(Achtung: hier kömmt Werbung in ganz eigener Sache ;-)
Kennt Ihr das auch?
Ihr schaut beiläufig an Euch herab, einzig aus den Grund, dass Euch ein Smartie aus dem Mund gefallen ist, und dann ... dann fällt es Euch auf. Der Schreck fährt Euch in die zitternden Glieder und Ihr begreift (Gehirnzelle stuppst Gehirnzelle an), dass Ihr ein T-Shirt tragt, OHNE JEGLICHEN AUFDRUCK!
*kreiiiiisch*
Plötzlich wisst Ihr was "peinlich berührt sein" bedeutet, spürt was es heißt, sprachlos zu sein, fühlt, was chinesische Nacktkatzen fühlen, wenn sie unversehens in den Spiegel schauen.
Und dann erinnert Ihr Euch voller Dankbarkeit, Glück und einströmender Endorphine an www.shirtblazer.de. Die Seite, die Euch jetzt retten kann!
Und ich bin sicher, Eure Panik weicht und mehr und mehr füllt sich Euer ganzer Körper mit Wohlbefinden, Glück und Liebe!
Immer gerne, Euer Markus <3
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Nein, ich denke nicht. Klar, das ganze hat eine definitiv andere Qualität als "früher". Dennoch kann ich einem Menschen, den ich "lediglich" über Twitter "kenne" (merkt Ihr die ganzen An- und Ausführungszeichen?) extrem dankbar und somit auch in den besten Absichten verbunden sein, den ich niemals wirklich gesehen habe, den ich niemals sprach oder derlei. Ich selbst habe das - ich sprach bereits darüber - in der Nacht, in der mein Vater starb erlebt. Es war die Anteilnahme, die kein Freund - vielleicht sogar wegen der fehlenden privaten Nähe - hätte leisten können. Es war die eine Sekunde da ich Beistand benötigte und ihn über`s Netz erfuhr. Von einem Menschen.
Inzwischen haben sich aus so manchen getippten Worten echte Beziehungen ergeben - Freundschaften! Das ist absolut grandios, aber auch in den Fällen, wo dies (vielleicht noch) nicht passiert ist, gibt es eine ganz besondere Verbindung. Oft ist dies der Umstand, dass man Dinge teilt. Dinge wie Vorlieben, Bands, Fußballvereine, den Hang zu Wortspielen, politische Abneigungen. Die Gründe sind mannigfaltig - und egal was dieses seltsame zum Erfolg verdammte Twitter sich noch an Algorithmen ausdenkt, die niemals jemand haben wollen wird, dies ist die Plattform auf der Fremde, echt Fremde zu Freunden ... oder wenigstens zu Bekannten werden, die man respektiert. Dieser Respekt ist das, was man im realen Leben von flüchtigen Begegnungen nur in ganz besonderen Ausnahmefällen erhalten wird.
Glorifiziere ich hier schon wieder die Plattform, die einen aufgrund des Konzepts limitiert? Das Medium, das mir jeden Morgen vorschreibt, was ich zu lesen haben, da ich es ja verpasst haben könnte (obwohl ich einfach NUR / IMMER / AUSSCHLIESSLICH chronologisch lesen möchte)? Ja, mag sein. Bestimmt. Gewiss. Ist aber auch scheißegal. Denn hier lese ich all die wundervollen Menschen, mit denen ich nicht wirklich das Leben, aber eine Art der Lebenswirklichkeit teile, die Marvel mir mit den ganzen Parallelwelten stets vorgaukelt.
Fakt ist, dass ich Euch, liebe Twittergemeinde stets Dinge glaube erzählen zu können, die im Alltag mitunter keinen Platz haben. Seien sie zu abseitig, schmonzettig, radikal oder einfach wirr. Ich denke Twitter ist dieser Testballon, den viele Menschen nicht haben und daher mit Dingen einfach hinter dem Berg halten. Diese Scham - liebe Gemeinde - haben wir zum Glück abgelegt.
Mädels, Jungs, alle dazwischen und sogar die Typen, die ich wahrlich kacke finde ... es ist gut, dass wir auf dieser Basis kommunizieren können - meistens. Viele Länder dieser Welt bieten diese Möglichkeit nicht. Daher bin ich sogar glücklich mit meinen politischen Feinden einfach so reden zu können. Das ist verdammt viel Wert.
Aber: ich rede immer noch so ungleich viel lieber mit meinen emotionalen Freunden - und für Euch ist dieser Text!
Glück. Es ist relativ bescheuert über Glück zu schreiben,
wenn man glücklich ist. Ähnlich idiotisch ist es nur, über Glück zu schreiben,
wenn man unglücklich ist. Bleibt die scheinbar stets sinnfreie Frage, was ist
Glück und wann verdammt noch mal ist denn nun der richtige Zeitpunkt, sich
seiner Gedanken über Glück bewusst zu werden und diese zu äußern.
Ich glaube, die meisten Blogposts habe ich stets dann
geschrieben, wenn ich mich einem starken Gefühl ausgesetzt sah, dass ich ganz allein
für mich verarbeiten musste, um es zu verstehen, es zu ertragen. Sei es – und
das scheint des Öfteren vorzukommen – absolute Verärgerung über die ein oder
andere Ungerechtigkeit, im Politischen wie im Privaten, oder aber – und auch
das verspüre ich zum Glück ähnlich oft – eine tiefsitzende Liebe zu Menschen,
Musik, Situationen, ja sogar zu Landschaften.
Im Moment ist es halt dieses kurze Wörtchen Glück. Ich fühle
mich gerade glücklich. Und das, weil es einem kleinen Menschen, für den ich die
volle Verantwortung trage, gut geht, weil er scheinbar und sehr offensichtlich gerade
glücklich ist. Ja okay, vielleicht ist auch hier wieder diese „Liebe“ im Spiel.
Aber Liebe kann man – so glaube ich – dauerhaft empfinden. Glück eher nicht.
Glück ist ein kurzes Aufflackern jener Dinge, von denen man,
sie hier und da erleben und empfinden zu können, schon immer eine vage Ahnung
hatte.
Glück ist scheinbar keine Onanie. Sich selber wirkliches Glück
zu verschaffen ist schwer bis unmöglich. Zumindest für mich. Irgendwie gehört
es wohl dazu, zu wissen, dass es einem anderen Menschen, oder auch Tier, ich
denke auch das geht, gut geht. Das ist ja das Ding mit dem Glück. Man erkennt
es, wenn man es sieht, aber man kann es kaum willentlich herbeiführen. Dazu
gehören viel zu viele Faktoren, und auch das klingt schon wieder bescheuert
technisch, so als gäbe es eine Formel. Nein. Die gibt es nicht.
Es ist nicht nur die Tatsache, dass ich mich – ähnlich wie
bei ein paar Blogselbstgesprächen vor zwei Jahren – einmal mehr in fast 1000
Meter Höhe befinde und mangels jeglicher, gelernter und angewöhnter Verbindung
zur Außenwelt nur dieses innere Zwiegespräch führen kann.
Es ist viel mehr die Erkenntnis, dass es zum einen nicht
viel braucht, um glücklich zu sein. Und zum anderen, ist mir gerade mehr als
klar, dass es beim Empfinden, beim Genießen von Glück im Grunde nie um einen
selbst geht. Ich bin fest überzeugt davon, dass ein Egoist niemals pures Glück
empfinde kann. Ja gut, vielleicht
wünsche ich mir auch ein wenig, und das natürlich in boshafter Absicht, dass
all die Egomanen da draußen niemals glücklich werden, mit ihrer
„Ich-zuerst-Nummer“. Aber im Grunde – und zum Glück – ist das auch gerade
scheißegal.
