Globulisierung ... nein, kein Druckfehler.


Euer singuläres „global“ ist passé. Es ist so dermaßen passé, dass es mir auch in Zeiten des einst revolutionären FDP-angepassten Neoliberalismus ein Schmunzeln abverlangt. Und zwar gerade deshalb, weil es der Kontrolle des FDP-adäquaten in einer Weise abgeht, dass es einem Freigeist die wollüstige Schamesröte ins Gesicht treibt. Lizensierung, Kontrolle, Zensur. All das ist für uns so vorbei, wie Eure über Bord geworfene Moral.

Schon doof, oder? Da habt Ihr Euch den Weltmärkten gerade erst geöffnet, aller Welt Zugang zu Euren Waren verschafft, dem eigenen Bruttosozialprodukt ein ungeahntes Wachstum vor die gierige Nase und den geöffneten Rachen gehalten, Euren spekulationsgeilen Zockern ein immenses Plus als Köder hingehalten, nur um sich aktuell leidlich peinlich darüber zu mockieren, dass sich heuschreckengleiche Individuen auf Kosten der Allgemeinheit an unser aller Kauflust – letztlich Schwäche – bereichern. Und was macht das im Grunde als unmündig und wehrlos abgestempelte Klatschvieh frecher Weise? Es twittert.



Es twittert? Ach Gott, es twittert, ja, harmlos. Na wenn Ihr das denkt, um so besser. Und wieso seid Ihr dann so erbost über Gedanken, spontane Meinungsäußerungen, kleine Wortspiele frei denkenden Geister auf Eure Kosten? Warum um alles in der virtuellen Welt habt Ihr plötzlich Angst vor Wikileaks und Konsorten? Ist doch alles nicht bewiesen. Lasst sie doch, nimmt doch keiner ernst. Mhhh ... doch? Ach gut, ein paar Spinner, aber doch nicht unsere Bürger, unsere Kunden, unsere Opfer.

Wisst Ihr eigentlich, habt Ihr den blassen Schimmer einer Ahnung, wo Ihr Euch Eure Globalisierung hin stecken könnt gegen das was ich erfahren habe durch meine Globulisierung? Durch den kulturellen Austausch? Durch die von Euch niemals zu begreifende Neugier auf das was andere Kulturen – Menschen – wirklich zu sagen, zu geben haben? Ich kann hier uns jetzt sofort die Ultraemotionalität eines mir persönlich völlig fremden Japaners in mein eigenes Gefühl übersetzen.

Es packt mich. Oder auch nicht.

Ich kann hier und jetzt in Tränen ausbrechen, weil dieser Japaner einen Song geschrieben hat, der meine Lebenswirklichkeit scheinbar nicht minder trifft, als die seine. Es ist ein Song. Kein Konzern. Es ist ein Akkord, eine Textzeile. Keine spekulativ aufgeblasene Annahme in der Hoffnung auf börsialen Profit. Es ist auf seine fiktionalkulturelle Art real. Es existiert. Und, hey, es zerstört keine Existenzen, es bringt mich im wünschenswerten Extremfall zum Weinen, beschert mir einen Moment des Glücks, der Verbundenheit mit einem Gedanken, der auch mir entfleucht sein könnte. Und das, liebe sich selber ad acta legende Wirtschafts-Avantgarde, das ist die wahre Frucht der Globalisierung.


Das ist das, was wirklich zählt. Führt den Euro ein, verabschiedet den Euro, öffnet Rettungsschirme, verlacht Eure eigene Diplomatie, schürt Konflikte, schmiedet Allianzen, bespitzelt Eure Bürger, sammelt Daten über Daten, lasst Euch von der Industrie kaufen, leckt der Euch Bauch pinselnden Lobby den unfassbar schmutzigen Allerwertesten, haltet ansprachen, bewerft Euch gegenseitig mit Dreck, benehmt Euch einfach wie immer.

Aber Ihr solltet wahrnehmen, dass die Welt da draußen sich geändert hat. Demokratie hat eine neue Qualität. Der Bürger ist nicht weiter nur gläsern, sondern auch vernetzt. Mit anderen Bürgern, mit Menschen. Und diese Menschen holen sich nun genau das, was Ihr für einer wirtschaftsliberale Kaste vorgesehen hattet.

Liebe Freunde, es herrscht Waffengleichheit, auch wenn Ihr das noch nicht verstehen könnt.

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Vorlesen lassen? Kein Ding: HIER AUF SPREAKER


In mehr als angespannter Atmosphäre, diese gar nicht bemerkend, und wenn doch sie sogar genussvoll aufnehmend, quittiert der sich selbst als Alphamännchen ausgebende und wähnende Teilzeit-Choleriker jede wohl gemeinte Bemerkung mit selbstzufriedener Mine als Geste devoter Unterwerfung. Ohne Not Druck aufbauend – und irriger Weise im felsenfesten Glauben, seine stets üppigen wie zu hoch gesteckten Ziele in dieser naiven Weise nun doch erreichen zu können – gibt er den bemitleidenswerten Despoten, der auf dem Atemhauch der Angst seinem letzten Röcheln entgegen segelt.

Weiß dieser Mann, dass er die Nummer Zwei ist?

Realisiert er jene zum royalen Machterhalt von ihm selbst installierte Schlange an seinem Busen? Kennt er, der selber doch ach so fest an seine Fähigkeiten zu instrumentalisieren glaubt, die Regeln für sein eigenes, von Allmachtsfantasien beseeltes Spiel, welches er mitnichten als König, denn als – in der Tat – einflussreicher Läufer bewohnt? Wäre es nicht auf eine bedauerliche Art ein gutes Stück weit egal, hätte es eine Relevanz von jener Größe, die Persönlichkeiten, die gewiss zu seinen stets präsenten Vorbildern zählen in die Waagschale hätten werfen können, könnte es eine anhaltende und durchaus auch zu bewundernde Spur hinterlassen.

Doch auch wenn nicht jede Weiche im Leben, einmal gestellt und eventuell – wenngleich aus mitunter zweifelhaften Gründen – bedauert, sich ohne jede Korrekturmöglichkeit zeigt, so sind doch inzwischen dermaßen viele Abzweige genommen worden, dass eine Rückkehr zur Tugend inzwischen unmöglich geworden ist. Zu viele Leichen, zu viele Ängste, zu viele falsche Entscheidungen.

Dem Grögaz bleibt nur seine Paranoia zu pflegen und um sich zu schlagen. Schade drum? Im Prinzip ja, wenn es eben nicht schlicht so unendlich egal wäre.
3ste Programme die das Land am dringendsten benötigt:

1. Das „Ab heute wird zurück gekehrt“-Programm“


Wir benötigen einen Gottesbezug in den Leitlinien der Städtischen Abwassergesellschaften CDU/CSU-regierter Kommunen, damit wir nach – sicherlich unabdingbar dringlichen - Entsorgung der textlichen Ungereimtheiten innereuropäischer Statuten wieder zur ernsthaften und erwachsenen Politik ZURÜCK KEHREN könne.


2. Das „Begrün den Wahlentscheid“-Programm

Wir benötigen ein Redesign der sozialistischen Insignien wie roter Fahne (diese wird am Besten kunterbunt und klein-kariert, da kann sich dann jeder seine politische Richtung und Kleinkrämernische aussuchen), geballter Faust (in einem Mohair-Handschuh, damit man nicht mehr so doll Angst vor ihr haben muss, wenn sie denn doch mal gereckt wird) und arbeitsam wirkenden Blaumann (es fehlen hier einfach Dinge wie Handy-Tasche, Zigarrenkipplade und Werbeaufdrucken der Industrie auf dem schmalen Rücken).
So kann der zahlende Verbraucher, pardon, der Wähler dann viel besser BEGRÜNDEN warum er auch diesmal auf den letzten Metern wieder Gerhard Schröder über die Ziellinie getragen hat.


3. Das „Wahlfreiheit-statt-Wahlkampf“-Programm

Eine Entscheidung zur Mirwirdschlechtschreibreform vor Beginn des Wahlkampfes. Ansonsten müssen wir uns sowohl an den grauenhaften Anblick von gestrandeten Greenpeace-Booten vor den Wahlkampfzentralen der Parteibüros gewöhnen, wie an Wahlfischsuppe zur tranigen Zeit des Stimmenzählens an den Urnen, wo japanische Emigranten lächelnd speisend, die aschfahlen Wählerentscheidungen, wie doppelte Kreuze oder lustige Randbemerkungen auf den blutigen Wahlunterlagen (besonders beliebt sind hier die Kiemen oder die gewaltige Flosse) als ungültig wegwerfen.



3 Überflüssigkeiten die unabgeschafft das Land dem sicheren Untergang weihen:

1.
Die Missachtung physischer Merkmale, wie Gesichtsausdrücke oder Frisuren vor der Entscheidung sich für ein öffentliches Amt wie Bundeskanzler(in), Pa(ä)bst(in) oder Leiter(in) der Bundesagentur für Arbeit zu bewerben. Chronisch hängende und damit unverblümt zur Schau gestellten Negativismus ausstrahlende Körperteile wie Wangen, Backen, Augenlider (wir sollten öfters wieder welche in der Schule singen) oder Nasenspitzen müssen aus dem öffentlichen Bild herausgehalten werden. Das ist ja sooo wichtig für die Psyche der Gesellschaft (manchmal hilft selbige den erstgenannten Menschen bereits zum temporären Ausgleich ihrer Defizite).


2.
Das Rechtsfahrgebot auf deutschen Autobahnen, sowie in der deutschen Innenpolitik. (Feel free to regier, Mr. Chancelor.)


