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Dieser Tage kann man sich als humanistisch geprägter, freiheitsliebender Mensch, angesichts des auf purem Egoismus basierenden Gebarens gewisser Ministern, nur schwer zusammen reißen, um keinen Blutsturz zu bekommen. Es wäre leicht seinen Humor zu verlieren, wenn man sieht, mit welcher Leichtigkeit wiederum erwachsene Menschen in Regierungsverantwortung, unsere humanistischen und sozialkulturellen Errungenschaften, die wir nach düster-kriegerischen Zeiten endlich ein wenig manifestiert (oder wenigsten anzementiert) glaubten, mit Füßen treten, und offen ihren chauvinistischen, rassistischen und von Angst, purer Angst geriebenen Zerstörungswahn an unserer Gesellschaft ausleben. Das Ganze geht auf Kosten jedes Menschen in diesem Lande, vorgebend der ganze irrsinnige, offensichtliche Scheißdreck aus seinem Kopf, würde zum Wohle des Landes abgesondert.

Ein alter, egozentrierter Mann, weit jenseits seines Zenits, so es denn mal einen gegeben haben sollte und wie auch immer dieser im Falle Seehofer definiert werden könnte, erpresst als Minister aus niedersten Gründen seine eigene Chefin, die gewählte Bundeskanzlerin und schämt sich nicht einmal dafür. Dieser "Mann" blamiert und beschädigt sein Land, seine Partei, sein Amt, dass man ihn mit der flachen Hand ohrfeigen möchte, ja geradezu muss. Dass er diese Blamage auch in aller Öffentlichkeit an sich selbst vollzieht und zur Witzfigur einer ganzen Nation wird, ist da kaum Genugtuung. Endlich weiß der geneigte Ruhrgebietler wieder um die exakte, so treffende Formulierung "Vollhorst". Der Vollhorst seibert, nach Anerkennung gierend, unter den Schuhsohlen derer, die bereits die braune Scheiße in ihrem Profil tragen. Das hat noch nie geklappt, denn diese Menschen haben bereits ihre eigene Vollhorst-Partei. Nur gut, dass Subtilität nicht zu den Waffen der Angstvollen und Hassenden gehört. 


Es gibt ja diese einhellig kolportierte Meinung, dass 2016 ein durch und durch schreckliches Jahr, voller Verluste, neuer Bedrohungen und allesamt negativer Entwicklungen war. Ich persönlich finde das völlig subjektiv und denke, das Jahr hat dieses Bashing nicht verdient.

Klar, jeder von uns hat seine persönlichen Niederlagen und Verluste zu beklagen. Das sei auch niemandem genommen, das ist in jedem Jahr das gleiche. Aber sonst? Was ist denn anders als in jedem anderen Jahr? Was ist denn so kollektiv furchtbar, dass Ihr glaubt, Euch von Angst und Zweifeln beherrschen lassen zu müssen?

Leben wir nicht nach wie vor in einem Land, dass sowohl sozial, als auch kulturell, ja sogar auch wirtschaftlich – von mir aus nehmt auch den Sport dazu – immer noch wie das verdammte Paradies wirken muss, wenn man einmal die Größe hat, von außen drauf zu schauen? Natürlich gibt es Menschen, denen geht es schlecht, Menschen denen das Leben übel mitgespielt hat. Aber jenseits von bedauernswerten Einzelschicksalen, die ich hier auch gar nicht klein reden möchte, wem von Euch, die Ihr Euch in meinem Dunstkreis bewegt, geht es denn wirklich schlecht, weil – und das ist der springende Punkt – weil der ach so böse Staat, die allesamt so durch und durch korrupten Politiker, auf die Ihr immer so schimpft (weil es Euch erlaubt, und genau die Tatsache sogar gewollt ist), die Demokratie, die Ihr nutzt, als wäre es eine Option und keine Pflicht, weil die alle Euch etwas weggenommen haben, was Euch zusteht?

Habt Ihr nicht alle in diesem Jahr wesentlich mehr Terror erwartet? Ich schon. Mussten wir nicht eigentlich mit viel mehr Anschlägen rechnen, als es dann hinterher waren? Und das nicht wegen der Masse an Flüchtlingen, die Deutschland dankenswerterweise die Eier hatte, vor Krieg und Elend zu bewahren, sondern wegen der weltpolitischen Lage, in der wir natürlich eine Rolle spielen. Ich habe keine, null Angst vor einem Terroranschlag, bin mir aber sicher, dass wir noch einige werden erleben müssen. Aber woraus schürt sich denn hier Eure Angst? Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein? So wie bei einem Flugzeugunglück, bei einem Verkehrsunfall, bei einem Herzinfarkt? Macht Euch dieses blöde Wort Terror mehr Angst, als Euer eigenes Leben? Das wäre schade. Die einzige Waffe, die es gegen Terror von, aus verschiedensten Gründen, ihr eigenes Leben wegschmeißenden Menschen gibt, ist Gelassenheit. Ich will nicht einmal von Desinteresse reden, aber wenn ich den – von mir in diesem Land hoch geschätzten – Medien eines vorwerfen kann, dann doch, dass sie jeglichen Zwischenfall bis zum Exzess pushen, mit Sondersendungen belohnen, also Arschlöchern indirekt Sendezeit einräumen, die sie nicht verdient haben. Menschen streben nach Macht, koste es was es wolle, da geht es dem IS-CEO nicht anders, als einem Erdogan.

Und ja, die Gesellschaft scheint gespalten zu sein. Aber eben nicht in Ethnien, soziale Schichten oder Religionen. Im Grunde kommen wir hier nämlich verdammt gut miteinander aus. Deutschland ist vor Allem mitnichten gespalten in zwei gleich große Teile, sondern in eine kleine, unzufriedene Hassgesellschaft, die es sich buchstäblich auf die Fahnen geschrieben hat, keine Lösungen, sondern Schuldige zu benennen, und in die überwiegende Mehrheit, die sich mit den Störenfrieden, die die pure und tumbe Menschenfeindlichkeit vor sich her tragen, meines Erachtens – noch – zu nachgiebig zeigt. Wie blöd man sein muss, um als vermeidlich "Abgehängter" diejenigen zu wählen, die einen am meisten verachten, vermag man vielleicht nach der US-Wahl wenigstens zu erahnen, wo das Proletariat einen zynischen Milliardär auf den Schild gehoben hat, um das Establishment abzustrafen. Ich möchte das Wort postfaktisch nicht überstrapazieren, aber seit Erfindung der Religion, war wenig postfaktischer als das Wählerverhalten der Menschen in diesem Jahr. Dennoch: 2016 ist auch hier keine Ausnahme.

