Ich bin leider immer so unendlich erwartungsvoll, wenn es um meine Helden geht.
Besonders, wenn es um die Helden geht, die ich schon lange auf den Schild hebe und deren Werk mir, jenseits von einer guten Zeit und cooler Musik, WIRKLICH etwas bedeutet! Und wie bereits bei der BOYSETSFIRE-Reunion und den unfassbar genialen, letztjährigen Geburtstagskonzerten, hält Nathan Gray hier alles, was das Fanherz erwartet.
Ich bin mittlerweile 43 Jahre alt und an Nathan Gray, an BOYSETSFIRE und auch an I AM HERESY spüre ich immer wieder, was es bedeutet, ein Fan zu sein! Ich liebe diese kleine, 4 Song umfassende Scheibe jetzt schon, und entgegen so vieler Meinungen finde ich nicht, dass sich dieses Material grundsätzlich von den beiden Hauptbands unterscheidet. Klar, stilistisch drängeln sich hier Indie, Postrock, Ambient und Electronic ganz klar vor den wundervollen Hardcore und den scharfen Metal. Aber: waren es nicht auch bei BOYSETSFIRE schon immer die Momente der Ruhe, der Zerbrechlichkeit, der Melancholie, die die brutalen Passagen erst ermöglicht haben?
Vielmehr sind es die Stimme, die Melodie, der Text von Nathan Gray, die alles zusammen halten, es zu etwas Besonderem machen! 5 Sterne für eine tolle EP, der bitte, bitte ganz viele Songs nachfolgen mögen!
Sphärisch, dicht, intim, zum die Tränen in die Augen treiben - vor Glück! Danke!
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Twogger, Blogstagram, Faceblr, Ellosquare, Fourgl+, Spotipress,
Goonterest, XinkedIn, Wordr.
Ich dachte, das Ding mit der digitalen Revolution wäre durch und
wir hätten uns mittlerweile allesamt irgendwo im Netz etabliert. Alle sind auf
Facebook, die Individualisten sind auf Twitter, die essenden Fotografen
bewohnen Instagram, die mit den schicken Passbildern bezahlen Xing für ein
Adressbuch, die Weltenbummler tummeln sich gleich überall und irgendwie hat
doch jeder online seinen Kiez gefunden.
Ich schrieb noch kürzlich einen Blogpost über die unvollständige
Weltkarte der Sozialen Medien. Darin kamen eben alle Großen vor, die man so
kennt, benutzt und bevölkert. Doch seit ein paar Tagen hat man - nicht selten
befeuert durch neue Horrormeldungen aus den etablierten Netzwerken, was die
angestrebte Vorantreibung der Kommerzialisierung oder den Abbau der privaten
Datenschutzrechte angeht - wieder das Gefühl, dass alles im Umbruch ist.
Das was wir als etabliert empfinden, wir, die wir die Onlinewelt
längst in unsere Offline-Existenz implantiert haben, ist zwar das, was
vielleicht unsere Elterngeneration noch als fremdartig und eventuell sogar
bedrohlich empfindet, aber uns doch längst zum natürlichen, nicht mehr
wegzudenkenden Teil unseres Alttages geworden ist. Umso irritierender, dass
sich gerade jetzt vermehrt die Neuen - ich möchte fast sagen, die jungen Wilden
- anschicken, Ihre Chance zu nutzen, das alles einfach mal wieder
umzukrempeln.
Mag sein, dass wir bis heute die ganz großen Neuerungen bereits
ausgelotet haben, jedes große Netzwerk hat seine Zielgruppe, jede Mechanik ist
vielleicht schon mal irgendwie ausprobiert und akzeptiert worden. Kann aber
auch sein, dass wir alle diese Züge mit Wonne besprungen haben,weil sie die
einzigen waren, die uns das wonach wir verlangten angeboten haben und wir eben
auch nicht so genau hingesehen haben, was die Rahmenbedingungen angeht.
Datenschutz? Haben wir als Deutsche irgendwie vorausgesetzt. Werbung? Haben wir
als notwendige Randerscheinung erst einmal nicht so wichtig genommen und
vermeidlich ignoriert. Persönlichkeitsrechte? Waren wir uns in der Masse dieser
überhaupt bewusst?
Und nun tauchen fast täglich Alternativen auf. Alternativen die
uns Digitalnaiven vielleicht gar nicht so neu vorkommen, die aber plötzlich
antreten mit dem Anspuch, nicht alles neu, aber vieles besser zu machen. Gut,
damit hat auch ein Altbundeskanzler schon einmal Land gemacht, ohne selber die
blühenden Landschaften seines Vorgängers zu ermöglichen. Aber derzeit scheinen
Communities wie Ello, Medium und unzählige andere mit bekannten Ideen in einer
neuen Verpackung mobil zu machen. Diese Verpackung soll jedoch nicht der alte
Wein aus neuen Schläuchen sein, sondern versucht scheinbar ernsthaft, die
Fehler, bzw. die Dreistigkeiten seiner Vorbilder, die in den Grundzügen ihrer
Mechaniken zum Teil knallhart immitiert werden, auszubügeln.
