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Heute:
Wo kommt eigentlich der Ausdruck Freibad her?

Wie wir alle wissen, laden Freibäder ja vornehmlich zu jener Zeit zu Bade ein, da sich das Wetter im Grunde von seiner sommerlichen Seite zeigt. Demzufolge hat der Begriff Freibad scheinbar keine Bedeutung, da es hier meistens voll bis übervoll erscheint. Was nun aber wahrscheinlich die wenigsten wissen: hier liegt ein schlichter Übersetzungsfehler aus dem Keltischen vor. 

Die Kelten, diese bekannte antike Volksgruppe aus der Eisenzeit, ihrerseits große Anhänger des neujährlichen Eisschwimmens, sind die eigentlichen Erfinder des Freibades. Da sie jedoch stets in den Wintermonaten zum Bade schritten, war hier zumeist eine Menge Platz auf den Liegewiesen und auch im Becken war es nicht wirklich voll, so dass sich der Name Freibad schnell einbürgerte. 

Dass sich dieser schlichte Übersetzungsfehler bis in die heutige Zeit halten konnte, liegt vornehmlich an zwei Tatsachen. 

Zum einen vermieden die Kelten es vermutlich bewusst, gesellschaftliche, religiöse oder ihre Tradition betreffende Inhalte schriftlich und zudem auf dauerhaftem Material festzuhalten. Die mündliche Weitergabe von Inhalten scheint einen hohen Stellenwert gehabt zu haben. 

Zum anderen wurde den Kelten ihr eisiges Hobby des Winterschwimmens – eben im „Freibad“ – zum Verhängnis. Durch die fiesen Temperaturen im Winter und das nasse, lange Haar, erkrankten nahezu alle Kelten irgendwann an einer damals unheilbaren Lungenentzündung.

Und gerade als der letzte der keltischen Sprache mächtige Druide sein Wissen an einen vorbeischlendernden galloromanischen Plünderer weitergeben wollte, erlag er – wie die meisten seiner Stammesgenossen – einer bösen Pneumonie, dem Ergebnis des Freibadbesuchs im Winter.

So kam es also, dass das zumeist viel zu kalte (vergleiche: kelte) Wasser (einzige Ausnahme: das Nichtschwimmerbecken oder der Warmbadetag) in den heutigen Schwimmanlagen unter freiem Himmel, immer noch als Freibad bezeichnet wird.



Es ist wieder aufgetaucht, das 1993er LUZIFER SAM Demo-Tape "A FAILED EFFORT TO PUTSCH" mit den vier Songs "Time And Again", "Alice Dee", "Dark Substance" und "Disfigured Age". Alle Songs fanden 1995 neu aufgenommen mit unserem Produzenten Axel Ritt den Weg auf unser erstes Studio-Album "ALICE DEE", welches dann bei Humbucker Music/Semaphore erschien.
Die A-Seite des Demo-Tapes haben wir im Sommer 1993 bei ziemlicher Hitze in den Hagener Banana-Studios aufgenommen, produziert hat uns damals der Studio-Chef Haan Plattke. Die Songs "Dark Substance" und "Disfigured Age" waren Reaktionen auf die damaligen fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Deutschland und nahmen thematisch ein wenig die spätere textliche Ausrichtung von PORTER vorweg.
Die Songs des ersten Demos waren im Grunde bereits die Blaupause für den Sound und das Songwriting der ersten Hälfte unseres Bestehens. Die frühen Jahre eben. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Demo "SHIVER" von 1994. Hier war LUZIFER SAM noch ein Quartett, da Till erst 1994 zu uns stieß und Holger vom Bass befreite.
Ich liebe diese Songs nach wie vor, auch jenseits von Sentimentalität, für ihren Eigensinn und den latenten Hang zum Wahnsinn. Wir hatten noch nicht das professionelle Gespür für Songwriting oder eine Form, wie wir zu klingen haben, sondern haben einfach gemacht. Im Grunde wussten wir damals immer nur, was wir nicht wollen - daran hat sich im Grunde bis heute nicht viel geändert.
Nach den wirklichen Anfängen im Keller meiner Eltern mit VANISHING LINE (bereits mit Holger, unserem späteren LS-Sänger) und den für meine musikalische Entwicklung absolut essenziellen FRIDAY IS SCRAPPED, war LUZIFER SAM die Band, die mir gezeigt hat, dass ein Leben ohne aktives Musikmachen keine Option ist. Dabei hilt einem allerdings auch extrem, wenn man Freunde um sich hat, die das genau so sehen.
Ich darf nun bereits seit über 25 Jahren Musik mit Lars und Frank machen, das alleine ist schon bemerkenswert. Und dass wir es heute immer noch so engagiert und mit Herzblut machen, ist nicht zuletzt auch ein Verdienst unserer gemeinsamen Zeit mit LUZIFERS AM in den 90ern. 
LUZIFER SAM - die Demos – JETZT AUF SOUNDCLOUD ANHÖREN:
Außerdem erschienen und bei Spotify zu hören:
Die CDs "Alice Dee" (1995) und "Luzidity" (1997) bei Humbucker Music/Semaphore.