Und dann die ganzen, ach so spontan und in Masse verstorbenen Künstler. Als wirklicher Fan ist man immer traurig, wenn ein verehrter Musiker das Zeitliche segnet, aber 2016 hat hier auch im Grunde nur die von uns genommen, die entweder bereits gesegnet alt, besonders drogenaffin oder schlicht unheilbar krank waren. Alles wie immer. Das ist 2016 nicht anders, als in jedem anderen Jahr. Nur dass es hier wohl den Mainstream besonders getroffen hat. Und genau hier ist dann auch der Boulevard eine besonders mächtige Betroffenheitsmaschine. Ich persönlich kann mich nicht erinnern Tränenmeere gesehen zu haben, als 2015 Phil Taylor, Chris Sqiere oder Robert "Bob" Burns gestorben sind. Lemmy mag da die große Ausnahme sein. Auch hier scheint der kommerzielle Erfolg den Grad der Anteilnahme im Todesfall zu bestimmen. Das ist ja auch alles vollkommen in Ordnung, so lange man nicht hinterher lesen müsste, dieser oder jene wäre "der wohl beste Künstler seiner Zeit", "ein Ausnahmetalent" oder was weiß ich noch gewesen. Die meisten der Beklagten, waren schlicht große Popstars, was an sich bereits eine anständige Leistung ist.

Ich denke, dass man einfach gerne in jedem Jahr ein Superlativ kolportieren möchte. Einfach nur, damit es diese Dramatik bekommt, nach der wir geistig Verarmenden lechzen. Und 2016 musste eben als Katastrophenjahr herhalten. Nun kann sich so ein Jahr ja auch schlecht wehren, vermutlich ist es ihm auch herzlich einerlei, was wir von ihm halten. Ich möchte Dir hinterher werfen, liebes 2016, wannanders war auch scheiße. Alles halb so wild.

Wenn ich mir für Deinen Nachfolger etwas wünschen dürfte, dann wäre das etwas mehr Gelassenheit, etwas weniger Hass, etwas mehr Massensterben unter Diktatoren (ist so`n Resthassding), mehr Bildung für alle, ein paar ernsthaft juckende Furunkel am Hintern für alle Chauvinisten, die glauben, dass ein Mensch besser wäre, als ein anderer, das Abebben von religiösen Gefühlen, so sie sich nicht nach innen, sondern auf andere richten, einen Aubameyang, der einen 5-Jahresvertrag beim BVB unterschreibt, mehr Gönnen, als Neiden, und dass Demokraten auch wieder zu Wahl gehen, um menschenverachtende Parteien in die Schranken zu verweise, die sie in den Köpfen kultiviert haben.  

 


So! Ich habe es satt! Ich kann es nicht mehr hören. Überall, alle, jeder, dieser "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Schwätzer, plärrt nur noch die simple Formel nach, die Politik habe den Bezug zu den Wählern, zu den einfachen Menschen verloren und finde keinen Zugang mehr zu den Problemen des "Volkes". Es würde an diesen vorbei regiert und überhaupt leben wir ja in einem Land ohne jegliche Demokratie, in dem "die da oben" gegen das Gemeinwohl regieren und sich bereichern! KOTZ!

Leute, die Ihr Euch abgehängt und nicht mehr repräsentiert fühlt. Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass Ihr hier in einem Land lebt, in dem Ihr, in dem jeder, sich jederzeit über alles informieren, sich bilden, schlau machen und vor allem mitmischen und somit etwas verändern kann. Ja scheiße, das geht nicht sofort und auf Knopfdruck? Man muss an einer Sache länger dran bleiben, als es dauert einen Facebook-Post zu schreiben? Ja, nee, dann lieber nicht. Dann lieber meckern und jammern.

Ist schon scheiße, wenn man selber nicht aus dem Quark kommt und dann nur noch über andere Schimpfen kann, die was tun. Klar ist das ein Scheißgefühl. Mit Recht!

Der Stammtisch der Doofen und Dreisten hat sich erhoben, um sich als jämmerliche Mimimi-Gesellschaft zu "erheben". Und was ist die Lösung dieser tumben Masse für die am eigenen Leib so schlimm empfundenen Probleme (die durchaus real sein können, das stellt niemand in Frage)? Konstruktive Inhalte? Antworten auf konkrete Fragen? Ideen, wie man sich selber und somit anderen helfen, die eigenen Lebensumstände verbessern kann? Das intellektuelle Beschäftigen, das Arbeiten an einer Verbesserung? Natürlich nicht. Die "Lösung" der schon immer Bescheuerten war, ist und wird immer sein, mit dem nackten Finger auf irgendjemanden zu zeigen, diesem die Schuld zu geben und dann die Fackeln anzuzünden. Das macht nichts besser, aber hey, es befreit doch ungemein und befeuert das eigene Mini-Ego mit dem bißchen Selbstzufriedenheit, dass Ihr anders scheinbar nicht zu erreichen in der Lage seid. Das ist nicht nur jämmerlich, dass ist gelebte Dummheit.

Wenn Euch einer gerade mächtig abhängt und aus der Mehrheitsgesellschaft herausraus schießt, dann seid Ihr es selbst! Ganz bestimmt nicht die "Politiker-Kaste", wie es aus Eurer privaten Filterblase gerne tönt. Politik bedeutet nämlich auf griechisch dooferweise nicht "Faulen Spinnern den Arsch hinter her tragen". Politik ist eine Arbeit. Und zwar eine, die die meisten von uns mangels Kompromissbereitschaft gar nicht durchhalten würden.

Ihr fordert Transparenz? Dann kauft Euch mal wieder eine richtige Zeitung, wenn Ihr die Huffington Post durchgewichst habt und Euch Russia Today die Welt durch Putins Brille erklärt hat. Ulkigerweise sorgen nicht facebook oder Super RTL für journalistische Transparenz, sondern eine segensreiche "Flut" von freien Medien, wie sie in der Welt nicht allzu oft zu finden ist. Aber vor Flut hattet Ihr ja immer schon Angst. Ihr lest polemische und populistische Blogs und redet anschließend von Lügenpresse? Spinner. Armselige Spinner.