Man wirbt mit Transparenz, Fairness, Nichtkommerzialität und
Mitbestimmungsrecht und macht somit zumindest formal schon einmal so einiges
richtig. Kein Mensch weiß, was nun die Zukunft bringen mag, wir alle wissen ja,
die Masse ist träge und einmal Gelerntes wird nur ungern neu aufgezogen.
Facebook mag in der absoluten Masse rückläufig sein, dennoch wird es diesen
Molloch mit Sicherheit noch sehr lange auf sehr hohem quantitativen Niveau
geben. Einfach weil alle es tun und das Konzept ja nicht ungekonnt darauf
ausgelegt ist, ein lebenslanger Begleiter, ja ein Chronist des eigenen Lebens
zu sein. Die anderen jedoch, Twitter, Wordpress, Blogger und Co., geliebt,
etabliert aber in Deutschland im Vergleich zum Massenmedium Facebook immer noch
eher eine Nische besetzend, haben jetzt die Chance, sich an der aufkommenden
Konkurrenz zu messen, zu schleifen, zu öffnen, zu verbessern im Sinne ihrer
User.
Und so ist es unglaublich spannend gerade dabei zu sein, während
sich das Alte mit dem Neuen im Konkurrenzkampf befindet. Ich bin kein
wirklicher Bewahrer, ich bin allerdings höchst melancholisch. So bin ich hin
und her gerissen zwischen der Angst, mein tägliches Twittern könnte irgendwann
abgelöst werden durch etwas anderes. Andererseits brenne ich darauf zu sehen,
wie sich die Neuen schlagen und wünsche Ihnen Glück und einen langen Atem.
Denn bei allem, was man im Netz doch so macht, bleibt eines
gleich, überall. Wir, wir die User sind das Netz. Ohne uns ist sogar das
Monster Facebook tot. Wir sind der Inhalt, das Leben, das Kapital. Wir müssen
uns nur entscheiden, wollen wir das Kapital von anderen sein, deren Ideen und
Philosophien wir nicht mit tragen, oder tun wir etwas für uns in unserem Sinne.
Beide Möglichkeiten bietet das Netz. Diese Selbstbestimmung
sollten wir uns nicht nehmen lassen. Finde ich. Mag sein, dass Ihr das anders
seht. Aber genau darum geht es ja.
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Edit:
Leser, die sich für den soeben erblickten Blogpost begeistert haben, würden sich gewiss auch für den hier begeistern.
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Edit:
Leser, die sich für den soeben erblickten Blogpost begeistert haben, würden sich gewiss auch für den hier begeistern.
Ist
richtig. Es gibt ein paar heilige Kühe über deren Existenz zu streiten sinnlos
wäre.
Eine
davon, die mich seit nunmehr 20 Jahren sabbernd verfolgt, ist der
musikkulturelle Mythos "meiner Generation", wie es so schön heißt,
"Nevermind" von Nirvana. Und über den muss ich mich nun dennoch
einfach einmal streiten.
Seit
Ewigkeiten muss ich alle Jahre wieder in den unterschiedlichsten Musikgazetten
von den 50 oder 100 Platten für die Ewigkeit lesen. Musikjournalisten erzählen
mir also beständig, welche Platten die größte Relevanz in der Musikgeschichte
einnehmen, und setzen das spannenderweise direkt gleich mit dem Empfinden, der
Einstellung, welche eine ganze Generation zu gewissen Platten haben soll. Also
auch ich.
Bekloppt.
Nur weil ich in einem Jahr geboren und in einem anderen musikalisch
sozialisiert wurde, soll ich eine formatierte Meinung einnehmen, ja
gleichgeschaltete Gefühle zur Musik, einer der subjektivsten Formen der Kunst
überhaupt empfinden?
Ja. Ich
gehöre natürlich zu denen, die genau wissen, wann und wo sie "Smells like
teen spirit" zum ersten mal gehört haben. Ja. Ich war damals geflasht von
dem Song und dem auf der Stelle erworbenen Album. Ja. Ich weiß um die
musikhistorische Bedeutung dieses Albums und erkenne sie uneingeschränkt an.
Aber da hört es dann auch schon auf mit Plattitüden und Gemeinsamkeiten mit dem
steten Jubel über diese Aufnahmen.
Zum
einen weiß ich um sehr viele Alben vor "Nevermind", die musikalisch
genau diese umstürzlerische Wirkung hätten erzielen, diesen Status damit
erreichen und anstelle von Nirvana ihren Schöpfer hätten groß machen können,
wenn sie einen Wirkungsfrontmann wie Kurt gehabt hätten. Zum anderen gab es
"damals" rein musikalisch mannigfaltige Bewegungen, die dem Glamrock,
dem Hairmetal, dem Classicrock und anderen gekünstelten Musikrichtungen schon
längst den Kampf angesagt, und den Rang abgelaufen hatten. Nur waren die
Protagonisten der besagten Bands zugegebenermaßen nicht wirklich tauglich für
die präinternetären popkulturellen Presseerzeugnisse. Die Zeit war perfekt für
einen von Selbstzweifeln geplagten jungen Mann, der in seinem Flanellhemd doch
soviel ehrlicher daher kam, als die geschminkten Westküstenposer mit ihren
wasserstoffblonden Königspudeldauerwellen.
