Na toll!
Im Moment arbeite ich recht üppig, womit ich mich nicht fett genannt wissen möchte - auch wenn ich das hier seit heute Mittag ungekühlt herum stehende Eiermayonnaisendings lieber nicht mehr hätte mit den Restbrötchen aufstippen sollen - da freue ich mich über jedwede Ablenkung. Aber dann passiert mir das ...

Verdammt, der Herr Kanzler, der einzige wahre Mann mit Stil, der Bügeln kann wie ein junger ich, hat mich erwischt, da lese ich voller Interesse seinen Blog und denke, "didumm didummsel ... das ist aber ein zauberhaftes Anliegen mir einen Tweet zu schicken mit einem Link zu seiner regierungsherrlichen Seite" und schon hat er mich am Wickel. Nicht, dass ich Locken hätte um sie zu benutzen, aber vielleicht ist genau das der perfide Plan. Meine nicht vorhandenen Locken mit seinem Wickel zu tunen ... aber zurück zum Stock! Heikooooo, was sind denn das für Fragen - denke ich bei mir, denn bei anderen zu denken wäre so vermessen, wie es mir mein Zollstock versprach, bevor er brach. Aber das ist eine verdammt noch mal ganz andere Geschichte!

Also *räusper* - die Rache ist mein, sprach ich einst - und ich muss wohl mal wieder härter durchgreifen. Was also möchte mein Kanzler von seinem Herrgott wissen, mal sehen:


Kannst Du Dich noch an Dein erstes mal erinnern? Beschreibe es mit EINEM Satz. Ausführlich natürlich. Kommata und Klammern sind erlaubt. Gedankenstriche sind erlaubt. 
Es war ein dunkler Tag, der vom Fehlen jeglichen Lichts dominiert wurde (ich erinnere mich, als wäre es erst vor ein paar Millionen Jahren gewesen) und ich fühlte mich leer, einsam aber derart kreativ, dass ich um einen Akt nicht herum kam und so sprach ich voller Erregung und Tatendrang jene Worte der Lichtwerdung, die seitdem ein gevögeltes in aller Munde Wort darstellen - aber ob ich es jemals wieder tun würde?!  
  
Beruf oder Berufung? Ist das die Aufgabe mit der Du Dein restliches Leben füllen willst?
Ich denke, ich bin einer der wenigen, denen es eine Berufung ist - und das betrifft sowohl meinen verdammten Schicksalsjob des Weltenerschaffers, als auch den in meiner irdischen Tarnung als Mensch, in al seinen Facetten. Es muss nicht die Werbung sein, aber Grafik, Kreativ sein, eben ... *grins* ... Erschaffen liegt mir wohl im Blut. Und das auf vielen Gebieten. Berufung!

Du sitzt mit 70 in Deinem Haus am See. Nenne mir DEN EINEN Satz den Du Deinen Enkeln mitgeben willst?
Verschwendet keinerlei Zeit an Hass, Missgunst oder Neid, und macht etwas Euch glücklich macht!

 Natürlich ist Dir nie was peinliches passiert. Aber mal angenommen, es wäre doch passiert: was könnte das peinlichste sein, das Dir, rein hypothetisch gesehen, je widerfahren ist? 
Ich denke, das wäre der Fall, dass mir beim Schnellnocheinentweetabsetzen das Smarttphone (natürlich Android ;-) ins Klo fällt. Nicht auszudenken ...

Romantik wird überbewertet, oder? Was würdest Du als romantisch bezeichnen? Also wenn Du romantisch sein würdest.
Auf einem Gipfel mit meiner Liebsten sitzen, einfach nur schauen, glücklich sein und schweigen. 


So - wer ist denn nun dran? 
Gedankenhalde
Ulf_Hundeiker
Suppenspucker
Worte wie Wogen
Pan Pagan


Eure 5 Fragen:
Was war das Bekloppteste, das Ihr bislang träumen durftet?
Welche Temperatur sollte Euer Essen im Idealfall haben?
Welches Thema interessiert Euch weltweit von allen Nachrichten am Allerwenigsten und warum?
Wen würdet Ihr zum Weltpräsidenten ernennen (mit Begründung)?
Wenn Ihr ohne Einschränkungen finanzieller oder zeitlicher Natur ein Hobby ausüben künntet, was wäre das?


Regeln für das Stöckchen
• Verlinke die Person, die Dir das Stöckchen zugeworfen hat
• Beantworte die Fragen, die gestellt wurden
• Bewerfe anschließend 5 Leute mit dem Stöckchen
• Gib den Personen Bescheid, dass Du sie ausgewählt hast
• Stelle 5 Fragen, die beantwortet werden müssen

Uff - ich denke, ich danke ... und zwar ab ... sofort zurück zur Arbeit ;-)

Meine neuen Seiten www.tegel10.de (Kommunikation | Werbung | Design) und www.tegel11.de (bildende und freie Kunst) sind online! Schaut doch mal rein und gebt mir gerne Feedback!
Was man als künstlerisch veranlagter Mensch in den mittleren Jahren für sich verinnerlichen muss, ist die Ruhe, dass man nicht binnen der nächsten 5 Jahre sein gesamtes Lebenswerk erschaffen haben muss. Selbst wenn man das sich selbst Vorgenommene nicht vollenden können würde ... der Welt wäre es doch leidlich egal, liebes Ego. Du machst das alles nur für Dich. Vergiss das bitte nicht.
Liebe Freunde der alternativen Musik - vom Schreiben kann ich natürlich genauso wenig leben, wie vom Musik machen, (oder Malen, oder ... :-) aber auch hier offenbart sich mir und meiner "kleinsten Big-Band der Welt" ein innerlicher Zwang zum unaufhaltsamen Weitermachen. Und so kommt es, dass gerade die nagelneuen Band-Shirts, Longsleeves und Co. zur aktuellen CD "Damocles" meiner wundervollen und heißgeliebten Alternative-Rockband PORTER erschienen sind.

Einfach mal stöbern, Größe auswählen und stolz damit angeben, dem Underground ein kennerisches Ohr geliehen zu haben.



Mehr Infos zu PORTER gibt`s auf http://www.porter-online.de/ - www.derherrgott.de/bands oder https://www.facebook.com/porter.rockt

Am anderen Ende der Welt sitzt ein sich selbst wiederholender Schriftsteller und weiß genau, dass es mich auch gibt. Ich reiche Dir die Hand, mein Bruder.

Einen Zugang zum eigenen Ich zu bekommen, einer gesättigten Masse gerecht werden wollend, angesichts auf einen hereinströmender Fluten, ist nahezu unmöglich - nimmt man das ursprüngliche Unterfangen aus Zeile eins derart ernst, wie man das zweitgenannte zu hassen bereit ist. Gab es auch zu allen Zeiten jene Gedanken, opferbereiten, ja im Wortsinne selbstlosen Menschen eine Art oberflächliches Denkmal zu setzen, vergas man bei aller Heldenverehrung mit einiger Zuverlässigkeit stets, die Frage nach dem Kern des Wesens des so Verehrten, dergestalt zu stellen, ob nicht auch genau jener Handlung ohne scheinbar eigenen Profit, ein individuelles Belohnungssystem innewohnt, welches den vermeidlichen Helden erst befähigt, seinen Dienst am Allgemeinwohl zu verrichten.

Keinesfalls die wohltätige Tat in Abrede stellend oder in die Nähe egoistischen Denkens rückend, gebe ich schlicht zu Bedenken, das sogar der reinste und viel zu selten auftretende Altruismus sein ganz eigenes psychologisches Motivationsprogramm mitbringt. Das Helfen an sich kann für dementsprechend emotional Determinierte ein Suchtpotential sondergleichen darstellen, welches des schlichte, von Gier angetriebene Streben nach dem "Mehr" nicht nur die ebenbürtige Stirn bieten kann, sondern einen so mächtigen Schatten erzeugt, der das Restglimmen der Raffgier leicht erstickt. Und das ist auch gut so. Denn schafft man es, die eingangs bemühte Masse, sich in einer so selbstlosen Form aufopfernd, komplett zu ignorieren, dass es derselben wie der pure Dienst an ihr erscheinen muss, ist man auf einem guten, emanzipatorischen Weg, dem eigenen Weg wohlgemerkt, sich eine Enklave des Ichs zu erschaffen.