Euer Mäkeln ist nicht neu. Euer kleingeistiges Wehklagen nichts modernes. Euch gab es in allen Zeiten. Der einzige Unterschied heute ist, dass Ihr Euch in einer seltsamen Mehrheitsvorstellung ergeht, die Euch die Sozialen Medien in Euer Kleinhirn reposten.

Ich habe die Schnauze voll vom Gelaber über ein postfaktisches Zeitalter aus dem Munde derer, die nicht einmal wissen was das heißt, die nicht einmal zwischen Fakten und bloßem Geplapper selbstgerechter Möchtegernadolfs unterscheiden können oder wollen. Klar dürft Ihr Euch zu Wort melden, aber dann gibt es halt scharfen Gegenwind. Den müsst Ihr dann halt aushalten.

Aber zuerst: besorgt Euch mal das ein oder andere Argument, wenn man Euch ernst nehmen soll.






Man kennt das. Bands, die das Glück haben, bereits ewige Jahre zusammen zu spielen, die Stärken und Schwächen der Mitmusiker im Detail kennengelernt zu haben, und im Grunde den Moment verpasst haben, selber mitzubekommen, dass man das, was man wirklich gut kann, so lange wiederholt, dass das Wort Inspiration weder Hülse, noch gewollten Hohn, sondern schlicht verloren gegangen ist. Man beginnt sich zu langweilen. Man nimmt plötzlich eine CD mit Coversongs auf, ein Best Off oder gleich ein Livealbum mit den besten Coversongs.

Bei uns ist das, was da gerade passiert, komplett anders. Nach dem letzten Album und wahrlichem Erlebnis "Wolkenstein", das uns scheinbar - nach dem Weckruf "Damocles" von 2011 - als Band erst so richtig geformt hat, im Grunde dafür gesorgt hat, dass wir uns gegenseitig erst wirklich als die Menschen und Musiker schätzen gelernt haben, die wir jeder für uns selbst sein wollen, ist der jetzige Prä-Genosha-Status von Porter einer der spannendsten Phasen sämtlicher Bands, deren Teil ich bislang sein durfte.

Nicht umsonst schreiben wir auf jede unserer Veröffentlichungen, das bei Turbostaat entliehene Versprechen, dass Porter exakt die Summe aus den 5 Mitgliedern waren, sind und immer sein werden. Was nicht weniger bedeutet, dass wir als Band sicher sind, sofort zu existieren aufzuhören, falls einer von uns nicht mehr dabei sein kann oder will. Wir sind nicht für die Ewigkeit gebaut und genau das macht uns geradezu unverwundbar. Wir haben künstlerisch alle, alle, alle Freiheiten und nur wir selbst können uns stoppen.

Es fühlt sich gerade einfach nur gut an, Genosha zu gestalten. Die ursprünglich bloße Idee Genosha mit Leben und Energie und Herzblut zu füllen. Ich bin übrigens überzeugt davon, dass jeder von uns - die wir zum Glück genauso verschieden sind, wie unsere musikalischen Vorlieben - sein ganz eigenes Genosha erlebt in dieser spannenden Lebensphase von Porter. Was uns wahrscheinlich eint, ist das Gefühl, vom Energie- und Substanzlevel, wieder zu unseren Wurzeln zurück zu kehren. Und damit meine ich nicht die Wurzeln von Porter, sondern den Grund eines jeden von uns, der uns einst dazu brachte, Musik als künstlerische Ausdrucksform zu wählen oder sich wählen zu lassen. Es ist Energie. Die rohe, die pure die laute.

Es ist das Gefühl zu Hause zu sein!

Und auch, wenn Volkers Speedmetalherz sich gewiss mehr Geschwindigkeit und ausladendere Enden wünscht; auch wenn Lars sich den Sound von Danzig I bis III in Reinkultur wünsch;, auch wenn Frank musikalisch eine katatonische Starre und mehr progressive Elemente wünscht; auch wenn Christian sich gewiss Musiker wünscht, die das was er uns erzählt, verstehen würden; und auch, wenn ich selbst mir wünsche, dass wir noch viel mehr Elemente des Hardcores integrieren: es ist gerade richtig spannend!

Scheißkulturwichser, wir. Ich höre die Stimmen. Aber wisst Ihr was? Das, das, genau das ist Freiheit! Wir haben uns nie gesucht. Aber wir haben uns dennoch gefunden. Und das, genau das ist pures Glück. Und aus diesem Glück - nicht aus Frust, Angst Not oder sonstigem Leiden - wird ein Album entstehen, dessen Existenz wir herbeisehen und an dem Ihr alle uns messen könnt.

Das Glück, Genosha produzieren zu können, bedeutet jedoch nicht, dass wir zufrieden wären, was dieses Land angeht. Zufrieden, was die Gesellschaft und seine populistisch angstgeprägten Minderheiten angeht, die sich auf die jämmerlich wehende Fahne das Fanal des Hasses und des Abschottens gekritzelt haben. Unsere Texte sind definitiv politisch. Und ich persönlich, als Autor, möchte sie genau so wahrgenommen wissen. Und das Geile an dieser, unserer Band ist, dass wir politisch oder religiös nicht einmal aus einem Lager kommen. Wir haben die unterschiedlichsten Ansichten über die Existenz eines liebenden Gottes oder dessen Sinnlosigkeit. Wir wählen Parteien aus dem gesamten rechtsstaatlichen Spektrum. Porter ist bunt, offen tolerant (außer wenn es um Fußball geht) in jeder Hinsicht, vielleicht unser größtes Pfund. Toleranz.

Und trotz unterschiedlicher Ansichten, gibt es nicht den mindesten Dissens, dass wir festen Willens vereint gegen jede totalitäre Struktur stehen, gegen Hass der sich gegen Minderheiten richtet, gegen jede Art von Rechtsextremismus, sei es der alte, der neue, der verdammt noch mal postfaktische der Idioten.

Falls Ihr also gewillt seid, offenen Ohres eine offene Gesellschaft, jenseits von idiotischer Terrorangst zu leben: you're welcome. 
Ansonsten geht zu Mario Barth.

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Im Grunde wollte ich zu diesem Thema "US"-Wahl gar nichts bloggen. Die Impulsreaktionen sind längst via Twitter raus und binnen eines Tages haben alle Lager, alles von wirklich allen Seiten beleuchtet. Nun sind die einen noch immer geschockt, die anderen jubeln noch immer und wieder andere schütteln noch immer den Kopf über die geringe Selbstachtung von Trumps Wählerschaft, die im Falle von Latinos oder Frauen offen ihren Masochismus zur Schau gestellt hat.