Ich denke, ich trage – und so simpel ist es vielleicht
wirklich – das Erbe meines Vaters in mir, eines Mannes, der auch immer dann am
Glücklichsten wirkte, wenn er etwas für seine Lieben tun konnte. Wie oft habe
ich als Kind gedacht, „warum macht er das denn jetzt, da davon hat er doch gar
nichts.“. Heute weiß ich, doch, er hatte etwas davon. Es machte ihn glücklich. Er
war kein reiner Altruist, natürlich nicht. Aber es ging ihm immer dann gut,
wenn es uns gut ging. Heute weiß ich, ich bin scheinbar genauso.
Ich bin glücklich. Mehr ist es nicht. Aber es ist viel mehr,
als man erwarten darf.
Ich pflege seit Jahren einen kleinen Hashtag auf Twitter mit dem Namen #DieWichtigenTexte. Hier finden sich kurze Textauszüge aus meinem Empfinden nach überragenden Texten großartiger Bands. Oftmals - nicht immer - mit entsprechenden Links zur Musik. Oftmals - nicht immer - sind dies deutsche Texte, oftmals - nicht immer - von Bands mit einem Punk- oder Hardcorehintergrund. Hier schlummern so oft ungeahnte lyrische Perlen die oftmals - nicht immer - verzweifelt oder wütend, eben voller Emotion heraus geschrien werden.
Heute möchte ich einfach mal eine lange Version von #DieWichtigenTexte verbloggen, weil die wundervollen und zu Recht von so vielen geliebten Turbostaat hier einmal mehr wahre Lyrik vertonen und ohnehin mit eben jenem Recht Dauergäste in der kleinen Rubrik sind.
Liebe für diese Jungs!
TURBOSTAAT – "DIE ARSCHGESICHTER"
,, Mach's gut, du Sack!" Sie küsste ihn zum Abschied
Drei Tränen noch, dann ist es auch vorbei
Aus Langeweile drosch sie auf die Beine
Heimat ist das Grau in seinem Herz,, Wind Lee Luv", sie stotterte auf einmal
Die Arschgesichter lachten sie noch aus
Sie glaubte fast sie könnte es verstehen
Das Mittelalter bricht da wieder durch
Und sie stochern blöd im Herzen
Als wenn da noch etwas wäre
Außer Gift
und jener Schmerz
Das ist alles
Man führte Krieg in aller Herren Länder
Grinst einer schief, heulte man laut auf
Im Scherenschnitt glänzt unsere Fassade
Es nähert sich etwas durch die Nacht
In Reih und Glied, gekämmt und gestriegelt
Die Arschgesichter pflanzen sich auch fort
Am Ende steht kursiv auf ihren Gräbern
Reichtum ist der Schlüssel zum Erfolg
Und sie stochern blöd im Gestern
Als wenn da noch etwas wäre
Außer Leere und jener Schmerz
Das ist alles
Ich bin so müde vom Schlafen
Und glücklich vom Heulen
Und Galle wütet weiter in meinem Bauch
Vielleicht gibt es ja zur Bratwurst
Noch Backpfeifensalat
Ihr Arschgeigen!
Gib
Nie
Auf!
Mein Spiegel und die Kinder schreien es laut
Gebt
Nie
Auf!
Ich brauch euch!
Ich bin zu müde vom Schlafen
Und glücklich vom Heulen
Und Galle wütet weiter in meinem Bauch
Vielleicht gibt es ja zur Bratwurst
Noch Backpfeifensalat
Ihr Arschgeigen!
Und sie stochern blöd im Schädel
Als wenn da noch was wäre
Außer Unsinn und dieser Schmerz
Das ist alles
Hinter Norderstraßen stehen diese Gräber
Jährlich und entrückt man dann davor
Am Ende saufen alle dann am Hafen
Ihr Heulen geht schon unter im Applaus
Drei Tränen noch, dann ist es auch vorbei
Aus Langeweile drosch sie auf die Beine
Heimat ist das Grau in seinem Herz,, Wind Lee Luv", sie stotterte auf einmal
Die Arschgesichter lachten sie noch aus
Sie glaubte fast sie könnte es verstehen
Das Mittelalter bricht da wieder durch
Und sie stochern blöd im Herzen
Als wenn da noch etwas wäre
Außer Gift
und jener Schmerz
Das ist alles
Man führte Krieg in aller Herren Länder
Grinst einer schief, heulte man laut auf
Im Scherenschnitt glänzt unsere Fassade
Es nähert sich etwas durch die Nacht
In Reih und Glied, gekämmt und gestriegelt
Die Arschgesichter pflanzen sich auch fort
Am Ende steht kursiv auf ihren Gräbern
Reichtum ist der Schlüssel zum Erfolg
Und sie stochern blöd im Gestern
Als wenn da noch etwas wäre
Außer Leere und jener Schmerz
Das ist alles
Ich bin so müde vom Schlafen
Und glücklich vom Heulen
Und Galle wütet weiter in meinem Bauch
Vielleicht gibt es ja zur Bratwurst
Noch Backpfeifensalat
Ihr Arschgeigen!
Gib
Nie
Auf!
Mein Spiegel und die Kinder schreien es laut
Gebt
Nie
Auf!
Ich brauch euch!
Ich bin zu müde vom Schlafen
Und glücklich vom Heulen
Und Galle wütet weiter in meinem Bauch
Vielleicht gibt es ja zur Bratwurst
Noch Backpfeifensalat
Ihr Arschgeigen!
Und sie stochern blöd im Schädel
Als wenn da noch was wäre
Außer Unsinn und dieser Schmerz
Das ist alles
Hinter Norderstraßen stehen diese Gräber
Jährlich und entrückt man dann davor
Am Ende saufen alle dann am Hafen
Ihr Heulen geht schon unter im Applaus
Am Besten genießt Ihr den Text während Ihr HIER dem Original von TURBOSTAAT lauscht. Jan Windmeier gibt Marten Ebsens Texte einfach wieder wie kein Zweiter.
Turbostaat waren, sind und werden immer sein: Jan Winmeier, Rollo Santos, Tobert Knopp, Peter Carstens, und Marten Ebsen
(Foto von Horni von der Turbostaat-Website)
Freunde gepflegter Tanzmusik, ich habe soeben, getrieben von emotionaler Wucht - ob der wundervollen Probe - gegenüber den Jungs jenen einen, unfassbaren Satz entfesselt, den man allen, allen, verdammt ALLEN Bands, und mag man sie noch so gerne, um die haarig umwachsenen Ohren hämmern möchte.
Selten, nein nie zuvor (geil, noch so ein Superlativ) haben wir ungeplant Songs geschrieben, die sich allesamt - und das, ohne sich vorher bereits im Ideenhimmel über den Weg gelaufen zu sein - so dermaßen gut ineinander fügen, sich zu einander bekennen, eine geradezu gottverdammte Einheit bilden, wie derzeit die wundersamen Musikstückchen für das im nächsten Jahr geplante #Genosha.