Dummerweise
kannte ich das grundsätzliche Prinzip bereits von Herrn Morrisson oder Herrn
Lynott. Beide endeten tragisch und so war auch Cobains Tod absehbar. Und wie
immer trug er zur Vollendung des Mythos auf traurige Art bei.
Um es
noch einmal klar zu stellen: ich mag und schätze "Nevermind" als
wirklich tolle Platte, die einer Menge großartiger Musik das Tor in den Mainstream
weit aufgestoßen hat. Ohne Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden, wären die 90er
im Formatradio vermutlich wesentlich rockärmer verlaufen. Ich habe nur eben
eine Vielzahl anderer Platten, die ich in einem persönlichen Ranking definitiv
vor diese eine schieben muss. Mein Leben hat diese Scheibe trotz all ihrer
kleinen Perlen eben nicht verändert. Ist ja sehr persönlich. Spannend ist nun,
dass ich alleine für diese Aussage im Freundeskreis immer angesehen werde, als
hätte ich auf dem Altar gerade Jesus verraten. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich
- bekennender Dave Grohl-Fan - sage, dass das Beste, das Dave Grohl
künstlerisch passieren konnte, das - leider tragische - Ende von Nirvana
war.
Da
fragt man sich halt schon, warum man derart angefeindet wird. Tocotronic sangen
nur wenige Jahre nach "Nevermind" das schöne Lied "Es ist
einfach Rockmusik". Und selten war ein Lied ehrlicher. Es war und es ist
einfach Rockmusik. Klar, für mich persönlich bedeutet Musik, speziell die
Rockmusik in all ihren, oftmals bis in die totale Spießigkeit konkurrierenden
Spielarten hinein, alles. Ich kann aber unglaublich gut damit leben, dass es
anderen schlicht egal ist. Denn genau das ist mir egal.
Mich
bereichert, was mich erbaut, nicht was andere goutieren.
Und so
ist es mit "Nevermind". Ich mag es sehr, wenn ich einen Song davon
zufällig höre, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich die CD zuletzt
aufgelegt habe. Das Fazit kann hier also eigentlich nur sein, dass jeder seine
eigenen Platten für die Ewigkeit im Herzen trägt. Oder eben nicht. Das
Wundervolle daran ist, es ist egal für alle anderen, aber es ist die Welt für
Dich. Ich denke, Kurt würde mir hier zustimmen.
In
diesem Sinne, auf Dich!
Meinungen sind gefragt im Web 2.0, das nun - nur nebenbei erwähnt - eigentlich langsam mal eine höhere Versionsnummer verdienen würde. Meinungen sind gefordert, sind erwünscht und stets willkommen in unserer ausgewiesenen Mitmachkultur - meiner Meinung nach.
Allerdings: Meine ich das nur oder ist es nur ein geringer Prozentsatz derer, die überhaupt eine Meinung haben, die sie auch offen mitteilen? Meistens sind es dann doch immer dieselben. Und von denen, die keine Meinung haben oder äußern, lassen zudem immer mehr dann doch eine Meinung hören, nämlich die, dass sie der Meinung sind, dass die anderen, die ihre Meinung ungefragt mitteilen, diese doch lieber für sich behalten sollten.
"Alle haben zu allem eine Meinung und sie teilen sie jedem mit, das ist das Grauen" klang es schon in den 90ern vertont durch eine von mir sehr geschätzte Band aus den Lautsprechern. Interessanterweise ist ja auch das eine Meinungsäußerung gewesen. Die Frage scheint interessanterweise gar nicht wirklich die zu sein, OB man seine Meinung äußert, sondern vor allem WOZU und noch vorallemiger WIE. Und da scheint es gesellschaftliche Schablonen zu geben.
Den Mund verbieten wollen einem spannenderweise exakt jene Zeitgenossen, denen die Meinung nicht passt, die man gerade geäußert hat. Soweit so menschlich und auch legitim. Könnte eine Diskussion werden, meint man. Fragt sich nur, muss sich derjenige mit der Meinung nun zurückhalten oder wäre es nicht wesentlich schlauer von dem die Meinung nicht hören wollenden, einfach nicht zuzuhören, einzuschalten, mitzulesen?
Wahr ist: Meinungen von Gleichgesinnten sind gefragt im Web. Aber auf jeden Menschen mit einer Meinung kommt mindestens ein Troll, der sich mit Absicht und zumeist großem Vergnügen über die freie Meinung desjenigen aufregt, den er eigentlich gar nicht sehen, hören, lesen will. Aber anstatt mit seiner eigenen Meinung dagegen zu halten, argumentativ zu kämpfen, wird gepöbelt, gejammert, geschimpft, oder kleinlich jeder kleinste Fehler herausgearbeitet. Das Ziel ist das Bloßstellen. Da geht es Markus Lanz nicht anders, als jedem Blogger.