Die Möglichkeiten der Freiheit, die sich nun seltsamerweise auftun, sind protegiert durch das staunende, aber auch weitestgehend desinteressierte Wohlwollen der Masse, da man als "Nicht Begriffener", plötzlich so unendlich viel mehr Raum zum Atmen erhält, dass es einen zunächst erschrecken mag.

Der Helfer ist in dieser sich kreativ ausweitenden Blase dem Künstler, der das Ansehen der Masse am Besten nicht nur weitgehend, sondern, um der Freiheit der Kunst und seiner selbst, in Gänze ausblendet, ganz nah. Näher, als man es vermuten könnte. Näher, als jeder der beiden es zugeben würde. Und dennoch schaffen beide auf ihre Weise etwas Relevantes, ja Gemeinnütziges, weitab der gängigen Verhaltensweisen, fernab des gesellschaftlich geförderten, per Dividende belohnten Raubtiersystems. Und im Kern, im Idealfall finden beide das, was so viele verloren glauben: Ihre Bestimmung, ihr Ich. Und ... die Wahrheit.

Was Hähme war wird Mitleid sein.

Was haben wir nicht alles über „den“ Amerikaner an sich, als Klischee und Archetyp des egozentrierten, eher mindergebildeten und in jedem Falle bis an die Zähne waffenstarrenden Menschen nachgedacht, gerätselt, geurteilt, gelacht. Wie haben wir die Cowboy-Mentalität republikanischer Präsidenten wie Reagan und der Mitglieder des Bush-Clans geschimpft. Wie einig und sogar stolz fühlten wir uns, als Bush jr. uns als das „alte Europa“ vermeidlich zu beschimpfen versuchte und uns unserer viel zu wenig aggressiven Haltung bezichtigte. Ich selber erinnere mich übrigens an jenen Moment, als den Punkt, da die meisten aus meinem Umfeld, mich eingeschlossen, ihren Antiamerikanismus, sowie auch das sich Besinnen auf die eigenen Stärken und ethischen Ansichten eines geeinten Europas, auf dem Höhepunkt sahen. Doch das sei hier nur deshalb nebenbei kurz erwähnt, da dieses Gefühl der moralischen Überlegenheit gegenüber einer – von Mitteleuropa aus gesehen – durchaus zum billigen Revanchismus neigenden Nation mit Weltvormachtsstellungsanspruch, die ihren Zenit vermutlich seit einigen Jahren hinter sich gelassen hat, niemals größer war, als in diesen Tagen, nach Beginn des zweiten Irak-Krieges.

Überhaupt: Krieg. Faktischerweise haben die Amerikaner und ihre Alliierten gerade Deutschland mit Hilfe des Eingreifens in den von Nazideutschland verschuldeten Krieg, nicht nur von der furchtbaren Katastrophe eines Greuel- und Verdummungsregimes befreit, dazu Europa und die Welt noch vor viel mehr unnötigen Opfern bewahrt, sondern dem Nachkrigsdeutschland auch zu wirtschaftlicher Stärke und sozialem Wohlstand verholfen, wenn auch, das sei aber verziehen, natürlich nicht ohne eigene Interessen. Mitunter ist dieser Umstand auch der Grund, dass ich das Amerika der Jetztzeit nicht schlicht sich selbst überlassen, mild lächelnd zusehen möchte, wie diese stets auf sich bezogene Nation langsam ausbrennt und den Weg aller irdischen Superimperien geht. Es geht mir um Mitleid.

Paradoxerweise oder eben als direkte Konsequenz aus der kriegerischen Befreiung aus dem Krieg haben gerade die Mitteleuropäer, als – böse gesagt – letztendliche wirtschaftliche Kriegsgewinnler, eine Art Kriegs-Getöse-Intoleranz entwickelt – zum Glück, möchte ich hinzufügen. Diese darf man nicht wirklich mit einem absoluten und finaldefensiven Pazifismus verwechseln (unterschlagen sei hier allerdings Westerwelles jämmerliche Libyen-Enthaltung 2011), sondern sollte stattdessen verstehen, dass Europas innerer Frieden seit dem Ende des zweiten Weltkriegs durch eine (für viele inzwischen zu schnell) gewachsene politische Einheit – ja, auch der Euro ist eines der Instrumente für diese, liebe Euro-Kritiker – gewährleistet wird. Über all die Jahre und wechselnde Regierungen in den unterschiedlichen Ländern Kern-Europas hinweg hat sich, auch vor dem immerpräsenten Hintergrundes der verheerenden Kriege des 20. Jahrhunderts, somit eine Art Psychologie des friedfertigen Intervenierens entwickelt. Und der sanfte Zwang zu Kooperation und Einheit hat den Europäern meiner Ansicht sehr gut getan und ist ein Garant für ein dauerhaft friedfertiges und zielgerichtetes Zusammenleben, steht aber eben auch – neben all der nationalen Vorurteile die es selbstverständlich gibt und immer geben wird – für eine gewachsene Kultur der Diskussion untereinander. Das Wort ist hier eben gewichtiger, als das Schwert.

Nato hin oder her, die Vereinigten Staaten hatten und haben einen solchen ersatzfamiliären Verbund (inklusive der familiär üblichen Streitereien selbstverständlich), ein diskutativ die Inhalte überprüfendes Korrektiv nicht. Die Amerikaner sind seit Generationen, gerade auch seit jener Zeit, da sie sich als Weltmacht sahen, initiierten und dieser Einstellung entsprechend handelten, der gefühlte Mittelpunkt, nicht nur ihrer, sondern auch der ganzen Welt überhaupt. Selbst politische Partner werden zwar angehört, aber äußerst selten wirklich ernst genommen, könnte eine – im schlimmsten Fall kritische – Meinung von außen, doch die eigene Integrität bezogen auf das Wohl Amerikas verwässern und somit gefährden. Dies ist beim amerikanischen Bürger eine mit Sicherheit noch weitaus ausgeprägtere Einstellung, als bei der jeweiligen Administration.

Mit einiger Überheblichkeit wird den Amerikanern und ihren Urängsten von Wehrlosigkeit und militärischer Unterlegenheit aktuell angesichts der Verkleinerungspläne der Obama-Administration der absolut überteuerten US-Armee seitens der Europäer begegnet. Gerade die Konservativen in den USA, ich verorte hier mal besonders die küstenfernen Regionen – vom Bible-Belt möchte ich lieber erst gar nicht anfangen – als Epizentren der Stammtischsorge, haben regelrecht Angst (war das nicht mal ein deutsches Copyright?) vor einer wie auch immer gearteten Abrüstung und ergehen sich in Weltuntergangsfantasien, wenn Amerika nicht mehr in der Lage ist, zwei Kriege gleichzeitig, wohlgemerkt fern der Heimat, zu führen. Dabei sind auch Obamas Demokraten nicht zum unpopulären Pazifismus oder gar einer Art Empeacementpolitik übergetreten, sondern werden stattdessen von rein wirtschaftlichen Sorgen und Bedenken gelenkt. Für den von uns im Klischee gemalten Durchschnittsamerikaner mutet dieses Vorhaben ähnlich bedrohlich an, wie seine eigene Waffen reduzieren oder gar abgeben zu müssen.

