Twogger, Blogstagram, Faceblr, Ellosquare, Fourgl+, Spotipress, Goonterest, XinkedIn, Wordr. 

Ich dachte, das Ding mit der digitalen Revolution wäre durch und wir hätten uns mittlerweile allesamt irgendwo im Netz etabliert. Alle sind auf Facebook, die Individualisten sind auf Twitter, die essenden Fotografen bewohnen Instagram, die mit den schicken Passbildern bezahlen Xing für ein Adressbuch, die Weltenbummler tummeln sich gleich überall und irgendwie hat doch jeder online seinen Kiez gefunden. 

Ich schrieb noch kürzlich einen Blogpost über die unvollständige Weltkarte der Sozialen Medien. Darin kamen eben alle Großen vor, die man so kennt, benutzt und bevölkert. Doch seit ein paar Tagen hat man - nicht selten befeuert durch neue Horrormeldungen aus den etablierten Netzwerken, was die angestrebte Vorantreibung der Kommerzialisierung oder den Abbau der privaten Datenschutzrechte angeht - wieder das Gefühl, dass alles im Umbruch ist. 

Das was wir als etabliert empfinden, wir, die wir die Onlinewelt längst in unsere Offline-Existenz implantiert haben, ist zwar das, was vielleicht unsere Elterngeneration noch als fremdartig und eventuell sogar bedrohlich empfindet, aber uns doch längst zum natürlichen, nicht mehr wegzudenkenden Teil unseres Alttages geworden ist. Umso irritierender, dass sich gerade jetzt vermehrt die Neuen - ich möchte fast sagen, die jungen Wilden - anschicken, Ihre Chance zu nutzen, das alles einfach mal wieder umzukrempeln. 

Mag sein, dass wir bis heute die ganz großen Neuerungen bereits ausgelotet haben, jedes große Netzwerk hat seine Zielgruppe, jede Mechanik ist vielleicht schon mal irgendwie ausprobiert und akzeptiert worden. Kann aber auch sein, dass wir alle diese Züge mit Wonne besprungen haben,weil sie die einzigen waren, die uns das wonach wir verlangten angeboten haben und wir eben auch nicht so genau hingesehen haben, was die Rahmenbedingungen angeht. Datenschutz? Haben wir als Deutsche irgendwie vorausgesetzt. Werbung? Haben wir als notwendige Randerscheinung erst einmal nicht so wichtig genommen und vermeidlich ignoriert. Persönlichkeitsrechte? Waren wir uns in der Masse dieser überhaupt bewusst? 



Und nun tauchen fast täglich Alternativen auf. Alternativen die uns Digitalnaiven vielleicht gar nicht so neu vorkommen, die aber plötzlich antreten mit dem Anspuch, nicht alles neu, aber vieles besser zu machen. Gut, damit hat auch ein Altbundeskanzler schon einmal Land gemacht, ohne selber die blühenden Landschaften seines Vorgängers zu ermöglichen. Aber derzeit scheinen Communities wie Ello, Medium und unzählige andere mit bekannten Ideen in einer neuen Verpackung mobil zu machen. Diese Verpackung soll jedoch nicht der alte Wein aus neuen Schläuchen sein, sondern versucht scheinbar ernsthaft, die Fehler, bzw. die Dreistigkeiten seiner Vorbilder, die in den Grundzügen ihrer Mechaniken zum Teil knallhart immitiert werden, auszubügeln.

Man wirbt mit Transparenz, Fairness, Nichtkommerzialität und Mitbestimmungsrecht und macht somit zumindest formal schon einmal so einiges richtig. Kein Mensch weiß, was nun die Zukunft bringen mag, wir alle wissen ja, die Masse ist träge und einmal Gelerntes wird nur ungern neu aufgezogen. Facebook mag in der absoluten Masse rückläufig sein, dennoch wird es diesen Molloch mit Sicherheit noch sehr lange auf sehr hohem quantitativen Niveau geben. Einfach weil alle es tun und das Konzept ja nicht ungekonnt darauf ausgelegt ist, ein lebenslanger Begleiter, ja ein Chronist des eigenen Lebens zu sein. Die anderen jedoch, Twitter, Wordpress, Blogger und Co., geliebt, etabliert aber in Deutschland im Vergleich zum Massenmedium Facebook immer noch eher eine Nische besetzend, haben jetzt die Chance, sich an der aufkommenden Konkurrenz zu messen, zu schleifen, zu öffnen, zu verbessern im Sinne ihrer User. 