Es ist so viel einfacher die Leistung anderer schlecht zu machen, als selber mal etwas anzustoßen. Verstehe ich ja auch. Armselig und entlarvend ist so ein Verhalten trotzdem. Meine ich.
Das Beruhigende daran ist jedoch, man weiß plötzlich wer wo steht. Der Pöbel - das Wort passt hier einfach zu schön - verlässt ohne es zu merken seine schützenden Gräben und rottet sich zusammen.
Als einer der herzblutorientierten Vertreter der Kleinen, der aus einem Drang, heraus Schaffenden, möchte ich hier all denen das Wort reden, die weder vom staatlich subventionierten Kulturbetrieb, noch von der popkulturellen Maschine finanziell oder sonst wie ernährt werden.
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, auch und sogar unter vielen meiner engen Freunde, dass Kunst - sei es Musik oder Malerei, Performance oder Schreiben, Bildhauerei oder Fotografie - doch zu etwas führen müsse. Und was mit "etwas" gemeint ist, lässt sich in zwei Worten zusammen fassen: Geld und Bekanntheit.
Dabei wird in gewiss 95% aller Fälle übersehen, dass es der Subkultur genau darauf nicht ankommt. Abgesehen von einem ohnehin existenten, gesunden Misstrauen dem Mainstream gegenüber gilt: Es ist mitnichten das Ziel eines Künstlers - und war es noch nie - mit seiner Kunst möglichst viel Geld zu machen, ja nicht einmal davon leben zu können. Es kommt absolut nicht darauf an, dass man seinen Namen in versalen Lettern in der Klatschpresse liest. Es ist zwar wunderschön, wenn möglichst viele Dein Bild betrachten, Deinen Roman lesen, Deine Ausstellung oder Deine Konzerte besuchen - aber im Grunde kommt es auch darauf nicht an. Es ist gänzlich ohne Belang. Es ist einzig und allein wichtig, dass Du rauslässt, was raus muss.
Spannend ist, dass an sich als Künstler stetig dafür rechtfertigen muss, warum man denn hier noch nicht ausgestellt, dort noch nicht gespielt oder da noch nicht gelesen habe. Die Wenigsten sind bereit sich auf Kunst wirklich einzulassen - unabhängig von Rang und Namen eines Künstlers. Doch wer verleiht hier das Signet "Rang und Namen"? Die Fachpresse, das Feuilleton, Kunstinteressierte, Menschen, die noch niemals einen kreativen Drang verspürt haben?
Ich könnte jeden Sonntag Abend kotzen, wenn ich in der ARD die von mir eigentlich gern gesehene Sendung ttt einschalte, und mir einmal mehr der neue, natürlich wunderhübsch anzusehende Soulgesangsstar präsentiert wird, der uns alle jetzt ob seiner einzigartigen Stimme ach so irre umhauen muss. Jeden Sonntag. Um Inhalt geht es hier dabei eher selten, junge Musik, politische Musik, ambitionierte, risikobehaftete Musik? Fehlanzeige. Mir fällt dieser Hohn allen Musikern gegenüber, die mit ihrer Musik etwas ausdrücken, verändern, bekämpfen wollen natürlich besonders auf - bin ich doch selber Musiker. Ich denke aber, es geht anderen Künstlern in der Wahrnehmung der abgebildeten Kunst hier nicht wirklich anders.
Gesellschaftlich der Konsens tragenden Ignoranz gegenüber der aus sich heraus erwachsenden Kunst die glänzendste Krone aufsetzend, ist jedoch jene bildungsbürgerlich etablierte Haltung, zu keiner Vernissage unbekannter Künstler seiner Heimatstadt, zu keinem Konzert einer Band, die man nicht aus dem Formatradio kennt, zu keiner Lesung eines ungedruckten Schriftstellers aus der Region zu gehen - ABER dann nach fucking Berlin zu fahren und hier jede verdreckte Innenhof-Spelunke für ihre dichtenden Säufer zu feiern, da HIER ja die Subkultur noch richtig lebt! Und dann bei jedem Besäufnis im Freundeskreis mit Inbrunst und einer unfassbaren Ignoranz zu betonen, es gäbe ja nichts Neues und Relevantes mehr.
Unser Kulturtourismus zeigt, wie oberflächlich unser Kunstverstand in Wirklichkeit ist. Wie sehr das "Ich war da"-Phänomen bestimmt, welche Ausstellungen besucht werden, unfrei nach dem Motto: "Kann ich das erzählen, dass ich da war und wie sehr werde ich dafür bewundert?" Und nein, richtig Arschloch, Du wirst in der Masse gewiss nicht dafür bewundert werden, wenn Du mit den Namen nie gehörter Künstler um Dich wirfst. Nein, da wird kein Glanz eines Gerhard Richter auf Dich abstrahlen, der hochbegabt, aber offensichtlich inhaltlich schon immer inspirationslos sein Werk den Massen in ausverkauften Monsterausstellungen präsentiert, was ich hier nicht einmal Herrn Richter vorwerfen möchte.