Man kann sich wahrscheinlich noch 100 Jahre darüber wundern, dass enttäuschte Menschen gegen das weiße Establishment rebellieren wollen, und dies ausgerechnet damit versuchen, indem sie dann genau jene, wohl fieseste Gallionsfigur des weißen Establishments, einen egomanen Milliardär, an die Spitze ihres Landes wählen. Muss man nicht verstehen, ist aber Fakt.

Gesunden Verstandes würde man den meisten Menschen objektiv zutrauen, einen Sexisten zu erkennen, wenn er sich selbst nicht einmal versteckt. Auch sollte man meinen, einen offenkundigen Rassisten, würde die große Mehrheit im Jahre 2016 aussortieren. Nun kann man natürlich Herrn Freud bemühen, und seine Wähler als seine scheinbaren Gesinnungsgenossen darstellen, denen es eventuell sogar imponiert, dass endlich mal wieder ein Mann, ein ganzer Kerl, die Sachen sagt, die man selber gerne sagen würde, die Sachen macht, die man selber gerne machen möchte. Cheauvinismus olé! Kann man machen, wäre aber billig *hüstel*.

Das was mich aber eigentlich umtreibt, ist etwas ganz anderes. Und daher habe ich mich auch umentschieden und schreibe eben doch diesen Blog.

Mich fasziniert bei der ganzen Sache zum einen das - aus populistischer Sicht sicherlich logisch begründete - Selbstverständnis der rechten Parteien Europas, die heute sofort ihre braunen Fähnchen empor gerissen haben, um dem neuen Heilland, pardon Heiland zu huldigen, immer in der glühenden Gewissheit, sich selbst ebenfalls alsbald in Amt und Würden und Macht zu sehen. Das Abstoßende dabei ist vor allem dieser tumbe wie erfundene Irrglaube, dass nun die etablierte Politik sowie die etablierten Medien komplett abgestraft wurden und versagt hätten. Wie, zur verfickten Hölle, kommt Ihr kleinen Jammerlappen darauf, dass solche Dinge wahr werden, nur weil man sie ständig wiederholt?! Der Journalismus in diesem Land, ist einer der Garanten für unsere Demokratie. Oh stimmt ja, Demokratie mögt Ihr ja nur, solange das rechte Stimmvieh für Euch kreuzt.

Und hier ist der Punkt, den ich unglaublich spannend wie gleichermaßen irritierend finde. Hier wähnt sich eine Gruppe von Menschen, enttäuscht die einen, machthungrig die anderen, als Revolutionäre. Die AfD, der Front Nationale, sollen sie heißen wie sie wollen, es gibt sie in allen demokratischen Ländern. Sie alle tragen die seltsame Mär einer Revolution gegen "die da oben" vor sich her und überrollen damit all jene, die in unserem Fall, in einem der freiesten und wohlhabendsten Länder der Welt leben, gleichzeitig aber scheinbar wenig in ihrem Ego gestreichelt werden, ein klein wenig in der öffentlichen Sonne zu stehen. Bisher dachte ich immer, RTL II und Co. würden sich ausreichend um dieses Klientel kümmern - und schon während ich das schreibe, höre ich die Stimmen der Aluhutträger und Verschwörungstheoretiker da Wort "Elite" tuscheln und das Stroh für die Scheiterhaufen sammeln.

Leute, es ist keine Revolution, die Ihr da unterstützt!
Es ist ein schlichtes Wegrennen, ein Zurückweichen vor der Freiheit die unsere Zeit Euch bieten könnte.
Es ist ein Straucheln, ein Wanken.
Es ist ein wehklagendes "Mimimi" des sich zurück in den schützenden Bauch von Mami, respektive zurück in klare Rollenbilder der verdrucksten und verklemmten 50er und 60er Jahre, wünschenden Klientels all jener, die der Menschheit im Jahre 2016 erzählen möchten, dass wir Trennungen brauchen.
Es ist der seltsame, anachronistische Wunsch, dass wir Unterschiede machen müssen mit Abgrenzungen zwischen Homo- und Heterosexuellen, zwischen Schwarzen und Weißen, zwischen Männern und Frauen, zwischen Einheimischen und Fremden. Etwas, das wir doch längst überwunden haben sollten. Neandertal rulet nicht mehr, Kinder.
Es ist das bloße Zurschaustellen von Angst vor allem was Ihr nicht kennt.
Es ist in kaum noch zu übertreffendem Maße peinlich.

Und was treibt diese Menschen, die sich das Gestern zurück wünschen? Sie alle treibt Angst. Es ist die nackte Angst. Und die ist niemals rational. Wir alle scheinen unseren Anteil daran zu haben, dass so viel Menschen unter uns leben, deren Leben von Angst bestimmt wird. Und der Verstand sagt mir, wir müssen diese Verzweifelten, so sie es denn sind, irgendwie abholen.

Aber ganz ehrlich – ich bin nicht bereit für diesen Escort-Service in die Zukunft den Preis zu zahlen, der da heißt: Rassismus, Cheauvinismus, Sexismus.    

Ach so, bevor ich es vergesse ... warum blogge ich denn überhaupt entgegen meines ersten Impulses etwas zu diesem Themenkomplex? Das ist so simpel, wie die Meinungen der Populisten: ich werde Euch nicht das Feld der Meinungsbildung überlassen, niemals! Und Trump ist halt da. Selbst Schuld.




Es sind stets die im Wortsinn bösen Menschen, die den Fortschritt der Menschheit durch ihren Missbrauch von modernen, friedlich zu nutzenden Technologien behindern, zurückwerfen und pervertieren.

Das gilt in dem selben Maße für Staatenlenker, die sich im Namen der Sicherheit die Angst der Bevölkerung zu nutze machen, um ihre persönliche Macht auszubauen, zu festigen, gar auf ihr Leben bezogen „ewig“ zu zementieren, wie auch gleichermaßen für Kleinkriminelle oder gescheiterte und schwache Menschen, die sich daher in Gruppen gleichgesinnter Feiglinge zusammen schließen und als Terroristen verdingen, um friedliebende Menschen leidvoll spüren zu lassen, dass die Welt so nicht hätte mit ihnen umgehen dürfen. In beiden Fällen ist es die Dummheit – für die in erster Linie wohl niemand etwas kann, der man aber entgegen treten muss – manifestiert in so unterschiedlichen Ausprägungen wie Egoismus, Hass, Neid, Angst oder einfach Raffgier, die seit Menschengedenken den Frieden nicht nur stört, sondern nachhaltig verhindert. Von der Entdeckung des Feuers, über die Dampfmaschine bis hin zur Hightech-Drohne. Keine Erfindung, keine Errungenschaft, nicht einmal ein Spielzeug, das nicht irgendwann von irgendjemandem, der mit einem der zuvor erwähnten Mankos ausgestattet ist, zu seinem vermeidlichen Vorteil gegen andere pervertiert wird.