Und so ist es unglaublich spannend gerade dabei zu sein, während sich das Alte mit dem Neuen im Konkurrenzkampf befindet. Ich bin kein wirklicher Bewahrer, ich bin allerdings höchst melancholisch. So bin ich hin und her gerissen zwischen der Angst, mein tägliches Twittern könnte irgendwann abgelöst werden durch etwas anderes. Andererseits brenne ich darauf zu sehen, wie sich die Neuen schlagen und wünsche Ihnen Glück und einen langen Atem.

Denn bei allem, was man im Netz doch so macht, bleibt eines gleich, überall. Wir, wir die User sind das Netz. Ohne uns ist sogar das Monster Facebook tot. Wir sind der Inhalt, das Leben, das Kapital. Wir müssen uns nur entscheiden, wollen wir das Kapital von anderen sein, deren Ideen und Philosophien wir nicht mit tragen, oder tun wir etwas für uns in unserem Sinne.


Beide Möglichkeiten bietet das Netz. Diese Selbstbestimmung sollten wir uns nicht nehmen lassen. Finde ich. Mag sein, dass Ihr das anders seht. Aber genau darum geht es ja.

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Edit:
Leser, die sich für den soeben erblickten Blogpost begeistert haben, würden sich gewiss auch für den hier begeistern. 
Es ist ganz gewiss noch einen Hauch zu früh, um einem gerade im Werden befindlichen Medium wie ELLO schon seine Kritik über zu bürzeln, aber angedenk dieses dollen Sprichwortes "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" darf man ein paar wohl gemeinte Ratschläge an den Frischling überantworten. Und das nicht ohne begründete Hoffnung. 

Vorweg aber schnellerdings dies: 
Ich bin nach wie vor ein großer Freund von TWITTER und stehe gnadenlos treu zu dieser Plattform, da bislang nichts im Netz meinen Geist derart angeregt und meine Worte dieserart auf Vordermann gebracht hat. Zudem trifft man hier die spannendsten Menschen im Netz. Isso, as we say here. Ergo (auch ohne Therapie) möchte ich dieses große Ding gerne als solches erhalten - aber nicht zu jedem Preis. Wenn Twitter meint, es müsse nun endlich mal Geld verdienen, so ist dies ein legitimer Wunsch. Dennoch wird sich das Gros der schreibenden Twitterer (nicht die der schweigenden, denen ist das vielleicht sogar Wurst) nicht die eigene Timeline durch ungewünschten Content verwässern lassen, gar der Facebookisierung den Wasserkübel (erinnert Ihr Euch noch an den #Blumenkübel?) tragen. 

Aber ich schweife ab. Und zu ist das aber auch erlaubt, denke ich.
Nichts ist so heiß, dass man es nicht noch einmal kurz überbrühen könnte.



Dank einer netten Invitation der lieben +Wibke Ladwig bin ich nun seit lockeren zwei Tagen im Betaprogramm von ELLO - das sich, so kann man das durchaus sagen - als erste Unternehmung wirklich anschickt, uns Twitterern eine alternative Heimstatt anzubieten. Das mit dem ausgewiesenen Versprechen, weder jemals Daten sammeln, noch werbefinanziert sein und enden zu wollen. Und auch wenn das alles noch sehr rudimentär ist, kommt man als Frühadoptierter kaum drum herum sich einer gewissen Begeisterung hinzugeben. 