Hier ist eine Lanze, all jenen, die etwas in sich spüren, die dem was sie in sich tragen Ausdruck verleihen wollen. Verzweifelt bloß nicht daran, dass Ihr glaubt, niemand würde sich für Eure Kunst interessieren, denn das ist scheißegal. Es ist wichtig, dass Ihr es spürt, dass Ihr es heraus lasst, dass Ihr kreativ seid. Kunst ist Kunst, jenseits von Zuschauern oder Lesern, ungeachtet von Charts und Rankings. Derartige Maßstäbe haben Bürokraten eingeführt, die Unkreativen, die Neidischen, die gewiss selbst niemals erschaffen haben und werden.
Es gibt so viele Vorbilder in Sachen Do It Yourself in beinahe allen Epochen. Der Dadaismus, der Punk, der Hardcore, die kreativen Keimzellen einer jeden Subkultur. Lasst Euch nicht von Redakteuren oder Kritikern erzählen, dass das was Ihr tut weniger wert ist, als das was andere tun, weil die vielleicht mehr verkaufen. Scheißt auf ihre Punktesysteme. Führt Euch vor Augen, dass Kunst und Verkaufen, im Prinzip Gegensätze sind, denn Ideen, die zu Geld werden, sich verkaufen, werden Mainstream und wollen nicht mehr Probleme skizzieren, sondern mutieren zum Selbstzweck, und das ist das Verkaufen.
Und wenn Euch Freunde das nächste Mal fragen, was Ihr mit Eurer Kunst erreicht habt, sagt Ihnen, sie mögen es selbst herausfinden. Wenn sie den Mut und die Energie dazu haben.
Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, auch und sogar unter vielen meiner engen Freunde, dass Kunst - sei es Musik oder Malerei, Performance oder Schreiben, Bildhauerei oder Fotografie - doch zu etwas führen müsse. Und was mit "etwas" gemeint ist, lässt sich in zwei Worten zusammen fassen: Geld und Bekanntheit.
Dabei wird in gewiss 95% aller Fälle übersehen, dass es der Subkultur genau darauf nicht ankommt. Abgesehen von einem ohnehin existenten, gesunden Misstrauen dem Mainstream gegenüber gilt: Es ist mitnichten das Ziel eines Künstlers - und war es noch nie - mit seiner Kunst möglichst viel Geld zu machen, ja nicht einmal davon leben zu können. Es kommt absolut nicht darauf an, dass man seinen Namen in versalen Lettern in der Klatschpresse liest. Es ist zwar wunderschön, wenn möglichst viele Dein Bild betrachten, Deinen Roman lesen, Deine Ausstellung oder Deine Konzerte besuchen - aber im Grunde kommt es auch darauf nicht an. Es ist gänzlich ohne Belang. Es ist einzig und allein wichtig, dass Du rauslässt, was raus muss.
Spannend ist, dass an sich als Künstler stetig dafür rechtfertigen muss, warum man denn hier noch nicht ausgestellt, dort noch nicht gespielt oder da noch nicht gelesen habe. Die Wenigsten sind bereit sich auf Kunst wirklich einzulassen - unabhängig von Rang und Namen eines Künstlers. Doch wer verleiht hier das Signet "Rang und Namen"? Die Fachpresse, das Feuilleton, Kunstinteressierte, Menschen, die noch niemals einen kreativen Drang verspürt haben?
Ich könnte jeden Sonntag Abend kotzen, wenn ich in der ARD die von mir eigentlich gern gesehene Sendung ttt einschalte, und mir einmal mehr der neue, natürlich wunderhübsch anzusehende Soulgesangsstar präsentiert wird, der uns alle jetzt ob seiner einzigartigen Stimme ach so irre umhauen muss. Jeden Sonntag. Um Inhalt geht es hier dabei eher selten, junge Musik, politische Musik, ambitionierte, risikobehaftete Musik? Fehlanzeige. Mir fällt dieser Hohn allen Musikern gegenüber, die mit ihrer Musik etwas ausdrücken, verändern, bekämpfen wollen natürlich besonders auf - bin ich doch selber Musiker. Ich denke aber, es geht anderen Künstlern in der Wahrnehmung der abgebildeten Kunst hier nicht wirklich anders.
Gesellschaftlich der Konsens tragenden Ignoranz gegenüber der aus sich heraus erwachsenden Kunst die glänzendste Krone aufsetzend, ist jedoch jene bildungsbürgerlich etablierte Haltung, zu keiner Vernissage unbekannter Künstler seiner Heimatstadt, zu keinem Konzert einer Band, die man nicht aus dem Formatradio kennt, zu keiner Lesung eines ungedruckten Schriftstellers aus der Region zu gehen - ABER dann nach fucking Berlin zu fahren und hier jede verdreckte Innenhof-Spelunke für ihre dichtenden Säufer zu feiern, da HIER ja die Subkultur noch richtig lebt! Und dann bei jedem Besäufnis im Freundeskreis mit Inbrunst und einer unfassbaren Ignoranz zu betonen, es gäbe ja nichts Neues und Relevantes mehr.