Ich habe dennoch Hoffnung. Ich muss verrückt sein.   



Nichts ist so einfach und zugleich so genial, wie ein Band zu gründen.

Man benötigt kein Kapital, man muss nichts unterschreiben, man braucht keine Mindestanzahl an Mitgliedern. Man sagt einfach: "Wir sind jetzt eine Band!", und dann ist das einfach so. Niemand kann einem sagen, nee, ätsch, stimmt nicht, da ist diese oder jene Voraussetzung nicht erfüllt. Völlig egal, keiner kann einem etwas, man muss sich nirgendwo melden oder entgeltlich eintragen lassen.

Man existiert einfach ab genau jenem Zeitpunkt, da man postuliert "Wir sind eine Band!" Man muss nicht einmal ein Instrument spielen können oder eine schwierige Prüfung ablegen. Man braucht keine Fürsprecher oder gar jemanden der für einen bürgt. Kein Vitamin B der Welt ist nötig um seine bloße Existenz als Band zu beschließen.

Und genauso verhält es sich mit der Auflösung einer Band. Kein Veto, keine Umfrage, keine Meinung kann verhindern, dass eine Band sich auflöst, wenn sie das will. Vielleicht ist eine Band eines der wenigen, realen Konstrukte, welches in seinem existenziellen Wesen wirklich autark - ja frei - ist. Nur die Band alleine entscheidet über ihre eigene Existenz oder Nichtexistenz.

Sogar eine Auflösung kann zurückgenommen werden, wenn die Bandmitglieder es so wollen. Im Grunde kann man sich als Band jeden Morgen um 8 Uhr gründen und abends wieder auflösen. Völlig folgenlos. Einfach nur weil man es kann.

Wenn Ihr frei sein wollt - gründet eine Band!


Vergleiche hinken oft. Sagt man. Aber hat man jemals einen hinkenden Vergleich gesehen?
Ich vergleiche durchaus oft und gerne. Allerdings niemals in der Absicht etwas besser oder schlechter zu finden, sondern um die Unterschiede zu erkennen, die bei aller Gleichheit oft zu Tage kommen. Denn die mag ich auch sehr, die Unterschiede. Im Grunde sind sie es, die das Leben spannend machen.
Man kann sogar Unterschiede vergleichen. Wenn man will. Beim Vergleichen der Unterschiede kommt man ganz schnell auf Klischees und Vorurteile und Klischees, die Vorurteile bestätigen, bzw. auslösen. Klischees und Vorurteile mag ich übrigens auch. Aber auch hier geht es wieder nicht darum, die eigenen Vorurteile bestätigt zu bekommen, um sich selber besser zu fühlen, sondern darum, etwas besser verstehen zu können.
Wahrscheinlich geht es doch immer nur ums Verstehen. Und wenn man dann auch noch beim Vergleichen versteht, dass man selber eine Ansammlung von Klischees darstellt, für sich selbst und für andere, dann möchte man dem Vergleich sogleich den Arm reichen.
Denn hinken sollte er nicht müssen der Vergleich, sondern aufrecht schreiten.


Musik als Energie- und Lebensspender.


Es gibt diese Platten (CDs, Files ... wie Ihr mögt) die einen immer und immer und immer und immer wieder fesseln. Für mich als großen Freund neuen deutschen Punks und Hardcores der intelligenten Spielart mit wundervollen, durchdachten, emotionalen, wichtigen Texten muss an dieser Stelle definitiv die fabulösen duesenjaeger mit dem famosen Album "Las Palmas O.K." anbringen.

Die wunderbar zitierfähigen Zeilen gegen rechts wie "Willst Du die Welt den Wichsern überlassen?" oder der verzweifelte Schrei am Ende des Songs "Ich will doch nur ganz allein sein!" begleiten mich nun schon über 10 Jahre. Die Jungs haben für alle Aufrechten und Guten immer einen lyrischen Arm, der jedem aufhilft, der ins Straucheln geraten ist und für alle rassistischen Kleingeister den beißenden Spott, den sie verdienen.

Ich zitiere die Wikipedia:
"Die Band gilt als prägend für einen bestimmten Sound im deutschsprachigen Punkbereich: melancholisch, aber immer treibend, wütend, aber nicht parolenhaft die Texte, oft abstrakt formuliert, aber manchmal sehr einfach und treffend. Die beiden Standbeine der Musik sind die grundlegende Dramatik oder Lethargie auf der einen Seite und der Trotz und der Wille zum weitermachen und verändern auf der anderen."




Alles sowas von zutreffend. Der postpunkige Sound hämmert einem die Emotionen immer wieder neu ins Kleinhirn und lässt einen einfach genau dann immer weiter machen, wenn man ansonsten lieber zusammen brechen möchte. Solche Künstler braucht die Welt - auch wenn sie niemals reich und berühmt werden. Haltet durch!


Ich darf hier die ebenso wundervollen PASCOW zitieren: DANKE DUESENJAGER!


















Jeder einzelne feige Anschlag (und Anschläge sind immer feige) auf eine Asylbewerberunterkunft ist ein Anschlag auf unsere Gesellschaft. Geboren aus der gefährlichen Gemengelage zwischen angeborener Dummheit, unterlassener Bildung, selbstverschuldetem Desinteresse.

Jede populistische Rede, gerichtet an den rechten Rand der Gesellschaft, ist ein Anschlag auf unsere Demokratie. Geboren aus dem Machthunger skrupelloser Brandstifter, genährt von der Dummheit der geistig Kleinen und Mitleidlosen, die sich schon immer einredeten (und einreden ließen), sie würden - natürlich unverschuldet - zu kurz kommen. Ihnen würde "etwas" zustehen aufgrund ihrer Herkunft.

