keine Meinung kann verhindern, dass eine Band sich auflöst, wenn sie das will. Vielleicht ist eine Band eines der wenigen, realen Konstrukte, welches in seinem existenziellen Wesen wirklich autark - ja frei - ist. Nur die Band alleine entscheidet über ihre eigene Existenz oder Nichtexistenz.

Sogar eine Auflösung kann zurückgenommen werden, wenn die Bandmitglieder es so wollen. Im Grunde kann man sich als Band jeden Morgen um 8 Uhr gründen und abends wieder auflösen. Völlig folgenlos. Einfach nur weil man es kann.

Wenn Ihr frei sein wollt - gründet eine Band!


Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Oft gelesen, oft bemüht, oft ignoriert.

Grundgesetze ranken sich um diese Formulierung, wie Efeu sich an Mauerwerken festkrallt. Sie verziert den Überbau mit angenehm humanistischer Farbe. Sie bietet Halt und steckt den Rahmen ab. Mitunter dient sie auch der Tarnung. Dann verleiht sie auch offenkundig menschenverachtenden Regimen den Ruch der Akzeptanz.

Und das ist auch schon ihr Hauptproblem.

Sie wird auch in gemeinhin als rechtsstaatlich wahr genommenen Staatsgebilden zu oft lediglich im wortwörtlichen Konjunktiv gelebt, zu oft nur theoretisch, wohlwollend angewendet. Ganz als wäre sie eine schöne Dreingabe, ein Bonusrecht, welches so allgemeingültig selbstverständlich scheint, dass man auf seine Durchsetzung nicht zu pochen braucht. Steht sie doch zumeist ganz vorne in der Reihe schöner Aufzählungen, der im Grunde dem gesunden Menschenverstand entsprungenen Festzurrungen menschlichen Miteinanders. 

Wird die Würde hier wie selbstverständlich als real existierend vorausgesetzt, dort wie selbstverständlich als Deckmantel für das genaue Gegenteil missbraucht, leidet sie, nimmt Schaden - hier und dort. Die einen hier, die sich aufrecht wähnen, halten das von ihnen angewandte Niveau von Menschenwürde angesichts der dort mangelhaft oder gleich gar nicht stattfindenden Anwendung für das Maß aller Dinge. Die anderen dort, die sich, bewusst ihrer Lüge, der Zurschaustellung der Würde bedienen, reagieren auf diese Hybris der vermeidlich Aufrechten mit weiterem Mauern. 

Gespräche zwischen Gleichgesinnten können befruchtend sein. Oder auch langweilig, weil vorhersehbar. Vorwürfe zwischen zwei Weltanschauungen, die sich zudem gegenseitig in ihrem Würdebegriff beschädigen, sind zumeist das Ende jedes Dialoges, noch bevor ein Gespräch im Raum gestanden hätte.

Die einen hier können aufgrund ihrer empfundenen Moralvorherrschaft im Diskurs nach außen kaum Raum preis geben, orientieren sich unterbewusst, also indirekt aber dennoch an der neuen Mitte zwischen den Positionen und Feilen die Ränder ihrer Wahrnehmung von Würde schon einmal rund.

Die anderen dort sind schon alleine aus Gründen der nach innen gerichteten Standfestigkeit, denn stets droht von innen die Gefahr in derartigen Systemen, dazu verdammt, den Spielraum ihres Würdebegriffs nicht allzu üppig werden zu lassen. 

Stehen sich zwei System gegenüber, die schon von vornherein, aus existenzbegründenden Anlagen eine allzu weit auseinander liegende Auffassung von Würde haben, stirbt diese auf beiden Seiten. Hier vielleicht etwas mehr, dort vielleicht etwas weniger. 

Die Würde des Menschen wird so beständig angetastet. Auch und vielleicht sogar im Endeffekt diese noch nachhaltiger beschädigend von denen, die sie sich eigentlich auf die Fahne geschrieben haben. 

Passen wir gut auf sie auf. 

-----
Viele, viele, bunte Blogpostleser die das gelesen haben, lasen auch:
Konsumenten und Vokalisten



Man merkt eigentlich gar nichts davon. Im Grunde auch gut so.

Was einst viel beachtet und von allen Seiten bejubelt seine Existenz beginnt, wird in der Wahrnehmung der anderen Menschen Jahr für Jahr immer blasser, farbloser, dünner. Bis es eines Tages nicht mehr existiert so scheint es.

Es ist nicht einmal so, dass es sich von innen großartig anders anfühlen würde. Es ist nicht so, dass es einen urplötzlich zerreißt, pulverisiert. Es ist einfach nur das, was von den anderen zurück kommt. 

Oder eben auch nicht.

Das Echo verhallt. Als wenn der Wald den Schall plötzlich nur noch schluckt. Nichts schallt mehr heraus. Es ist dem Wald egal, was und wie hinein gerufen wird. 

Was vorgestern noch alle Aufmerksamkeit auf sich zog, ist heute allein auf sich gestellt.

Man merkt eigentlich gar nichts davon. Im Grunde auch gut so.