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Solange es Frauen gibt, die ihre Handtasche in der Armbeuge tragen, ist die Gleichberechtigung ein fernes, schier unerreichbares Ziel.
Solange es ein kühl kalkuliertes Produkt wie Helene Fischer in die Herzen der Menschen schafft, ist Kunst für die breite Masse der Gesellschaft nur eine Randerscheinung.
Solange es Menschen gibt, die sich in ihrem unwürdigen, auf Angst und augenscheinlicher Bildungsferne fußenden Gebaren, gleich eines präfaschistischen Mobs, nicht einmal der offenbaren Peinlichkeit ihres Tuns bewusst sind und die ernsthaft glauben, man würde sich ihrer nicht erwehren, ist die Evolution des Menschen scheinbar noch nicht abgeschlossen.
Solange unvollendete evolutionäre Prozesse, intellektuelle Randerscheinungen und unerreichbare Ziele den Diskurs des Mainstreams bestimmen, bleibe ich der, der dagegen ist.


Es gibt ja diese einhellig kolportierte Meinung, dass 2016 ein durch und durch schreckliches Jahr, voller Verluste, neuer Bedrohungen und allesamt negativer Entwicklungen war. Ich persönlich finde das völlig subjektiv und denke, das Jahr hat dieses Bashing nicht verdient.

Klar, jeder von uns hat seine persönlichen Niederlagen und Verluste zu beklagen. Das sei auch niemandem genommen, das ist in jedem Jahr das gleiche. Aber sonst? Was ist denn anders als in jedem anderen Jahr? Was ist denn so kollektiv furchtbar, dass Ihr glaubt, Euch von Angst und Zweifeln beherrschen lassen zu müssen?

Leben wir nicht nach wie vor in einem Land, dass sowohl sozial, als auch kulturell, ja sogar auch wirtschaftlich – von mir aus nehmt auch den Sport dazu – immer noch wie das verdammte Paradies wirken muss, wenn man einmal die Größe hat, von außen drauf zu schauen? Natürlich gibt es Menschen, denen geht es schlecht, Menschen denen das Leben übel mitgespielt hat. Aber jenseits von bedauernswerten Einzelschicksalen, die ich hier auch gar nicht klein reden möchte, wem von Euch, die Ihr Euch in meinem Dunstkreis bewegt, geht es denn wirklich schlecht, weil – und das ist der springende Punkt – weil der ach so böse Staat, die allesamt so durch und durch korrupten Politiker, auf die Ihr immer so schimpft (weil es Euch erlaubt, und genau die Tatsache sogar gewollt ist), die Demokratie, die Ihr nutzt, als wäre es eine Option und keine Pflicht, weil die alle Euch etwas weggenommen haben, was Euch zusteht?

Habt Ihr nicht alle in diesem Jahr wesentlich mehr Terror erwartet? Ich schon. Mussten wir nicht eigentlich mit viel mehr Anschlägen rechnen, als es dann hinterher waren? Und das nicht wegen der Masse an Flüchtlingen, die Deutschland dankenswerterweise die Eier hatte, vor Krieg und Elend zu bewahren, sondern wegen der weltpolitischen Lage, in der wir natürlich eine Rolle spielen. Ich habe keine, null Angst vor einem Terroranschlag, bin mir aber sicher, dass wir noch einige werden erleben müssen. Aber woraus schürt sich denn hier Eure Angst? Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein? So wie bei einem Flugzeugunglück, bei einem Verkehrsunfall, bei einem Herzinfarkt? Macht Euch dieses blöde Wort Terror mehr Angst, als Euer eigenes Leben? Das wäre schade. Die einzige Waffe, die es gegen Terror von, aus verschiedensten Gründen, ihr eigenes Leben wegschmeißenden Menschen gibt, ist Gelassenheit. Ich will nicht einmal von Desinteresse reden, aber wenn ich den – von mir in diesem Land hoch geschätzten – Medien eines vorwerfen kann, dann doch, dass sie jeglichen Zwischenfall bis zum Exzess pushen, mit Sondersendungen belohnen, also Arschlöchern indirekt Sendezeit einräumen, die sie nicht verdient haben. Menschen streben nach Macht, koste es was es wolle, da geht es dem IS-CEO nicht anders, als einem Erdogan.