Ich könnte mir selber auf die Zunge beißen angesichts des Satzes, der im Schutze unserer Dortmunder Basis heute bereits gefallen ist - und intern für großes Gelächter sorgte - aber ich habe heute bereits genug Blut verloren. Die HiHat steht einfach zu nah an der Snare. Also schone ich meine Zunge, bemühe die lädierten Finger und tippe mich um Kopf und Kragen:
Ladies and Gentlemen. Bitte holen Sie tief Luft durch die Nase, spüren Sie Ihre Mitte und lesen Sie folgenden Satz laut vor:
"Die neue Platte wird die beste, die wir je aufgenommen haben."
Atmen Sie durch den Mund aus und verinnerlichen Sie noch den folgenden Appendix: "Das sagen zwar immer alle Bands über ihre neue Scheibe, aber bei uns ist es wirklich so."
Und: "Wir wissen, wie das klingt, aber es fühlt sich gut an." Und: "Wir können eh am Längsten."
Und: "Wir wissen, wie das klingt, aber es fühlt sich gut an." Und: "Wir können eh am Längsten."
Freunde der Töne, wir lassen dieses Mal unseren langjährigen Dämon Danzig einfach mal frei. Die Deftones dürfen uns das Taktstöckchen führen und tiefer gestimmt wird auch.
Die simple Wahrheit ist, dass wir nach "Wolkenstein" ungewollt und unvorhergesehen durch ein tiefes Tal gehen mussten, aus dem jemals wieder heraus zu kommen nicht wirklich sicher war, weil es schlicht viel Wichtigeres gibt, als Musik, und wir uns heute, im November 2015, einfach unglaublich glücklich schätzen, dass wir das was wir da tun dürfen zusammen tun können!
Mag sein, dass diese Erfahrung unterbewusst den Energie- und Härteregler auf 11 gedreht hat.
Mag auch sein, dass wir keine 20, nicht mal mehr 30 sind und daher auch stilistisch frei sind.
Mag auch sein, dass wir keine 20, nicht mal mehr 30 sind und daher auch stilistisch frei sind.
Wenn ich es nicht schon gesagt hätte, dass ich diese Band liebe, müsste ich es ja schon wieder sagen. So sage ich lieber: ich glaube, wir machen das, was wir da tun, gerade sehr gut. Zumindest fühlt es sich unglaublich gut, richtig und sehr, sehr geil an und das ist das was zählt.
Jungs, ich bin sehr glücklich mir Euch!
(das werden die mir noch lange vorhalten) „smile“-Emotico
(das werden die mir noch lange vorhalten) „smile“-Emotico
Der Typ hinterm Schlagzeug.
Du weißt, wo Du sein willst. Und Deine Lieben sind bei Dir.
Nichts ist wirklich wichtig hier oben. Und zugleich alles. Aber es greift einen nicht in seiner Existenz an. Es greift einem direkt ans Herz. Warm und weit, ausufernd und großartig. Wild und drängend. Unendlich ruhig und beruhigend gefährlich. Und Freiheit ist plötzlich mehr als ein Wort. Freiheit ist zum Greifen nicht nur nah, sondern da. Und Du kannst und willst Dir nichts anderes mehr vorstellen.
Es ist natürlich nicht von Dauer, doch Du trägst es mit Dir herum. Ein Leben lang. Und es trägt Dich. Ein Leben lang. Und dieses Gefühl wird mit jedem Jahr stärker, intensiver. Du kannst es nicht verdrängen. Du kannst es nicht verleugnen. Du willst es auch gar nicht.
Geboren an einem wunderschönen, sicheren Ort und sehr glücklich und dankbar über diese Tatsache. Aber dennoch scheinbar ein wenig falsch. Und Du lächelst, dankbar und glücklich, es gefunden zu haben, weil Du weißt, eines Tages bleibst Du einfach hier oben. Und verdammt, wenn sie Dir eines Tages einen Gefallen tun wollen, verstreuen sie Dich hier.
Ich schrob hier bereits vor vier Jahren, genau am 26. März 2011, zu Zeiten der Veröffentlichung der "Laut/Leise"-EP "DAMOCLES" über meine wunderbare Kapelle PORTER. Damals bezeichnete ich mich als positiv besessen und war überglücklich, dass ich ein Teil dieses seltsamen Gebildes sein durfte.
Heute, im April 2015, ist es an der Zeit, die Vergegenwärtigung dieses Glück einmal mehr aufzufrischen. Auch Revuen müssen passiert werden wie Tomaten. Nachdem wir 2012 ein äußerst erfolgreiches Crowdfunding hingelegt hatten, waren wir 2013 in der Lage, nach über 10 Jahren des Bestehens dieses Aggregatzustandes namens PORTER, also 4 veröffentlichter EPs, unzähliger Konzerte und tausender absolut geiler Momente endlich unser erstes vollwertiges Album "WOLKENSTEIN" aufzunehmen.
Allesamt musikalisch auch vor PORTER nicht unbeleckt und durchaus - ich zitiere Danny Glover alias Roger Murthaugh in Letheal Weapon - "schon zu alt für diesen Scheiß", starteten wir mit "WOLKENSTEIN" so eine Art zweiten Frühling. Der Elan war zurück, den Arsch hoch zu kriegen, die Ideen für geile Songs flogen uns plötzlich wieder sogar unter Zeitdruck zu und mit dem Umzug in unser ehemaliges Stammstudio als ständigen Proberaum machten wir einen verdammt wichtigen Schritt hin zu einer lebenswerten, gemütlichen und kreativen Homebase im Herzen des Dortmunder Nordens.
Alles war schön, alles war gut. Dann, kurz nach einem Akustik-Gig im April 2014, traf uns ein sehr persönliches Ereignis wie aus heiterem Himmel und schoss uns erst einmal aus allen Umlaufbahnen, alles was war, alles was wir hatten war plötzlich egal, alles was wir als wichtig empfanden, war genau das aus gutem Grund eben nicht mehr.
Wir haben auf unseren CDs immer schon den Verweis gehabt, dass PORTER Christian Schwarz, Lars Daum, Frank Stewen, Volker Fabiunke und Markus G. Sänger sind, waren und immer sein werden. Und auch ohne dass wir diese berühmten fünf Band-Freunde sind, ist es doch immer klar gewesen, dass diese Band in dem Moment aufhören würde zu existieren, da einer von uns - egal wer - nicht mehr dabei ist. Da spielt es keine Rolle, ob höhere Gewalt im Spiel ist und ein Fünftel auch ohne seinen Willen plötzlich weg wäre.
Die Wahrheit dieses Statements hat sich uns allen im letzten Jahr schmerzhaft gezeigt. Es stand kurz vor knapp, dass diese Band aufgrund der Ereignisse Geschichte gewesen wäre. Machen wir es kurz - es ist nicht so gekommen, und das ist alleine der Kraft eines Menschen geschuldet, der in diesem Jahr mehr Eier bewiesen hat, als es nötig sein sollte.
Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass wir nicht unbedingt jedes Jahr 50 Gigs mehr spielen müssen, um das was uns bewegt, das was wir so lieben leben zu lassen. Wir müssen uns nicht beweisen, dass das, was wir da haben gut, sehr gut ist. Viel zu viele, im Grunde sogar die meisten von den Musikern, den Bands, die einmal mit uns angefangen haben, gibt es heute nur noch als Erinnerung. Wir hingegen haben irgendwann beschlossen, dass es uns aus einem guten Grund gibt. Und dieser Grund sind wir fünf. Dieser Grund sind die Songs, die uns zufliegen. Dieser Grund sind die Menschen, denen diese Songs etwas bedeuten.