3.
Die unsäglichen „Spielen Verboten“-Schilder von Bundesumweltminister Jürgen Trittin in öffentlichen Grünanlagen, die unseren natürlich komplett hyperaktiven und zweifelsfrei hochintelligenten Nachwuchs jeglicher Chancen berauben, sich mittels des Baus von Testreaktoren zur Haarpaltung (Ziel Energiegewinnung durch den strahlenfreien Ausstoß von Worthülsen) oder des großflächigen Anbaus genetisch veränderten Hanfes (Raus mit den Nährstoffen, rein mit 100% THC), auf europäischer Ebene in Sachen Pisa endlich zu rehabilitieren.
Wäre die Bundestagswahl 2005 eine gerechte gewesen, säßen wir heute nicht dermaßen in der Scheiße wie es der Fall ist und SO hätte das Kabinett ausgesehen:

Es ist erschreckend, dass das „Kollegium, welches die Geschäfte der die Regierung bildenden Minister einschließlich des Regierungschefs führt“ nach einem deutschen Qualitätswein mit Prädikat benannt ist, dessen Mindestanforderung 73 Grad Öchsle beträgt. Kein Wunder also, dass weinerliche Geister wie Clement sich hier weinsteingleich sedimentieren konnten.

Der junge Kabinett-Jahrgang der Regärung 2005 entkorkt sich demnach auch als eine hochprozentige Auslese deutscher Spitzenpamphletiker:


Bundeskelterer
Direkt in der Nähe des Brandenburger Weintores residiert ab September 2005 im Bundeskeltereramt der ausgewiesene Branchenkenner Harry Weinfurt als 8. demokratisch gewähltes deutsches Staatsoberhaupt seit der Weinmarer Republik - bekannt aus seiner Show „Der Wein ist Weiß“ - der in einem Barrique vor den Toren der Stadt Leerdam geboren wurde und Insidern seither als Erfinder des symbiotischen Verzehrgebotes von Wein und Käse gilt. Kein anderer würde derart sein Etikett wahren, angesichts sozialer Kelterei, wie sie derzeit vorherrscht.

Bundeswinzer für Verkehr, Weinbau- und Kellereiwesen
sollte nach Minister Stolper eigentlich Harald Juhnke werden, der als Garant für die Abschaffung der unseligen Vermouth-Gebühr galt. Nach seinem ebenso wie die Wahlen vorgezogenen Tod jedoch kann nur noch der im Sternbild der Reblaus geborene Gerhard Meyer-Amselfelder, aus der DFB-Winzergenossenschaft Kaiserstuhl, diesen Posten optisch adäquat besetzen. Seine Nase ist so burgunderfarben wie die längste Rotphase einer Ampel, seine Haut grauburgunderfarben wie die Großbaustelle am Potsdamer Platz zu ihren staubigsten Zeiten und sein Gesicht so großporig und geräumig wie ein 12-Gewölbe-Weinkeller. Dem Mann mit dem Weinglasauge kann man so schnell keine Bärenauslese aufbinden.

Bundeswinzer für Gesundheit und soziale Sicherung
wird dank jahrelanger Glottertaler Hanglage Dr. Klaus Trinkmann, Senior-Chefarzt der Schwarzriesling-Klinik, weil kein anderer derart geklont mit dem aus Rebenholz gedrechselten Korkenzieher an der Zahnwurzel des torkelnden Sozialstaats herumprockelt. Unter der rigiden Hand von Dr. Trinkmann werden bösartige Tröpfcheninfektionen und Viruserkrankungen wie die Weinblattern, die von der gemeinen Schnapsdrossel übertragen werden, der Vergangenheit angehören.

Bundeswinzer für Bildung und Forschung
In den vergangenen Jahrgängen fiel gerade die Lese der Deutschen bei der PISA-Studie doch eher kümmerlich aus. Die Messweinlatte lag einfach zu hoch für unsere weinkrampfgeschüttelte Jugend. Im Weinstein-Jahr jedoch zeigt sich Robert Atzorn, bekannt aus - und weitreichend vorgebildet durch - die bildungspolitischen TV-Serienhighlights „Unser Lehrer Dr. Schluckspecht“ und „Kanzlerbrand“, als edelstes Tröpfchen im Kabinetts-Schrank und bringt Kreutzen und Panschen als feste Punkte auf die Tagesordnung zurück.

Bundesaußenwinzer
wird der Eisweinexperte Reinhold Messner. Kein anderer hat sich derart weit draußen für die Züchtung von sauerstoffarmen Rebsorten wie „Yetitaler Wackelbild“ oder den „Tibeter Höhenkoller“ eingesetzt wie er.

Bundesinnenwinzer
wird Gus Bacchus, der singende Boxbeutel. Dereinst bekannt für politische Lieder wie „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“, in dem er Konrad Adenauer schamlos portraitierte oder das nachkriegswohlstandskritische Antidrogen-Lied „No Bier, no Wein, no Schnaps“, sowie „Bohnen in die Ohren“, in welchem er die grüne Regärungsbeteiligung bereits in den 60ern vorwegnahm, ist die Idealbesetzung für das Mysterium des Inneren, kennt er doch die Freuden des Sinnestaumels schon aufgrund seines dionysischen Namens wie kein Zweiter.

Bundesfinanzwinzer
wird der mit 54 Promille bei einem Casting knapp ins Amt gevotete Dieter Bohle. Bohle kann seit Jahr und Tag den Flaschenhals nicht voll kriegen und garantiert mit seiner topkapitalistischen „Nehmen ist Seliger denn Geben Haltung“ für ein Weinfass ohne Boden an steuerlichen Einnahmen.

Bundesjustizwinzer
wird mein Nachbar Jürgen, weil er als auf 3 Jahre Begärung Verurteilter wie kein Zweiter das Sieben der Trauben mittels Metallstäben in jahrelanger Knastgärung erforscht hat und zu wohlschmeckenden Erfolgen kam.

Bundesverteidigungswinzer
kann nur Olli Kahn werden, weil er selten einen im selbigen hat und somit stets jene nüchterne Klarheit versprüht, die das Land von seinem obersten Verteidiger erwartet.

Bundeswinzer für Wirtschaft und Wahrheit
wird der jüngst, aufgrund seines beeindruckenden permanenten Blutalkoholgehaltes zum Mitglied der 5 Wirtschafts-Ferderweißen vorgeschlagene Ulli Wickert, der den größten Teil seines journalistisch-recherchierenden Arbeitslebens für die Weinpresse in Wirtschaften verbracht hat. Nach einer erneuten Reform der Bundesagentur für Absinth dürfte keine Kehle mehr trocken und keine Wahrheit mehr unausgesprochen bleiben.

Bundeswinzer für Verdienerschutz, Vermehrung und Landwirtschaft
kann nur ein Mann mit unendlich viel Erfahrung auf dem Gebiet der Rebenpflege und ebenso vielen Öchsle im Stall sein. Hier sticht einem eine Lichtgestalt ins Auge wie Volkskammerpreismünze in Gold: Josef Ackermann, der Mundschenk der Deutschen Bank. Kein anderer umgibt sich offensichtlich mit derlei vielen erfolgstrunkenen Ochsen, die ihm zwar nach dem Mund reden, ihm denselbigen jedoch auch bei erhöhtem Champagnerpegel nicht der Peinlichkeitsvermeidung halber verbieten.

Bundeswinzer für Umwelt, Naturschutz- und Reaktorsicherheit
wird Uschi Glas, die zum Amtseintritt qua ihres Namens zum Schutz gegen die akute Weinbrandgefahr im Sommer aus Biergärten und Wäldern alle Gläser verbannen wird. Nachdem sie die Rolle für „Spritty Woman 2“ wieder an Julia Roberts verlor, hat sie darüber hinaus aus Langeweile auch noch die Zusatzqualifikation in Sachen Weinkernspaltung mittels Zusammenkneifen ihrer Wangenmuskulatur erworben und empfiehlt sich gutgekühlt für diesen Kabinettsjahrgang.

Bundeswinzer für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
kann nur ein Mann von internationaler Bedeutung werden, der sich angesichts des momentan tief im Hintern der Zusammenarbeit in Europa steckenden Korkens,
des Themas aus Berufung annähert. Prinz Charles, der trinkfeste Spross der weltbekannten „Winzer-Familie“ aus dem unterschätzten, da regentreichen Anbaugebiet England hat durch die beachtlichen Züchtungserfolge seiner Mutter an den possierlichen „Korkies“ eine Trumpfkarte im Spiel, die nicht zu schlagen ist.

Bundeswinzer für Familien, Nonnen, Knaben und Jungen
wird Pabst Benedikt XVI, bislang als Botschafter in Rom stationiert und dort für die Forschung an Weingenuss aus Römern zuständig. Als Experte für alles Verweingeistigte residiert er ab der Wahl-Lese im Kölner Dom Pérignon und führt als erste Amtshandlung das Pflicht-Abendmahl mit „Chateau Neuf du Pope“ im Bundestag vor und nach jeder Verkostungssitzung auch für von der Regärung ausgewiesene Randgruppen wie Nonnen, Knaben und Jungen ein.
Wir schreiben das Jahr 2005 - das Jahr der Bundestagswahl kurz vor Angela Merkel.

Was wäre gewesen, wenn die großen Parteien keine Werbespots sondern Spielfimle gedreht hätten?

Ein paar Utopien:



Gerhard Schröder ist Käpt`n Ahab
in "MOBY DICK - auf der Jagd nach der roten Wahl"
Historien-Drama, D 2005

Inhalt:
Käpt`n Ahab (G. Schröder) zog vor drei Jahren gutgelaunt zum Wahlstimmenfang aus und wurde in einem erbitterten Wahlkampf auf`s Äusserste verstümmelt vom grauen Killerwal Edmund Dick. Nur mit einiger Mühe und einigem Glück entkam er der Wahl. Nun zieht der seit jenem Vorfall offensichtlich dem Wahnsinn verfallene und über Nacht nicht mehr ganz so tiefschwarze Haare tragende Käpt`n ohne erkennbare Not erneut in den Krieg. Diesmal gegen die pockennarbige Schwester jenes Wales, der ihn damals so grausam zugerichtet hatte. Wird Käpt`n Ahab gegen Angie, die Killerwalschwester und Enkelin des inzwischen völlig verkohlten Pfalzwales bestehen? Ist es nur das suizidale Anrennen eines verharzten Steuermannes, der gegen die eigenen Ängste und Pflichten und reißt er gar sein ganzes, für den Wahlkampf extra knallrot übertünchtes Boot mit in den Untergang?