Trotz oder vielleicht gerade angesichts der noch unfertigen und wunderbar rohen Oberfläche atmet man derzeit ein wenig von dem, das etablierte Soziale Medien längst verloren haben - verlieren müssen. Auch ELLO wird diesen Charme nicht in diesem Maße aufrecht erhalten können, jedoch besteht hier - wie ehedem bei TWITTER - die Chance etwas mit zu gestalten. Die Admins zeigen sich offen und kommunikativ und die - einem zumeist ja doch irgendwie bereits von TWITTER bekannten - User befleißigen sich einer regen Anteilnahme, was Vorschläge angeht. 

Es ist diesbezüglich jetzt bereits augenscheinlich - angesichts der Rufe nach einer ähnlichen Funktion wie Favs, Retweets und DMs - dass die Meisten sich hier ein verschlanktes, wieder rudimentäres Twitter-Equivalent wünschen. Wenn Twitter hier etwas lernen kann, dann das was bereits vor Äonen schon von allen Social Media Experten kolportiert wurde: Das Zuhören. 

Keine Ahnung wohin es ELLO und TWITTER verschlägt, aber es ist derzeit eine arg spannende Angelegenheit diesen David vs. Goliath-Kampf zu beobachten. Wobei hier Goliath keineswegs als der ungeliebte Böse daher kommt. Vielmehr wünscht man ELLO eine behütete Kindheit und TWITTER, dass es die Kurve noch einmal bekommt.

Am Besten ist vielleicht, dass in dieser derzeit ungleich gewichteten, zweigleisigen Szene überhaupt keine Rede von Facebook ist. Wozu auch? 

Was ich mir wünsche ist Eloquenz. Und dass diese in gewohnt bescheidenem Maße obsiegen wird, ist mir jetzt bereits klar. Vielleicht braucht es in diesem Kampf ja auch gar keine Waffen, vielleicht siegt hier einmal - und das wäre doch mal was Neues - die Diplomatie. 

Lassen wir den Dingen ihren Lauf - man darf gespannt sein. 



EDIT: Leser, die diesen Blogpost gelesen haben, haben auch diesen Blogpost gelesen. 





Ist richtig. Es gibt ein paar heilige Kühe über deren Existenz zu streiten sinnlos wäre.

Eine davon, die mich seit nunmehr 20 Jahren sabbernd verfolgt, ist der musikkulturelle Mythos "meiner Generation", wie es so schön heißt, "Nevermind" von Nirvana. Und über den muss ich mich nun dennoch einfach einmal streiten.

Seit Ewigkeiten muss ich alle Jahre wieder in den unterschiedlichsten Musikgazetten von den 50 oder 100 Platten für die Ewigkeit lesen. Musikjournalisten erzählen mir also beständig, welche Platten die größte Relevanz in der Musikgeschichte einnehmen, und setzen das spannenderweise direkt gleich mit dem Empfinden, der Einstellung, welche eine ganze Generation zu gewissen Platten haben soll. Also auch ich.

Bekloppt. Nur weil ich in einem Jahr geboren und in einem anderen musikalisch sozialisiert wurde, soll ich eine formatierte Meinung einnehmen, ja gleichgeschaltete Gefühle zur Musik, einer der subjektivsten Formen der Kunst überhaupt empfinden?

Ja. Ich gehöre natürlich zu denen, die genau wissen, wann und wo sie "Smells like teen spirit" zum ersten mal gehört haben. Ja. Ich war damals geflasht von dem Song und dem auf der Stelle erworbenen Album. Ja. Ich weiß um die musikhistorische Bedeutung dieses Albums und erkenne sie uneingeschränkt an. Aber da hört es dann auch schon auf mit Plattitüden und Gemeinsamkeiten mit dem steten Jubel über diese Aufnahmen. 