Und ja, die Gesellschaft scheint gespalten zu sein. Aber eben nicht in Ethnien, soziale Schichten oder Religionen. Im Grunde kommen wir hier nämlich verdammt gut miteinander aus. Deutschland ist vor Allem mitnichten gespalten in zwei gleich große Teile, sondern in eine kleine, unzufriedene Hassgesellschaft, die es sich buchstäblich auf die Fahnen geschrieben hat, keine Lösungen, sondern Schuldige zu benennen, und in die überwiegende Mehrheit, die sich mit den Störenfrieden, die die pure und tumbe Menschenfeindlichkeit vor sich her tragen, meines Erachtens – noch – zu nachgiebig zeigt. Wie blöd man sein muss, um als vermeidlich "Abgehängter" diejenigen zu wählen, die einen am meisten verachten, vermag man vielleicht nach der US-Wahl wenigstens zu erahnen, wo das Proletariat einen zynischen Milliardär auf den Schild gehoben hat, um das Establishment abzustrafen. Ich möchte das Wort postfaktisch nicht überstrapazieren, aber seit Erfindung der Religion, war wenig postfaktischer als das Wählerverhalten der Menschen in diesem Jahr. Dennoch: 2016 ist auch hier keine Ausnahme.

Und dann die ganzen, ach so spontan und in Masse verstorbenen Künstler. Als wirklicher Fan ist man immer traurig, wenn ein verehrter Musiker das Zeitliche segnet, aber 2016 hat hier auch im Grunde nur die von uns genommen, die entweder bereits gesegnet alt, besonders drogenaffin oder schlicht unheilbar krank waren. Alles wie immer. Das ist 2016 nicht anders, als in jedem anderen Jahr. Nur dass es hier wohl den Mainstream besonders getroffen hat. Und genau hier ist dann auch der Boulevard eine besonders mächtige Betroffenheitsmaschine. Ich persönlich kann mich nicht erinnern Tränenmeere gesehen zu haben, als 2015 Phil Taylor, Chris Sqiere oder Robert "Bob" Burns gestorben sind. Lemmy mag da die große Ausnahme sein. Auch hier scheint der kommerzielle Erfolg den Grad der Anteilnahme im Todesfall zu bestimmen. Das ist ja auch alles vollkommen in Ordnung, so lange man nicht hinterher lesen müsste, dieser oder jene wäre "der wohl beste Künstler seiner Zeit", "ein Ausnahmetalent" oder was weiß ich noch gewesen. Die meisten der Beklagten, waren schlicht große Popstars, was an sich bereits eine anständige Leistung ist.

Ich denke, dass man einfach gerne in jedem Jahr ein Superlativ kolportieren möchte. Einfach nur, damit es diese Dramatik bekommt, nach der wir geistig Verarmenden lechzen. Und 2016 musste eben als Katastrophenjahr herhalten. Nun kann sich so ein Jahr ja auch schlecht wehren, vermutlich ist es ihm auch herzlich einerlei, was wir von ihm halten. Ich möchte Dir hinterher werfen, liebes 2016, wannanders war auch scheiße. Alles halb so wild.

Wenn ich mir für Deinen Nachfolger etwas wünschen dürfte, dann wäre das etwas mehr Gelassenheit, etwas weniger Hass, etwas mehr Massensterben unter Diktatoren (ist so`n Resthassding), mehr Bildung für alle, ein paar ernsthaft juckende Furunkel am Hintern für alle Chauvinisten, die glauben, dass ein Mensch besser wäre, als ein anderer, das Abebben von religiösen Gefühlen, so sie sich nicht nach innen, sondern auf andere richten, einen Aubameyang, der einen 5-Jahresvertrag beim BVB unterschreibt, mehr Gönnen, als Neiden, und dass Demokraten auch wieder zu Wahl gehen, um menschenverachtende Parteien in die Schranken zu verweise, die sie in den Köpfen kultiviert haben.  

 
Die Empfindsamen, die Aufrechten, die Denkenden, die Kreativen und die Wütenden - unterschiedlich in Stilmittel, Intensität oder Ausdruck. Aber sie alle eint, dass sie auf der richtigen, weil menschlichen Seite stehen (und die ist dieser Tage nicht die rechte Seite). Sie alle eint, dass sie ihre Kunst nicht um der Kunst willen machen und schon gar nicht für Reichtum.
Sie alle eint, dass sie Stellung beziehen - etwas das dieser Tage jeder von uns tun kann, tun muss, um nicht eines Tages wie der berühmte Ochs vorm Berg zu stehen, wenn einen die Kinder danach fragen: "Warum habt Ihr nichts gemacht?" Es gibt derzeit so unsagbar viele großartige deutsche Bands, die mit Herzblut bei der Sache sind
und etwas zu sagen haben. Und Ihr hört allen Ernstes Helene Fischer und 50 Cent?
Ich verneige mich vor der Wortgewalt der Subkultur (wenn Ihr mögt, hört rein):

Adam Angst "Splitter von Granaten" Putin rennt durch Wälder und killt Bären zum Vergnügen
und gibt grünes Licht, um Homosexuelle zu verprügeln.
Gesetze werden über Nacht erlassen und diktiert,
doch die NPD zu verbieten ist sehr kompliziert.