Klar ist es verzwickt, wenn man sich jahrelang zur Wahrung der eigenen wirtschaftlichen Interessen zum internationalen staatlich gelenkten und per Bürgermeinung und Selbstverständnis legitimierten Aggressor Nummer eins und somit zur Zielscheibe für ebensolchen Revanchismus gemacht hat, den man im Prinzip ja selber stets vertreten und praktiziert hat. Im bibeltreuen Amerika gilt schließlich seit jeher das Westernklischee der 1:1-Vergeltung, des Auge-um-Auge-Prinzips. Und das auch auf international-politischer Bühne. Die Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte, sowie die politischen Umbrüche seit Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und dem Ende des kalten Krieges haben natürlich auch in den USA zu einem Umdenken geführt. Allerdings offensichtlich nicht zu jenem notwendigen selbstreflektiven, sondern eher zu einer weiteren Abschottung von der Welt im nach wie vor elitär gesteuerten kollektiven Denken, bei gleichzeitigem Beibehalten des Anspruchs, die Weltmacht überhaupt zu sein. Ignoriert werden dabei recht fahrlässig die Tatsachen der wachsenden Weltmächte China und Indien, das erwachende Selbstbewusstsein der bislang so (sehr wohlwollend begleitet) erfolgreich unterdrückten arabischen Völker oder auch das geschichtlich stets wiederauftretende Phänomen einer imperialen Macht, die immer dann unterzugehen begann, wenn die Militärausgaben prozentual zum Bruttosozialprodukt (auch wenn das nun wirklich nicht schon zu Urzeiten erhoben wurde) in derart exorbitante Höhen schnellten, wie es in den USA derzeit der Fall ist.

Das aus europäischer Sicht Spannende an der aufkommenden kollektiven Angst der Amerikaner vor dem Verlust einer weltweiten Vormachtstellung ist, dass diese völlig unbegründet und unnötig wäre, würden sie sich von diesem inneren Teufel befreien können, der die Bildung und die Aufrechterhaltung eines eigenen Selbstbewusstseins nur angesichts weltweiter Achtung (und sei sie ausgelöst durch Angst vor der Macht des Stärkeren) und Wirkungskreise voraussetzt. Paradoxerweise definiert sich die amerikanische Bevölkerung scheinbar in der Tat über ihren Status in der Welt, welche sie andererseits absolut nicht interessiert, da man selber ja den Mittelpunkt derselben bei sich verortet hat. Amerika ist eines der ersten Paradebeispiele für eine durchglobalisierte Welt, der US-Normalbürger will aber andererseits mit dieser nicht allzu viel zu tun haben und hält sie allenfalls noch für wild, fremd und gefährlich. Das Ganze gleicht dem Dilemma einer Diva, die mit sich und ihren eigenen Problemen sowie der innerlichen Leere nicht klarkommt, das alles aber erfolgreich verdrängen kann, solange die Boulevard-Presse noch Titelstories über sie bringt. Eine Nation, für die eine soziale Krankenversicherung bedrohlicher zu sein scheint, als der Kommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges, kann gar nicht dazu im Stande sein, sich nicht als Global Player erster Instanz zu sehen, sondern sich um dringende innenpolitische Belange zu kümmern. Das allgemeine Bewusstsein ist ein durchaus gewachsenes, jedoch kaum fähig zu einer Richtungsänderung des Denkens. Zu einem Besinnen auf sich selbst und damit auf das wirkliche Allgemeinwohl der eigenen Bevölkerung. Und so kommt es zu einer äußerst spannenden Feststellung: Das Musterland des Egoismus muss lernen, sich auf sich selbst zu besinnen. Damit wären schon Individuen mitunter überfordert.

Wenn US-Amerikaner in der Lage wären, sich selber weniger wichtig zu nehmen, möchte ich unterstellen,wären sie zum einen wesentlich weniger ängstlich, zum anderen angenehmere, weil weniger überhebliche Gesprächspartner auf politischer Ebene. Man kann nun weder die erlebte Geschichte, noch das anerzogene Denken von heute auf morgen ändern, aber wären Amerikaner in der Lage einmal mit den Augen militärisch weit weniger aggressiv aufgestellten, dafür politisch wesentlich besser und loyaler vernetzter Staaten auf die Welt zu schauen, wären sie von ihrer aktuellen „American-Angst“ um ein gutes Stück entlastet, und könnten dem vorbeugen, was im Falle des Weiterfahren ihres bisherigen expansiven, wirtschaftlichen und militärischen Besitzstand wahrenden Kurses unweigerlich bevorsteht: der noch tieferen Spaltung der ohnehin fatal auseinander dividierten sozialen Schichten, der Verarmung eines Großteils der Bevölkerung, dem Fall in die vielleicht nicht sofortige politische, wohl aber moralische, und dank Guantanamo und ähnlichen unumkehrbaren Verfehlungen langsam auch völkerrechtliche Isolation.

Auch wenn Obamas militärischer Schritt in Richtung der angestrebten Verkleinerung der US-Streitkräfte nicht der Vernunft entspringt, ist er dennoch unterbewusst ein Schritt in die richtige, psychologische Richtung – den nach wie vor perversen und völkerrechtlich durch nichts gedeckten Hang zum Einsatz von unbemannten Dronen zur weltweit praktizierten Tötung „Verdächtiger“ jetzt einmal ganz außen vor gelassen. Der inzwischen „kranke Mann von Chesapeake Bay“ wurde zwar laut Zitat „mit dem Gewehr in der Hand geboren“, nun wird es aber Zeit, der Vernunft das Wort zu erteilen. Auch wenn in Zeiten der grenzdebilen und jegliche Vernunft verneinenden Tea-Party-Bewegung, mit in der Tat sogar wohlwollend nur als dumm zu bezeichnenden Köpfen an der Spitze, das Gegenteil zu befürchten ist, wünsche ich Amerika eine baldige Kehrtwende, weg vom angstgesteuerten Kurs eines waidwund um sich beißenden Hundes, der noch nicht verstanden hat, dass die Zeiten, dass die ganze Welt sich geändert haben, hin zu einem verlässlichen Partner, dessen fragwürdiges Ansehen in der Welt nicht mit Waffengewalt erzwungen werden muss, sondern auf wahren Leistungen und Vernunft beruht.

Der Tod, ich glaube ihn in gefühlter Sicherheit noch weit von meiner Person zu wissen, stellt sich, zunehmend von Jahr zu Jahr, immer persönlicher bei uns vor und nicht selten, hinterlässt er bei seinen Stippvisiten unschließbare Lücken in uns und um uns herum. Religiöse Menschen haben es da, ich erwähnt es bereits an anderer Stelle, stets ein wenig leichter, ist ihnen doch die Aussicht auf ein irgendwann stattfindendes Wiedersehen mit der geliebten Person in einer wie auch immer gearteten Form von Jenseits sicher. Aufgeklärte Menschen, Atheisten, Agnostiker, also alle wie auch immer nicht an die Existenz einer höheren Macht, die uns in das Spiel des Lebens gesetzt hat, Glaubenden trifft der Schlag des Verlustes natürlich nicht unmittelbar stärker, als gläubige Menschen. Diese haben jedoch die Chance ihre Trauer auf eine verträgliche Weise zumindest mittelfristig mit Hilfe ihres Glaubens an einen höheren Sinn, einen Plan zu verarbeiten, ja beinahe an die nächst höhere Direktive zu delegieren. Das Bewusstsein einer absoluten Endlichkeit von allem Sein – und ich spreche hier nicht von Energien oder sich in den universellen Kreislauf zurückspeisender Materie – ist für einen Agnostiker wie mich solange kein Problem, wie es theoretisch bleibt.