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Weitere Artikel zu LUZIFER SAM:
LUZIFER SAM - die Chronik, Teil I
Wikipedia

77 Prozent der Schallgeschwindigkeit, sagt der Pilot. Was sonst auch sollte man fremden Menschen sagen, die man weder kennt, noch bewussten Auges jemals wieder sehen wird. Es kann sein, dass der ein oder andere seinen, einem Nerdinteresse geschuldeten, Nutzen aus dieser Information ziehen kann. Ich kann es nicht. Mich wirft es zurück in meinen Gedanken, Echos aus einer Zeit, die ich selber nicht erlebt habe, als kollektiver, durch Wissen vermittelter Nachhall der Menschheit.

77 Prozent der Schallgeschwindigkeit sind mein Portal in eine Welt der Konfrontationen mit wahrhaft Fremden. Als Menschen andere Menschen in anderen, für sie nur mühevoll erreichbaren Regionen, überfallen, getötet, vergewaltigt und versklavt haben. Aus keinem anderen Grunde als Reichtum und Macht. Diese Menschen hatten keine 77 Prozent Schallgeschwindigkeit zur Verfügung für ihre Raubzüge. Nicht einmal 50 oder 30 oder … diese Menschen waren zu Fuß oder zu Pferd unterwegs und konnten vielleicht gerade deshalb so perfide und skrupellos morden. Sie konnten „die anderen“ gar nicht kennen. Es gab, jenseits einzelner Versuche, kaum einen Austausch zwischen den Kulturen.

Dann kommt irgendwann ein Kaltgetränk und ein Sandwich. Ich verneine den Einkauf von Düften und Schals und gehe zurück in der Geschichte. Hier kam irgendwann die Aufklärung. Und sind seit dem auch noch so unvorstellbare Gräueltaten begangen worden - ja, auch von aufgeklärten Menschen - muss man dem Menschen und seiner kollektiven Fähigkeit an sich dennoch eine Art intellektuellen Fortschritt bescheinigen. Wir haben das Wissen um unsere Nachbarn, wir kennen Hintergründe vermeidlich fremder Kulturen, wir haben gelernt, Konflikte ohne Gewalt zumindest lösen zu wollen. Ob wir von all dem Gebrauch machen, ist eine ganz andere Frage. Aber zumindest könnten wir es nun.

Mein Sandwich nagend und aus dem Fenster den endlosen weißen Wolken ins friedliche Wohnzimmer schauend, weiß ich gar nicht, was schlimmer ist. Dass Menschen früher aus Unwissenheit Unheil in die Welt gebracht haben, oder dass sie es heute trotz besseren Wissens noch immer tun.

77 Prozent der Schallgeschwindigkeit gemahnen mich daran, dass wir heutzutage eine Chance haben, eine riesengroße Chance, die unsere Vorfahren allesamt nicht hatten. Wir können uns informieren, wir können uns umsehen, wir können blitzschnell Ozeane und Kontinente überwinden und uns in der Sprache der anderen verständigen.