Oscar Lafontaine ist Pinocchio
in „Pinocchio`s Rückkehr - Links vom Verstand“
Grusel-Tragödie, D/Saarland 2005

Inhalt:
Dem alternden, dabei stets – seinem Naturell entsprechend - etwas hölzern regierenden Laiendarsteller Lafontaine, wurde diese Rolle vorwärts auf den Windkanal getesteten Leib geschrieben. Wie schon vor 7 Jahren in „Pinocchio I“, greift die mittels Kompetenzüberschätzung und kybernetischer Egozentrik selbst gesteuerte Marionette (Lafontaine) mit geiferndem Blick zur Macht im Lande „Linkssylvanien, welches gerade an der Schwelle zwischen Basis-Demoskopie und Medien-Diktatur steht. Mit Hilfe einer Popu-List will er sich endlich seiner Widersacher auf der von ihm aus rechts gelegenen Seite des Landes entledigen. Dabei wird ihm jedoch auch dieses mal wieder der Fluch zum Verhängnis, den ihm sein geistiger Vater Gregor Gisetto in sein murmeleskes Hirn geschnitzt hat. Jedes mal wenn er lügt, wächst sein markantes, sehr geschickt in viele schattenrissartige Überblendungen mit eingebautes Gesichtsorgan in die Länge und überführt den Lügenbold so stets als das was er ist, ein von seiner Machtgeilheit dominierter Holzkopf. Die Story folgt einer wahren aber traurigen Begebenheit. Vorsicht: Nichts für schwache Nerven!



Guido Westerwelle ist Kapitän Nemo
in „20.000 Prozent unter dem Durchschnitt“
Fantasyfilm, D 2005

Inhalt:
Dieser Film vereint auf zauberhafte Weise die Mär vom uralten Menschheitstraum, über den eigenen Schatten zu springen und das schier Unmögliche zu leisten, sowie dabei extrem gepflegt auszusehen. Nemo, der Sohn (Westerwelle) eines tödlich verunglückten Fallschirmspringers sollte eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters treten ist aber irgendwie anders geartet und beschließt der berittenen Gebirgsmarine „Abteilung Tiefseeforschung“ beizutreten. Auf einer von ihm geleiteten und ausschließlich von Männern begleiteten Expedition mit dem Unterseeboot Guidomobilautilus passiert das Unfassbare. Kapitän Nemo wird von einem 18-prozentigen Kraken derart gewürgt, dass jene Region im Gehirn abstirbt, die für die realistische Wahrnehmung zuständig ist. Fortan träumt Nemo von der Weltherrschaft und glaubt fest daran, dass irgendjemand sich für dieses Vorhaben auch nur im Ansatz interessieren würde. Gelb vor Neid auf andere komplett verstrahlte Parteisoldaten wie Leutnant Haider oder Commandeuse Unruh, die wenigstens von anderen mental minderbemittelten Scheintoten umgeben sind, macht er sich auf in seinen letzten Kampf. Als Partner in Schleim sucht er sich dabei ausgerechnet eine doppelköpfige Stimmen-Anglerin aus die selber nicht allzu viel merkelt. Das Drama nimmt seinen Lauf.



Otto Schily ist Bordcomputer „Otti“, Wolfgang Clement ist Astronaut Dave, Angela Merkel ist „der Angiolith“
in „2005 – Odysse im Wahlraum“
Sci-Fi Opus, D 2003

Inhalt:
Ein geheimnisvoller schwarzer Angiolith, der offensichtlich von Außerirdischen stammt, beeinflusst in schwarzgelber Vorzeit die Entstehung von Intelligenz und den Aufbruch der Menschheit in das Zeitalter der politischen Dissonanz. Jahrtausende später wird er von der Forschungsgruppe Wahlen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR entdeckt und lockt ein Forschungsraumschiff mit Commandant Dave (Clement) in Richtung Uckermark. Die Mission endet nach dem altersbedingten Versagen des semiintelligenten Bordcomputers „Otto“ (Schily) mit einer Katastrophe; der einzig überlebende Astronaut (wieder Clement) begegnet der außerirdischen Macht und erfährt eine kosmische Wiedergeburt als Superminister.

Stanley Kubicki`s fantastisches Kinoabenteuer vereint politische Utopie und kulturphilosophische Spekulation zu einem Weltraumopa von überwältigendem Ausmaß. Der kühne gedankliche Entwurf des Films (eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit voller Skepsis und bitterer Ironie) wird mit nicht minder kühnen wahltaktischen Effekten (man nehme nur den innerhalb kürzester Zeit durchdrehenden und die krudesten Sicherheitsbestimmungen einführenden Bordcomputer „Otto“) und einer revolutionären Tricktechnik (alleine das Lächeln von Wolfgang Clement bekam einen Oscar in der Kategorie „Unmögliches“) realisiert, die das Genre des Science-Fiction-Films in den folgenden Jahren entscheidend prägen werden.

Aus eiliger Not geboren, im Namen der Freiheit erkoren zum populären Fanal einer in kopfloser Panik schwimmenden autoadministrativen Chaos-Truppe. So dermaßen unter Notstrom gesetzt hat sich nur selten jener aufs Wesentliche fokussierte Geist gezeigt, den man in dieser stetig misslicher werdenden Lage herbeibeeten möchte, ungeachtet aller agnostischer Determination, denen man sich bislang so gerne ausgesetzt sieht. 

Was setzt man blanker Angst antgegen, die kopflosen Wesen entfleucht?

Wie überzeugt man Menschen, die bis oben hin voll sind mit Überzeugungen, die ein ganzes Leben in peinlich genauer Lobbyarbeit mantraartig dort hineinrodint hat. So täuschend echt und fast untrennbar nah an der Wahrheit - die um die Nutzungsrechte ihrer Bedeutung noch im handfesten Clinch mit der Wahrheit liegt - dass man ein Rasterelektronenmikroskop bemühen, oder zumindest Holmes und Watson beauftragen möchte,
die Lücke zu finden,
den Meißel anzusetzen,
das zementverkopfte Fundament wenigstens anzukratzen,
den Tubus zu legen,
um weniger verdichtete Luft in die Hirne zu pumpen, auf dass dies den Platz für den nötigen Nährboden schüfe, zumindest die Saat eines einzigen freien Gedankens zum Keimen zu bringen. 

Ob sie es wissen, dass sie so sind?
Weiß ich, dass ich nicht so bin?
Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Vielleicht wird meine Überzeugung von einer ähnlichen Scheuklappe beschirmt wie die ihre. Vielleicht reicht es aber auch aus, den Meißel einfach selber in die Hand zu nehmen.

Die F.F.F.F. war der filmische Ausdruck einer sich dem Gedanken der völligen Freiheit verpflichteten Filmgruppe, die sich, der Totalverweigerung des Publikumserfolges bewusst, anschickten, kleine Meisterwerke des Independentfilms, sowie Mini-Epen von schier unfassbarer Sinnlosigkeit zu erschaffen.

Einer der Besonderheiten der F.F.F.F. war sicherlich die Tatsache, dass die Autoren und Ideengeber dieser gleichermaßen anarchischen wie politisch motivierten Filme stets auch die Hauptdarsteller waren. 

Neben einigen, noch immer unter Verschluss der Verantwortlichen gehaltenen, kurz nach Fertigstellung uraufgeführten Filmen, hinterlässt die Gruppe mehrere unvollendete, zum Teil nur in ungeschnittenen Rohversionen erhaltene Epen.

DIY-Management in Sachen Punk & Anarchie

Ein typisches von vorneherein auf Kurzlebigkeit ausgerichtetes Projekt jener Zeit. Die Promotion-Agentur Kirschwasser-Promotions - benannt nach einem damals äußerst beliebten Getränk in der damals heftig frequentierten inoffiziellen Homebase von Vanishing Line, diversen Theater-Gruppen oder der F.F.F.F. "Kliems Kleiner Kneipe" - gründete sich im Prinzip ausschließlich um einen einzigen Auftritt der legendären Spontan- und Improvisationsbands KackRaids, Leck`n Ey und Art Garfunkel & His Skinny Norris zu veranstalten.

Das inzwischen wahrhaft legendäre Konzert der drei Kirschwasser-Promotions-Bands fand unter heute vielleicht seltsam anmutenden Umständen statt, was aber der sehr extremen Show des Top-Acts und dessen Forderungen geschuldet war.

Der Eintritt zum Konzert - die Location war der recht große Proberaum der Waverockband Friday Is Scrapped" - wurde nicht in Form von Geld erhoben. Die Besucher wurden, ganz im Sinne der radikalen Experimental-Einmann-Punkband KackRaids, aufgefordert, eine Dose Hansapils und eine Leberwurststulle mitzubringen, was dann auch alle taten. Die besondere Besonderheit jedoch war die Tatsache, dass auf Wunsch von KackRaids nur Männer zum Konzert zugelassen waren. Diejenigen die damals Zeuge dieses Ereignisses wurden, wissen auch heute noch gut, warum dieser auf den ersten Blick seltsame Wunsch des Künstlers mehr als verständlich war.