Etwas, das es für uns besonders wertvoll macht ist, dass wir lebendig sind. Wir sind relativ klein, wir sind relativ unbekannt, wir sind definitiv Underground. Wir sind aber im Gegensatz dazu auch völlig (!) unabhängig, wir sind auch stolz, wir sind vor allem allesamt Fans von guter Musik, und wir sind damit in erster Linie künstlerisch eins: glücklich! Und wir haben Bock!
Das letzte Jahr hat einfach mal wieder gezeigt, dass nichts, nichts, nichts, nichts, nichts, wirklich planbar ist. Im Grunde eine dieser schmerzhaften, aber heilsamen Lektionen, die einem wieder zeigen, was wichtig ist. Wenn dies denn nötig wäre. Denn wir wissen was uns wichtig ist. Aber im Vergleich zu dem was Menschen zustoßen kann, ist diese Band, so sehr ich sie auch liebe, eben einfach scheißegal.
Und so stehen wir hier - April 2015 - und werden am 16. Mai unser erstes Konzert seit über einem Jahr spielen. Und es fühlt sich so unsagbar gut und richtig und - jetzt zitiere ich sogar Frau Merkel - alternativlos an.
Im Grunde wollte ich hier nur einmal mehr sagen: danke! Danke, dass ich dieses Glück habe, Teil dieser Band zu sein!
Und ja: wir sind jetzt unsterblich, denke ich. Wir werden so lange da sein, wie es sein soll. Und es war jeden Meter, jede Sekunde wert!
Ich - ganz persönlich - bin sehr glücklich!
Und obschon wir fünf unfassbar unterschiedliche Menschen sind, mit fünf unfassbar unterschiedlichen politischen Ansichten, musikalische unfassbar unterschiedlichen Geschmäckern - oder gerade deswegen (?) - will ich, dass wir noch ganz lange da sind, viele Meter, viele Sekunden!
----------
Hier noch ein Miniinterview mit Philipp Kersting für Radio Ennepe Ruhr anlässlich des Gigs im Treff an der WerkStadt am 16.6.2015
Heute, im April 2015, ist es an der Zeit, die Vergegenwärtigung dieses Glück einmal mehr aufzufrischen. Auch Revuen müssen passiert werden wie Tomaten. Nachdem wir 2012 ein äußerst erfolgreiches Crowdfunding hingelegt hatten, waren wir 2013 in der Lage, nach über 10 Jahren des Bestehens dieses Aggregatzustandes namens PORTER, also 4 veröffentlichter EPs, unzähliger Konzerte und tausender absolut geiler Momente endlich unser erstes vollwertiges Album "WOLKENSTEIN" aufzunehmen.
Allesamt musikalisch auch vor PORTER nicht unbeleckt und durchaus - ich zitiere Danny Glover alias Roger Murthaugh in Letheal Weapon - "schon zu alt für diesen Scheiß", starteten wir mit "WOLKENSTEIN" so eine Art zweiten Frühling. Der Elan war zurück, den Arsch hoch zu kriegen, die Ideen für geile Songs flogen uns plötzlich wieder sogar unter Zeitdruck zu und mit dem Umzug in unser ehemaliges Stammstudio als ständigen Proberaum machten wir einen verdammt wichtigen Schritt hin zu einer lebenswerten, gemütlichen und kreativen Homebase im Herzen des Dortmunder Nordens.
Alles war schön, alles war gut. Dann, kurz nach einem Akustik-Gig im April 2014, traf uns ein sehr persönliches Ereignis wie aus heiterem Himmel und schoss uns erst einmal aus allen Umlaufbahnen, alles was war, alles was wir hatten war plötzlich egal, alles was wir als wichtig empfanden, war genau das aus gutem Grund eben nicht mehr.
Wir haben auf unseren CDs immer schon den Verweis gehabt, dass PORTER Christian Schwarz, Lars Daum, Frank Stewen, Volker Fabiunke und Markus G. Sänger sind, waren und immer sein werden. Und auch ohne dass wir diese berühmten fünf Band-Freunde sind, ist es doch immer klar gewesen, dass diese Band in dem Moment aufhören würde zu existieren, da einer von uns - egal wer - nicht mehr dabei ist. Da spielt es keine Rolle, ob höhere Gewalt im Spiel ist und ein Fünftel auch ohne seinen Willen plötzlich weg wäre.
Die Wahrheit dieses Statements hat sich uns allen im letzten Jahr schmerzhaft gezeigt. Es stand kurz vor knapp, dass diese Band aufgrund der Ereignisse Geschichte gewesen wäre. Machen wir es kurz - es ist nicht so gekommen, und das ist alleine der Kraft eines Menschen geschuldet, der in diesem Jahr mehr Eier bewiesen hat, als es nötig sein sollte.
Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass wir nicht unbedingt jedes Jahr 50 Gigs mehr spielen müssen, um das was uns bewegt, das was wir so lieben leben zu lassen. Wir müssen uns nicht beweisen, dass das, was wir da haben gut, sehr gut ist. Viel zu viele, im Grunde sogar die meisten von den Musikern, den Bands, die einmal mit uns angefangen haben, gibt es heute nur noch als Erinnerung. Wir hingegen haben irgendwann beschlossen, dass es uns aus einem guten Grund gibt. Und dieser Grund sind wir fünf. Dieser Grund sind die Songs, die uns zufliegen. Dieser Grund sind die Menschen, denen diese Songs etwas bedeuten.
Etwas, das es für uns besonders wertvoll macht ist, dass wir lebendig sind. Wir sind relativ klein, wir sind relativ unbekannt, wir sind definitiv Underground. Wir sind aber im Gegensatz dazu auch völlig (!) unabhängig, wir sind auch stolz, wir sind vor allem allesamt Fans von guter Musik, und wir sind damit in erster Linie künstlerisch eins: glücklich! Und wir haben Bock!
Das letzte Jahr hat einfach mal wieder gezeigt, dass nichts, nichts, nichts, nichts, nichts, wirklich planbar ist. Im Grunde eine dieser schmerzhaften, aber heilsamen Lektionen, die einem wieder zeigen, was wichtig ist. Wenn dies denn nötig wäre. Denn wir wissen was uns wichtig ist. Aber im Vergleich zu dem was Menschen zustoßen kann, ist diese Band, so sehr ich sie auch liebe, eben einfach scheißegal.
Und so stehen wir hier - April 2015 - und werden am 16. Mai unser erstes Konzert seit über einem Jahr spielen. Und es fühlt sich so unsagbar gut und richtig und - jetzt zitiere ich sogar Frau Merkel - alternativlos an.
Im Grunde wollte ich hier nur einmal mehr sagen: danke! Danke, dass ich dieses Glück habe, Teil dieser Band zu sein!
Und ja: wir sind jetzt unsterblich, denke ich. Wir werden so lange da sein, wie es sein soll. Und es war jeden Meter, jede Sekunde wert!
Ich - ganz persönlich - bin sehr glücklich!
Und obschon wir fünf unfassbar unterschiedliche Menschen sind, mit fünf unfassbar unterschiedlichen politischen Ansichten, musikalische unfassbar unterschiedlichen Geschmäckern - oder gerade deswegen (?) - will ich, dass wir noch ganz lange da sind, viele Meter, viele Sekunden!
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Hier noch ein Miniinterview mit Philipp Kersting für Radio Ennepe Ruhr anlässlich des Gigs im Treff an der WerkStadt am 16.6.2015
Es gibt genügend Gründe Musik zu mögen, Musik zu lieben Musik zu leben, Musik zum Leben zu brauchen.