Und es erinnert mich daran, dass sogar diese - für mich im Grunde nutzlose Information - ihren Sinn haben kann.
Aus Markus 2 (neue Übersetzung)

2 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Volke ausging, dass alle Könige und sonstigen Herrscher - egal wie unfähig er auch sein mochte - geschätzt würden.
2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Angela Landpfleger von Deutschland war.
3 Und jeder König und sonstige Herrscher - egal wie unfähig er auch sein mochte - ging, dass er sich
schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
4 Da machte sich auch Ronald Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - auf aus Nordrhein
Westfalen, aus der Stadt Weeze, in das Berliner Land zur Stadt Berlin, die da heißt - ja doch - Berlin, darum dass er ehedem und warum auch immer von dem Kabinette Merkel II war,
5 auf das er sich schätzen ließe mit der CDU, seinem vertrauten Weibe, die ward unheilschwanger.
6 Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie noch mehr misslich Ding gebären sollte.
7 Und sie gebar ihre nächste Tochter, eine verbale Entgleisung, und wickelte sie in Windeln und legte sie in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum im Kanzleramt.
8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
9 Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet Euch nicht aber, ich kann Eure Fressen nicht mehr sehen! Dennoch, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag -, der Entgleisende, in der Stadt Angelas.
12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Ding in graues Anzugleinen gewickelt und in einer Krippe schimpfend.
13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
14 Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und Pofalla ein Wohlgefallen.
15 Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen gen Berlinehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat.
16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Pofalla und seine Entgleisung, dazu einen Riesenscheck von der Deutschen Bahn in der Krippe liegend.
17 Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von dieser Entgleisung gesagt war.
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.
19  Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - aber behielt alle diese Worte - und den Scheck - und bewegte sie in seinem Herzen.
20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
21 Und da acht Tage um waren, dass Pofalla - egal wie unfähig er auch sein mag - beschnitten würde, da ward sein Name genannt Achduheiligebimbahn, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn empfangen ward.
22 Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mammons kamen, brachten sie ihn gen Berlinehem, auf dass sie ihn darstellten dem HERRN
23 (wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des HERRN: "Allerlei Männliches, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem HERRN geheiligt heißen") (Anm. des Verf.: Dieses Ding von wegen männlich und so, steht nicht ganz umsonst im Klammern)
24 und dass sie gäben das Opfer, wie es gesagt ist im Gesetz des HERRN: "Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben - oder wenigstens eine Überwachungs- und Spionageaffaire ."
28 da nahm irgendwer ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
29 HERR, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;
30 denn meine Augen haben Deinen Vertrag gesehen,
31 welchen du bereitest (und selbstverschändlich unterschrieben) hast vor allen Völkern,
32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Deutschland.
33 Und seine Frau und seine Mutter wunderten sich gar nicht so dolle des, dass von ihm geredet ward.
34 Und jemand segnete sie alle zusammen und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Deutschland und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
35 (und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen), auf dass vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
40 Aber das Pofalla - egal wie unfähig es auch sein mag - wuchs und ward stark im Konto, voller Verschlagenheit, und Grubes Gnade war bei ihm.
41 Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Berlinehem auf das Osterfest - gsuffa.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so neh`m sie auch noch heute 
- egal wie unfähig sie auch sein mögen. 











(Bildquelle: Wikipedia)
Ist wohl auch so eine Alterserscheinung, dass man an gewissen persönlichen Umbrüchen zurückblickt und vor sich hin resümiert.Jetzt da wir mit unserer Band Porter nach über 10 Jahren aus unserem langjährigen Proberaum ausziehen, beenden wir damit auch eine Ära.

Und als wir einmal mehr so darüber raisonierten, dass Porter für alle Bandmitglieder die Band ist, in der wir in unserer Musikerkarriere am längsten gespielt haben, sprangen wir Jahr um Jahr zurück in unserer teils gemeinsamen Vergangenheit. Musiker, Freunde, vergangene Bands, eigene wie fremde, tauchten vor unserem geistigen Auge auf und plötzlich waren sie alle wieder da. Die erlebten Geschichten rund um wahrhaft verrückte Auftritte, legendäre Parties, einmalige Menschen, die man getroffen, mit denen man Musik gemacht, eine Bühne oder einen verwegenen Traum geteilt, die man ins Herz geschlossen und dennoch oftmals so rasch wieder verloren hat.