Unser Kulturtourismus zeigt, wie oberflächlich unser Kunstverstand in Wirklichkeit ist. Wie sehr das "Ich war da"-Phänomen bestimmt, welche Ausstellungen besucht werden, unfrei nach dem Motto: "Kann ich das erzählen, dass ich da war und wie sehr werde ich dafür bewundert?" Und nein, richtig Arschloch, Du wirst in der Masse gewiss nicht dafür bewundert werden, wenn Du mit den Namen nie gehörter Künstler um Dich wirfst. Nein, da wird kein Glanz eines Gerhard Richter auf Dich abstrahlen, der hochbegabt, aber offensichtlich inhaltlich schon immer inspirationslos sein Werk den Massen in ausverkauften Monsterausstellungen präsentiert, was ich hier nicht einmal Herrn Richter vorwerfen möchte.
Hier ist eine Lanze, all jenen, die etwas in sich spüren, die dem was sie in sich tragen Ausdruck verleihen wollen. Verzweifelt bloß nicht daran, dass Ihr glaubt, niemand würde sich für Eure Kunst interessieren, denn das ist scheißegal. Es ist wichtig, dass Ihr es spürt, dass Ihr es heraus lasst, dass Ihr kreativ seid. Kunst ist Kunst, jenseits von Zuschauern oder Lesern, ungeachtet von Charts und Rankings. Derartige Maßstäbe haben Bürokraten eingeführt, die Unkreativen, die Neidischen, die gewiss selbst niemals erschaffen haben und werden.
Es gibt so viele Vorbilder in Sachen Do It Yourself in beinahe allen Epochen. Der Dadaismus, der Punk, der Hardcore, die kreativen Keimzellen einer jeden Subkultur. Lasst Euch nicht von Redakteuren oder Kritikern erzählen, dass das was Ihr tut weniger wert ist, als das was andere tun, weil die vielleicht mehr verkaufen. Scheißt auf ihre Punktesysteme. Führt Euch vor Augen, dass Kunst und Verkaufen, im Prinzip Gegensätze sind, denn Ideen, die zu Geld werden, sich verkaufen, werden Mainstream und wollen nicht mehr Probleme skizzieren, sondern mutieren zum Selbstzweck, und das ist das Verkaufen.
Und wenn Euch Freunde das nächste Mal fragen, was Ihr mit Eurer Kunst erreicht habt, sagt Ihnen, sie mögen es selbst herausfinden. Wenn sie den Mut und die Energie dazu haben.
Na, Ihr Übergroßen, Ihr zart über dem Boden Schwebenden, wie lebt es sich eigentlich als Übermensch? Wie fühlt es sich an, als jemand, der seinen ganzen Glanz einer Technologie verdankt? Fühlt man sich überlegen, obwohl die eigene Leistung bei diesem Schwanzvergleich nicht einmal eine untergeordnete Rolle spielt? Sie besteht einzig (leider nicht so allein, wie Ihr es gerne hättet) darin, als Konsument bewusst eine Entscheidung getroffen zu haben. Glaubt Ihr zumindest.
Dabei stört es Euch nicht einmal einer - natürlich den völlig individuellen Anschein wahrenden -Massenmaschinerie unterworfen zu sein, die Ihr kapitalistisch auf die Spitze getriebenes Vorbild im blind machenden Wesen der Religion findet. Auch der von Euch so freiwillig und mit einem feisten Grinsen im Gesicht hoch bezahlte Mehrwert ist ein schöner Schein. Eine schicke Fassade die Euch, das eigene Unvermögen kaschierend, auf ein kleines, durchgestyltes Treppchen verhilft, von dem aus Ihr Eure in die Luft gereckten Näschen von ein wenig Höhenluft umschmeicheln lassen könnt.
Ihr erwartet jede Neuerscheinung, jede materielle Blähung Eures Gottes mit unkritisch debil verzückten Gesichtern und willig gezückten Portemonnaies und feiert den Heiland, der Euch dies alles beschert hat. Der Euch befreit hat von der Tyrranei des schnöden Massengeschmacks, der den Pöbel bedient und ihm lediglich die technologischen Reste zum Fraß vorwirft, der ihn mit rückschrittiger Technik verblendet, auf dass Ihr - die Erleuchteten - noch heller strahlen könnt. Ihr seid so von Eurem eigenen Geschmack begeistert, trunken vor Arroganz und der – ich bin sicher, Ihr meint es ernst – Gier die Ersten zu sein, dass Ihr gar nicht merkt, dass der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Euch darin besteht, dass Euer Gott sich das elitäre Gefühl, welches Ihr Euch nur selber vorgaukelt, von Euch teuer bezahlen lässt.