Zum einen weiß ich um sehr viele Alben vor "Nevermind", die musikalisch genau diese umstürzlerische Wirkung hätten erzielen, diesen Status damit erreichen und anstelle von Nirvana ihren Schöpfer hätten groß machen können, wenn sie einen Wirkungsfrontmann wie Kurt gehabt hätten. Zum anderen gab es "damals" rein musikalisch mannigfaltige Bewegungen, die dem Glamrock, dem Hairmetal, dem Classicrock und anderen gekünstelten Musikrichtungen schon längst den Kampf angesagt, und den Rang abgelaufen hatten. Nur waren die Protagonisten der besagten Bands zugegebenermaßen nicht wirklich tauglich für die präinternetären popkulturellen Presseerzeugnisse. Die Zeit war perfekt für einen von Selbstzweifeln geplagten jungen Mann, der in seinem Flanellhemd doch soviel ehrlicher daher kam, als die geschminkten Westküstenposer mit ihren wasserstoffblonden Königspudeldauerwellen.



Dummerweise kannte ich das grundsätzliche Prinzip bereits von Herrn Morrisson oder Herrn Lynott. Beide endeten tragisch und so war auch Cobains Tod absehbar. Und wie immer trug er zur Vollendung des Mythos auf traurige Art bei. 

Um es noch einmal klar zu stellen: ich mag und schätze "Nevermind" als wirklich tolle Platte, die einer Menge großartiger Musik das Tor in den Mainstream weit aufgestoßen hat. Ohne Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden, wären die 90er im Formatradio vermutlich wesentlich rockärmer verlaufen. Ich habe nur eben eine Vielzahl anderer Platten, die ich in einem persönlichen Ranking definitiv vor diese eine schieben muss. Mein Leben hat diese Scheibe trotz all ihrer kleinen Perlen eben nicht verändert. Ist ja sehr persönlich. Spannend ist nun, dass ich alleine für diese Aussage im Freundeskreis immer angesehen werde, als hätte ich auf dem Altar gerade Jesus verraten. Ähnlich ergeht es mir, wenn ich - bekennender Dave Grohl-Fan - sage, dass das Beste, das Dave Grohl künstlerisch passieren konnte, das - leider tragische - Ende von Nirvana war. 

Da fragt man sich halt schon, warum man derart angefeindet wird. Tocotronic sangen nur wenige Jahre nach "Nevermind" das schöne Lied "Es ist einfach Rockmusik". Und selten war ein Lied ehrlicher. Es war und es ist einfach Rockmusik. Klar, für mich persönlich bedeutet Musik, speziell die Rockmusik in all ihren, oftmals bis in die totale Spießigkeit konkurrierenden Spielarten hinein, alles. Ich kann aber unglaublich gut damit leben, dass es anderen schlicht egal ist. Denn genau das ist mir egal. 

Mich bereichert, was mich erbaut, nicht was andere goutieren. 

Und so ist es mit "Nevermind". Ich mag es sehr, wenn ich einen Song davon zufällig höre, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich die CD zuletzt aufgelegt habe. Das Fazit kann hier also eigentlich nur sein, dass jeder seine eigenen Platten für die Ewigkeit im Herzen trägt. Oder eben nicht. Das Wundervolle daran ist, es ist egal für alle anderen, aber es ist die Welt für Dich. Ich denke, Kurt würde mir hier zustimmen.

In diesem Sinne, auf Dich!


Vermutlich ist er es mal wieder.
Der Zeitgeist. Und er hat sich wieder einmal neu erfunden.

Derzeit plagt er uns alle mit der Tatsache, dass wir - jeder für sich - unzählige Leben parallel führen und der dazu gehörenden Überzeugung, dass man sich und seine Persönlichkeit in jeder einzelnen dieser von uns belebten Mikroversen bitte schön adäquat zu seinem Umfeld zu gestalten hat. Denn schließlich herrscht in jeder Miniwelt auch eine andere Erwartungshaltung dem einzelnen gegenüber vor. Und die muss ja nicht zwangsläufig mit dem übereinstimmen, was wir sind, sein wollen oder auch sein können.