Der eine, der alles entscheidende Grund, der Ursprung, der Auslöser, der Anfang von allem - den legt ein jeder von uns selbst. Oder wird sanft darauf gestoßen. Zumeist unterstützt von pubertären Erlebnissen ganz gleich welcher Art - alles ist wichtig, wenn Du 14 bist!
Der Grund ist nicht selten ein Konzert. Ein den ganzen Körper - Herz, Bauch und Kopf - erfassendes Erlebnis. Und dabei ist es im Grunde genommen egal, welcher Art der Künstler ist, der einen da durchströmt - solange es nicht Florian Silbereisen* ist.
Es erfasst Dich. Es packt Dich. Es reißt Dich mit - und lässt Dich mitreißen. Und wenn das alles einigermaßen gut läuft, lässt es Dich nie wieder los. Dann bist Du besessen und gleichermaßen Besitzer.
Also verwaltet Euer vermögen mit bedacht und genießt es.
-----
*oder nat. Helene Fischer, Stefan Mross, Andrea Berg, Michael Wendler, Heino, Micki Krause, Andreas Gabalier, Hansi Hinterseer, Michelle, Revolverheld, Pur, Christina Bach etc. (komplette Liste bitte in einschlägigen Onlinemagazinen downloaden)
Der eine, der alles entscheidende Grund, der Ursprung, der Auslöser, der Anfang von allem - den legt ein jeder von uns selbst. Oder wird sanft darauf gestoßen. Zumeist unterstützt von pubertären Erlebnissen ganz gleich welcher Art - alles ist wichtig, wenn Du 14 bist!
Der Grund ist nicht selten ein Konzert. Ein den ganzen Körper - Herz, Bauch und Kopf - erfassendes Erlebnis. Und dabei ist es im Grunde genommen egal, welcher Art der Künstler ist, der einen da durchströmt - solange es nicht Florian Silbereisen* ist.
Es erfasst Dich. Es packt Dich. Es reißt Dich mit - und lässt Dich mitreißen. Und wenn das alles einigermaßen gut läuft, lässt es Dich nie wieder los. Dann bist Du besessen und gleichermaßen Besitzer.
Also verwaltet Euer vermögen mit bedacht und genießt es.
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*oder nat. Helene Fischer, Stefan Mross, Andrea Berg, Michael Wendler, Heino, Micki Krause, Andreas Gabalier, Hansi Hinterseer, Michelle, Revolverheld, Pur, Christina Bach etc. (komplette Liste bitte in einschlägigen Onlinemagazinen downloaden)
Weihnachten, mein Vater und warum die Ramones mich glücklich machen
Diese Nacht ist heilig, so sagt man. So glaubt man.
Und ich muss sagen, auch aus heutiger, erwachsener Sicht als lupenreiner Atheist (und ich möchte das lupenrein hier nicht in Gerhard Schröders pervertiertem Sinne verstanden wissen) ist sie etwas Besonderes, diese Nacht. Ich denke, das liegt daran, dass für einen kleinen Moment die Welt ein wenig zur Besinnung kommt. Sei es in Form überkitschter Traditionstümelei, sei es ein religiöses Zeremoniell, sei es das Zusammensitzen bei Speis und Trank, sei es ein Insichgehen, sei es etwas ganz anderes - eines ist jedoch irgendwie überall zu spüren: Diese Nacht ist anders als all die anderen Nächte.
Aber auch die frühen Kindheitserinnerungen - in meinem Fall ausnahmslos gute, möchte man heutzutage beinahe schlechten Gewissens hinzufügen - tragen ihr gerüttelt Maß hierzu bei.
Bei mir ist es schlicht die Erinnerung - und hier sind es zumeist die lieben, die geliebten Menschen, mit denen man diesen heiligen Abend, überhaupt das gesamte Weihnachtsfest hindurch verbringen durfte und noch immer darf und in Zukunft wird verbringen dürfen - oder auch eben nicht.
Nichts gegen diese Momente, die ich immer schon genoss: an diesem Tag ein paar Takte der derzeitigen Lieblingsmusik zu hören. Musik, die man auch an anderen Tagen hört, deren Noten jedoch seltsamerweise an diesem einen Tag so anders, so besonders klingen und eben für alle folgenden Jahre als besonders empfunden hängen bleiben werden - die Ramones mit dem für mich wohl bis in alle Ewigkeit so sakral klingenden, ganz persönlichen „Weihnachtslied“ „Something To Believe In“. Alice Cooper mit dem inzwischen etwa 40 Jahre alten „Coming Home“. Helloween seltsamerweise mit dem Thrashmetalkiller „Gorgar“.
Aber: dieses Erlebnis, diese Momente wären mir wohl kaum bewusst geworden, ohne die Menschen, die mir das Besondere zu vermitteln in der Lage waren. Und wieder meine ich es hier in feinster Weise religiös.
Früher, also meine ersten noch verfügbaren Erinnerungen an Heiligabend, an Weihnachten betreffend, war es irgendwie das Gefühl totaler Geborgenheit. Das ganze Drumherum, also viele Menschen, natürlich auch ungeliebte Verwandte, ein unglaublich faszinierender Weihnachtsbaum, logischerweise Geschenke, aber - und das war damals schon so - diese ganz eigene Magie, die natürlich von meinen Eltern künstlich, aber genial überzeugend aufgebaut wurde. Klar waren Geschenke wichtig und ich habe mich über alles wie irre gefreut, aber vom Gefühl her war es die Tatsache, dass alle zusammen saßen und niemand irgend etwas anderes vorhatte.
Dann als Heranwachsender, gerieten die Geschenke immer mehr in den Fokus des Interesses, keine Frage. Aber das Gefühl, dass alle zusammen ein Spiel spielten, empfinde ich noch heute als das Element, welches ich in dieser Zeit am meisten genoss.
Später, als „reifer“ Teenager (hüstel) war es anders, natürlich. Dieses Gefühl, sich über etwas beinahe Unumstößliches hinwegzusetzen, wenn man den Vormittag über in seiner Stammkneipe mehr als vorglühte, um dann dem tradierten Teil des Festes recht angeschickert beizuwohnen, war irgendwie der nötige Freischwimmer-Ausweis, um genau das gleiche Fest nur ein paar Jahre später wieder genießen zu können. Menschen sind seltsam. Ich bin es auch.
Irgendwie ist das Weihnachtsfest, dieser heilige Abend, ein untrüglicher Indikator dafür, dass Menschen, geliebte Menschen älter werden - spannender Weise spielt das eigene Altern bei mir hier so gut wie keine Rolle. Fehlen mir auch zwischendurch ein paar Facetten, Schritte, Etappen wie Menschen in den einzelnen Jahren so waren, stelle ich sie mir an Heiligabend vor, weiß ich ziemlich genau, wer wann was durch gemacht hat. Ich denke, mein Heiligabend ist so eine Art Zeitbremsklotz.