Geht es aber um den Tod, wird die Sache um ein ganzes Stück komplizierter, gefährlicher, essentiell bedrohlicher. Dabei geht es im Übrigen kaum um den eigenen Tod, zumindest nicht in dem Sinne, dass man Angst vor ihm haben müsste. Das ist wieder ein ganz anderes Thema und hängt in erster Linie – jenseits von Glaubensvorstellungen – davon ab, wie unter welchen Bedingungen man letztendlich stirbt. Die Bedrohung in Form von alles überlagernder Trauer, sowie schon der abstrakten, vorgelagerten Furcht vor ihr, betrifft besonders den Tod eines geliebten Menschen, von dem man weiß, dass man ihn, ist er einmal gegangen, niemals wiedersehen wird. Weder in seiner diesseitigen Existenz, noch in einer als nicht nur abstrakt, sondern als dilettantisch-abstrus, ja kindlich-naiv empfundenen Jenseitigkeit. Man steht plötzlich vor einer unumstößlichen Tatsache, die einen nichts vertagen lässt. Von nun an verblassen Erinnerungen. Es gibt keinerlei Chance sich damit zu trösten, dass eine Aussprache, ein letzter Gruß, die Beschäftigung mit dem was diesen Menschen ausgemacht hat, die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen dem Verstorbenen gegenüber in irgendeiner abstrakten Zukunft möglich sein wird, ohne dass man verklärt, Details vergisst, dem Menschen als das Individuum, das er war, einfach nicht mehr gerecht wird. Der Tod trifft einen so unmittelbar, wie jeden anderen auch. Keine Frage. Aber von nun an gibt es keine Ruhe mehr. Will man seine – von nun bis zum eigenen Tod immer, wenn auch vielleicht nur unterschwellig anhaltende, Trauer, in eine erträgliche Bahn lenken, gibt es keinen Aufschub.

Wie einfach wäre es also angesichts dieses immensen Drucks, sich doch schlicht so zu verhalten, wie viele Menschen es mit zunehmendem Alter und insbesondere in der Nähe des eigenen Lebensendes tun, und sich all jenen anzuschließen, die plötzlich – obschon sie ihr Leben sichtbar bequem ohne Religion und all die lästigen Pflichten die damit einhergehen zubrachten – an Gott zu glauben beginnen. Aus Verzweiflung, aus Angst, aus Bequemlichkeit. Nicht, dass man nicht in einem langen Leben durchaus seine Meinung ändern dürfte, nicht, dass es keine Einsichten geben dürfte, nicht, dass Angst zu unterschätzen wäre. Aber es hat auch etwas mit Haltung zu tun, mit Rückgrat, mit Würde, genau das im Angesicht des eigenen Endes nicht zu tun.   

Warum mich das Verhalten der Menschen in dieser schweren Situation überhaupt so beschäftigt, wobei es mir doch so was von egal sein könnte, schließlich ist – ganz nach meiner Auffassung – Religion ein absolutes Privatvergnügen und ich es in der Tat auch niemandem absprechen möchte, in seiner dunkelsten Stunde aus Angst einen Gott anzurufen, den er bislang verächtlich verneint hat? Nun, ich denke, es ist mein eigener Versuch, den Tod meines Vaters mit über 80 Jahren und das Verhalten meiner Mutter in ebensolchem Alter in einen Zusammenhang zu meinem und ihrem Leben zu setzen, den ich verstehe, der mir letztendlich selber hilft, meine Trauer zu verarbeiten. Vielleicht ist es auch mein Versuch, meinen Eltern ein kleines philosophisches Denkmal zu setzen, haben sie mich doch gelehrt, dem freien, unvoreingenommenen Denken den Vorzug vor erstickenden Dogmen und in Stein gemeißelten „Wahrheiten“ zu geben, die über Jahrtausende Menschen in Unfreiheit gehalten haben.     
Meine Eltern hatten, mein Vater bis hin zu seinem Tod, meine Mutter nach dem schmerzlichen Verlust ihres geliebten Mannes, nicht ein einziges Mal auch nur den leisesten Zweifel an ihrem – ich nenne es nun einmal liebevoll – Religion ignorierenden Unglauben geäußert, ganz im Gegenteil. Was für meine Generation in großen Teilen vielleicht sogar bereits zum Selbstverständnis geworden ist, ist genau das für Menschen die noch vor dem zweiten Weltkrieg geboren wurden absolut nicht.

Dies ist im Übrigen kein Fanal für den Atheismus oder gegen gläubige Menschen. Wer wäre ich, Menschen ihren Glauben abzusprechen. Diese Frage muss jeder Mensch für sich alleine beantworten. Und solange man seinen Glauben mit sich ausmacht und nicht auf andere übertragen möchte, ist es mir absolut egal, wer an was glaubt. Dies ist schlicht eine, meine Art, mich bei meinen Eltern zu bedanken, dass sie es geschafft haben, aus mir einen denkenden, freien Menschen zu machen, dass ich mit dieser Auffassung von Leben sehr glücklich bin und ihnen zu sagen, dass ich unglaublich Stolz auf sie bin. Nicht dass ich auch nur ansatzweise der Versuchung ausgesetzt wäre, mein Weltbild in Frage gestellt zu sehen, aber die Tatsache meine Eltern in dieser Situation nicht umfallen zu sehen, hat mir eine enorme Stärke verliehen.   

Letztlich dient mir die Einstellung meiner Eltern in hohem Alter zum Tod und zu Gott als Beweis, dass man seinem Gewissen treu bleiben kann, dass man seine Einstellung nicht verraten muss, ja, dass die Überzeugung, die ich mir zu einem gehörigen Teil von ihnen abgeschaut habe, eben doch auch existentiellen Situationen, großen Dramen, der Prüfung des Seins an sich Stand hält. Es geht mir hierbei nicht um das bloße Aussprechen eines Satzes wie: „Habe ich also doch Recht gehabt.“ Es geht um das beruhigende Gefühl eines emotionalen Beweises, mit einer im Endeffekt potentiell schwierigen Lebensanschauung, auch nach Schicksalsschlägen wie dem Tod meines Vaters ohne Zweifel weiterleben, mehr noch, diesen auf meine Weise verarbeiten zu können, wie es sonst vielleicht nur gläubige Menschen aufgrund der geistigen Topografie ihrer Religion in der Lage sind.

Mein Herz ist wieder ein klein wenig schwerer geworden, aber mein Rüstzeug wieder ein klein wenig stärker.

Einer immergleichen kindlichen Vorfreude verhaftet gehe ich mit.

Nein falsch. Ich bin es, der sie mitnimmt. Es ist mehr als eine Pflicht.
Tiefer als jede Tradition. Es ist eine Verantwortung.
So dringen wir also ein, in den frei zugänglichen Kreis einer zwar
losen Gemeinschaft, wie sie dennoch eingeschworener nicht hätte
sein können; dessen ursprüngliche Entstehung ich selber zwar auch
nur nachgelesen hatte, der ich mich aber dennoch in einem übergeordneten
Sinn, tief verankert in meinem Herzen, zugehörig fühle.
Selbstverständlich bin ich längst einer derjenigen, die sich – selber
– aufgrund ihres Status quo, nicht zuletzt des Alters, in den Stand
der alles Hinterfragenden befördert hatten. So ist es auch nur allzu
offensichtlich, dass jeder, der hier noch älter ist, ein direkter Verbündeter
und damit Mitwissender zu sein scheint.
Hohepriester unter sich.
Zu erkennen sind wir für andere kaum. So ist es schon immer
gewesen. Wenn man dazu gehört, versteht man sich blind und
mitunter auch taub, aber niemals für die Mehrheit ersichtlich. Ein
kurzes Nicken, ein vielsagender, nicht selten grinsender Blick genügt,
Wo seid Ihr in 10 Jahren?