GWLT "Die Grundmauern der Furcht" Oder kein Ausweis, eine Gefahr. Er passt nicht rein, in den
reinlichen Staat, passt nicht rein, nicht in das was ich mag soll er heim, auch wenn es keines gibt, Fucker schieb ab! Weil es bevor du hier warst noch keinen Krieg gab. Ich glaub alles was der Stammtisch sagt.

Sie haben uns aufgeteilt in Länder, in Klassen und Kulturen.
Jetzt kämpfen wir gegeneinander und wissen nicht, wofür.
So lang wir weiter glauben, dass wir verschieden sind, bleiben wir ihre Sklaven.
Wir brauchen diese Schutzhaft nicht.

Und die schlimmste Frage von allen:
Dürfen die das? Sich einfach so vermehren?
Ihr Weltbild etablier`n? Unterm imaginären Hakenkreuz? Und die andere Frage: Willst Du die Welt den Wixern überlassen? Bist Du jetzt bereit? Ich frag Dich: Bist du jetzt bereit?

Weißt du es sind Leichen
Stehen rum und frieren
Viele sind gespalten
Teile gibts nicht mehr
Glaub nicht an die Menschen
Arme oder Reich
Die meisten sind Verlierer
Sie können nicht dafür

Hat alles vorher nichts gebracht?
Dann zieh Dich hoch am Fahnenmast.
Woanders hat's auch funktioniert,
Frankfurter Klöpse, unrasiert.
Wald und Wiesen, Berg und Tal,
Allen vier seid ihr egal.
Weil Dummheit dann gefährlich ist,
Wenn sie für Dich von Heimat spricht.


Frei zu sein bedeutet, Freiheit zu schenken. Die Beine nie zu schwer, um auch dafür zu kämpfen. Frei zu sein bedeutet, Freiheit zu schenken. Kein Kopf in den Sand, kein Stolz keinem Land. Bleibt stehen, trotzt der braunen Pest um Kopf und Kragen. Wer, wenn denn nicht wir?
Es gibt einen Weg zu gehen, und der heißt: Niemals dran vorbei. Wir sind uns einig, dass ich euch hier keinen Meter weichen werde. Auf zwei von denen kommen zehn von uns.

Und dann schielt Ihr mal weder auf meine Hand
Und ich soll mit Euch geh`n
Was Ihr wirklich glaubt, was Ihr wirklich denkt,
Ha`m wir in Dessau geseh`n.


Ich kann`s nur empfehlen, hören müsst Ihr`s selbst.


Zunächst: ich mag Museen. Egal ob zeitgenössische Kunst oder alte Meister, Ramones oder alte Bügeleisen, Schokolade oder Naturkunst. Bier oder Skulpturen. Das muss ich vorweg schicken, da Sie sonst meinen könnten, ich wäre ein Museumsgegner.

Ich bin weiß Gott inzwischen, bis auf ein paar Ausnahmen, kein Sammler und Horter mehr, aber ich mag den Gedanken, dass sich Menschen um Dinge kümmern. Dass es für jede Sache im Grunde jemanden gibt, der sich verantwortlich fühlt. Ich mag die die Bewahrer, die Beschützer.

Was mir aber just bei dem Bummel durch das Museum Ludwig wieder aufgefallen ist, ist das sich mit Betreten, zumindest eines klassischen Museums, auffallend verändernde Verhalten der Besucher. War man zuvor noch in lautstarke Unterhaltungen vertieft, verfällt man nun in ehrfürchtigen Flüsterton. Ging man bis zur Kasse noch strammen Schrittes, schreitet man spätestens ab der Garderobe geradezu über den spiegelnden Boden und gelangt unwillkürlich in jenen langsamen Schlurfgang, der einem bereits nach 30 Minuten die Beine schwer wie Blei werden lässt.

Ich schätze es ist die Mischung aus der Erhabenheit, die die Kunstwerke ausstrahlen und ein leicht devotes Verhalten ihnen gegenüber einfordert und der einschüchternden Präsenz der allgegenwärtig herum stehenden Museumsaufpasser. Im übrigen einer - so glaube ich - der zermürbendsten Jobs überhaupt. Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob die "Ja nicht zu nah rangehen"-Aufpasser (die nirgendwo schärfer sind, als die Beißer im Essener Museum Folkwang) allesamt Holzbeine haben und lobotomisiert sind, anders kann ich mir auf jeden Fall nicht erklären, dass man diese körperliche wie geistige Stoik ertragen kann.