Jeder seit Jahren verkappt schlafende, und nun im Feuerschutz des stumpfen Hasses aufschleimende "Ich bin kein ... aber"-Bürger, ist ein Ausdruck diffuser Xenophobie, zusammen gesetzt aus den Bausteinen persönlicher Minderwertigkeitsgefühle und fremdgeschürter Angst im Namen einer todgehofften völkischen Ansicht, dass es Menschen auf diesem Planeten gäbe, die mehr wert sind als andere und gegen die es sich zu schützen gelte. Nicht weil diese Schlimmes täten. Nein. Einfach weil sie anders sind als man selbst (was wenn man eh scheiße ist, natürlich nur zum Vorteil gereichen kann).

Wenn ein Björn "Bernd" Höcke (dessen Großeltern übrigens ironischerweise Vertriebene waren) von "seinem" Land redet, weiß man nicht wirklich von welchem Land er da fabuliert. Lummerland, Teletubbyland, das Land der dichten Henker? Mein Land, unser Land, dieses Land ist "sein Land" auf jeden Fall nicht. Er hat (abgesehen von sonstigen Defiziten und der geifernden Aussicht auf ein kleines Bisschen Macht) Angst. Angst vor der Mehrheit der Menschen dieses Landes und vor allen Menschen dieser Welt, die anders sind als er (Glückes Geschick, sind dies die allermeisten) sowieso, und verleiht diesem seinem bitterherzigen Wesen peinlichsten Ausdruck mit seinem kehligen Stimmchen, umjubelt von jenen, die endlich auch mal "das wird man doch wohl noch sagen dürfen" sagen möchten. Meistens ist es etwas Erfundenes (sie nennen das die Wahrheit), etwas Negatives (sie denken, dass es Deutschland retten wird .. wovor nochmal?), etwas Böses (sie nennen das ... nein, so viele Worte können sie sich nun wirklich nicht merken).

Ihr, die Ihr selbstherrlich herabschaut auf andere Ethnien; Ihr, die Ihr die Selbstreflexion eines Amöbchens habt; Ihr, die Ihr uns alle Volksverräter nennt, die wir nicht in brauner Bettwäsche schlafen; Ihr die Ihr in einem freien Land lebt, dies aber nicht einmal im Ansatz ertragen könnt; Ihr, die Ihr eine Presse beschimpft, die Eure Bürgerrechte verteidigt; Ihr, die Ihr vor 71 Jahren hättet aussterben müssen, zusammen mit Eurer durchgeknallten Wichsvorlage; WIR haben dennoch etwas gemeinsam:

Eure Dummheit jagt Euch Angst ein. Eure Dummheit jagt uns Angst ein.


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«Rassismus ist das Übel unserer Welt. Nazi sein bedeutet, dass du verloren hast, bevor du anfängst. Du kannst nicht gewinnen. Du bist nur dumm.»
Lemmy Kilmister





Im Grunde muss es einmal eine Zeit gegeben haben, da jener bewundert wurde, der etwas besonderes konnte, eine Fähigkeit besaß, die andere nicht hatten. Aufgrund der Notwendigkeit des Unbills täglichen Überlebens, waren dies zumeist praktische Fähigkeiten. Jagen, Fischen, Dinge herstellen, die Gemeinschaft beschützen. Exakt diese Dinge sind heutzutage entweder automatisiert und somit anonymisiert, oder aber gesellschaftlich völlig ohne Anerkennung. 

Es ist offensichtlich, wer den Ruhm und die bewundernde Aufmerksamkeit erntet in dieser Gesellschaft. Politiker, trotz ihrer enormen Verantwortung sind es definitiv nicht, es sei denn, sie haben Sprachfehler oder sonstige Verhaltensauffälligkeiten und haben das Zeug zum unterhaltsamen Clown in Talkshows für ansonsten untätige Sofadebile. Wissenschaftler? Vielleicht ein wenig, in so fern ihr Schaffensgebiet zur Sensation taugt. Interplanetare Phänomene sollten aber schon dazu gehören. 

In der Prä-Internetphase standen Künstler jeglicher Ausprägung am obersten Ende der Nahrungskette aller Anbetung. Seit dem Untergang des Gebühren-Fernsehens und dem Aufkommen von Prekariats-TV, Youtube und Selbstdarstellungsmedien aller Art, fällt beinahe sämtliche mediale Aufmerksamkeit auf völlig Verblödete, tumbe Nichtskönner, oder universale "Tutoren", die einer scheinbar in der Tat multipel unbegabten Zuklickerschaft, die simplen Dinge der realen Welt derart unterhaltsam erklären - Muhahahar - dass sie, die sie annähernd, wissen wie eine Kaffeemaschine oder ein Staubsauger funktioniert, die Dorfgelehrten früherer Zeiten zeitgemäß ersetzen. 

Aber bei aller Annehmlichkeit des von uns sogenannten modernen Lebens, vergessen wir alle stets jene Berufe, die ganz unglamourös, ihre Arbeit verrichten. Die Menschen, die uns überhaupt erlauben modern zu sein. Die unsere Klos konzipieren, die unsere Handies zusammen löten, die unseren mannigfaltigen Müll wegräumen, die uns transportieren, die uns pflegen wenn es niemand sonst mehr tut, die uns uns mobil wähnen lassen, die uns rund um die Uhr verköstigen, die die Dinge herstellen, für die wir uns alle so feiern. Günther Jauch lädt Handwerker allenfalls als Zaungast ein, wenn er einmal einen normalen Menschen vorführen muss. Straßen werden nicht nach dem Koch der Pizzeria um die Ecke benannt. Und Taxifahrer werden wohl kaum die Ehrenbürgerschaft einer Stadt bekommen. Der Bauer darf unsere Gemüseauswahl bereichern, aber wie er heißt, ist uns herzlich egal. Und den Maurer, der uns die schicken glatten Wände ins Bad putzt, prellen wir am besten noch um seinen Lohn, wegen Pfusch am Bau. 

Wir sind keine Leistungsgesellschaft mehr, schon lange nicht. Was gefeiert wird, ist das Banale. Wir krönen den Dümmsten der Doofen zum König der Unbedarften und setzen ihm die mediale Krone aus flimmernden Flatscreens auf. In die Höhe gereckte Daumen beweisen seine Regentschaft und auf dem Höhepunkt seines Ruhms machen wir ihn zum Helden einer sterbenden Fernsehsendung und lachen ihn aus bis er stirbt. 

Im Grunde muss es mal eine Zeit gegeben haben, da jener bewundert wurde, der etwas besonderes konnte. 




Wir leben in einer Zeit der sprachlichen Paradigmenwechsel.