Den Anfang des Konzerts bestritt Art Garfunkel & His Skinny Norris, aka Holger Kliem (Ex-Vanishing Line, damals Sänger und Bassist von Friday Is Scrapped). Ganz im Stile des sendungsbewußten Singer-Songwriters gab er sehr persönliche Texte zum Besten, die das aufmerksame Publikum sofort in den Bann zogen. Unterstützt wurde er bei 2 seiner Songs spontan vom Friday Is Scrapped-Drummer Markus Sänger.
Den zweiten Anheizer an diesem Abend machte der Experimental-Noise-Corer Leck`n Ey, der es verstand das geneigte Publikum ausschließlich mit Basedrum, Crashbecken und Gesang zu fesseln. Leck`n Ey verband auf eine ungestüm unvoreingenommene Art sozialkritische Texte der Billy Bragg-Schule mit der Energie des frühen Hardcore. Bei seinem selbstbetitelten Megahit "Leck`n Ey" kam KackRaids auf die Bühne, um seinen Freund lautstark zu unterstützen und sich auf seinen Gig einzustimmen.

Von den Vorbands aufgeheizt fieberten die Anwesenden in dem inzwischen bereits sauerstoffarmen Clubraum dem Höhepunkt des Abends entgegen. Endlich betrat der optisch stets an den frühen Morrissey erinnernde KackRaids die - ganz DIY-Tradition - sehr flache Bühne. Aus rechtlichen wir jugendschutztechnischen Gründen dürfen die meisten seiner zahlreichen Hits, mit Ausnahme von "Wenn ich ein Vöglein wär" heute noch immer nicht abgedruckt werden, darum sei hier nur gesagt: er hat sie alle gespielt.

Bereits beim 2. Song wurde die eigens zum Stagediving bereitgestellte Apfelsinenkiste zahlreich angenommen. Während des fulminanten Konzerts, des sich selber auf der Basedrum untertützenden, singenden Gitarristen, kamen auch die Openerbands, sowie der Promoter auf die Bühne um gemeinsam den Ohrwum "Die chinesische Schubkarre" zu performen.

Es gehörte zur KackRaids-Philosophie, dass die Gitarre erst während des bereits weit fortgeschrittenen Gigs und dann auch noch im laufenden Song gestimmt wurde.

Das rund 40 Minuten anhaltende Dauerfeuer aus Singalongs, ruppigen aber messerscharfen Gesellschaftbeobachtungen und Hymnen, die noch Jahre später den Menschen geläufig sein und über die Lippen kommen sollten, endete in einem Knalleffekt der Showtechnik. Die Details wiederum sind in den Herzen der Anwesenden für immer verschlossen und dürfen aus personenschutztechnischen Gründen hier ebenfalls nicht abgedruckt werden.

Nach also rund 2 Stunden Leberwurststullen, exzessiven Konsums aller möglichen Genusswaren und Mitsingens, gingen die Konzertbesucher ermattet aber zufrieden ihrer Wege, wohl wissend, dass sie hier Zeuge einer in allen Belangen einmaligen Show geworden waren.

Direkt nach dem Konzert, unterbrochen von der Suche des plötzlich verschollenen Top-Acts, lösten sich alle beteilligten Bands des Abends, sowie Kirschwasser-Promotions mit sofortiger Wirkung im "Klim-Bim" in Witten unwiderruflich auf.





Freunde. Lasst Euch doch nicht immer alles sagen. Versucht doch einfach mal Euch eine eigene Meinung zu bilden, wie Ihr es doch eigentlich immer vorhattet.

Und mehr noch: meint Ihr, es könnte Euch gelingen, diese Eure Meinung auch vehement vor Freund und Feind zu vertreten, ohne dass man Euch einfach ausknipst, wie es derzeit Usus ist, Euch umdreht, Euch des Geistes beraubt, den Ihr in mühevoller Kleinarbeit in Eurem Hirn verankert, gehegt und gepflegt habt? Seid Ihr Selbst genug, habt Ihr den Mut, das Durchsetzungsvermögen, die Kraft, diesen Geist? Ich selbst habe da so meine prägenden Erfahrungen gemacht. Daher habe ich große Bedenken und dennoch wünsche ich Euch alles Gute. Alles nur erdenklich Gute. Es profitieren ja alle davon. Auch ich. Ich bin nicht einmal sicher, dass ich nicht vielleicht nur aus diesem egoistisch motiviertem Grund das Wort an Euch richte. Aber, Freunde, es ist machbar. Das weiß ich aus Erfahrung, auch wenn es altklüger klingt, als ich mich geben sollte.

Leider wird aus unserer Konfusion niemals eine Kernfusion. Egal wieviel Druck und Körperwärme sich da auch aufbauen und zu was auch immer verschmelzen mag. Es bedarf leider weit größerer Anstrengung als der wohlfeilen und gewiss anzustrebenden Körperlichkeit, um diesen Kraftakt zu vollbringen. Konfusion ist absolut nicht schlimm, nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Mein ganzes Sein scheint zwischen Konfusion und der ständigen Anstrengung, diese in ein begehbares und erlebbares System zu verwandeln zu pendeln.

Der Verlauf der kleinen Dinge ist - entgegen weitläufiger Meinung – wahrlich und zu meiner absoluten Bestürzung unwichtig geworden. War dies auch nicht immer der Fall, so ist in den letzten Jahren eine – paradoxerweise kleingeistige wie kleingestrige Tendenz festzustellen, die abgeleitet von der Größe der Ereignisse, ihnen ihre Bedeutung in der Geschichte als bloße Randerscheinungen zuweist. Das Amüsante daran ist eigentlich nur die Tatsache, dass sich selbst die explizit als solche ausweisenden kleinen Geister noch immer dagegen zur Wehr setzen, dieses zweifelsfrei verachtenswerte Faktum, als gegeben und unumstößlich anzuerkennen und die Risiken in dieser Tatsache zu erkennen.

Was die Konfusion und das ganze Kleinklein nun mit Eurer Meinung zu tun haben, fragt Ihr? Die Antwort kann ich mir in diesem Fall unfassbar leicht machen: Alles! Eure ganz persönliche Einstellung – nicht anders meine ganz persönliche Einstellung – bestimmen den Gott verdammten Lauf der uns alle umgebenden Gesellschaft und damit nicht zuletzt den – nehmen wir mal die 1. Welt (wo ist eigentlich die 2. Welt?) - der auf das Ausmaß eines Vorstadtkaffs zusammen geschrumpelten Welt. Wer meint keine Meinung zu haben oder bedauernswerterweise in der Tat keine Meinung hat, akzeptiert widerstandslos die Entscheidung anderer. Wer meint sich diese Haltung leisten zu können, hat leider eine absolute Teilschuld zu tragen an dem was mit ihm und mit mir passiert. Und hier nehme ich mir das Recht eine Meinung zu haben. Sauer zu werden, wenn Ihr so wollt. Auf weiche Ziele wie BILD, RTL II, Bohlen oder Volksmusik. Aber auch auf jene – das muss man ihnen durchaus lassen – medial ansatzweise geschulten Agitatoren in einer durchinszenierten Öffentlichkeit. Eben jene, die in Personalunion unsere Regierung spielen – pardon – bilden, als auch das Rollenmodell vorspielen, welches nachzueifern einer ganzen Generation von BWL-Studenten scheinbar per Immatrikulation vorgegeben das höchste Ziel ist.

Unpolitisch zu sein heißt heutzutage eben auch, die Politik derer mitzutragen, die einem das Leben nicht nur schwer, sondern zur Hölle machen. Und das bedeutet wiederum, den kompletten aus freien Stücken bewilligten Verzicht auf Jammern und Meckern. Natürlich möchte ich nicht jeden automatisch an den Pranger gestellt sehen, der den Bauern bei der Frauensuche voyeurisiert oder Schauspielerimitatoren im durchchoreografierten Teenie-Clinch an den Traumständen des Prekariat-TVs erträgt. Aber Betäubung, gleich welcher Couleur, macht eben gleichgültig. Und serielle Sedierung im fälschlicherweise so geadelten Free-TV macht eben zusätzlich auch abhängig. Es ist doch wunderbar, wenn man auf Menschen herab blicken kann, denen es noch schlechter geht als einem selber, die nicht merken wie man sie benutzt, die man belächeln und beklatschen kann, die man per Sofa basierter Spende an die Sendergruppe in einem Moment zum Star hochjubeln und im nächsten Moment in der GMX-Kurzmeldung höhnisch verlachen kann, wenn sie den vorprogrammierten und vom medialen Establishment unbedingt einkalkulierten Absturz hin zu dem vollführt haben, was sie eigentlich waren, nämlich nicht weiter erwähnenswert und leider viel zu leichtgläubig. Man möchte sagen, unvorbereitet.

Wenn man im Kleinen, im eigenen Verhalten nicht gewillt oder fähig ist, dem zu begegnen, was einem im Alltag – und das betrifft jeden einzelnen von uns unmittelbar und so persönlich wie es eben möglich ist – die Parameter vorgibt, soll heißen, den medialen Blendern, den staatsseitig absolut gewollten Dealern einer auf das Äußerste strapazierten Doofmannsunterhaltung nicht das Geringste, also wenigstens Desinteresse, entgegen zusetzen, gibt es wenig Grund zu murren oder sich zu beschweren. Ich möchte hier nicht einmal die fernen Beispiele heroischen Widerstands gegen totalitäre System bemühen, um das Loblied des Kleinen zu singen. Es reicht völlig aus, sich das eigene Desinteresse am ebenso eigenen Schicksal vor Augen zu führen. Sind wir nicht alle irgendwo Stammtisch erprobt, wenn es darum geht Politik zu kritisieren, Missstände anzuprangern, das eigene – scheinbar nicht hinnehmbare aber seltsamer Weise auch nicht zu ändernde Leid zu beklagen?