Doch zurück zu meinen Beinen und ihrem seltsamen Verhalten. Ausgedehnte Museumsbesuche killen mich körperlich genauso, wie stundenlanges Bummeln (da ist es wieder) durch die zubetonierten Einkaufsmeilen der Städte. So gesehen, müssten Frauen für Museumsbesuche geradezu trainiert sein und eventuell sogar besondere Beinmuskeln dafür ...  aber ich schweife schon wieder ab.

Der Gang, dieses Schleichen, lediglich unterbrochen von regelmäßigem Stehenbleiben, was der Ermüdung der Beine nicht gerade entgegen wirkt, geht zumeist einher mit einer die geistige Rezeption des Gesehenen ausdrückenden Körperhaltung, die besonders bei Männern im Diearmehinterdemrückenverschränken gipfelt. Dazu gerne der nach vorne geschobene Hals, zumeist um die kleinen Schildchen lesen und so dann mit dem gerade erworbenen Halbwissen glänzen zu können. 

Wenn man dann aber spricht, beispielsweise um seiner Begleitung die Zusammenhänge der Welt der Kunst zu erklären, geschieht das in einer beinahe pastoralen Art, das Gesicht nicht dem Gesprächspartner, sondern dem Kunstwerk zugeneigt, welches geradezu wissenschaftlich besprochen wird. Irgendwo zwischen Flüstern und Raunen kullern mittelkluge Worte in den für ein Verhallen zumeist recht anfälligen Raum und unterhalten alle Umstehenden, die wiederum arg mit ihren schmerzenden Beinen ringen und kollektiv die "Storch im Salat"-Taktik anwenden, weil sie glauben, abwechselndes Anwinkeln der Beine bis unter den Po, könnte ihre Leiden lindern. Kann es nicht. Sieht dafür aber scheiße aus.

Kurzum, der museale Kunstgenuss ist ein rein geistiger, der proportional mit körperlicher Qual einher geht und die Menschen bescheuert aussehen lässt. Aber immerhin gekünstelt, was ja dann wieder passt.

Aber wie ich eingangs schon erwähnte:
ich mag Museen.


Ich wette, kurz vor Ende dieses Blogs werdet Ihr nicht erraten, worauf ich anfangs hinaus wollte. Ich gestehe auch, die Kurve ist abenteuerlich.  

Diskussionen über das Recht und die Pflicht zur Party (reminiszieren Sie mit mir bitte an dieser Stelle so ungleiche Bands wie die Beasty Boys und die Rodgau Monotones) auf die Seite schiebend, möchte ich - ein gefühlter Ritter der Ernsthaftigkeit - meine Lanze brechen. Ich tue dies im Angedenken eines bedrückenden Grundgefühls, welches ich als junger Mensch in den 80ern beständig mit mir herum trug.

Wann immer ich mich entspannt und frei wähnte, haben mir die 80er dieses Unwohlsein eingepflanzt, dass eigentlich zu jeder Sekunde das Ende nicht nur nah, sondern bereits da sein konnte. Im Grunde war mir - und ich denke, ich war da nicht allein - die Möglichkeit eines Atomkrieges zu jeder Sekunde bewusst. Man kann sagen, ich hatte Angst. Nicht immer akut, aber unter der Oberfläche immer. Es gab viele Momente, da ich den Blick zum Himmel wandte, und irgendwie schlicht damit rechnete, dort einen hellen Blitz zu erblicken.

 Vielleicht haben Filme wie "The Day After" ihren Teil dazu beigetragen, diese ohnehin vorhandenen Ängste zu schüren und zu verfestigen, die Bedrohung war jedenfalls so real, wie das Gefühl. Anfang der 90er hatte ich das erleichternde Gefühl, dass sich da weltpolitisch etwas entspannt, dass eine neue Generation die Ruder der Geschichte übernommen hatte. Gute, der erste Irak-Krieg zeigte bereits, dass wir nicht urplötzlich im Lummerland aufwachen würden, aber die Bedrohung der totalen Vernichtung Mitteleuropas schein mir doch abgewendet.