um den Eingeweihten die eigene Erleuchtung, und somit einen eingeforderten
Respekt, wie ein gewährtes gegenseitiges Inruhelassen,
zu signalisieren. Kein territoriales Platzhirschgehabe bestimmt fortan
die Atmosphäre, sondern vielmehr die Wahrnehmung einer geistigen
wie ordnenden Verantwortung, angesichts der erlebten Geschichte,
wie sie hier und an ähnlichen Orten in der ganzen Welt stattgefunden
hatte.
Ein seit jeher gleicher Ritus bestimmt den Ablauf. Elitäres
Denken im Privaten eines jeden Einzelnen prallt frontal auf eine kollektive
Weltoffenheit, die sich selber zu genügen scheint. Doch außer
im Scherz spricht niemand ernsthaft darüber. Dazu ist es viel zu
ernst. Aufgedrehte Novizen wie abgeklärte Großmeister – die Drahtzieher
im Stillen, die Exekutive in der Aura des Rampenlichts: jeder
spielt die ihm letztendlich von sich selbst zugedachte Rolle. Und das
in einer Perfektion, die man niemals wird durchschauen können,
wenn man nicht wenigstens für eine gewisse Zeit ein kleines Teil des
großen Ganzen gewesen ist.
Ein ganz genau auf die essentiellen Bedürfnisse und offensichtlichen
Aufgaben des Individuums ausgelegtes taktisches
Stellungsspiel, bringt die ersten größeren Bewegungen in eine nur
vordergründig träge erscheinende Masse von permanent Konsumierenden.
Dichter Rauch liegt über dem Schauplatz und Sauerstoff
ist eine begehrte wie knappe Luxusware, von der abhängig zu sein
man sich jedoch nicht die Blöße gibt. Keine Schwäche dulden oder
offenbaren. Das bedeutet auch, die bereits zum virtuellen schneiden
vorbereitete, atembare Luft, durch eigenes inzestuöses Zutun
noch ungenießbarer werden zu lassen. Nichtraucher mutieren zu

Kettenrauchern, obschon sie sich bereits seit Jahren aufgrund des
gesundheitlich motivierten Verzichts durchschnorren müssen. Nebulöse
Schemen tanzen vor aller Augen ihren bedrohlichen Schattentanz,
geisterhafte Bewegungen fließen sich aneinander liquidierend
ineinander, Körper tauschen flüchtige Energien aus, muten sich
gegenseitig innigste Berührungen zu. In Sekundenbruchteilen finden
und verlieren sich Überzeugungen, die unterschiedlicher nicht sein
könnten, hier jedoch ihren kleinsten gemeinsamen Ethik-Nenner im
Nebelrausch suchen und für die zuckenden Momente, die es andauert,
auch finden. Schweißnasse Aggressionen entladen sich auf denkbar
bedrohlichste, wenngleich harmloseste Art, alltägliche Ängste
brechen sich Bahn, aufgestaute Emotionen dirigieren ihre Besitzer
schamanenhaft durch die sich durch sie rotierende Menge.
Ich stehe abseits und betrachte, versunken in den Untiefen
meiner sich auch dank solcher Ereignissen herausgebildeten Persönlichkeit,
die Erinnerung, einmal genau den gleichen Impulsen
auf genau die gleiche Art gefolgt zu sein, dem schreienden, sich
verausgabenden Pulk angehört zu haben; immer darauf bedacht, für
winzige Augenblicke noch einmal so fühlen zu können, wie einst.
Und es funktioniert.
Es reichen ein paar Worte, ein Ruf, eine Folge gelernter und
gänsehauterzeugender Töne, vielleicht gepaart mit einem meine
Augen blendendem, die Wirklichkeit fragmentierenden Licht, und es
ist wie damals. Die Augen ins Unendliche fokussiert genieße ich, wie
mein Körper von Wärme durchströmt wird, von diesem unnachahmlichen
Gefühl der Einheit, dieser für diesen Moment unumstößlich
wahren Gewissheit, dass ich mein eigener, in seinem sakralen Still-

stand um sich selbst kreisender Mittelpunkt und in diesem Moment
wahrhaft glücklich bin. Hier gehöre ich her. Mein Körper steht unter
einer in seiner Vertrautheit eigenartigen Spannung. Was auch immer
um mich herum passiert, verschmilzt zu einem großen Ganzen, zu
einem fraktalen Wirklichkeitsklumpen, wie es ihn homogener nicht
geben kann. Ich gebe mich dem schieren und reinsten Genuss hin,
sogar jetzt im tiefsten Bewusstsein, dass es nicht von Dauer ist und
genau das macht den finalen Reiz aus.
Doch dann. Eine seltsame Klarheit schießt durch meine
Nervenbahnen, lässt mich immer ruhiger werden, den Puls verflachen,
der Lärm, alles um mich herum verebbt, als würde jemand den
Master-Regler herunterziehen, als wäre der Stöpsel aus diesem jede
aktive Teilnahme beanspruchende Existenz in sich hineinsaugenden
Abfluss gezogen worden. Meine Wahrnehmung ist mitnichten gestört,
alles funktioniert, wie ich glaube, dass es soll und sogar noch
weit darüber hinaus. Der Mob hat sich keineswegs beruhigt, nichts
hat sich im Vergleich zu den Sekunden vorher auch nur im kleinsten
Detail geändert. Wie automatisiert, gedankenverloren, nehme ich
einen selbstbelohnenden Schluck aus meinem Bier, in beinahe melancholischer
Erinnerung an eine dem Zeitstrom zum Opfer gefallene
Unbeschwertheit. Dann lasse ich meine Augen über die sich langsam
wieder in optisch klar unterteilbare Bereiche entzerrende Szenerie
schweifen, die verschiedenen Grade der Involviertheit an Kontur
gewinnen und die wie kommandoartig organisierte Struktur wird
sichtbar. Meine sich gegenseitig der Federleichtigkeit versichernden
Gedanken spielen sich unbeschwert die Sinnbälle zu, jonglieren freier
denn je mit – mal wieder – aufgebrochenen Denkmustern.
Von vorne erschallt ohrenbetäubend eine Kampfansage, die

in ihrer Güte und Klarheit, ihrer Simplizität und Wahrheit, reiner nicht
hätte sein können. Die Stimme ist ungefähr so alt wie ich und muss
sich ebenso der Tragweite, wie auch der sich in letzter Konsequenz
offenbarenden, unterhaltenden Sinnlosigkeit ihres Tuns bewusst
sein. Dennoch erreicht sie voller echt empfundenem Idealismus die
ekstatischen Massen, die ihre Zustimmung – man ist versucht zu
sagen, ihre blinde Zustimmung, auch wenn das hier nur die halbe
Wahrheit ist – durch lautstarkes Klatschen und Brüllen auf eine mehr
als archaisch anmutende Weise bekundet.
Ich muss grinsen.
Halb die neuerstarkte Gänsehaut genießend, halb das, was
ich in diesem Moment als Weisheit empfindende verspürend, begleiten
mich für die idealisierte Masse finstere Gedanken treusorgend
in meine geräumige Oase der Unberührbarkeit. Ein weiterer Schluck
Bier aus dem immer gleichen Plastikbecher und ich bin sicher. Was
sich bereits seit einigen Jahren seinen Weg bahnt, ist nun Gewissheit.
All die energetischen Novizen, nicht weniger diese vielen langjährigen,
die Ideen einer Szene lebenden Vitalteile des Pulks, sie alle
erhalten das Ganze am (Über-)Leben, sie alle sind sein Leben. Ohne
sie wäre ich nicht hier, wäre niemand hier, hätte ich diesen kleinen,
nahorgasmischen Höhepunkt nicht erleben dürfen, wären all die
Ideen, die das hier ausmachen, kraftlos, belanglos, nicht existent,
vielleicht auf ewig tot.
Und dennoch, ein Gedanke übertrifft sie alle. Eine simple
Frage kristallisiert sich heraus, die zu stellen mir die Reife auferlegt,
und ich bin größer, als noch vor fünf Minuten.