Egal ob wir unseren Kindern ein passives, obrigkeitshöriges Verhalten angesichts eines sowohl untermotivierten als auch überkapazitären Bürokratenapparetes vorleben; egal ob wir uns mit unseren Freunden nur noch über die debile Programmpolitik indirekt – da pekuniär dafür entlohnter – systemkonformer Hirnweichspül-Sender in Form inhaltsschwerer Diskussionen entladen; egal ob wir uns des öffentlichen Diskurses enthalten, wenn Themen, die uns unmittelbar betreffen das Gemüt der Öffentlichkeit bestürmen. Verdammt, es geht um das Kleine, es geht um das Winzige, es geht um den Moment, es geht um das Jetzt!

Aber was soll`s? Ist es nicht auch eine völlig freie Entscheidung, eine fließend aus sich selbst generierte Meinung, wenn man nichts sagt, wenn man nichts denkt? Ist es nicht das Recht eines jeden, sich der öffentlichen Diskussion zu enthalten, sich ins Private zurückzuziehen? Aber sicher doch. Nur nehme ich dann in Kauf, dass andere für mich das Öffentliche entscheiden. Dass andere für mich das entscheiden, was mein Leben bestimmt. Und hier, liebe Freunde, hier haben wir nun alle die Wahl. Wir haben die Wahl, für das was wir wollen einzutreten, oder zu akzeptieren, dass da jemand ist, der für uns entscheidet. Und dummerweise ist das mit Sicherheit nicht wirklich das, was wir selber wollen würden.

Wenn wir denn etwas wollen würden.

Wollen wir?

Versuchen wir doch einfach mal, uns eine eigene Meinung zu bilden, wie wir es doch eigentlich immer vorhattet. Wisst Ihr noch?
Es ist so unendlich tragisch. Es ist grauenhaft. Es ist nicht mit anzusehen, wie Du Dich tagtäglich quälst und marterst, Dir das Letzte abverlangt und doch keinen Meter weiter kommst.

Zumindest sah ich Dein stetes Scheitern vor meinem geistigen Auge. Eine Donna Quichote der Straße. Verdammt auf ewig gegen sich selber und die Ängste die Dich umtreiben zu kämpfen. Ausweglos. Ein Musiker, der immer und immer weiter übt, wird irgendwann – das nötige Talent vorausgesetzt – zu einer gewissen Exzellenz finden. Einem Maler der dran bleibt und sein Sujet von Bild zu Bild erst findet und schließlich ein Leben lang perfektioniert, wird man das Fortkommen im nichtmobilen Sinne anmerken, ihn für seinen steten Wandel bewundern.

Doch Du tatest mir direkt leid. Dich sah ich heute Abend an der Ampel stehen. Stehen? Nein, Du bewegtest Dich eigentümlich unstet, rastlos. Du hibbeltest von einem Bein aufs andere. Du warst nicht mehr die Jüngste, was nichts Schlimmes ist, es fiel nur sofort ins Auge, weil Deine Kleidung einem von Weitem suggerieren wollte, dass ein junger, ach so mobiler Mensch in ihr steckt. Es schien beinahe so, als trügest nicht Du sie, sondern würdest von ihr geführt. Meter für Meter, Schritt für Schritt. Ich musste sofort an Spiderman denken, als er – wiederkehrend vom interstellaren Kampf Gut gegen Böse – in sein seltsames neues schwarzes Kostüm wechselte, welches ein perfides Eigenleben und damit ihn führte. Dein Kostüm führte Dich ebenso, schwante mir in den 20 flüchtigen Sekunden, die die Ampel, die mich aufzuhalten vorgab, um einen kurzen Blick in Dein Leben zu werfen. Dein ausgemergeltes Gesicht rang nach Sauerstoff und sichtlich nach Fassung. Die Fußgängerampel passte nicht in Dein Konzept, Dein Puls begann sich zu beruhigen und die bestimmt teure Pulsuhr hämmerte Dir diese Tatsache unnachgiebig in die Augen. Der polare Brustgurt sandte das unfehlbare Signal aus, dass Dein Herzschlag nicht mehr auf dem nötigen Level bleiben wollte.

Daher das Gehibbel und der flehende Blick auf die beiden roten Männchen, dachte ich. Deine Figur dankte Dir Deine täglichen Anstrengungen sichtbar mit den wohldefinierten Konturen einer jungen Frau. Dein Gesicht zeigte sich dem höhnisch und sehr ungebührlich gegenüber und bestrafte die fettreduzierten Anstrengungen mit ausgemergelter Reife, die Dein Gesicht lummerlandgleich zu dem einer Scheinlolita machte. Vielleicht war es auch das Zählen der winzigen Körner beim genussvollen Müsli jeden Morgen, das Dich die Augen zusammen kneifen ließ, was tiefe Rillen in Deine Stirn meißelte, wo einfach zu wenig Fleisch von zu viel Haut gehalten wurde. Ich fragte mich in jenem Moment, warum Würde und Altern zwei so schwierige, sich scheinbar so oft bekämpfende Dinge sein können. Wie dem auch sein, es waren nur Sekunden und als die Ampel mir das grüne Licht zeigte, warst Du so schnell vergessen, wie das Lied im Autoradio brauchte, um zum erwartet frühen Refrain zu kommen.

Aber eben nicht ganz. Gerade muss ich an Dich denken. Ich habe gekocht. Fettig, gehaltvoll, lecker und ungesund spät, mitten in der Nacht. Und während ich voller Lust die Gabel in meine Speise jage, wische ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel, aus ehrlich empfundenem Mitgefühl.
Ein unglaublich zufälliges Vorhandensein und Zusammenfinden von etwas Materie, verleiht dem vermeidlichen Wunder des Geborenwerdens eine unabstreitbar sagenhafte Aura. Besonders wenn man ein Planet ist. Ein Planet, den unfassbar viele Lebensformen als ihre sinnstiftende Heimat betrachten. Bei näherem Nachdenken wird es nur den Ketzerischsten gelingen hier nicht ins Schwärmen, sondern bedingt durch diesen Umstand ins tiefste Grübeln zu geraten. Als die simpelste aller Fragen kann dann nur noch jene recht unwissenschaftlich formulierte daher kommen: Was soll das eigentlich?

Dankenswerterweise gibt es seit Menschengedenken – und das ist wahrhaftig nicht die Welt, wenn ich mir dieses Wortspiel erlauben darf – jene, die sich anschicken diese Frage auf das übelste verzerrt (und philosophisch weitaus zu hoch angelegt) zu stellen. So weit noch keinen Schaden anrichtend, haben diese mutenthemmten Menschen jedoch die Angewohnheit Theorien aufzustellen. Und als seien sie der eigenen Sprache nicht vollends mächtig, verwechseln sie alsbald die eigenen Theorien, das Ungreifbare betreffend, mit messbaren Ergebnissen.

Ein halbes bis dreiviertel Leben weiter ringen die großen Theoretiker in großer Mehrzahl mit dem eigenen Tode und sind sich der Bestätigung ihrer persönlichen Theorien somit so nah wie nie zuvor. Paradoxerweise jedoch verfallen die meisten von ihnen, ihres sicheren Abstandes beraubt, der einen so mutig werden lässt in Bezug auf das Universelle, zurück auf althergebrachte Theorien ihnen persönlich wie geistig völlig fremder Theoretiker. Ohne sagen zu können, was diese längst vergangenen Philosophen nun im Angesicht des potentiellen Zerbröckelns eigenen Denkens, richtiger gemacht und gedacht haben als man selbst, betet man plötzlich doch jene rituellen Formeln, dessen Richtigkeit man – fast – ein Leben lang angezweifelt hat.

Und ehe man sich’s versieht, ist der Ursprung erstaunlicherweise das geringste Problem mit dem man sich konfrontiert sieht.
Worte ohne Sinn - ROT markiert.*

Eine ganze Generation hat sich die Wut auf die Fahne geschrieben.

Die wahre Wut, die einen packt. Die einen packen muss, wenn man 20 ist. Wahr ist, wenn Du begabt bist, packst Du diese Wut in schneidende Töne, hämmernde Worte, verschaffst Dir Gehör unter denen, die es ähnlich sehen. Wenn Du genial bist, tust Du denen da oben sogar weh. Du gibst den Nestbeschmutzer, den Stachel im Fleisch – bis die Feuilletons Dich mögen. Dann hat Dich das Establishment und die Kunst ist Dein Beruf. Es gibt kein Zurück für Dich, denn Du bist ewig 20. Bist Du 40 und kein Feuilleton bemerkt Dein Werk, hast Du eine Chance. Du hast die Chance ihnen weh zu tun. Denken die. Du denkst, Du bringst die Gesellschaft nach vorne. Du bildest einen Pol, findest Deinen Platz gleichermaßen in und neben der Gesellschaft.
Aber: Was ist mit der Wut? Du schätzt guten Wein, hast Dich politisiert, kennst die angesagten Künstler, willst Deine Ruhe haben.

Was ist mit der Wut?
Worte ohne Sinn, rot markiert?
Ja. Die gibt es. Ohne Ende. Und Du willst es noch immer. Du willst es noch immer niemandem recht machen, Außer denen, die Du liebst. Und die kennst Du inzwischen ganz genau. Und genau das macht Dich wütend. Das macht Dich wütender, als Du jemals zuvor gedacht hast zu sein.

Schon mal daran gedacht, dass es so etwas wie Generationen nur gibt, um Dir Deine Gefühle vorzugeben? Um Dir Dein Verhalten zu diktieren? Ab 30 wirst Du milder. Ab 40 kurz unzufrieden, dann gleichgültig. Scheiß drauf. Sei ehrlich. Denk nach. Dann wirst Du nicht ruhiger. Du artikulierst Dich anders. Anstelle von Hardcore tritt Kabarett. Aber: Glaubst Du echt, das macht einen Unterschied? Meinst Du, der Typ auf der Bühne, dem Du Deine Hände schenkst, ist mit 40 zu ruhig geworden, um Euch die Gesellschaft vorzuführen?