Aber es ist ja auch gut so. Man erkennt Euch. Man kann Euch ausweichen. Man kann sich herrlich mit Euch amüsieren. Es ist ja nicht so, dass Ihr lediglich Eure Sakrilege, die Euch Euer Herr gegeben hat, benutzt, anstarrt, vergöttert, über sie redet und sie in Eurer Welt zu etwas Magischem erhebt. Nein, zu meiner und unser aller Freude tragt Ihr sie mit Euch herum, Ihr verkleidet Euch mit ihnen, Ihr schmückt Euch – so denkt Ihr – mit ihnen. In angesagten Cafés sitzt Ihr herum, meist leider allein, gebrandmarkt mit seinem blass glimmenden Zeichen, trinkt Latte Macchiato, tragt 80er-Jahre-Polohemden mit – wenn Ihr ganz wild drauf seid – hochgeschlagenem Kragen, die weißen Kabel hängen Euch träge aus den brav und modisch frei geschnittenen Ohren, die – ob sie wollen oder nicht – beschallt werden mit Konsens- und Gebrauchsmusik zwischen Café del Mar und längst verklungener Zukunftsmusik wie Jean Michelle Jarre.
Wann immer man einen der Euren erblickt sieht es geschäftig aus, als arbeite er rund um die Uhr. Stets bemüht etwas Neues, Großes zu erschaffen. Dabei surft er zumeist doch nur den großen Einfällen anderer hinterher, stets bestrebt sich im Glanze der Kreativen zu sonnen, noch ein wenig knuspriger zu erscheinen. Unfassbar oft verbirgt sich fürwahr ein Werber (oder einer von denen, die immer noch glauben, dass dies ein aus einem der folgenden Gründe anstrebenswerter Beruf wäre: ein Gehalt jenseits der Gut&Böse-Grenze, (Liechtenstein ich komme), eine wünschenswerterweise gerade 18 gewordene traummaßgebeutelte, mindestens aber 15 Jahre jüngere Frau, ein Wagen, der definitiv zu cool ist, um ihn noch umweltfreundlich nennen zu müssen). Es ist leider wirklich unfassbar oft ein Werber, oder jemand der gerne einer wäre, hinter dem blassen Schein jenes Gerätes, bei dem Weniger, pardon, Klarer mehr kostet. Und nicht weniger oft benötigt er Aufmerksamkeit, Bewunderung und – so eine Schmach – eine (eigene) Idee. Dummerweise hat ihm aber beim Verkaufsgespräch oder in der Selbstliebegruppe seines favorisierten Markenartiklers niemand darauf hingewiesen, dass Ideen, Kreativität, Eigenständigkeit, ein eigener Wille, selbstständiges – besonders unabhängiges – Denken, ja eine verdammte Persönlichkeit nicht als App verfügbar sind.
Was also nun tun? Schnell mal die üppig vorhandenen „Freunde“ auf Facebook abchecken? Ach nein, geht ja nicht, die sind schließlich gerade dabei, ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen oder sich gegenseitig den Arsch zu lecken – und das gut zu finden. Wo soll nur die entscheidende Idee herkommen? Weder Jean-Michelle noch Café del Mar bringen Rat, also hilft nur noch eins: Ablenkung! Da vorne sitzt ein Feind. Man erkennt ihn schon daran, dass man ihn kaum erkennt. Ein Gesichtsloser, der sein Fenster geöffnet hält, wie kann er nur? Schließlich ist es die Verschlossenheit, die verschworene Einheit, das Wissen um die bessere, die wegweisende und vor Allem nur Eingeweihten erschließbare Technologie, die spießige Besserwisser zur Elite macht.
Um Himmels Willen, was wäre, wenn jeder plötzlich einsähe, welch Potential in dieser Geheimwissenschaft steckt? Wäre der Eingeweihte plötzlich gar kein Opinion Leader mehr? Gäbe es von jetzt auf gleich keine Front mehr, die es aufrecht zu erhalten lohnen würde? Woher sollte der minderbemittelte, Faulobst liebende Freizeitexistenzialist nur die Abgrenzung nehmen, die er doch so arg für sein leider zu kurz, zu klein geratenes, ... aber lassen wir das, ... für sein – und es ist fast immer ein „er“ - wie auch immer geartetes Ego benötigt? Tja, scheiße. Sehen wir es einmal positiv.
Aber erst im nächsten Teil der Apfelsaga ...
Reprise von derherrgott - 20. Juli 2010
Dabei stört es Euch nicht einmal einer - natürlich den völlig individuellen Anschein wahrenden -Massenmaschinerie unterworfen zu sein, die Ihr kapitalistisch auf die Spitze getriebenes Vorbild im blind machenden Wesen der Religion findet. Auch der von Euch so freiwillig und mit einem feisten Grinsen im Gesicht hoch bezahlte Mehrwert ist ein schöner Schein. Eine schicke Fassade die Euch, das eigene Unvermögen kaschierend, auf ein kleines, durchgestyltes Treppchen verhilft, von dem aus Ihr Eure in die Luft gereckten Näschen von ein wenig Höhenluft umschmeicheln lassen könnt.