Wo seid Ihr alle in zehn Jahren?
Sitzt Ihr morgendlich gekämmt in einem angenehm klimatisierten
Büro? Habt Ihr 26 Tage Urlaub und einen Firmenwagen? Macht Ihr
Pauschalurlaub im All-Inclusive-Hotel? Verstopft Ihr die Straße mit
extra für sie verbauten Allrad-Jeeps? Lauschen Eure Ohren denselben
mainstreamformatierten Radiosendern wie diejenigen, die Ihr
heute verlacht? Haben Eure Kinder jene Markenattribute verinnerlicht,
die Euch noch in diesem Moment als indiskutabel erscheinen?
Verspürt Ihr das Bedürfnis, wenigstens etwas sollte so bleiben wie es
ist? Schaut Ihr Euch manchmal die Fotos an und klopft Euch auf die
Schulter, um Euch zu vergewissern, dass Ihr dabei wart? Kauft Ihr
Eure Lebensmittel in Geschäften, die Ihr Euch heute schlicht nicht
leisten könnt? Wählt Ihr vielleicht sogar die Partei, die in diesem
Moment auf Euch herabschaut?
Und dann wird mein Grinsen noch etwas breiter und mit leider zu
gleichen Teilen rückwärts wie vorwärts gewandter Sentimentalität
bedankt sich die Gewissheit bei meinem Verstand.
Wir
Können
Nicht
Alle
retten.
Die Frage stellt sich im Prinzip doch überhaupt nicht.

Wo seid Ihr in 10 Jahren? Angepasst wie Arsch!
Und es ist in Ordnung.
Und mit einem mal fühle ich mich gut.

Liebe Online-Devotees, apfelgesteuerte Markensklaven,gleichgeschaltete Mobile-Süchtel, monitheistisch Vernagelte und massenimplantierte Nondividualisten:

Dies ist Eure neue Heimat - für immer!

• Gelangweilt von facebook, weil es Euch zu viele Persönlichkeitsrechte einräumt?
• Enttäuscht von Apple, weil das iPhone nach wie vor ausschaltbar ist?
• Abgewandt von Gott, weil er sich einfach nicht mehr meldet und der AB aus ist?
• Verdrossen von Euren Social Netwürgs, die sich einfach nicht vergrößern wollen?
 
Die Lösung erblickt Ihr soeben auf Eurem Screen (sei es ein winzig leuchtender Mobileklumpen oder ein mit faulem Obst imprägnierter 16:9-Bildschirm).

Und demnächst neu im Netz:

Endlich muss sich keiner mehr die Mühe machen seine Identität auf ehrlich, strahlend, erfolgreich oder sympathisch zu trimmen. Schreibt nicht was Ihr gerne wärt, schreibt was Ihr seid. Also verhaltet Euch einfach genauso wie auf facebook, nur ohne Gefahr der Wahrheit überführt zu werden, denn die gibt`s hier nicht.



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faith-book lässt Dich im Stich!
Egal ob Du Dir in einem Augenblick der Schwäche ein iPhone hast andrehen lassen, weil die Natur Dich betrüblicherweise mit einem viel zu übersichtlichen Gemächt ausgestattet hat und der übliche Porsche als herkömmlicher Weg genitaler Prothesen Golf spielender Sugar-Daddies dann doch etwas zu teuer war ... 

Ganz gleich ob Du Dein geisterhaft hell leuchtendes iBook immer dort auspackst, wo sich andere mit ihren menschlichen Freunden nach Feierabend gut gelaunt auf ein Bier treffen, weil Du immer noch glaubst, Dein Leben wäre reicher, wenn Du allen mit dem was Du für Arbeit hälst in der Öffentlichkeit auf den Sack gehst, anstatt Dir endlich mal eine Freundin zu besorgen ...

Komplett unwichtig wenn Du ein werbetreibendes, sich selber der Hyperkreativität bezichtigendes und somit per Definition chancenloses Hype-Opfer bist, welches zwar mitunter studiert, aber sein Hirn irrwitzigerweise mit dem Eintritt in den Agenturkosmos der Brainstorming-Abteilung gespendet hat, um fortan Coolness fördernd dem – eigentlich eher anarchistisch aufgestellten – FC St.Pauli Trikot bewehrt seine Treue zu schwören, unsäglich langweiligen und uninspirierten Schmonz im Stile Café del Mars zu hören, als einziger Mensch freiwillig Saab-Cabrio – jenen Automobil gewordenen feuchten Traum des schwedischen Rasenmäher-Herstellers – zu fahren, so es der Arbeitgeber denn zu bezahlen bereit ist, nur noch Chucks zu tragen, weil Understatement eben zumindest bei Schuhwerk alles ist und dasselbe dann in Form der devot gehorchenden Anschaffung aller nur erdenklichen Markenartikel des Multikonsenskonzerns Apple komplett wieder zu verdrängen ...

Es ist noch nicht einmal ein unschienbarer Beinbruch, wenn Du morgens im Bad mit dem Finger über Dein Spiegelbild wischst, weil Du nicht glauben kannst, dass Du das Bild, welches Du da siehst, nicht einfach wegscrollen kannst, wenn Du beim Gemüsehändler nach angebissenen aber leuchtenden Äpfeln Ausschau hälst bevor Du im McCafé einen Latte Mac Chiato bestellst und Dir jeden Abend das Mac-up-App in Dein Gesicht klatschst in der Hoffnung, dass das nur Pixel sind und facebook nicht wörtlich gemeint ist ...
 
 
Gemahnend an die Krisen erprobten Errungenschaften der mittelalterlichen Kirche, lassen wir eine lieb gewonnene Tradition der Läuterung für alle jene wieder auferstehen, die  sich – ihrer Verfehlungen bewusst – eines Besseren zu besinnen fähig zeigen:

Die „App-Lass-Mail Basic“

Seht Ihr Euch in einer der oben beschriebenen Zielgruppen gefangen oder seit Ihr auf dem Besten Weg, die Arge mit dem Jobs-Center zu verwechseln:
wir lassen Euch nicht im digitalen Regen stehen.

Schickt einfach eine Mail mit der Betreff-Zeile „App die Pest“, Eurem Namen und der Nennung Eurer Sünden an faith-book und wir schicken Eure Sünden auf dem digitalen iTerhaufen zur Hölle.

Wem die „App-Lass-Mail Basic“ zu schwach erscheint, weil er oder sie bereits seit Jahren bekennder Mac-iAner ist oder vielleicht seine privaten Daten im Dienste des Geoslaverys á la Four Square bereitwillig in den Äther jagt, was den Großen Lauschangriff des ehemaligen Innenministers oder die Volkszählung der 80er Jahre wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt oder weil er sich sogar der Mittäterschaft der Jobs-Maschine schuldig gemacht hat, indem er es nicht unterlassen konnte, das hohe Lied auf seinen Herrn und Meister öffentlich, in an religiös verblendete Litaneien erinnernden Versen den bereits blutenden Ohren der Zuhörer einzuhämmern, dem sei die absolute Highend-Version der App-Lass-Mail empfohlen:

App-Lass-Mail Deluxe Suite 2.0

Sendet Euer Foto und die Beschreibung Eurer Sünde, respektive Sünden (wobei für jede einzelne Sünde ein Foto gesendet werden muss) mit der Betreff-Zeile „App-Sofort-Nur-Noch-Appelsaft“ an faith-book und wir überantworten Eure fahrlässigen Verfehlungen der heiligen iQuisition, welche ihnen dann ein für alle Male das Kerngehäuse rausschneiden und Eure Seelen wieder reinwaschen.

Beide Appsolutionen sind natürlich appsolut kostenlos.

Jetzt von Deinen Sünden reinwaschen!

WENN KEINER DANN DU
Che Guevara –
der Mann mit dem Putsch-Fimmel rät!
Für einen ordentlichen Haus-Putsch
oder einen Putsch-Anfall benötigt man:

1 Schüssel Silvester-Putsch
1 Putschlappen
1 Putscheimer
1 Tube Putsch Buin
1 Putscheblume
1 Flasche Putschkin-Vodka
1 Creme gegen Putschteln
1 Packung Aufputschmittel

Als Partner empfehlen wir Vladimir Putschin

Und wenn die Aktion „Putschmunter“ funktioniert,
ist die alte Regierung putsch!
Und dann auf zur Putsch-Fahrt.
Katasterämter kümmern sich gelinde gesagt schlicht um ihre ureigensten Belange. Was auch immer diese im relativen Bezug zu normal Lebenden sein mögen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum sich Rebläuse generell auf das Anknabbern schmackhafter Weinrebteile konzentrieren. Höchstwahrscheinlich ist somit sogar zu Genüge erklärt, was professionelle Tischtennisspieler dazu treibt, diesen kleinen gasbefüllten Ball, wie ein Besessener über das Netz zu knallen, ohne wirklich jemals nach rechts oder links zu sehen.