Und vor Allem: Glaubst Du wirklich, dass die Form die Rebellion bestimmt? Wenn Du das glaubst, bist Du für die Wut verloren.
Wenn Du das denkst, sind die Worte ohne Sinn rot markiert und Du hast die Wut aus Pflichtgefühl verspürt – gewollt. Weil Du 20 warst. Weil Du das Klischee bedient hast. Es geht nicht um die gereckte Faust, nicht um Gebrüll oder Parolen. Wer das glaubt hatte seine Zeit, aber nicht das Bewußtsein. Es geht ausschließlich um Mitgefühl, um Denken, nicht egal*2 , Wollen. Darum seinen Egoismus nicht auf dem Rücken andere auszutragen. Es geht nicht darum, die Worte rot zu markieren, sondern Worten eine Bedeutung zu verleihen, Worten Taten folgen zu lassen.

Worte – Freunde im Geiste, Ihr wusstet es auch mit 20 – können etwas bewegen. Sturm und Drang sind auch meine Weggefährten und ich mag so oft es geht verzweifeln. An Modernismen, an allem was sich in den Weg zu werfen bereit erklärt. Aber ich reiche Euch nun genau die erfahrene Hand, die Ihr anzweifeln müsst. Nämlich die des Verständnisses. Und wer will bitteschön denn verstanden werden, wenn er wütend ist? Mit 20? Mit 30? Ich etwa? Oh Gott, nein! Bleibt die Frage: Hört das jemals auf?

Was bleibt sind dann wohl am Ende ... Worte, rot markiert.
Und wir hoffen Generationen übergreifend auf Rückgrat. 
 
* Danke Escapado 2007
*2 But Alive ... und Kettcar
Wäre es nicht verlockend, eine Entscheidung rückgängig, ein Wort ungesagt, eine Handlung ungeschehen zu machen? Die ehrliche Antwort muss lauten: absolut! Wer wäre stark genug, gefeit gegen die Versuchung, folgeschwere Entscheidungen – oft aus dem Bauch heraus, einem Gefühl folgend getroffen – mit einem befreienden Achselzucken dem Niemalspassiertsein zuzuführen.
 
Wenn man ein Ereignis auf den Moment des eigentlich Erlebten fokussiert, den Sekundenbruchteil der Entscheidung alles erweiternd reduziert auf den Ausdruck, den Ausbruch einer Emotion; wenn man sich selber, seinen Willen, sein Unvermögen, sein Ich in einem Moment des Extremen als die Richtung gebende Instanz erkennt oder gar akzeptiert, wird man zu einem Punkt kommen, an dem man schlicht verzweifelt – oder eben erstarkt in einer nie vermuteten Freiheit, die, oftmals dem Abgrund die Hand reichend, eine – vielleicht die einzige – Alternative aufzeigt zum schlichten Gehorsam, zur Verneinung der eigenen Identität.
 
Die Texte in „Der Virologische Magnet“ nähren ihre Faszination aus der unfassbar kleinen, oft unsichtbaren Grauzone eines in sich geschlossenen aber niemals – weder zeitlich noch emotional – hermetisch abgeschlossenen Moments. Alles basiert auf einer Entscheidung. Einer freien Entscheidung. Alles passiert in einem Augenblick. Das ganze Leben ändert sich inmitten der Zeitraffer eines Augenaufschlags in einer Art, die nicht einmal der Besitzer des Auges vorhersehen kann.
 
Das kleinste Detail kann das spannendste, das alles entscheidende sein. Bösartige Anhäufungen von Adjektivismen können die Empörung hervorrufende Oberhand gewinnen über den von Empfindungen geleiteten Erzählfluss, der sich sperriger Weise nicht unbedingt als Pausenliteratur geriert.
 
Wer sich auf die Welt der immer unterschätzten, alles bestimmenden kleinen Dinge einlässt, wird mit Perspektiven belohnt, die Gedanken explodieren, Visionen entstehen lassen können.
Eine sich verneigende Plattenbelobigung

Die in Perfektion einander ergänzenden Songs sind in ihrer fließend homogenen Zusammenstellung das Nonplusultra einer unfassbar eingespielten Hardcoreband auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, welches sich niederschlägt in der emotional ergreifenden Mischung aus kongenialer Instrumentierung, triefend süßen und ans Herz gehenden Melodien sowie brutal geschrienen Hardcoreabfahrten, abgerundet tiefgehenden Lyrics zwischen gesellschaftskritischen Aufschreien bis hin zu persönlichem Seelenstriptease auf literarisch konstant hohem Niveau.
 
Kein einziger Moment auf dieser Platte dient dem Selbstzweck, jedes Geräusch, sämtliche geschickt ineinander verschachtelten Übergänge dieser niemals ruhenden Platte, einfach alles fügt sich in ein großes Ganzes und transportiert die Gefühle einer natürlich an sich selber gewachsenen und letzlich großen Band kurz vor der freundschaftlich beschlossenen Auflösung, die dem Zerfall zuvorkommen, der Freundschaft die Ehre erweisen sollte. Ich verneige mich vor Boysetsfire.

Und sehe absolut positiv gestimmt über die Reunion in die Zukunft! 


Es ist schon erstaunlich wie sehr man eine Band vermissen kann, wenn sie sich einmal aufgelöst hat. Wie sehr es einen ergreifen kann, wenn man die letzten energetisch kaum zu überbietenden Zuckungen in Form eines Abschiedskonzerts immer und immer wieder anschaut und es einen mit wohligen Schauern angedenk des Erlebten durchflutet.Es ist erhaben wie stolz man auf die Entscheidung seiner Helden sein kann, sich in Freundschaft und inmitten eines kreativen Schubs aus den richtigen Gründen aufzulösen. Und dennoch war da immer diese eine Hoffnung, dass das bislang lauteste und formidabelste Wort um Himmels Willen nicht das letzte gewesen sein möge. Und plötzlich ist das so herbeigesehnte Gefühl einer erneuten Epoche, die es mitzuerleben gilt da. Kaum zu glauben nun, dass dieser Glücksfall, dieses Eintreten des musikalischen Sehnens, dennoch nicht den Stolz schmälert, den man damals empfunden hat, als sich Boysetsfire getrennt haben und dass es auch jetzt wieder das erhabene Gefühl gibt, diesen Jungs nur das Allerbeste zu gönnen und somit auch sich selber wieder in den Taumel zu stürzen aus Energie, Botschaft, Geschrei, gereckter Faust und genialen Melodien. Mögen diese kreativen Geistern in aller Freundschaft noch so einiges abfackeln im Sinne der Kunst und der Menschlichkeit! 

„Ich atme Glut“, sagte sie ohne einen Anflug von Schmerz
oder Unzufriedenheit.

Ein zäher Moment des Nachdenkens hinterließ seine klebrige Spur
auf den Randnotizen der verstreichenden Zeit und tropfte wie
frisches Harz zwischen seine Unterlagen, in denen er unmotiviert mit
kalten Fingern blätterte, gewiss, nicht das Geringste zu finden, das
ihr helfen könnte. Das ihm helfen könnte ihr zu helfen.

„Seit wann verspüren sie es?“, fragte er sichtbar hilflos. Er
schaute sie mittelbar an, so distanziert, wie es eben ging, wenn man
sich direkt gegenübersaß, getrennt von nichts als auf das Äußerste
komprimierter Zeit, die sich puffernd zwischen jedes seiner eisigen
Worte drängte, ganz als müsse sie die Bedeutungen eines jeden
trennen, um sie vor Gewalt gegen sich selber zu schützen.

„Ich denke, schon immer.
Ich habe es nur zuvor nicht gemerkt.“

Sie spürte seinen um Verständnis bemühten Blick. Seine Pupillen
schienen direkt in die ihren zu sehen, ohne sie jedoch wahrzunehmen.
Ein Blick, dem jede Wärme bereits abhanden gekommen war,
den man einsetzte, wenn man sich nicht die Blöße geben wollte,
auf den Boden, in die Luft oder in die Leere dazwischen zu starren.
Ein Blick, der noch viel schmerzlicher war als schlichtes Wegsehen.
Zwischen ihnen gab es einen Temperaturunterschied, den zu messen
kein Thermometer in der Lage gewesen wäre.

Ich bin hier, wollte sie rufen. Ich bin doch hier. Sie schwitzte.

„Ist es, wie ich es mir vorstelle?“, bohrte er halbherzig, beinahe
auch körperlich abwesend, und warf sich das Ende des dünnen
Schals über die Schulter. „Tut es weh, brennt es, ich meine ...
... ist es wie ...“

„Nein.“, unterbrach sie die sich selber in ihrer selbstgerechten
Masse bestätigenden und aufblähenden Worthülsen. Seine
sich selbst auf die Schulter klopfenden Hände gefroren vor ihren
funkelnden Augen zu Eis, fielen zu Boden und verteilten sich
splitternd in konturlosen Brocken auf dem Parkett, ohne auch
nur einen Kratzer, eine Spur zu hinterlassen.

„Ich atme Glut“, wiederholte sie sachlich und sah ihm durch
die erkalteten Augen in sein Herz. In diesem Moment wurde ihr klar,
dass sie sich nicht weiter würde bemühen müssen. Dieser Mann
würde eher in sich selbst gefrieren, als ihr auch nur einen Zentimeter
Verständnis entgegenzubringen. Er konnte es nicht.
Und sie wusste es.

Sie erhob sich mit einer grazilen Bewegung aus dem Sessel und
schmolz die gefrorene Zeit mit einem Moment knisternden Aufloderns,
um sie herum bildete sich eine funkensprühende Aura, die
ihn zurückweichen ließ.

„Ich werde nun gehen“, sagte sie ruhig und ohne Groll.