Ich habe nun seit ein paar Monaten aufgrund der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, in Gaza und natürlich auch in der Ukraine, leider einen kleinen Flashback, einen Nachhall, eine Rückkehr des Wissens um das Gefühl, welches mich so lange gequält hatte. Die Hybris ist wieder unterwegs. Die Waffen sind plötzlich flächendeckend wieder ein Mittel, seine Ziele zu erreichen. Das Säbelrasseln einer Seite wird derzeit durchaus mit einer exakt solchen Antwort bedacht, anstatt der Diplomatie, dem Wort selbiges zu reden.

In der Poesie der Vernunft siegt immer die Feder über jedes Schwert. Realpolitisch sieht es gerade danach aus, dass die Federn schon aus der Ferne von übergroßen Schwertern, gelenkt von überkleinen Geistern mit übergroßen Egos verbrannt werden sollen. Und plötzlich ist es wieder da. Dieses Gefühl, relativ hilflos zum Himmel zu sehen. Nicht dass ich derzeit den in den 80ern erwarteten Blitz zu sehen befürchte. Aber ich sehe gerade mit einiger Besorgnis, dass die Welt sich in ihren Spitzen wieder auf den Weg macht, anders Denkende, anders Glaubende, anders Lebende mit der Waffe davon zu überzeugen, dass die eigene Meinung - und sei sie noch so verblödet - die richtige Meinung ist.

Ich bin kein Hippie, kein verträumter Spinner, der sich der Hoffnung auch nur ansatzweise hingegeben hat, dass Menschen sich bezüglich ihres Verhaltens ändern würden, das sie seit Anbeginn ihrer Geschichte an den Tag gelegt haben, aber ich gestehe, ich hatte in der geschichtlich kurzen Zeit meines bisherigen Lebens die Hoffnung, dass die Vernunft ein wenig die Oberhand gewinnen könnte über Glauben, Strömungen und den puren Hass.

Nun - diese Hoffnung war unbegründet. Um aber nun mit der gebrochenen Lanze den Boden zurück zu schlagen zum "Fight for your right to party" der späten 80er, muss ich einfach sagen, es gibt mir viel zu viel zu viel zu viel zu irre doll vom Mainstream-Radio beachteter Musiker, gerade hier in Deutschland, die einer fatalen Gemütlichkeit die Bühne bieten, die jegliches Bewusstsein für gesellschaftliche Reflektion vermissen lassen.

"Ja, er nun wieder!", höre ich sie rufen, "muss denn immer alles politisch sein?" - Nein, muss es nicht. Aber dann hört später auf zu jammern, dass Ihr Euch vielleicht auf lila Wolken und Nickelback verlassen habt, die Euch die Welt erklärt haben, als gäbe es ein Leben in einer schnittvermengten Blase aus RTLligem Dumpfsinn, feuchter Teeniepornografie und hier und da mal einem Tütchen. Wenn Euer höchstes Gut ist, einmal auf einem Bild von Virtual Nights aufzutauchen und sogar die Zurschaustellung in einem Reality Format der Privaten unerreichbar weit scheint. Wenn die Belanglosigkeit Inhalte vorgaukelt, sich einen festen Platz in Eurem Herzen gesichert, gekauft hat.

Ich sagte es anfangs. Es begann in den 80ern mit einem Gefühl. Ein Gefühl der Kälte. Nun sind wir 30 Jahre weiter und die Kälte hat sich manifestiert in einer gesellschaftlichen Leere, die das Desinteresse und die Betäubung als alltäglich gelebte Kultur geadelt hat.

Ein Hoch von meiner Seite auf alle Künstler, an alle Menschen, die sich diesem Stumpfsinn widersetzen, die selber denken und ihre Kraft wahrscheinlich gerade aus der allgegenwärtigen Betäubung schöpfen. Ja, es klingt blöd - stimmt - aber dagegen sein war meiner Ansicht nach noch nie so sinnvoll wie derzeit. Es gibt Schafe und es gibt Schlachtbänke. Und es gibt andere Wege.

Ich will mich auf jeden Fall nie wieder so wehrlos fühlen, wie in den 80ern!

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Ein Zitat: "Ich finde, wir müssen mit Stil untergeh`n" - Pascow 


Ist richtig. Es gibt ein paar heilige Kühe über deren Existenz zu streiten sinnlos wäre.

Eine davon, die mich seit nunmehr 20 Jahren sabbernd verfolgt, ist der musikkulturelle Mythos "meiner Generation", wie es so schön heißt, "Nevermind" von Nirvana. Und über den muss ich mich nun dennoch einfach einmal streiten.