Das Gute an der Erinnerung an meine musikalische Vergangenheit ist, dass es schlicht nichts gibt, was ich aus heutiger Sicht wirklich bereuen würde. Klar würde man - wenn man denn könnte - an sehr vielen Stellen andere Entscheidungen treffen. Denkt man. Stimmt aber nicht, denn wir haben alles was geschah aus der damaligen Überzeugung heraus gemacht. Und auch wenn der Pathos hier aus den Leerzeichen trieft, ich bin verdammt stolz auf das, was wir geschafft haben. Wäre auch traurig wenn nicht. Schließlich haben wir zeitmusikerlebens immer Herzblut, Arbeitsschweiß und Tränen ins verdammte Feuer des Rock'n'Roll gegossen. Nicht zuletzt all die Jahre an Zeit und Unmengen an Geld, welches wir in barer Münze zurückzubekommen niemals die Erwartung hatten. Selbiges tun wir auch heute noch und werden es wohl immer machen, was mich nicht weniger froh stimmt, als das Erlebte. Bezeichnenderweise erreicht mich inmitten der Arbeit eine Mail meines Weggefährten und Gitarristen Frank, mit dem ich nun seit 23 Jahren Musik mache. Und ohne den Inhalt dieser Mail hier kundzutun darf ich sagen, dass sich seine Gefühle mit denen in den letzten Zeilen hier absolut decken.

Wir sind niemals, mit welcher Band auch immer aus der Independent-Ecke heraus gekommen und vielleicht - so hat Lars es einmal ausgedrückt - sind wir deshalb alle noch am Leben und relativ gesund. Es gab Momente der Weichenstellung, die wir im Bandkollektiv einstimmig treffen mussten, und die wir kurzzeitig beklagt haben, weil es uns einen spannenden Impuls hätte geben können. Die vielen Konjunktive drücken hervorragend meine heutige Sicht auf die damalige Entscheidung aus. Ich bin froh, dass wir da sind, wo wir sind. Dass wir uns in die Augen sehen und miteinander Musik machen können. Und dass wir es wollen. Ab einem gewissen Alter - machen wir uns nichts vor - ist das großes Glück. So viele unserer Weggefährten haben aufgehört, spielen in Top 40-Coverbands oder bedröhnen Schützenfeste mit Bluesklassikern. Das soll nicht überheblich klingen, ich bin einfach nur glücklich. Wir leben gerade jetzt unsere Vision von wirklich unabhängiger Herzblutmusik so aus, wie wir es wollen.

Daran habe ich früher natürlich nie gedacht. Vor 24 Jahren habe ich die Sommerferien auf dem Bau verbracht, um mir endlich ein Schlagzeug zu kaufen. Eigentlich war es ein Schrotthaufen mit Schlagzeughintergrund. Ab es war meins. Heute weiß ich eh: teures Drumkit lohnt sich nicht, wenn man eine gewisse, ich sage mal energetische Art zu spielen hat. Diese Art habe ich heute perfektioniert und weiß einfach, dass alles kaputt geht, auseinanderfällt, zerbröselt. Der Preis spielt keine Rolle. Unserer ersten Band kam diese "Technik" gut zupass. Ein Wavepunk-Kellertrio namens Vanishing Line, welches weder die Absicht noch die Möglichkeit hatte, jemals vor Publikum zu spielen, welches sich nicht in unseren damaligen Proberaum, den Keller meiner Eltern verirrte.

 Unsere Motivation war eigentlich - neben dem Entdecken der Geheimnisse, die sich einem beim Versuch offenbaren mit im Prinzip unbeherrschbaren Instrumenten sinnvolle Klänge zu erzeugen - bei jeder Probe mindestens einen Kasten Weizenbier zu leeren, über Gott und die Welt zu philosophieren und bis in die Nacht Musikvideos von Joy Division, The Cure, Fields Of The Nephilim, AC/DC, Iron Maiden, The Mission, Sisters Of Mercy, Motörhead oder Metallica zu schauen. Wir waren unfassbar schlecht, natürlich. Aber hey, wir waren eine Band!