Gut ist plötzlich schlecht, frei ist unfrei, denken ist nachplappern. Ist das wirklich so oder möchten uns dies die nach rechts versprengten Teile der Gesellschaft weismachen?

Man wird heutzutage vom rechten Rand hin weg als sogenannter Gutmensch bezeichnet, wenn man auch nur Mitgefühl für vor Krieg oder sonstigen Katastrophen fliehenden Menschen äußert. Wohlgemerkt soll dies dann als Schimpfwort aufgefasst werden, was nicht wirklich funktioniert, was dann wiederum bei Menschen mit xenophobem Hintergrund ebenso wenig ankommt, wie sonstige Argumente.

Ebenso pervertiert wird das Wort "pro" – in einem Votum ursprünglich gleichbedeutend mit dafür verwendet. Nämlich ins komplette Gegenteil verkehrt, wie man an menschenfeindlichen Parteien wie Pro NRW und ähnlichen Gruppierungen sehen kann, die schlicht dagegen sind. Gegen Asylanten, gegen Moslems, im Grunde gegen Freiheit und gegen Ausländer im Allgemeinen schon mal allemal.

Dann hätten wir da natürlich das aus aller braunem Munde gespiene Wort "Lügenpresse". Wo die Argumente versagen und man sich selbst als kleiner, die sogenannte "Wahrheit" kennender Gegenentwurf versteht, muss man wohl so ... ach komm, ich sage jetzt einfach mal denken, dass man gerade den hierzulande extrem gut und frei ausgebildeten Qualitätsjournalismus in all seinen Facetten als ein die Unwahrheit verbreitendes Organ zu verunglimpfen sucht, ganz so, als gäbe es nicht eine unglaubliche Vielfalt in der Presselandschaft. Wenige davon schreiben sich auch die Fahnen, dass sie die eine Wahrheit kennen würden, vielmehr wird hier off- wie online der Diskurs gelebt. Eine Kunst, die die tumben Parolen skandierenden Keilschrift-Mobs leider nur recht unzulänglich beherrschen, bzw. gar nicht erst schätzen.  

Überhaupt Wahrheit. Wir leben in einer seltsamen Zeit, da alle möglichen Lautsprecher, einer spannenderweise unsympathischer, als der andere, das Wort Wahrheit in ihrem Sinne dehnen, beugen, ge- und missbrauchen. Religionen, hüben wie drüben, haben sie. Parteien, Gruppierungen, sogar Hooligans und Motorradfahrer glauben, sich unter dem Banner irgendeiner Wahrheit versammeln und randalieren zu dürfen. Vom Papst und Helmut Schmidt spreche ich an dieser Stelle einfach mal gar nicht.

Okay, und dann war da noch die BILD. Das bundesdeutsche Mainstreamhetzblatt par excellence, dem kein Sumpf zu tief, keine Parole zu stumpf, kein Ziel zu weich, kein Opfer zu groß ist welches sich plötzlich anmaßt, Hetzer auf Facebook mit Klarnamen zu outen. Das ist in etwa so, als würde Darth Vader geläutert mit mehreren Todessternen gegen den Imperator vorrücken. Der Bock, der Gärtner, hurz.

All diese ins Gegenteil verkehrt verwendeten Worte werden zum Glück – entlarvend inflationär – von jenen ausgebrochen, die sich stets den offensichtlichen Dumpfsinn des Ungebildeten auf das wehende Fähnlein haben schreiben lassen. Zumeist jeweils von einer Galionsfigur, die – so will es der historische Brauch – sich persönliche Vorteile, sei es monetär oder machttechnisch, davon erhofft, eine Gruppe Ungebildeter gegen andere aufzuhetzen. Für letztere müssen dann zumeist die Schwachen und Wehrlosen herhalten auf die man sich dann voller Hass zu stürzen beginnt. Die Mitläufer, die ihren selbsternannten Führern an den Lippen hängen, lassen sich nur allzu willfährig missbrauchen und grölen, objektiv gesehen, relativ hirnlos das nach, was ihnen als alternativlose Alternative vorgesetzt wird. Befeuert durch nackte Angst vor dem Unbekannten, beflügelt nicht selten durch das eigene Versagen.

Hass, ja Hass. Der Hass, und das ist schon ulkig, ist eines der wenigen Worte, welches sich erfolgreich gegen Missbrauch zu wehren vermag. Hass war Hass, Hass ist Hass und Hass wird Hass bleiben. Und stets führen ihn jene ins Felde, die alle anderen Wort zu ihren Gunsten beugen und verdrehen möchten.

Doch, liebe Freunde der Hasskultur, die Sprache lässt sich nicht von ein paar Freaks, die sich selbst genügen und somit hermetisch "argumentieren" verarschen. WIR lassen und nicht von Euch verarschen. Ihr könnt Euch hundertmal wünschen, dass stoisches Brüllen die Worte aushöhlt, dass Recht hat, wer die Faust schwingt. Sagen dürft Ihr natürlich alles, das ist Freiheit. Und genau jene entlarvt Euch mit jedem Wort, das Ihr vergewaltigt.

Es siegt immer die Feder über jedes Schwert.
Und Angst essen Hirne auf.




Edit:
Gut, Helmut Schmidt ist inzwischen seltsamerweise dann doch verstorben, und nach "Lügenpresse" wurde nun auch das andere rechtsnational genutzte Wort "Gutmensch" zum Unwort des Jahres gewählt. Zurecht, wie ich finde.




Platz 1 – das Nachdenken über die Erweiterung der 140 Zeichen

Alleine das Gerücht über Deine Gedanken, mein liebes Twitter, ist es Wert, sich über alle Maßen zu echauffieren. Würde die Katholische Kirche auf den Mythos der Jungfrauengeburt verzichten? Würde sich ein Fußballprofi freiwillig die Beine mit einer Axt abhacken? Würden Hunde ihre Knochen verschenken? Wie kann man ernsthaft darüber nachdenken, seine Seele zu verschenken? Und in Feuerlettern leuchten in der Ferne die Worte Investorengeschmeiß und Dividende auf.



















Platz 2 – der Tod des Fail Whales

Liebes Twitter, Du hattest in Deinen frühen Kindertagen dieses wunderbare Tier, den von Yiying Lu gestalteten Fail Whale, welches einen die damals durchaus des öfteren vorkommenden Phasen des Überlastetseins Deiner Server mit Wohlwollen und einem gewissen Gleichmut ertragen ließ. Der Gute stammt noch aus einer Zeit, da Du Dich twttr nanntest und ich muss sagen, seit 2013 failt er nicht mehr, er fehlt.