Seit Ewigkeiten muss ich alle Jahre wieder in den unterschiedlichsten Musikgazetten von den 50 oder 100 Platten für die Ewigkeit lesen. Musikjournalisten erzählen mir also beständig, welche Platten die größte Relevanz in der Musikgeschichte einnehmen, und setzen das spannenderweise direkt gleich mit dem Empfinden, der Einstellung, welche eine ganze Generation zu gewissen Platten haben soll. Also auch ich.

Bekloppt. Nur weil ich in einem Jahr geboren und in einem anderen musikalisch sozialisiert wurde, soll ich eine formatierte Meinung einnehmen, ja gleichgeschaltete Gefühle zur Musik, einer der subjektivsten Formen der Kunst überhaupt empfinden?

Ja. Ich gehöre natürlich zu denen, die genau wissen, wann und wo sie "Smells like teen spirit" zum ersten mal gehört haben. Ja. Ich war damals geflasht von dem Song und dem auf der Stelle erworbenen Album. Ja. Ich weiß um die musikhistorische Bedeutung dieses Albums und erkenne sie uneingeschränkt an. Aber da hört es dann auch schon auf mit Plattitüden und Gemeinsamkeiten mit dem steten Jubel über diese Aufnahmen. 

Zum einen weiß ich um sehr viele Alben vor "Nevermind", die musikalisch genau diese umstürzlerische Wirkung hätten erzielen, diesen Status damit erreichen und anstelle von Nirvana ihren Schöpfer hätten groß machen können, wenn sie einen Wirkungsfrontmann wie Kurt gehabt hätten. Zum anderen gab es "damals" rein musikalisch mannigfaltige Bewegungen, die dem Glamrock, dem Hairmetal, dem Classicrock und anderen gekünstelten Musikrichtungen schon längst den Kampf angesagt, und den Rang abgelaufen hatten. Nur waren die Protagonisten der besagten Bands zugegebenermaßen nicht wirklich tauglich für die präinternetären popkulturellen Presseerzeugnisse. Die Zeit war perfekt für einen von Selbstzweifeln geplagten jungen Mann, der in seinem Flanellhemd doch soviel ehrlicher daher kam, als die geschminkten Westküstenposer mit ihren wasserstoffblonden Königspudeldauerwellen.



Dummerweise kannte ich das grundsätzliche Prinzip bereits von Herrn Morrisson oder Herrn Lynott. Beide endeten tragisch und so war auch Cobains Tod absehbar. Und wie immer trug er zur Vollendung des Mythos auf traurige Art bei. 

Um es noch einmal klar zu stellen: ich mag und schätze "Nevermind" als wirklich tolle Platte, die einer Menge großartiger Musik das Tor in den Mainstream weit aufgestoßen hat. Ohne Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden, wären die 90er im Formatradio vermutlich wesentlich rockärmer verlaufen. Ich habe nur eben eine Vielzahl anderer Platten, die ich in einem persönlichen Ranking definitiv vor diese eine schieben muss. Mein Leben hat diese Scheibe trotz all ihrer kleinen Perlen eben nicht verändert. Ist ja sehr persönlich. Spannend ist nun, dass ich alleine für diese Aussage im Freundeskreis immer angesehen werde, als hätte ich auf dem Altar gerade Jesus verraten. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich - bekennender Dave Grohl-Fan - sage, dass das Beste, das Dave Grohl künstlerisch passieren konnte, das - leider tragische - Ende von Nirvana war. 

Da fragt man sich halt schon, warum man derart angefeindet wird. Tocotronic sangen nur wenige Jahre nach "Nevermind" das schöne Lied "Es ist einfach Rockmusik". Und selten war ein Lied ehrlicher. Es war und es ist einfach Rockmusik. Klar, für mich persönlich bedeutet Musik, speziell die Rockmusik in all ihren, oftmals bis in die totale Spießigkeit konkurrierenden Spielarten hinein, alles. Ich kann aber unglaublich gut damit leben, dass es anderen schlicht egal ist. Denn genau das ist mir egal. 

Mich bereichert, was mich erbaut, nicht was andere goutieren. 

Und so ist es mit "Nevermind". Ich mag es sehr, wenn ich einen Song davon zufällig höre, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich die CD zuletzt aufgelegt habe. Das Fazit kann hier also eigentlich nur sein, dass jeder seine eigenen Platten für die Ewigkeit im Herzen trägt. Oder eben nicht. Das Wundervolle daran ist, es ist egal für alle anderen, aber es ist die Welt für Dich. Ich denke, Kurt würde mir hier zustimmen.

In diesem Sinne, auf Dich!