Die Band zerbrach natürlich. Nach ca. 1 1/2 Jahren. Nicht zuletzt an der kreativen Sackgasse in der wir uns zweifelsfrei befanden. Wir waren ein hermetisches System. Um uns weiterzuentwickeln brauchten wir definitiv Einflüsse von außen, andere Menschen, Musiker, die besser waren als wir und uns herausforderten. Diese fanden wir in der bunt zusammengewürfelten, eigentlich als Abiband gegründeten Truppe, die wir Friday Is Scrapped nannten. Dieser Prozess forderte das erste Opfer. 1 Drittel von Vanishing Line konnte diesen Schritt nicht mitvollziehen. Bis heute ein schmerzlicher Verlust, denn mit dem Ende meiner ersten Band, verlor ich unseren damaligen Basser komplett und unwiderruflich aus den Augen.

Der Bandname kam damals von Lars, neben Frank der Mensch mit dem ich seit Beginn von Friday Is Scrapped bis heute auch bei Porter eine Band - mein selbstgewähltes und geliebtes Schicksal - teile. Lars hatte das Gekritzel bei einem Toilettengang im Irish-Pub auf der Wand entziffert. Frank und Lars waren dann auch die Musiker, die damals bereits so klangen, als hätten sie mit ihren Gitarren schon seit Jahren geschlafen. Bei Lars stimmte dieser Eindruck dann auch. Und entweder man wächst an seinen Mitmusikern, oder man zerbricht und hört auf. Ich darf behaupten, wir sind gewachsen und haben damals das erste Mal zusammen so etwas wie wirkliches Songwriting entwickelt. War ich, der niemals Schlagzeugunterricht genommen hatte, zu Beginn des Waverock lastigen Projektes FIS noch überzeugt, eigentlich gar kein Schlagzeug spielen zu können, war ich schon 3 Monate später sicher, dass ich das, was ich da tat, egal auf welchem Level, mein Leben lang tun will und werde. Ich fand mich grottig, aber es machte einfach nur Spaß und ich bekam den Respekt, den man benötigt, um so etwas wie Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und als Musiker ist das noch einmal etwas ganz anderes, denn Du gehst irgendwann auf eine Bühne und jeder der davor steht, ist Dein Richter. Dass mich das niemals, nicht ein einziges Mal belastet hat, ist auch das Verdienst, all derer, die mit mir die Bühne geteilt haben. Denn mit diesen Jungs und bei FIS auch Mädels, waren wir stets eine Einheit und im Prinzip kann uns diesbezüglich auch heute noch keiner was.

 Abgesehen davon, dass man mit 18, 19 Jahren in der Regel als Band ohnehin von einem recht großen, harten Kern an Freunden und Bekannten umgeben ist, der eine offene aber aktive und enthusiastische Clique (das Wort gab es damals) bildet und sowohl Proberaum, als auch jedes spätere Konzert zu einem Event (das Wort gab es damals nicht) werden lässt, kann ich meine Gefühle kaum in Worte fassen, die mich überrollten, durchströmten und für alle Zeiten abhängig machten, als wir unser aller allerersten Auftritt hatten. Nie zuvor stand einer von uns zuvor auf einer Bühne und unsere Sängerin schaffte es auch nur, nach zuvor nervositätsbedingt vollführtem Kotzen, aber als es passierte, war es etwas Magisches. Es war unsere Offenbarung, eine Art nun erst wirklich stattfindende künstlerische Geburt. Ich muss den ganzen Abend nach dem Gig eine Mischung aus ungläubigem Staunen und debilem Dauergrinsen auf dem Gesicht getragen haben. Ich wusste nur, das will ich noch mal, das will ich noch ganz oft, das will ich immer, immer wieder.

Auch diese Zeit hatte seine Höhen und Tiefen und auch diese Band zerbrach. Dieses mal merkten wir zum ersten mal, was diese ominösen musikalischen Differenzen bedeuten und anrichten können. Und auch wenn dieses Mal nicht direkt Menschen verschwanden, sich manche Beziehungen außerhalb der Musik sogar noch vertieften, blieb der harte Kern von FIS zusammen und formierte sich bereits 1992 unter dem Arbeitstitel Preacher Men neu. Musikalisch deutlich härter ausgerichtet, die düster-melancholische Seite jedoch weiter ausbauend, war es abermals Lars, der den dann endgültigen Namen Luzifer Sam - einen Titel auf der ersten Pink Floyd-Scheibe - anschleppte. Dass uns dieser Name natürlich auch Ärger und Vorurteile einbrachte war ja klar. Nach einem legendären, visionären und durchzechten Gründungsbandwochenende im November 1992 war klar, wir waren jung, wir waren willig der Musik den nötigen Platz einzuräumen und wir wollten raus.