Platz 3 – das Ersetzen der Sterne durch Herzen

Ich denke, diesen Punkt muss ich gerade in diesen Tagen nicht allzu ausschweifend kommentieren. Die Wunde ist noch frisch und die rückgratlose Anbiederung an die kritische Netzmasse (ja, wir alle denken hier an das seelenlose Facebook) hat zu Recht die aktiven Twitterer auf die Barrikaden gebracht. Der Stern war eben nicht nur ein Stern. Die Bedeutung war niemals ein Schulterklopfen, wie man es auf Facebook zu bekommen gewöhnt ist. Das verdammte Herz ist es. Simpel, bieder und vor allem nicht kompatibel mit Anteilnahme. Wenn mir ein Follower schreibt, dass er seinen Hund heute einschläfern muss, werde ich den Teufel tun und ein rotes Herz an diesen Tweet heften. Das "gefällt mir absolut nicht"! Alleine diese kleine Änderung hat mir leider gezeigt, dass die Twitterverantwortlichen nicht wirklich wissen, wie Ihr "Hauptkapital", nämlich wir, die wir Twitter täglich als Harduser nutzen und leben, Twitter wirklich nutzt. Nehmt die verdammten Herzen und das "Gefällt mir" und schickt es Herrn Zuckerberg zurück. 


Platz 4 – Gesponserte Tweets

 Ja, mein liebes Twitter, Deine Eltern haben Dich dummerweise an die Börse gebracht und dort wollen die Menschen, die für Dich bezahlt haben natürlich auch etwas sehen. Vorzugsweise Geld. Viel Geld. Dumm nur, dass Du eine (im Großen) intellektuelle Infrastruktur mitbringst und förderst, die nicht gewillt ist, sich vorwiegend kommerzialisieren zu lassen. Deine User sind im Übermaß - verglichen mit anderen, hier nicht schon wieder genannten Plattformen - kritisch und vor allem eins: kreativ. Das Klatschvieh steht vorwiegend drüben, in Nachbars Garten. Allerdings gäbe es gewiss Möglichkeiten der Monetarisierung Deines Daseins. Allerdings sind diese unsäglichen gesponserten Tweets einfach nur die Tontaube, die Du Deinen durchaus begabten Schützen vorlegst, um sie en masse zu erlegen. Kaum ein Twitterer, der nicht eine stattliche Sammlung an Spamblocks vorweisen kann. Auch eine Sportart. Es nervt nur bedingt, wird aber Dein finanzielles Problem nicht lösen.


Platz 5 – Tweets die Dich auch interessieren könnten

Twitter, Du hast ein wundervolles Grundprinzip: ich lese die Tweets der Menschen, die ich wünsche zu lesen. Ich möchte kein "wer das liest, liest auch"! Ich entscheide mich sehr bewusst, wessen Texte mich interessieren, wer mich beeindruckt, wer mich fesselt. Und Du, mein Twitter, möchtest plötzlich wissen, was mich auch interessieren könnte? Du möchtest mir vorschreiben, wen ich kennen möchte? ICH, liebes Twitter, möchte genau DAS nicht, denn DAS machen ALLE anderen Plattformen. Du warst da bisher anders.


Platz 6 – die Unterscheidung in "Top Tweets" und "Alle Tweets"

Ach Twitter. Deine Unschuld hast Du natürlich bereits verloren und ich möchte Dir auch keine Stagnation verordnen, aber nur weil 10.000 Menschen einen Tweet gefavt (und Du kannst Gift darauf nehmen, dass dieser Ausdruck Bestand haben wird) haben, ist er noch lange nicht besser, interessanter, relevanter als ein Tweet, der vielleicht gar keinen Stern bekommen hat. Es gehört nämlich ebenfalls zu Deinen ureigenen Stärken, dass Twitterer mit mehreren Millionen Followern nicht wirklich diejenigen sind, die die besten Tweets schreiben. Ansonsten müsste man den hilflos vor sich hin mäandernden Tweets eines Boris Becker oder den hohlen Altherrentweets eines Oliver Pocher ein Gutmaß an Weisheit zuschreiben, die die Protagonisten nicht ansatzweise halten können. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch durchaus einmal über die blauen Haken nachdenken, denn bis auf wenige Ausnahmen sind sie eher der Garant dafür, dass hier jemand kein Risiko eingehen wird. 


Platz 7 – Während Du weg warst

Mensch Twitter. Während ich weg war, hatte ich entweder keinen Bock auf Dich oder aber ich bin informiert durch Listen oder sonstige Tools. Ein Funktion, die schlicht verzichtbar ist.


Platz 8 – Umfragen, es gibt jetzt Umfragen

Auch das ist recht schnell abgefrühstückt. Ja, Umfragen, schön, toll. Kann man machen. Aber warum? Ich meine, hey auf Facebook sind sie nicht allzu versiert im Umgang mit Worten. Da kann man schon mal eine Hühnerleiter machen. Aber brauchen wir das auf Twitter wirklich? Es tut nicht weh, aber es ist auch einfach egal. 


Platz 9 – die Blockbenachrichtigungen

Mein liebes Twitter. Es gibt Dinge, die Du als amerikanisches Unternehmen gewiss nicht verstehst. Vielleicht nicht verstehen kannst oder auch willst. Aber, wenn hier ein menschenfeindlicher, rassistischer Mensch seinen faschistischen Dreck in den Äther entlässt, wollen wir ihn beim Blocken - was wunderbarer Weise doch recht schnell funktioniert - auch klar benennen können. Würde auch Dir helfen schneller zu handeln. Ich möchte nicht auf Wischiwaschi-Aussagen klicken, wie "Sie sind missbräuchlich und schädigend" oder "Nimmt an Missbrauch oder Gewalt teil" sondern  einfach mal auf "tweetet menschenverachtenden Inhalt" klicken.


Platz 10 – die Ausrichtung am Markt

Mensch Twitter, sei mutig! Du hast es im Grunde nicht nötig zu kuschen. Du bist ohnehin das enfant terrible der Social Media Familie. Dei nicht so scheiße korrekt! Damit wir uns nicht falsch verstehen, Du bist immer noch der Dienst, auf den ich als allerletztes verzichten möchte, aber sei nicht so weinerlich börsenorientiert! Bleib mutig, bleib frech, bleib relevant!