Der Mann konnte sie nur mit zusammen gekniffenen Augen
betrachten und musste seinen Schal lockern. Er wollte etwas sagen,
vielleicht um seine eigene Anspannung zu lösen, sein plötzlich
wahrgenommenes Unwohlsein zu mildern.

„Nein“, sagte sie und neigte ihren Kopf zur Seite. Der Mann
gefror in seiner Bewegung, die sich ausschließlich um seinen Mund
herum abzuspielen begonnen hatte und passte sich in Mimik und
Ausdruck seinen glazialen Augen an.

„Aber ... Ihr Problem ...“, zwang er sich pflichtbewusst
zwischen seinen Lippen als Laut heraus zu pressen. Seine Augen
waren, vielleicht aus Angst vor etwaigen inneren Verbrennungen,
nun nicht mehr als dünne Schlitze, aus denen sich nicht einmal mehr
ein Lichtstrahl als funkelnder Reflex zurück verirrte.

„Ich habe kein Problem“, sagte sie im Wegdrehen und
öffnete die Tür.

„Was ... was soll ich denn nun sagen, was Sie ...?“,
stammelte er, hörbar besorgter um sich selbst als um sie.

„Sagen Sie einfach“, erwiderte sie mit warmer Stimme,
während sich die Tür zu einem ihn nun vollends blendenden Spalt
verengte, „ich atme Glut.“

Sie schloss die Tür lautlos und begann ihr Leben.




Auszug aus "Der Virologische Magnet" - bald GRATIS auch über diesen Kanal - Also Augen auf!
Was ist eigentlich los mit diesem Land?
Während die lustige Regierung das Versagen in Reihe als Erfolg verkauft und mit dummdreist grinsenden Politikerdarstellern die Talkshows überflutet, zeigt der Staat überraschend anschaulich, wozu er doch im Stande ist, wenn man ihn reizt und wir stehen staunend wie die Kinder da und sind überrascht, geradezu geschockt.

Wenn man ihn mit Meinung konfrontiert. Stellvertretend für alle Hardliner mit Befehlsgewalt hat Herr Rech bewiesen, dass selbst unschuldige und nun wirklich nicht instrumentalisierte Kinder nicht vor ihm sicher sind. Merkt eigentlich keiner, dass der Staat den demokratischen Bürger beschützen sollte, der ihn ausmacht? Der Bürger IST der Staat. Herr Resch ist ebenfalls ein schlichter Bürger dieses Landes und als solcher hat er dermaßen daneben gegriffen, dass es uns eine Freude sein sollte ihn mit den friedlichen Mitteln der Demokratie bei der nächsten Wahl - so er sich denn überraschender- und skandalöserweise so lange halten sollte - zum Teufel zu jagen. 

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich stehe zu diesem Staat und unserer Demokratie und Menschen dürfen und werden immer Fehler machen. Aber jeder hat die Konsequenzen aus seinem Tun zu tragen und ein öffentliches Amt schützt nicht vor diesen Konsequenzen. Also lasst Herrn resch Eure Stimme hören und tretet hervor aus der kuscheligen Herde.


Trauer ist ein Zustand, den man nicht beschreiben kann, ohne dass man den eigentlichen Kern außer acht lässt. Trauer kann man nur fühlen und erleben. Trauer muss man ausleben und ich glaube man kann sie nicht teilen. Geteiltes Leid ist ein Mythos. Trauer ist auch Wut. Über die Welt, die im allgemeinen unfair ist, über sich selbst, der man die Chance etwas zu sagen verpasst hat, über das Ungreifbare.

Trauer ist reine Ohnmacht.

Aber Trauer ist auch ein perverser Appell an sich selbst etwas zu ändern. Sich selbst zu reflektieren. Und den Arsch hoch zu kriegen, sei es für den Verlust, oder für sich selbst. Trauer lähmt kolossal und Trauer tritt Dir in den Arsch, wie nichts Vergleichbares. Gewisse Gedanken verbieten sich plötzlich von vorneherein, weil sie der reine Hohn wären. Andere drängen sich in den Vordergrund und wollen bleiben. 

Was mich angeht, das dürfen sie gerne.


Ich denke, glaube, bin im Ernst überzeugt zu wissen, dass es unter allen kreativen Menschen auf der, sich den Luxus um so etwas Nebensächliches, da nicht vordergründig  Lebenserhaltendes kümmern zu könnenden, Welt einen wesentlichen Teil – bestimmt gut die Hälfte – gibt, die essentiell arbeitsscheu sind. Und ich spreche hier nicht von Architekten, Werbern, sonstwie gedacht oder gewollt Gebrauchskreativen, die sich das Leben mit dem existenziellen Zwang zur Hölle machen, einem tumben und nicht ansatzweise nach Genius verlangenden mobartigen Markt, verkaufsfertige Ideen liefern zu müssen. Es geht mir nicht im Entferntesten um jene, die ihr Geld, ihren Lebensunterhalt mit dem Generieren von Ideen verdienen, die man in Perfektion zum Ankurbeln der regionalen, nationalen, globalen, ja von mir aus dereinst multiplanetaren Geldmaschinerie  nutzen und missbrauchen kann.

Ich möchte eine zittrige, aber aufrechte Lanze brechen, für jene Freigeister, die im fahlen Zwielicht einer flitterigen RGB-zerschredderten Dokusoap auf schmuddelig abartigen Sendern, welche den Erstgenannten ihren Lebensunterhalt auf gleich zweierlei Arten erhalten, nur unzureichend und milieugerecht beleuchtet werden.

Wie oft wird der, wider besseren Wissens, hässlich verliftete Mundrest – so weit noch möglich – art- und standesgerecht verzogen, über diejenigen, die an der eigenen Wand zum über Umwege bezahlten Hängen gekommen sind. Wieviele Menschen schmücken sich, niemals vorhandenes Wissen und einen niemals zu erreichenden kulturellen Stand vortäuschend, verbale Dissonanzen nicht nur erzeugend, sondern auch mangels Gegenwehr enervierend und über seines Gleichen multiplizierend in die Welt tragend, mit der persönlichen Bekanntschaft dieses unfassbaren Genies, welches der Kunstwelt doch ach so viel zu geben habe, sich selber jedoch niemals von seiner eigenen, schicksalsbehafteten und somit kunststiftenden Biografie wird lösen können. Die Tragödie einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung ist nach wie vor einer der besten Aufhänger für nicht weiter das Ego belangende Gespräche in einer Gesellschaft, die nichts Höheres gelernt, nichts Geileres kennen gelernt hat, als das monumentale, totale, persönliche Scheitern eines Individuums zum höchsten Gut zu stilisieren. Was gibt es Schöneres, Erbauenderes und vor Allem Sichereres, als einem anderen aus sicherer Entfernung zuzusehen, als zu applaudieren, dem beinahe beneidenswerten, da in naher Zukunft berühmten, im Optimalfall sogar unsterblichen Delinquenten gar in gespielt devoter Zuneigung zu huldigen, wie sich dieser in hilfloser Agonie seines schlicht um Existenz bemühten Tuns abrackert, seine Profession in Übereinstimmung mit einer adäquaten
Überlebensart zu bekommen.

Maler, Zeichner, Schriftsteller, Musiker, Bildhauer – alle sich selbst Ausdrückenden, Ihr Innerstes zu Äußerst Kehrenden, ihrem ganz persönlichen Drang nach Ausdruck ihrer noch viel persönlicheren Freiheit und Gefühle Strebenden – alle Künstler im Wortsinne, welchen unsere Gesellschaft durchaus diesen scheinbar privilegierten Namen - man muss sagen diesen vorsätzlich erhabenen Status – in ihrer ureigensten Gnade und Großzügigkeit zugesteht, sind hier auf eine Art, einem gefühlten Stand vereint, der sowohl ihren bipolaren Status in einer schizophrenen Gesellschaft, die zwar der sie dokumentierenden und kritisierenden Kunst bedarf, nach ihr als bleibendes und erhebendes Element dürstet, aber genau so viel Abstand von ihr nimmt, wie die Norm es gebietet, um die Kunst erst als Kunst anerkennen zu können, als auch ihre Protagonisten in einer Art verdammt und gleichzeitig voyeuristisch, absolut um ihre vermeidlichen Freiheiten beneidend beobachtet,    
dass ein in diesem bürgerlichen Umfeld normales Leben – nach dem auch Künstler mitunter dürsten – kaum oder gar nicht mehr möglich ist.

Paradoxerweise bin ich überzeugt davon, dass es eben nicht die Tatsache des Ausgestoßenwerdens ist, die Künstler in Scharen zu Anhängigen von Drogen unterschiedlicher Couleur macht – nebenbei für die Gesellschaft in ihrer Masse erwähnt, nicht ansatzweise zu verwechseln mit Abhängigen. Der anerkannte oder selbstbestimmte Pariah kann bestens ohne Drogen auskommen, hat er doch die Anerkennung der Massen, kritisch oder schlicht konsumierend – wobei erfahrungsgemäß erstere elitär-schwachsinniger, letztere breiter aber nicht weniger schwachsinnig, wenigstens in Bezug auf Kunst ist.

Es ist die anfänglich genannte Scheu vor Arbeit.
In der Tat hat wohl jeder kreative Geist unendliche viele kreative Ideen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Quasi immer.