Es dauerte nicht lange, da gingen wir wieder auf die Bühne. Und wie. In den Jahren 1993 - 1994 entwickelten wir uns zur professionellen und wahrhaft druckvollen Liveband. Unsere Nebelshows wurden schnell derart extrem, dass es kaum auffiel, wenn unsere Gitarrenmänner vorne von der Bühne zu kippen drohten oder ich während eines minutenlangen psychodelischen Solos nach hinten durch die Bühnentür kurz das WC aufsuchte und dann nahtlos wieder einstieg. Das alles hört sich jetzt vielleicht nach zu viel Alkohol auf der Bühne an. Richtig. Ab wartet Ihr mal 9 Stunden nach dem Soundcheck in einer Kabine auf Euren Auftritt wenn Ihr 22 Jahre alt seid. Ich gestehe, die Qualität der Musik hat in dieser Zeit mit Sicherheit etwas gelitten, aber die Shows haben es glaube ich mehr als wett gemacht. Wobei wir eher eine von den Bands waren, die weniger gesprungen, als vielmehr scheinbar statisch aufgestellt waren. Die Fields Shows haben unseren Sänger Holger (mein alter Freund und Vanishing Line Sänger) geprägt, Pink Floyd meine Gitarristen. 1993 nahmen wir dann in Hagen unser allererstes offizielles Demo "A Failed Effort To Putsch" auf. Und verschickten es auf Kassette. Heute frage ich mich, wie das alles ging ohne Internet. Aber ... es ging.

Das Liebesleben von Frank spülte uns 1994 einen 5. Mann an Bord. Till, der wahrhaft verrückte Till befreite Holger vom Bass, der sich so auf seinen Gesang und auch eine gewisse Theatralik konzentrieren konnte, und sorgte auch menschlich für reichlich Schwung in der Band. Holger wurde so via Metalpresse zum "Pavarotti der deutschen Metalszene" und Till zum unersetzlichen Spaßschwungrad von Luzifer Sam. Wir spielten hier und da und überall und plötzlich stand da ein bekannter Metal-Gitarrist und bot uns an, die Band unter Vertrag zu nehmen und zu produzieren. Und was macht man da als junge Band? Man findet das überirdisch geil und unterschreibt einen Vertrag.

Dieser führt 1995 zu unserem ersten wirklichen Album "Alice Dee", welches uns zum ersten Mal vor Augen führte, dass wir da nun wirklich in dieses Musik Business geraten waren, von dem wir so viel gehört hatten. Verdammt gute Rezensionen in Musikmagazinen folgten und wir begannen zu verstehen, dass da draußen Menschen waren, die das was wir als unsere Profession, als großen Spaß ansahen, wirklich mochten. Wozu es nicht führte war, dass wir vernünftiger, partyuntauglicher oder weiser wurden. Und so gigten wir weiter durch die Clubs und erfolgreiche Headlinernächte wie im Ringlokschuppen in Mülheim oder der Kulturfabrik in Luxemburg, aber auch die wundervollsten Misserfolge im Castrop-Rauxeler Spektrum vor 2 nichtzahlenden Zuschauern von der Presse, genauso wie die wundervollsten Independent-Kontakte zu szenewichtigen Fanzinemachern, prägten diese genialen Jahre, die wiederum uns - vielleicht sogar noch bis heute - prägten.

1997 folgte das Album "Luzidity", welches ebenfalls gigantische Kritiken erntete und uns ebenfalls megastolz machte, jedoch genau wie der Vorgänger "Alice Dee" viel zu sehr von den Vorstellungen unseres Produzenten und Labelchefs geprägt war, als dem nahe zu kommen, was wir live auf die Bühne brachten. Auch diese Erfahrungen leiten uns sogar mich heute bei den Aufnahmen zu Porters "Wolkenstein", wo wir endlich das umsetzen, was wir umsetzen wollen - ohne Produzent und ohne Anleitung zum Erfolg. Man darf nun nicht glauben, dass die Luzifer Sam Alben schlecht oder gar sehr zugänglich und kommerziell waren, im Gegenteil, aber heute machen wir - auch dank der damaligen Erfahrungen - schon zu einem Maximum unser Ding.