Wenn der Nächste des Katasterbeamten kein Katasterbeamter ist, wenn die Reblaus sich für Borkenkäfer schlicht nicht verantwortlich fühlt, ja wenn sogar der Tischtennisspieler im Tennisspieler keinen wenigstens entfernten Verwandten sieht, wer zum Henker soll sich da für irgendwen interessieren?   
Es gibt so herrliche Analogien.

Heute erdreiste ich mich zu einer aus dem kleinwüchsigen Tierreich.
Was, so frage ich mich, befähigt Schnecken so unfassbar schnell und hindernislos vorwärts zu komme? Genau – Schleim!

Ungeachtet der Tatsache, wie genau nun der Schnecken Schleim in diesen durchaus faszinierenden (aus Gärtnersicht gleichermaßen hassenswerten) Tieren seine fortwährende und scheinbar nimmermüde Produktion findet, muss hochachtend anerkannt werden, dass diese unappetitlichen Absonderungen ihre Hersteller zu gar wundersamen Leistungen befähigen. Können sie doch auch auf unwegsamen und lebensfeindlichem Terrain in absonderlicher Geschwindigkeit vorwärts gelangen. Nicht einmal die berühmten Rasierklingen halten sie auf, ihren Weg unbeirrt fortzusetzen, wenn sich das Ziel zu lohnen verspricht. Zumeist ist dies wohl der Nahrungs-, aber ab und an auch der Paarungstrieb. In jedem Fall aber ist es die Belohnung, die die Schnecken ihr Ziel erfassen und auf beinahe unaufhaltsame Weise erreichen lässt.

Vergleichen wir nun einmal die Schleimspur der Schnecken, mit den zum Teil ganz ähnlichen Methoden von Politikern. Ich spreche hier natürlich von den opportunen Karriereristen unter dieser Spezies, vergleichbar wohl am ehesten mit den großen, gefräßigen Nacktschnecken aus dem Gemüsegarten. Unbeirrbar in der Wahl ihrer Mittel, rücksichtslos in der Konsequenz ihres Tuns und das alles auf einer schier endlosen und unerschöpflichen Schleimspur aus Lobbyarbeit und Anbiedertum. Der sie stetig ihrem Ziel, welches sie fest im Blick haben, näherbringende Schleim, auf dem sie ihre stets nach oben, in einer steigenden Kurve ausgerichtete Karriere voranbringen, ist jedoch – hier im Gegensatz zu den autarken Schnecken – nur zum Teil selbst erzeugt. Professionelle Schleimspur-Politiker sind darauf angewiesen, sich in einer Umgebung zu tummeln, in der sie umgarnende Emporkömmlingen und Karriereristen ihresgleichen, jedoch noch auf einem geringeren Level, ihre eigene Schleimspur mit geheuchelten Huldigungen, gespielter Bewunderung und gebückter Servilität – eben gut schmierendem Schleim – ergänzen.

Die Ziele sind dabei denen von Schnecken nicht ganz unähnlich. Das übermässige Konsumieren von teuren, für andere Lebewesen kaum erreichbaren Leckereien, die hierdurch nach einiger Zeit auf der, alles überwindenden, Schleimspur verstärkte Werdung zum allesbestimmenden und Konkurrenten in Schach haltenden Alphamännchen, und die wiederum davon gestärkte vermeidliche Attraktivität beim Balzakt, bei dem es nicht mehr klassisch um Schönheit, Charme oder Einfühlungsvermögen geht, sondern schlicht um Macht, repräsentiert vom dicksten und schleimreichsten Männchen – aka Politiker – weshalb es hier auch vorkommt, dass die mit Abstand unappetitlichsten Exemplare, durchaus über ein attratives, wenngleich oft, nicht immer, naives Weibchen hinüberschlittern. Schleim macht sexy, könnte man hier wohl sagen. 

Ich gestehe nicht ganz sicher zu sein, aber ich bin dennoch festen Glaubens, dass spätestens hier die kleine Schleimanalogie zwischen Schnecken und Politikern, wenn nicht gänzlich endet, jedoch eine, nur einen Absatz andauernde Pause einlegt.

Denn während Schnecken durch ihr Tun, mit dem Sichern des eigenen Überlebens durchaus zufrieden sein werden, wächst in Schleimspurpolitikern mit Erreichens jeder neuen Schleimstation unweigerlich das Verlangen nach mehr. Und noch mehr. Es endet zumeist so, dass die größten Schleimer am Ende ihrer rutschigen Reise (welches sie jedoch selbst zumeist nie zu erkennen in der Lage sind) eine Masse erreicht haben, gesellschaftlich, machtpolitisch, wie auch schlicht in Kilogramm gemessen, welche sie geistig derart träge und selbstzufrieden mit der eigenen schleimigen Leistung, völlig unreflektiert auf das eigene Tun, und die für ihren Aufstieg nötigen Fremdschleimer zurückblicken lassen, dass sie nicht bemerken, wie sich die nächste Generation von Schleimspurpolitikern auf einer mitunter noch glatteren und unangreifbareren Schleimschicht aufmacht, den Schneckenkönig zu stürzen und – hier lassen sich Schnecken und Politiker wieder wunderbar analogisieren – am Ende gar zu fressen.

Wer hier Ähnlichkeiten zu einem Machtpolitiker aus Oggersheim entdeckt, dem sei gesagt, dass hier eines der Paradebeispiele der Gechichte, Verzeihung, Geschichte vorliegt. 

Am Ende muss ich jedoch sagen, dass ich den Schnecken nun wirklich kein Unrecht tun möchte, mit diesem äußerst uncharmanten Vergleich zu einer Spezies, die sich gebildet schimpft, aber seit Jahrtausenden in der ein oder anderen Weise über Leichen zu gehen, pardon, zu rutschen bereit ist, um das eigene Vorankommen, die eigene Vormachtsstellung zu sichern. Zur Ehrenrettung einiger aufrechter Politiker sei dann hier auch gesagt ... nun ja ... schlicht: es gibt sie. Durchaus. Jedoch werden sie niemals als erste am Salat ankommen und den Schleimern die schmackhaften, karriereebnenden Blätter wegzufressen.

Und dieser Lauf der Geschichte, dieses geradezu evolutionäre Gehabe einer machtbesessenen Kaste, lässt sich durch Jahrtausende in immer neuen Facetten und Abarten beobachten.

Da helfen auch keine Rasierklingen.
  





 
Mein offensichtlicher Vorteil als Blogger? Simpel. Meine Meinungsfreiheit. Mein nicht weniger wichtiger Vorteil, den ich als Internet-User der allerersten Stunde definitiv niemals vergessen, noch verraten werde: Die Anonymität. Im Unterschied zu den – von mir im Übrigen überaus hochgeschätzten – Qualitätsjournalisten, muss ich mich nun in der aktuellen Diskussion, angestoßen unter vielen anderen, auch von unserem – aus Gründen des Identitätsschutzes hier nicht näher mit Klarnamen genannten – aktuellen  Bundesinnenminister, zum Glück nicht mit Klärung der (fachlich wahrscheinlich kümmerlichen) Tatsachen auseinander setzen, sondern kann direkt in Polemik verfallen, eben jenen Minister der Nichtteilhabe an der aktiven Netzgemeinde der frühen oder mittleren Jahre zu bezichtigen. Schlicht und einfach aufgrund seiner – von wem auch immer in seinem Berater-Stab real formulierten aber stets schlicht bleibenden– Forderung: „Das Ende der Anonymität im Internet.“

Ein weiterer, sogar der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags vorstehender, natürlich mit Klarnamen ebenfalls hier nicht genannter Politiker, der bereits im letzten Jahr für so manch unterhaltsame Twitter-Meme gesorgt hatte, hat seinen fehlgeleiteten Aktionismus derart aus dem windowsschen Fenster gehängt, dass nicht nur seine extreme Fachferne, sondern auch seine persönliche Hanswurstigkeit peinlich offenbar wurde.