Eigentlich, und das ist mir nicht erst an diesem Heiligabend, in dieser heiligen Nacht bewusst, fehlt mir gerade jetzt - und das extrem und sehr explizit - mein verstorbener Vater, der mich noch vor 4 Jahren mit seiner wundervollen Art und als großer Melancholiker zu Weihnachten darauf aufmerksam machte, dass es im Leben immer Rückschläge gibt, dass nicht immer alles so wird, wie man es sich dann doch im Grunde wünscht, dass es aber doch jeder einzelne Moment wert ist - dass das Leben es wert ist. Ich habe so viel von ihm gelernt, ich trage so viel von ihm in mir, und ich muss sagen, ja, an diesen heiligen Abenden bricht es dann wieder hervor. Da ist er wieder so präsent, als säße er hier mit uns am Tisch. Er hat niemals mit mir Helloweens „Gorgar“ gehört, er kannte die Ramones und Alice Cooper nicht einmal, er hätte es auch rein musikalisch nicht verstanden. Aber - und eigentlich zählt nur das - er hat immer gewollt, dass ich höre, was ich mag, weil ich es liebe. Er hat gewollt, dass es mir gut geht, dass ich tue was ich liebe. Vielleicht ist Liebe hier auch einfach das Stichwort.
Er hat mit seiner Art seinen so lange ich lebe niemals verschwindenden Beitrag dazu geleistet, dass ich Weihnachten als etwas Besonderes, etwas Schönes empfinden und erleben kann. Er war nie gläubig, er hat es aber auch niemandem jemals ausreden wollen, der es war. Und so kommen mir bei den Gedanken über meinen Vater auch all die wahrhaft bigotten Diskussionen in den Sinn, die man hier und dort hören muss, ob denn „Ungläubige“ wie ich Weihnachten feiern dürfen, oder ob denn Moslems einen Weihnachtsbaum haben dürfen, all die Diskussionen, die Menschen von etwas ab- und ausgrenzen wollen.
Mein Vater ist als Kind in Zeiten des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen. Als Menschen an der politischen Macht wahren, die aus dem Ausgrenzen, der Angst vor Fremdem eine Staatsraison gemacht haben. Und wenn nun ich, immer noch Atheist, gerade jetzt - ausgerechnet zu Weihnachten - die marschierende Angst der Ungebildeten und Rückwärtsgerichteten auf unseren Straßen sehen muss, die den Hass und die blanke, irrationale Angst vor Fremden auf Plakaten vor sich hertragen, schäme ich mich ein klein wenig vor ihm. Er würde den Kopf schütteln, von den Zeiten seiner Kindheit reden, und davon, dass man gerade als Kind einer solchen Inszenierung natürlich auch aufsitzen könne, aber dass es für derartige Hetztiraden von Erwachsenen gegen Menschen, die flüchten müssen, gegen „Fremde“, gegen Minderheiten keine Entschuldigungen gebe. Recht hätte er. Recht hatte er.
Und bei all dem denke ich: Ihr Spießer, Ihr Intoleranten, all Ihr Hasser, Ihr Vorschriftenmacher, Ihr „wahren“ Werteverteidiger - vielleicht gibt es einen Grund oder einen Auslöser in Eurer Kindheit, Eurer Biografie, die Euch das Hassen gelehrt hat, die es Euch leicht macht, Eure Parolen zu schwingen. Aber als Kind der Freiheit, und als solches werde ich mich Zeit meines Lebens empfinden, kann ich Euch, gerade in dieser einen Nacht, die mich melancholisch stimmt, aber auch aufbringt, gegen jedwedes Gedankengut, welches die Rechte, das Glück, die Lebensqualität von anders Denkenden beschränkt, nur sagen:
Kümmert Euch um Euch selbst, kommt klar mit was auch immer Euch an einem glücklichen Leben hindert, werdet aktiv. Aber tut es für Euch - nicht gegen jemanden.
Ansonsten kommt es für Euch ohnehin so, wie im Helloween-Song: „Gorgar will eat you!“ - Und das wollt Ihr nicht.
Ich freue mich für jeden von Euch von Herzen, der, die oder das es schafft glücklich zu sein.
Habt eine wundervolle Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch.
Die Musik ist der Religion nicht ganz unähnlich – und doch komplett anders. Musik will Dich nicht bevormunden – Musik will Dich befreien. Musik will nicht Deine ungeteilte Liebe – und bekommt sie am Ende doch. Musik erwartet nicht, dass Du Dein Leben nach Ihr ausrichtest – und doch schenkst Du Ihr Deine Seele. Musik will nicht Deinen Gehorsam – sie schärft Deinen Verstand, Deine Aufmerksamkeit, Deinen Widerstand, Deinen Enthusiasmus, Deine Hingabe.
Die Musik die all das in mir auslöst, und das ungeteilt zu jeder Zeit, in jeder Situation, in jeder Lebenslage, die mir ihre Energieschübe direkt ins Herz schießt, die mich zuverlässig aus jedem Tief herausholt oder die mir auch schon mal kräftig in den Arsch tritt, wenn ich mich in Selbstmitleid suhle ist ganz real, bodenständig, geerdet, voll von anarchistischer Wut, poetischer Wucht, wärmender Liebe, beißender Kritik, glühender Energie, ergreifender Schutzlosigkeit - schlicht von einer Ehrlichkeit, die, von einem Menschen zu verlangen, beinahe zu viel verlangt wäre. Diese Musik, die mich antreibt, mich inspiriert, die mir anstelle beschissener Produkt-Versprechen, wie etwa der stinkenden Red Bull-Flügel, verlässlich die Erhabenheit verleiht, das was ich tue, mit genau dem kleinen Bisschen mehr an Energie und Liebe zu tun, damit es besonders wird, diese Musik kommt von boysetsfire.
Und eben jenen zu Ehren pilgern wir am 9. August 2012 wieder alle nach Köln. Die einzige Angst, die sich vorab in mir auf den kleinen Hocker neben Sofas voller Vorfreude und grundgut gelaunter Stimmung setzt, gibt sich tumb dem befürchteten Dämpfer hin, dass ich schlicht zu viel erwarten könnte, von dieser im Jahre 2007 in großer Freundschaft und in herzzerreißenden Abschiedsshows aufgelösten Ausnahmeband, dessen unausweichliche Rückkehr nicht nur ich mit Erleichterung bejubelt habe. Vorweg: Die Angst was nicht nur unbegründet, die Angst war dumm – aber so ist es immer mit der Angst – sie ist dumm! Diese Band ist und bleibt ein Bollwerk des Hardcore, eine Institution des Wir-Gefühls. Das Sprachrohr inzwischen mehrerer Generationen von Freigeistern, von Menschen, die Politik nicht schlicht als Übel wahrnehmen, sondern, als eine Herausforderung begreifen, der es sich zu stellen gilt. Jeder auf seinem Gebiet, jeder wie er kann, nichts muss, aber alles, alles geht – und Du bist niemals alleine dabei! Du hast Verbündete. Und von diesen Verbündeten ist die Kölner Essigfabrik am diesem heutigen Abend bis zum Bersten gefüllt. Zunächst sogar unangenehm gefüllt.
Nichts gegen die Vorbands dieses Abends, wer wäre ich, diese abzukanzeln, zu vergleichen oder gar schlecht zu reden. Viel zu oft hat man Top-Acts erlebt, die den Bands, die für sie eröffnen entweder nur einen schrecklichen Sound zubilligen, oder sich sonstwie diesbezüglich als Ekel erweisen. Nicht so boysetsfire. Und das nicht nur, weil sie es nicht nötig haben, sondern viel mehr, weil es gegen alles ginge, für das diese Band steht. Aber Fakt ist leider auch: Gegen diese Band hat niemand wirklich eine Chance. So gesehen ist es eine Ehre, aber auch eine ebensolche Bürde, für sie zu eröffnen. An dieser Stelle also noch einmal einen großen Respekt an Red Tape Parade und Off With Their Heads.