1998 machten wir das irgendwie auch, doch kam uns da das in die Quere, was den Meisten zum Verhängnis wird. Das Erwachsenenleben. Holger war als erster fertig mit dem Studium und sah sich nicht mehr in der Lage, derart zu proben, wie wir es hätten tun müssen, um das Ganze auf das nächste Level zu bringen, kurz die nötige Zeit für die Band aufzubringen. Als Holgers bester Freund in der Band traf mich das damals mehr als hart. Immerhin machten wir zu diesem Zeitpunkt bereits seit 10 Jahren Musik zusammen und teilten eine sehr enge private gemeinsame Geschichte. Luzifer Sam zerbrach. Und das hätte es eigentlich sein können damals, was meine musikalische Vita angeht.

Wären da nicht Frank und Lars gewesen, die irgendwie genau wie ich eigentlich nicht aufhören wollten, Musik zu machen. Till entschied sich damals ebenfalls dazu, den Bass an den Nagel zu hängen und so saßen wir da. Zwei Gitarren und ein Schlagzeug. Eines war klar, wir wollten unseren Stil ändern. Weg von dem ganz düsteren und epischen Zeug, hin zu kürzeren rockigeren Songs. Aber wenn man mal ehrlich ist, kann man so etwas eh nie planen. Songs stecken in einem und kommen raus. Punkt.

Dank Nogger, einem Freund von Frank, war der Bass schnell besetzt und auch ein Sänger war per Aushang schnell gefunden. Zack, Demo aufgenommen, uuuund Sänger weg. Neuer Aushang, neuer Sänger, neues Demo aufgenommen, uuuund Sänger weg. Wir schienen gefangen in einer echt bescheuerten Schleife. Immerhin hatten wir einen Namen:

Porter.

Doch dann ging alles ganz schnell, Nogger zog um, und Volker kam. Den bekloppten Basser kannten wir aus Luzifer Sam Tagen noch von vielen gemeinsamen Auftritten und Lars half zeitweise in dessen ehemaligen Band Body Lost Its Size aus. Volker kam und passte! Punkt. Dann schloss sich eine Phase des kaugummiartigen Castings an, um einen Sänger zu finden mit den skurrilsten Erlebnissen, die - ich kürze gaaaanz kurz ab - mit Christian abrupt beendet wurde und uns zu der Formation brachte, die wir heute sind.
Das Irre ist, dass wir alle, die wir heute Porter sind - ich erwähnte das eingangs - bei allem was uns allen in den letzten 20 Jahren passiert ist, noch niemals so lange in einer Band spielten, wie bei Porter. Und auch wenn Volker zur Zeit wieder mit unserem Freund, Mischer und Studiobesitzer Frank, seine Speedmetalband Shurrican reanimiert, wissen wir glaube ich alle, dass wir genau diese Band, dass wir Porter zusammen zu Ende bringen werden.

Das soll nicht mehr und nicht weniger bedeuten, dass wir 5, Christian, Frank, Lars, Volker und ich, das wir auf alle Zeiten Porter sein werden. Sollte hier jemand nicht mehr dabei sein können, wäre das das Ende von Porter. Aber: ich glaube wir stehen seit 2011, seit der EP "Damocles", gerade erst an Anfang unseres wirklichen Lebens mit Porter.

Und wenn das alles eine Moral haben sollte, dann definitiv die, dass Ihr alle dort draußen, die Ihr eine Band habt oder eine Band haben wollt, diese niemals aufgeben solltet. Die Möglichkeit zu haben, Musik zu machen die man liebt, mit Menschen, die man verdammt noch mal auch liebt, ist so verdammt wertvoll. Das merkt man allzu oft erst, wenn es vorbei ist.

Ich liebe das was ich tue.
Und Ihr habt Euch nun durch diesen wirklich langen Text gequält und wahrlich verdient etwas Schönes zu tun.

Ich bedanke mich.
Euer Markus.


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