Kaum eine – immer auf die Masse gesehen (die mitunter auch aus 3 meinungsbildenden Kritikern bestehen kann) – dieser Ideen wird jedoch tatsächlich genutzt, soll heißen umgesetzt, verarbeitet, verwirklicht, erlebbar gemacht. Kein wahrhaft kritischer, insbesondere selbstkritischer – und mit den Mindestanforderungen an einen reflektierenden Menschen gesegneter, unabhängiger Geist, wird beispielsweise einem lediglich von Geltungssucht, gepaart mit einem übersteigerten Ego und der nachvollziehbaren Tendenz zum eigenen Überleben mittels Einsatz seiner beschränkten Mittel getriebenen „Künstler“ wie Jonathan Meese unterstellen, an einem Übermaß an Inspiration oder Wahrhaftigkeit zu leiden. Hier muss nichts raus. Hier will ein Individuum überleben, hat verstanden, wie man es wahrnimmt und spielt das Spiel mit. Und das funktioniert wunderbar. Das Individuum lebt, die Idee ist tot, oder auch niemals in die Reichweite einer Geburt geraten.

Der Künstlertypus über den ich hier spreche, ist von einer ganz anderen, durch und durch triebgesteuerten Art. Ihm wohnt eine Fähigkeit – welcher Ausdrucksart, welcher Kunstform sie auch immer sei –  inne, gepaart mit der unbändigen Lust diese ausdrucksstark auszuleben; sich nicht durch den ungezügelten Ausdruck seines Schaffens ein sorgenfreies Leben in finanzieller Unabhängigkeit zu verschaffen, sondern schlicht zu überleben, indem er sich ausdrückt; die Barriere zwischen der permanenten – und ich meine permanenten im Sinne von immerzu existenten und drängenden – Gedanken- und Ideenebene zu überwinden; die eigene Faulheit in den Schatten zu stellen.

Und genau an diesem Punkt kommen die – wie auch immer gearteten – Drogen ins Spiel. Fälschlicherweise ist die allgemeine Wahrnehmung, dass Musiker, Maler, Künstler im Allgemeinen zu Drogen tendieren, weil sie den Kick bräuchten, die Visionen, die körperfremde Substanzen ihnen erst ermöglichen. Ich behaupte reinen Gewissens und freien Herzens, etwas anderes. Die meisten Getriebenen, die Majorität der Künstler – so wie wir sie bezeichnen, kategorisieren und abstempeln würden – wie ich sie kenne, braucht und benutzt die Drogen, sei es schlicht und im überwiegenden Maße der Alkohol, als auch Gras oder im seltensten Falle Schlimmeres, für genau einen Schritt. Nicht um Ideen zu finden – was zumeist ein völlig schwachsinniger Weg ist. Nicht um sich von seiner Umwelt abzugrenzen oder gar in andere Sphären abzutauchen. Es ist um ein Vielfaches simpler, pragmatischer und entmystifizierender:
Die meisten Künstler benutzen die Drogen, um anzufangen zu arbeiten. 
Um den ersten Schritt zu machen, mitunter belanglose Vorarbeiten zu beginnen.
Um das oft wahrhaft langsame Vorkommen spannender, lustvoller zu gestalten, die eigentliche Arbeit im Wortsinn vorzubereiten und in handwerklichem Sinne den Grundstein für das große Ergebnis zu legen.

Eben: Um den Schritt vom schlichten, ungreifbaren Gedanken – den wir alle, alle, alle – ständig und immerzu haben, mit uns führen, weiter denken und schlussendlich zumeist verwerfen – umzusetzen. In eben jenes großartige Kunstwerk, welches viele von uns erdenken – ungedacht der zweifelsfrei nötigen  aber durchaus mitunter auch anzuerlernenden Fähigkeiten – aber nur wenige in die Tat umsetzten.

Reprise von derherrgott - 23. September 2009
Na, Ihr Übergroßen, Ihr zart über dem Boden Schwebenden, wie lebt es sich eigentlich als Übermensch? Wie fühlt es sich an, als jemand, der seinen ganzen Glanz einer Technologie verdankt? Fühlt man sich überlegen, obwohl die eigene Leistung bei diesem Schwanzvergleich nicht einmal eine untergeordnete Rolle spielt? Sie besteht einzig (leider nicht so allein, wie Ihr es gerne hättet) darin, als Konsument bewusst eine Entscheidung getroffen zu haben. Glaubt Ihr zumindest.

Dabei stört es Euch nicht einmal einer - natürlich den völlig individuellen Anschein wahrenden -Massenmaschinerie unterworfen zu sein, die Ihr kapitalistisch auf die Spitze getriebenes Vorbild im blind machenden Wesen der Religion findet. Auch der von Euch so freiwillig und mit einem feisten Grinsen im Gesicht hoch bezahlte Mehrwert ist ein schöner Schein. Eine schicke Fassade die Euch, das eigene Unvermögen kaschierend, auf ein kleines, durchgestyltes Treppchen verhilft, von dem aus Ihr Eure in die Luft gereckten Näschen von ein wenig Höhenluft umschmeicheln lassen könnt.

Ihr erwartet jede Neuerscheinung, jede materielle Blähung Eures Gottes mit unkritisch debil verzückten Gesichtern und willig gezückten Portemonnaies und feiert den Heiland, der Euch dies alles beschert hat. Der Euch befreit hat von der Tyrranei des schnöden Massengeschmacks, der den Pöbel bedient und ihm lediglich die technologischen Reste zum Fraß vorwirft, der ihn mit rückschrittiger Technik verblendet, auf dass Ihr - die Erleuchteten - noch heller strahlen könnt. Ihr seid so von Eurem eigenen Geschmack begeistert, trunken vor Arroganz und der – ich bin sicher, Ihr meint es ernst – Gier die Ersten zu sein, dass Ihr gar nicht merkt, dass der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Euch darin  besteht, dass Euer Gott sich das elitäre Gefühl, welches Ihr Euch nur selber vorgaukelt, von Euch teuer bezahlen lässt.

Aber es ist ja auch gut so. Man erkennt Euch. Man kann Euch ausweichen. Man kann sich herrlich mit Euch amüsieren. Es ist ja nicht so, dass Ihr lediglich Eure Sakrilege, die Euch Euer Herr gegeben hat, benutzt, anstarrt, vergöttert, über sie redet und sie in Eurer Welt zu etwas Magischem erhebt. Nein, zu meiner und unser aller Freude tragt Ihr sie mit Euch herum, Ihr verkleidet Euch mit ihnen, Ihr schmückt Euch – so denkt Ihr – mit ihnen. In angesagten Cafés sitzt Ihr herum, meist leider allein, gebrandmarkt mit seinem blass glimmenden Zeichen, trinkt Latte Macchiato, tragt 80er-Jahre-Polohemden mit – wenn Ihr ganz wild drauf seid – hochgeschlagenem Kragen, die weißen Kabel hängen Euch träge aus den brav und modisch frei geschnittenen Ohren, die – ob sie wollen oder nicht – beschallt werden mit Konsens- und Gebrauchsmusik zwischen Café del Mar und längst verklungener Zukunftsmusik wie Jean Michelle Jarre.

Wann immer man einen der Euren erblickt sieht es geschäftig aus, als arbeite er rund um die Uhr. Stets bemüht etwas Neues, Großes zu erschaffen. Dabei surft er zumeist doch nur den großen Einfällen anderer hinterher, stets bestrebt sich im Glanze der Kreativen zu sonnen, noch ein wenig knuspriger zu erscheinen. Unfassbar oft verbirgt sich fürwahr ein Werber (oder einer von denen, die immer noch glauben, dass dies ein aus einem der folgenden Gründe anstrebenswerter Beruf wäre: ein Gehalt jenseits der Gut&Böse-Grenze, (Liechtenstein ich komme), eine wünschenswerterweise gerade 18 gewordene traummaßgebeutelte, mindestens aber 15 Jahre jüngere Frau, ein Wagen, der definitiv zu cool ist, um ihn noch umweltfreundlich nennen zu müssen). Es ist leider wirklich unfassbar oft ein Werber, oder jemand der gerne einer wäre, hinter dem blassen Schein jenes Gerätes, bei dem Weniger, pardon, Klarer mehr kostet. Und nicht weniger oft benötigt er Aufmerksamkeit, Bewunderung und – so eine Schmach – eine (eigene) Idee. Dummerweise hat ihm aber beim Verkaufsgespräch oder in der Selbstliebegruppe seines favorisierten Markenartiklers niemand darauf hingewiesen, dass Ideen, Kreativität, Eigenständigkeit, ein eigener Wille, selbstständiges – besonders unabhängiges – Denken, ja eine verdammte Persönlichkeit nicht als App verfügbar sind.

Was also nun tun? Schnell mal die üppig vorhandenen „Freunde“ auf Facebook abchecken? Ach nein, geht ja nicht, die sind schließlich gerade dabei, ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen oder sich gegenseitig den Arsch zu lecken – und das gut zu finden. Wo soll nur die entscheidende Idee herkommen? Weder Jean-Michelle noch Café del Mar bringen Rat, also hilft nur noch eins: Ablenkung! Da vorne sitzt ein Feind. Man erkennt ihn schon daran, dass man ihn kaum erkennt. Ein Gesichtsloser, der sein Fenster geöffnet hält, wie kann er nur? Schließlich ist es die Verschlossenheit, die verschworene Einheit, das Wissen um die bessere, die wegweisende und vor Allem nur Eingeweihten erschließbare Technologie, die spießige Besserwisser zur Elite macht.

Um Himmels Willen, was wäre, wenn jeder plötzlich einsähe, welch Potential in dieser Geheimwissenschaft steckt? Wäre der Eingeweihte plötzlich gar kein Opinion Leader mehr? Gäbe es von jetzt auf gleich keine Front mehr, die es aufrecht zu erhalten lohnen würde? Woher sollte der minderbemittelte, Faulobst liebende Freizeitexistenzialist nur die Abgrenzung nehmen, die er doch so arg für sein leider zu kurz, zu klein geratenes, ... aber lassen wir das, ... für sein – und es ist fast immer ein „er“ - wie auch immer geartetes Ego benötigt? Tja, scheiße. Sehen wir es einmal positiv. 
Aber erst im nächsten Teil der Apfelsaga ...

Reprise von derherrgott - 20. Juli 2010