Als schließlich das BSF-Backdrop-Banner mit dem Slogan „While a nation sleeps“ über der Bühne thront, kann man die allgemeine Vorfreude bei wirklich jedem im Saal spüren. Übrigens sind die Leute hier – wie eigentlich bei allen Hardcore-Konzerten mal wieder einfach nur nett, kommunikativ und hilfsbereit – was sich nicht nur im kollektiven Abgeben einer im Tumult gefundenen Brille beim boysetsfire-Sänger Nathan Gray und dessen akribischer Suche nach dem Besitzer zeigte. An dieser Stelle einen unbekannten Gruß, an den halbnackten jungen Mann, der sich mit mir vor der Bühne verbrüdern wollte, die Augen tränennass vor Emotionalität beim finalen Ruf „Redemption`s all we need!“. Doch ich greife vor. Schon vor dem ersten Ton ist plötzlich alles klar. Ich habe keine Ahnung warum, aber jeglicher Zweifel zu viel zu erwarten, erstirbt und macht Platz für dieses wohlig-warme, aber angenehm aufgeregte Bauchgefühl, dass man verspürt, wenn man urplötzlich genau weiß, dass man jetzt genau, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist.
Und dann geht es nicht nur los, es wird entfesselt. Von der ersten Textzeile an, singen, schreien nahezu alle Anwesenden jedes einzelne Wort, das von der Bühne schallt, synchron und unfassbar textsicher zur, ob dieser Tatsache, sichtlich gerührten und enthusiastisch aufspielenden Band zurück – obwohl sie es eigentlich gewöhnt sein müssten. Das ganze Konzert ist von Anfang an eine Familienzusammenführung – man kennt sich nicht, aber fühlt sich zu Hause. Es ist ein Hochamt derjenigen, die nicht nur die unfassbare Energie der Band zu schätzen wissen, sondern, die jeder einzelnen Zeile den Respekt geben, die sie verdient. Sogar das vom Band eingespielte, pathetische Intro zu „Walk Astray“ wird derart laut und mit Leidenschaft mitgesungen, dass der 1000-köpfige Chor mit „I don`t wanna sing about freedom anymore“ jedes einzelne Haar auf dem Arm senkrecht zu Berge stehen lässt.
Bei großen, bekannten Bands würde man wohl von einem Hitfeuerwerk reden. Aber bei dieser in unseren Herzen wahrhaft großen Band, ist schlicht jeder Song ein Höhepunkt voller Erinnerungen, voller Emotionen, voller Kampfgeist. Und das Schönste zwischen diesen so lieb gewonnenen Songs ist, dass sich die neuen hier nahtlos einreihen und sofort in die Familie aufgenommen werden, was vielleicht auch daran liegt, dass BSF die Lyrics zu „Bring Back The Fight“, „Until Nothing Remains“ und „Let It Go“ bereits als Download auf boysetsfire.org zur Verfügung stehen. Auch wenn ich nach wie vor nicht hinter das Geheimnis von Nathan Grays Stimme komme und warum dieser Mann nicht nach jedem Song für mehrere Wochen heiser ist, gibt es kaum einen schöneren Anlass, um angeschrien zu werden (und die Möglichkeit zurück zu brüllen), als die großartigen Kampfrufe „With your anger! - With your fucking rage!“ und das legendäre „Rise“. Und so könnte ich hier nahtlos an die hundert Gänsehautmomente aufzählen, die mich irgendwann nur noch debil grinsend in diesem Tumult stehen ließen, mir bewusst werdend, dass ich genau das hier nicht nur gerade jetzt, sondern für immer brauchen werde. Es ist eine Sucht, ein Sog, der einen niemals mehr loslassen wird, aber eben eine Sucht, die Dich nicht lähmt und tötet, sondern die Dir die positivste Energie Deines Lebens gibt und Dich spüren lässt, dass Du am leben bist.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich sind diese Songs – natürlich gerade live – das Lebenselexier, was mich auf der Stelle dazu ermuntert, kreativ zu werden, etwas zu erschaffen, auf das ich stolz sein kann, mich nicht in Selbstmitleid oder Agonie zu versenken, sondern nach vorne zu blicken und loszurennen!
Und gleichzeitig bin ich an diesem Abend mal wieder unsagbar stolz auf diese Jungs, diese eine Band auf Augenhöhe, obwohl ich niemanden von ihnen privat kenne. Ja, das geht. Eine Band, die derart lange und auf so hohem Niveau ihr Herzblut in eine Sache steckt, die anderen soviel Mut macht, die ihre Kunst mit derart hochwertigen, wie poetischen, einfach mitreißenden Texten krönt, hat mehr als meinen Respekt verdient! Ich wünsche uns allen ein wundervolles, neues Album und ich wünsche boysetsfire, dass sie ihren Weg unbeirrt weitergehen, aber auch, dass sie weiterhin nicht zur Stadionband mutieren, denn an diesem Abend wird es wieder sehr deutlich: so schwer es mitunter ist an Bier zu kommen, und es – ohne die Hälfte über andere Menschen zu kippen – irgendwie zu trinken, so genial und wichtig ist diese schwüle Hitze, dieser enge, unfassbar laute Kessel für den Hardcore, eine der ehrlichsten Musikrichtungen überhaupt. Hier wird gearbeitet, schwer gearbeitet. Und das seitens der Band, als auch vom Publikum. Hier werden Energien zu gleichen Teilen ausgetauscht, es gibt kein „Ihr da oben – wir hier unten“, es gibt nur Menschen, die sich gegenseitig ihre Leidenschaft schenken. Und genau so will ich das haben!
Wer so brennt wir BSF, wird niemals ausbrennen.
Für immer!
Und hier gibt`s ein paar schicke Fotos vom Gig:
http://www.musicheadquarter.de/live/fotos/fotos-von-boysetsfire-tour-2012-am-09-08-in-der-essigfabrik-in-koeln/
Die Musik die all das in mir auslöst, und das ungeteilt zu jeder Zeit, in jeder Situation, in jeder Lebenslage, die mir ihre Energieschübe direkt ins Herz schießt, die mich zuverlässig aus jedem Tief herausholt oder die mir auch schon mal kräftig in den Arsch tritt, wenn ich mich in Selbstmitleid suhle ist ganz real, bodenständig, geerdet, voll von anarchistischer Wut, poetischer Wucht, wärmender Liebe, beißender Kritik, glühender Energie, ergreifender Schutzlosigkeit - schlicht von einer Ehrlichkeit, die, von einem Menschen zu verlangen, beinahe zu viel verlangt wäre. Diese Musik, die mich antreibt, mich inspiriert, die mir anstelle beschissener Produkt-Versprechen, wie etwa der stinkenden Red Bull-Flügel, verlässlich die Erhabenheit verleiht, das was ich tue, mit genau dem kleinen Bisschen mehr an Energie und Liebe zu tun, damit es besonders wird, diese Musik kommt von boysetsfire.