Meinungen sind gefragt im Web 2.0, das nun - nur nebenbei erwähnt - eigentlich langsam mal eine höhere Versionsnummer verdienen würde. Meinungen sind gefordert, sind erwünscht und stets willkommen in unserer ausgewiesenen Mitmachkultur - meiner Meinung nach.

Allerdings: Meine ich das nur oder ist es nur ein geringer Prozentsatz derer, die überhaupt eine Meinung haben, die sie auch offen mitteilen? Meistens sind es dann doch immer dieselben. Und von denen, die keine Meinung haben oder äußern, lassen zudem immer mehr dann doch eine Meinung hören, nämlich die, dass sie der Meinung sind, dass die anderen, die ihre Meinung ungefragt mitteilen, diese doch lieber für sich behalten sollten. 

"Alle haben zu allem eine Meinung und sie teilen sie jedem mit, das ist das Grauen" klang es schon in den 90ern vertont durch eine von mir sehr geschätzte Band aus den Lautsprechern. Interessanterweise ist ja auch das eine Meinungsäußerung gewesen. Die Frage scheint interessanterweise gar nicht wirklich die zu sein, OB man seine Meinung äußert, sondern vor allem WOZU und noch vorallemiger WIE. Und da scheint es gesellschaftliche Schablonen zu geben.

Den Mund verbieten wollen einem spannenderweise exakt jene Zeitgenossen, denen die Meinung nicht passt, die man gerade geäußert hat. Soweit so menschlich und auch legitim. Könnte eine Diskussion werden, meint man. Fragt sich nur, muss sich derjenige mit der Meinung nun zurückhalten oder wäre es nicht wesentlich schlauer von dem die Meinung nicht hören wollenden, einfach nicht zuzuhören, einzuschalten, mitzulesen? 

Wahr ist: Meinungen von Gleichgesinnten sind gefragt im Web. Aber auf jeden Menschen mit einer Meinung kommt mindestens ein Troll, der sich mit Absicht und zumeist großem Vergnügen über die freie Meinung desjenigen aufregt, den er eigentlich gar nicht sehen, hören, lesen will. Aber anstatt mit seiner eigenen Meinung dagegen zu halten, argumentativ zu kämpfen, wird gepöbelt, gejammert, geschimpft, oder kleinlich jeder kleinste Fehler herausgearbeitet. Das Ziel ist das Bloßstellen. Da geht es Markus Lanz nicht anders, als jedem Blogger.

Es ist so viel einfacher die Leistung anderer schlecht zu machen, als selber mal etwas anzustoßen. Verstehe ich ja auch. Armselig und entlarvend ist so ein Verhalten trotzdem. Meine ich.
Das Beruhigende daran ist jedoch, man weiß plötzlich wer wo steht. Der Pöbel - das Wort passt hier einfach zu schön - verlässt ohne es zu merken seine schützenden Gräben und rottet sich zusammen. 

Meinung verbindet also mehr als den keine Meinung habenden lieb ist. Meint Ihr nicht?




Als einer der herzblutorientierten Vertreter der Kleinen, der aus einem Drang, heraus Schaffenden, möchte ich hier all denen das Wort reden, die weder vom staatlich subventionierten Kulturbetrieb, noch von der popkulturellen Maschine finanziell oder sonst wie ernährt werden.

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, auch und sogar unter vielen meiner engen Freunde, dass Kunst - sei es Musik oder Malerei, Performance oder Schreiben, Bildhauerei oder Fotografie - doch zu etwas führen müsse. Und was mit "etwas" gemeint ist, lässt sich in zwei Worten zusammen fassen: Geld und Bekanntheit.

Dabei wird in gewiss 95% aller Fälle übersehen, dass es der Subkultur genau darauf nicht ankommt. Abgesehen von einem ohnehin existenten, gesunden Misstrauen dem Mainstream gegenüber gilt: Es ist mitnichten das Ziel eines Künstlers - und war es noch nie - mit seiner Kunst möglichst viel Geld zu machen, ja nicht einmal davon leben zu können. Es kommt absolut nicht darauf an, dass man seinen Namen in versalen Lettern in der Klatschpresse liest. Es ist zwar wunderschön, wenn möglichst viele Dein Bild betrachten, Deinen Roman lesen, Deine Ausstellung oder Deine Konzerte besuchen - aber im Grunde kommt es auch darauf nicht an. Es ist gänzlich ohne Belang. Es ist einzig und allein wichtig, dass Du rauslässt, was raus muss.