Ihr erwartet jede Neuerscheinung, jede materielle Blähung Eures Gottes mit unkritisch debil verzückten Gesichtern und willig gezückten Portemonnaies und feiert den Heiland, der Euch dies alles beschert hat. Der Euch befreit hat von der Tyrranei des schnöden Massengeschmacks, der den Pöbel bedient und ihm lediglich die technologischen Reste zum Fraß vorwirft, der ihn mit rückschrittiger Technik verblendet, auf dass Ihr - die Erleuchteten - noch heller strahlen könnt. Ihr seid so von Eurem eigenen Geschmack begeistert, trunken vor Arroganz und der – ich bin sicher, Ihr meint es ernst – Gier die Ersten zu sein, dass Ihr gar nicht merkt, dass der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Euch darin besteht, dass Euer Gott sich das elitäre Gefühl, welches Ihr Euch nur selber vorgaukelt, von Euch teuer bezahlen lässt.
Aber es ist ja auch gut so. Man erkennt Euch. Man kann Euch ausweichen. Man kann sich herrlich mit Euch amüsieren. Es ist ja nicht so, dass Ihr lediglich Eure Sakrilege, die Euch Euer Herr gegeben hat, benutzt, anstarrt, vergöttert, über sie redet und sie in Eurer Welt zu etwas Magischem erhebt. Nein, zu meiner und unser aller Freude tragt Ihr sie mit Euch herum, Ihr verkleidet Euch mit ihnen, Ihr schmückt Euch – so denkt Ihr – mit ihnen. In angesagten Cafés sitzt Ihr herum, meist leider allein, gebrandmarkt mit seinem blass glimmenden Zeichen, trinkt Latte Macchiato, tragt 80er-Jahre-Polohemden mit – wenn Ihr ganz wild drauf seid – hochgeschlagenem Kragen, die weißen Kabel hängen Euch träge aus den brav und modisch frei geschnittenen Ohren, die – ob sie wollen oder nicht – beschallt werden mit Konsens- und Gebrauchsmusik zwischen Café del Mar und längst verklungener Zukunftsmusik wie Jean Michelle Jarre.
Wann immer man einen der Euren erblickt sieht es geschäftig aus, als arbeite er rund um die Uhr. Stets bemüht etwas Neues, Großes zu erschaffen. Dabei surft er zumeist doch nur den großen Einfällen anderer hinterher, stets bestrebt sich im Glanze der Kreativen zu sonnen, noch ein wenig knuspriger zu erscheinen. Unfassbar oft verbirgt sich fürwahr ein Werber (oder einer von denen, die immer noch glauben, dass dies ein aus einem der folgenden Gründe anstrebenswerter Beruf wäre: ein Gehalt jenseits der Gut&Böse-Grenze, (Liechtenstein ich komme), eine wünschenswerterweise gerade 18 gewordene traummaßgebeutelte, mindestens aber 15 Jahre jüngere Frau, ein Wagen, der definitiv zu cool ist, um ihn noch umweltfreundlich nennen zu müssen). Es ist leider wirklich unfassbar oft ein Werber, oder jemand der gerne einer wäre, hinter dem blassen Schein jenes Gerätes, bei dem Weniger, pardon, Klarer mehr kostet. Und nicht weniger oft benötigt er Aufmerksamkeit, Bewunderung und – so eine Schmach – eine (eigene) Idee. Dummerweise hat ihm aber beim Verkaufsgespräch oder in der Selbstliebegruppe seines favorisierten Markenartiklers niemand darauf hingewiesen, dass Ideen, Kreativität, Eigenständigkeit, ein eigener Wille, selbstständiges – besonders unabhängiges – Denken, ja eine verdammte Persönlichkeit nicht als App verfügbar sind.
Was also nun tun? Schnell mal die üppig vorhandenen „Freunde“ auf Facebook abchecken? Ach nein, geht ja nicht, die sind schließlich gerade dabei, ihren Bauernhof auf Vordermann zu bringen oder sich gegenseitig den Arsch zu lecken – und das gut zu finden. Wo soll nur die entscheidende Idee herkommen? Weder Jean-Michelle noch Café del Mar bringen Rat, also hilft nur noch eins: Ablenkung! Da vorne sitzt ein Feind. Man erkennt ihn schon daran, dass man ihn kaum erkennt. Ein Gesichtsloser, der sein Fenster geöffnet hält, wie kann er nur? Schließlich ist es die Verschlossenheit, die verschworene Einheit, das Wissen um die bessere, die wegweisende und vor Allem nur Eingeweihten erschließbare Technologie, die spießige Besserwisser zur Elite macht.
Um Himmels Willen, was wäre, wenn jeder plötzlich einsähe, welch Potential in dieser Geheimwissenschaft steckt? Wäre der Eingeweihte plötzlich gar kein Opinion Leader mehr? Gäbe es von jetzt auf gleich keine Front mehr, die es aufrecht zu erhalten lohnen würde? Woher sollte der minderbemittelte, Faulobst liebende Freizeitexistenzialist nur die Abgrenzung nehmen, die er doch so arg für sein leider zu kurz, zu klein geratenes, ... aber lassen wir das, ... für sein – und es ist fast immer ein „er“ - wie auch immer geartetes Ego benötigt? Tja, scheiße. Sehen wir es einmal positiv.
Aber erst im nächsten Teil der Apfelsaga ...
Reprise von derherrgott - 20. Juli 2010
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