Wenn es Euch, liebe Politiker, nur um „Irre“ im Sinne des extremistischen Umfeldes geht, ganz gleich ob nun rechts oder links verortet, eine fast nachvollziehbare Motivation, wieder einmal genährt von aktuellen, geistesgestörten Massenmörder aus Norwegen, gibt es eine wundervoll gangbare Lösung. Lehrt Eure jeweiligen Gesellschaften Toleranz und Offenheit. Lehrt sie die Liebe zu Freiheit und Offenheit, den Unterschied zwischen Gemeinwohl und Gemeinheit. Bin ich Euch zu schlicht? Seid Ihr mir auch. Spannend.

Glaubt Ihr ernsthaft, Ihr könntet amoklaufende Vollidioten „verbieten“? Mit Zensur und Verboten gegen kriminelle Energien angehen? Die Geschichte hat es doch bewiesen. Könnt Ihr nicht. Ich verstehe sogar, dass Ihr das Internet aktuell als den ungeheuer rechtsfreien Raum anseht, der unkontrolliert das neue Babel, ach was sage ich, Sodom und Gomorrha darstellt, von dem die schlimmsten Sünden und Bedrohungen der Jetztzeit ausgehen. Ich verstehe auch, dass die puritanische Angst, des „Ich muss den eigenen Besitzstand wahren und habe keinerlei Ahnung wie das da funktioniert“ und das eigene absolute Unverständnis Euch diese Einschätzung suggerieren. Gleichermaßen nutzt Ihr diese Strukturen, um unfassbar unkontrollierbare Aktien zu handeln, Kriegshandlungen zu koordinieren oder Politik den Anschein der Transparenz zu geben.

Dummerweise ist Doppelmoral eine der am schnellsten nachweisbaren Schwächen im digitalen Zeitalter.

Man muss keinen, zum Glück randnotizbehafteten, Guttenberg bemühen, um zu beweisen, dass Lügen im Netz ungeahnt kurte Beine haben, wenn sie sich anmaßen, die Realität zu beschreiben. Ähnlich demokratisch, gerecht, wie im Falle des peinlichen Betrügers Guttenberg, geht es im Netz in wichtigen, politischen Angelegenheiten fast überall zu. Die Netzgemeinde hat eine Meinung. Und diese Meinung ist zum Glück weder zentral, noch einhellig. Aber eines ist sie immer: In der letzten Konsequenz demokratisch.

Würde also unsere oder eine andere Regierung mit ihrem leidlich anachronistischen Ansatz der Antianonymisierung des Internets Erfolg haben, zumindest auf Gesetzesebene, denn „real“ lässt sich dieser Gedanke spannender- wie glücklicherweise gar nicht umsetzen, die Freiheit des Individuums nicht mehr umkehren, müsste sie sich Gedanken machen, die sie sich scheinbar unverständlicherweise zur Zeit nicht macht. 12-jährige die sich mit Realnamen bei Facebook anmelden, um ihren Freunden private Fotos zu posten. Dissidenten in totalitär regierten Ländern, die ihren Klarnamen angeben, um demokratische Umstürze zu organisieren. Ihr wirren Geister, ist Euch eigentlich wirklich klar, was Ihr da fordert. Das Problem an Eure Vorstellungen ist, Ihr werdet die Zeit niemals zurückdrehen in die scheinbar gelobten Jahre vor der globalen Vernetzung. Ihr selber habt die Globalisierung gewollt!Ihr habt sie heraufbeschworen. Ihr habt sie mit Eurer Politik forciert. Und plötzlich bejammert Ihr eine Auswirkung Eures Tuns, ohne das große Ganze zu sehen. Ihr seid zu langsam. Schon gemerkt.

Nur nebenher. Ich selber benutze kein Pseudonym. Ich bin ich. Auch hier im – ach so – kriminellen, anonym verzerrten, gar maskierten Raum. Ich bin ich auf Twitter, dem wohl ehrlichsten und spontansten Medium, derer die Ihr fürchtet – zumindest fürchten solltet. Facebook, das Paradies der Klarnamen und Zurschaustellung der eigenen Identität, ist niedlich, ein familiärer Schafstall, in dem Menschen, die Eure penible Sorge nochmals unterlaufen, äußerst private Fotos ihrer Kinder einstellen, ist nicht Euer Problem. Diese Plattform ist Eurer Datensammelsucht doch eher zuträglich. Seid einfach ein wenig ehrlich. Ihr fürchtet das politische Kollektiv, den realen Menschen mit Meinung. Dem Bestehen Eurer merkwürdigen Kaste, zumindest in der korrupten, lobbygeleiteten Form, wie sie sich derzeit den „neuen Medien“ (wann seid Ihr eigentlich aufgestanden?) gegenüber ängstlich manifestiert, wurde leider schon zu lange zugeschaut und erst das „Mitmach-Medium“ Internet scheint hier die konzeptionellen Risse zu nutzen, die sich schon seit Unzeiten zeigen.        

Ich, als Privatmensch Markus G. Sänger, habe keinerlei Probleme, mit Gruppen wie „Anonymous“, die den Finger in die aktuelle Wunde legen. Ich verstehe aber jeden meiner Freunde auf Twitter, Blogger oder sonstwo, die sich angesichts solcher Umstände sicherer fühlen, unter einem absoluten Pseudonym zu schreiben. Deshalb breche gerade ich eine Lanze für alle jene, die dafür kämpfen, das Netz anonym zu halten. Ihr   habt Ihr eigentlich auch nur eine ungefähre Ahnung davon, wie aktiv das Netz sich selber kontrolliert, sauber hält und reguliert? Nein, habt Ihr natürlich nicht. Weil Ihr kein Teil der Netzcommunity seid. Weil Ihr nicht verstehen könnt, wie Meinungsfreiheit außerhalb staatlich kontrollierter Mechanismen funktionieren kann. Weil Ihr schlicht nicht akzeptieren wollt, dass Menschen frei sein wollen. Menschen, die nicht zwangsläufig „Böses“ im Schilde führen. Die sich nicht zwangsläufig am Zersetzungsprozess der Gesellschaft im demokratischen Sinne befleißigen. Ihr solltet EINES einfach mitnehmen: Das Netzt ist das Demokratischste was es jemals gab. Und das Zweite, was Ihr mitbekommen solltet ist, dass die Netzgemeinde kein rechtsfreier Raum im Sinne moralischer Verrohung ist. Die alte Tante Moral genießt hier durchaus einen guten Ruf. Ein Ruf, dessen Ihr Euch nicht habhaft fühlen dürftet. Ein Regulativ, welches im Unterschied zu so vielen fragwürdigen Staatsformen, die Ihr mit Eurer Politik – Waffenkäufe, strategische Partnerschaften, imagefördernde Staatsbesuche – unterstützt, mit sich im Reinen ist.

Nehmt es einfach mit:
Ich bin genau der, der ich vorgebe zu sein. Weil ich es kann – Euer Glücksfall. Und wenn es Menschen gibt, denen dieser unglaubliche Luxus nicht vergönnt ist, die sich mit Eurer Beobachtung unwohl fühlen, oder die schlicht keine Lust dazu haben oder schlichten und ehrlichen Spaß an Maskerade haben (spießiger, bürgerlich anerkannter Karneval, merkst Du was?), so ist dies kein Ausdruck verbrecherischer, terroristischer oder zersetzender Tendenzen, sondern schlicht sein oder ihr Bürgerrecht.     
  
Wer sich anschickt, das Internet derart reglementieren zu wollen, als wäre dies die gewohnte Realität, hat es schlicht nicht verstanden und ist zum Anderen leider KEIN lupenreiner Demokrat.