Spannend ist, dass an sich als Künstler stetig dafür rechtfertigen muss, warum man denn hier noch nicht ausgestellt, dort noch nicht gespielt oder da noch nicht gelesen habe. Die Wenigsten sind bereit sich auf Kunst wirklich einzulassen - unabhängig von Rang und Namen eines Künstlers. Doch wer verleiht hier das Signet "Rang und Namen"? Die Fachpresse, das Feuilleton, Kunstinteressierte, Menschen, die noch niemals einen kreativen Drang verspürt haben?

Ich könnte jeden Sonntag Abend kotzen, wenn ich in der ARD die von mir eigentlich gern gesehene Sendung ttt einschalte, und mir einmal mehr der neue, natürlich wunderhübsch anzusehende Soulgesangsstar präsentiert wird, der uns alle jetzt ob seiner einzigartigen Stimme ach so irre umhauen muss. Jeden Sonntag. Um Inhalt geht es hier dabei eher selten, junge Musik, politische Musik, ambitionierte, risikobehaftete Musik? Fehlanzeige. Mir fällt dieser Hohn allen Musikern gegenüber, die mit ihrer Musik etwas ausdrücken, verändern, bekämpfen wollen natürlich besonders auf - bin ich doch selber Musiker. Ich denke aber, es geht anderen Künstlern in der Wahrnehmung der abgebildeten Kunst hier nicht wirklich anders.

Gesellschaftlich der Konsens tragenden Ignoranz gegenüber der aus sich heraus erwachsenden Kunst die glänzendste Krone aufsetzend, ist jedoch jene bildungsbürgerlich etablierte Haltung, zu keiner Vernissage unbekannter Künstler seiner Heimatstadt, zu keinem Konzert einer Band, die man nicht aus dem Formatradio kennt, zu keiner Lesung eines ungedruckten Schriftstellers aus der Region zu gehen - ABER dann nach fucking Berlin zu fahren und hier jede verdreckte Innenhof-Spelunke für ihre dichtenden Säufer zu feiern, da HIER ja die Subkultur noch richtig lebt! Und dann bei jedem Besäufnis im Freundeskreis mit Inbrunst und einer unfassbaren Ignoranz zu betonen, es gäbe ja nichts Neues und Relevantes mehr.

Unser Kulturtourismus zeigt, wie oberflächlich unser Kunstverstand in Wirklichkeit ist. Wie sehr das "Ich war da"-Phänomen bestimmt, welche Ausstellungen besucht werden, unfrei nach dem Motto: "Kann ich das erzählen, dass ich da war und wie sehr werde ich dafür bewundert?" Und nein, richtig Arschloch, Du wirst in der Masse gewiss nicht dafür bewundert werden, wenn Du mit den Namen nie gehörter Künstler um Dich wirfst. Nein, da wird kein Glanz eines Gerhard Richter auf Dich abstrahlen, der hochbegabt, aber offensichtlich inhaltlich schon immer inspirationslos sein Werk den Massen in ausverkauften Monsterausstellungen präsentiert, was ich hier nicht einmal Herrn Richter vorwerfen möchte.

Hier ist eine Lanze, all jenen, die etwas in sich spüren, die dem was sie in sich tragen Ausdruck verleihen wollen. Verzweifelt bloß nicht daran, dass Ihr glaubt, niemand würde sich für Eure Kunst interessieren, denn das ist scheißegal. Es ist wichtig, dass Ihr es spürt, dass Ihr es heraus lasst, dass Ihr kreativ seid. Kunst ist Kunst, jenseits von Zuschauern oder Lesern, ungeachtet von Charts und Rankings. Derartige Maßstäbe haben Bürokraten eingeführt, die Unkreativen, die Neidischen, die gewiss selbst niemals erschaffen haben und werden.

Es gibt so viele Vorbilder in Sachen Do It Yourself in beinahe allen Epochen. Der Dadaismus, der Punk, der Hardcore, die kreativen Keimzellen einer jeden Subkultur. Lasst Euch nicht von Redakteuren oder Kritikern erzählen, dass das was Ihr tut weniger wert ist, als das was andere tun, weil die vielleicht mehr verkaufen. Scheißt auf ihre Punktesysteme. Führt Euch vor Augen, dass Kunst und Verkaufen, im Prinzip Gegensätze sind, denn Ideen, die zu Geld werden, sich verkaufen, werden Mainstream und wollen nicht mehr Probleme skizzieren, sondern mutieren zum Selbstzweck, und das ist das Verkaufen.

Und wenn Euch Freunde das nächste Mal fragen, was Ihr mit Eurer Kunst erreicht habt, sagt Ihnen, sie mögen es selbst herausfinden. Wenn sie den Mut und die Energie dazu haben.