Und eben jenen zu Ehren pilgern wir am 9. August 2012 wieder alle nach Köln. Die einzige Angst, die sich vorab in mir auf den kleinen Hocker neben Sofas voller Vorfreude und grundgut gelaunter Stimmung setzt, gibt sich tumb dem befürchteten Dämpfer hin, dass ich schlicht zu viel erwarten könnte, von dieser im Jahre 2007 in großer Freundschaft und in herzzerreißenden Abschiedsshows aufgelösten Ausnahmeband, dessen unausweichliche Rückkehr nicht nur ich mit Erleichterung bejubelt habe. Vorweg: Die Angst was nicht nur unbegründet, die Angst war dumm – aber so ist es immer mit der Angst – sie ist dumm! Diese Band ist und bleibt ein Bollwerk des Hardcore, eine Institution des Wir-Gefühls. Das Sprachrohr inzwischen mehrerer Generationen von Freigeistern, von Menschen, die Politik nicht schlicht als Übel wahrnehmen, sondern, als eine Herausforderung begreifen, der es sich zu stellen gilt. Jeder auf seinem Gebiet, jeder wie er kann, nichts muss, aber alles, alles geht – und Du bist niemals alleine dabei! Du hast Verbündete. Und von diesen Verbündeten ist die Kölner Essigfabrik am diesem heutigen Abend bis zum Bersten gefüllt. Zunächst sogar unangenehm gefüllt.
Nichts gegen die Vorbands dieses Abends, wer wäre ich, diese abzukanzeln, zu vergleichen oder gar schlecht zu reden. Viel zu oft hat man Top-Acts erlebt, die den Bands, die für sie eröffnen entweder nur einen schrecklichen Sound zubilligen, oder sich sonstwie diesbezüglich als Ekel erweisen. Nicht so boysetsfire. Und das nicht nur, weil sie es nicht nötig haben, sondern viel mehr, weil es gegen alles ginge, für das diese Band steht. Aber Fakt ist leider auch: Gegen diese Band hat niemand wirklich eine Chance. So gesehen ist es eine Ehre, aber auch eine ebensolche Bürde, für sie zu eröffnen. An dieser Stelle also noch einmal einen großen Respekt an Red Tape Parade und Off With Their Heads.
Als schließlich das BSF-Backdrop-Banner mit dem Slogan „While a nation sleeps“ über der Bühne thront, kann man die allgemeine Vorfreude bei wirklich jedem im Saal spüren. Übrigens sind die Leute hier – wie eigentlich bei allen Hardcore-Konzerten mal wieder einfach nur nett, kommunikativ und hilfsbereit – was sich nicht nur im kollektiven Abgeben einer im Tumult gefundenen Brille beim boysetsfire-Sänger Nathan Gray und dessen akribischer Suche nach dem Besitzer zeigte. An dieser Stelle einen unbekannten Gruß, an den halbnackten jungen Mann, der sich mit mir vor der Bühne verbrüdern wollte, die Augen tränennass vor Emotionalität beim finalen Ruf „Redemption`s all we need!“. Doch ich greife vor. Schon vor dem ersten Ton ist plötzlich alles klar. Ich habe keine Ahnung warum, aber jeglicher Zweifel zu viel zu erwarten, erstirbt und macht Platz für dieses wohlig-warme, aber angenehm aufgeregte Bauchgefühl, dass man verspürt, wenn man urplötzlich genau weiß, dass man jetzt genau, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist.
Und dann geht es nicht nur los, es wird entfesselt. Von der ersten Textzeile an, singen, schreien nahezu alle Anwesenden jedes einzelne Wort, das von der Bühne schallt, synchron und unfassbar textsicher zur, ob dieser Tatsache, sichtlich gerührten und enthusiastisch aufspielenden Band zurück – obwohl sie es eigentlich gewöhnt sein müssten. Das ganze Konzert ist von Anfang an eine Familienzusammenführung – man kennt sich nicht, aber fühlt sich zu Hause. Es ist ein Hochamt derjenigen, die nicht nur die unfassbare Energie der Band zu schätzen wissen, sondern, die jeder einzelnen Zeile den Respekt geben, die sie verdient. Sogar das vom Band eingespielte, pathetische Intro zu „Walk Astray“ wird derart laut und mit Leidenschaft mitgesungen, dass der 1000-köpfige Chor mit „I don`t wanna sing about freedom anymore“ jedes einzelne Haar auf dem Arm senkrecht zu Berge stehen lässt.
Bei großen, bekannten Bands würde man wohl von einem Hitfeuerwerk reden. Aber bei dieser in unseren Herzen wahrhaft großen Band, ist schlicht jeder Song ein Höhepunkt voller Erinnerungen, voller Emotionen, voller Kampfgeist. Und das Schönste zwischen diesen so lieb gewonnenen Songs ist, dass sich die neuen hier nahtlos einreihen und sofort in die Familie aufgenommen werden, was vielleicht auch daran liegt, dass BSF die Lyrics zu „Bring Back The Fight“, „Until Nothing Remains“ und „Let It Go“ bereits als Download auf boysetsfire.org zur Verfügung stehen. Auch wenn ich nach wie vor nicht hinter das Geheimnis von Nathan Grays Stimme komme und warum dieser Mann nicht nach jedem Song für mehrere Wochen heiser ist, gibt es kaum einen schöneren Anlass, um angeschrien zu werden (und die Möglichkeit zurück zu brüllen), als die großartigen Kampfrufe „With your anger! - With your fucking rage!“ und das legendäre „Rise“. Und so könnte ich hier nahtlos an die hundert Gänsehautmomente aufzählen, die mich irgendwann nur noch debil grinsend in diesem Tumult stehen ließen, mir bewusst werdend, dass ich genau das hier nicht nur gerade jetzt, sondern für immer brauchen werde. Es ist eine Sucht, ein Sog, der einen niemals mehr loslassen wird, aber eben eine Sucht, die Dich nicht lähmt und tötet, sondern die Dir die positivste Energie Deines Lebens gibt und Dich spüren lässt, dass Du am leben bist.
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich sind diese Songs – natürlich gerade live – das Lebenselexier, was mich auf der Stelle dazu ermuntert, kreativ zu werden, etwas zu erschaffen, auf das ich stolz sein kann, mich nicht in Selbstmitleid oder Agonie zu versenken, sondern nach vorne zu blicken und loszurennen!
Und gleichzeitig bin ich an diesem Abend mal wieder unsagbar stolz auf diese Jungs, diese eine Band auf Augenhöhe, obwohl ich niemanden von ihnen privat kenne. Ja, das geht. Eine Band, die derart lange und auf so hohem Niveau ihr Herzblut in eine Sache steckt, die anderen soviel Mut macht, die ihre Kunst mit derart hochwertigen, wie poetischen, einfach mitreißenden Texten krönt, hat mehr als meinen Respekt verdient! Ich wünsche uns allen ein wundervolles, neues Album und ich wünsche boysetsfire, dass sie ihren Weg unbeirrt weitergehen, aber auch, dass sie weiterhin nicht zur Stadionband mutieren, denn an diesem Abend wird es wieder sehr deutlich: so schwer es mitunter ist an Bier zu kommen, und es – ohne die Hälfte über andere Menschen zu kippen – irgendwie zu trinken, so genial und wichtig ist diese schwüle Hitze, dieser enge, unfassbar laute Kessel für den Hardcore, eine der ehrlichsten Musikrichtungen überhaupt. Hier wird gearbeitet, schwer gearbeitet. Und das seitens der Band, als auch vom Publikum. Hier werden Energien zu gleichen Teilen ausgetauscht, es gibt kein „Ihr da oben – wir hier unten“, es gibt nur Menschen, die sich gegenseitig ihre Leidenschaft schenken. Und genau so will ich das haben!
Wer so brennt wir BSF, wird niemals ausbrennen.
Für immer!
Und hier gibt`s ein paar schicke Fotos vom Gig:
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