Fakt ist, der moderne Mensch soll irre individuell sein, sich durch Persönlichkeit und Eigenständigkeit glänzend von der Masse abheben. Rebellisch und erfindungsreich. Zugleich soll er aber auch verlässlich und in einer Weise konform sein, dass er sich sozialverträglich in jedes System integrieren lässt. Der kreative Beamte, der anarchische Lemming, ein malender Boxer, der handwerklich begabte Philosoph. Einer, der hilft, wenn es brennt, der aber gleichzeitig den Funken in sich trägt, um den Brand auszulösen. Der Zeitgeist möchte das so.

Da ist der Mann der in seiner Partnerin natürlich die perfekte Hausfrau mit Hang zur romantischen Gemütlichkeit vorfinden möchte, wenn sie dafür nach dem täglichen Besuch im Fitness-Studio im Bett aber auch tabulos abgeht, wie Schmitt`s vervampte Katze und nebenher natürlich im Beruf erfolgreich ist, aber bitte nicht zu selbstbewusst oder gar in einer Führungsposition. Der perfekte Mann hingegen sollte letzteres für die moderne Frau natürlich schon sein und durch seine unersetzliche Arbeit folgerichtig auch ausreichend begütert, ein heißer, männlicher aber einfühlsamer Liebhaber, der jedoch auch - emotional begabt - die Kinder ins Bett bringt, unaufgefordert den Müll rausbringt und selbstverständlich den Garten pflegt, so wie sich selbst. Jeder Chef möchte selbstständig denkende Mitarbeiter mit enormer Sozialkompetenz und Durchsetzungsvermögen, außer wenn es um die eigenen Anweisungen geht, wohingegen der perfekte Chef aus Sicht der Angestellten eigentlich eher unsichtbar gewünscht wird, dazu allerdings natürlich die Begabung einer intelligenten Unternehmensführung mitbringen sollte mit der nötigen Dominanz gegenüber konkurrierenden Firmen.

Das könnte ewig so weitergehen. Es gibt nicht nur viele Parallelgesellschaften - es gibt derer unzählige! Verbinden wir mit diesem Begriff im Normalfall doch eigentlich stets das Thema Migration und den oftmals mangelnden Willen zur Integration, steckt für jeden von uns weitaus mehr dahinter. Leben wir doch tagtäglich, oft sogar gleichzeitig in verschiedenen Gesellschaften. Und das zum einen qua unserer sozialen Position, aber auch selbst gewählt.

Sportverein, Partei, Familie, Freunde, Firma, Clubs, Ehrenamt, Verkehrsteilnehmer, undundund. Diese Liste ist endlos fortzuführen, auch wenn sie von einem zum anderen latent divergiert.  

Und jede dieser Welten, die wir uns ausgesucht haben oder die uns ausgesucht hat oder mit der wir schlicht verbunden sind, hat eine ganz bestimmte Erwartungshaltung an uns. Eine Vorstellung, wie wir zu sein und uns zu benehmen haben. Diese Vorstellung ist mitunter durchaus einengend für das eigene Selbstverständnis, wie man denn sein möchte, wie man denn sein muss, um sich wohl zu fühlen in seiner Haut.

Das soll an dieser Stelle überhaupt kein Gejammer über diesen Umstand sein. Ich versuche nur mir selber zu erklären, warum ich gerade in den letzten Jahren immer mehr Menschen kenne, die diese Erwartungshaltungen nicht mehr erfüllen können, obwohl sie wollen. Warum sich die Depressionserkrankungen derart häufen, auch und gerade bei Menschen, die bisher gar nicht unbedingt klassisch depressiv waren.

Egal um welchen Bereich es geht. Der Chef erwartet von einem einzelnen Charakter ein anderes Verhalten, als der Partner, die Kinder, die Eltern, die Freunde, die Kumpels, die Kollegen, die Mannschaftskameraden, die .... aber dazu wird natürlich wie selbstverständlich noch der Anspruch gepackt, dass man sich nicht verbiegen lassen, dass man ganz man selber sein soll.

Klar gibt es diejenigen, die das mühelos schaffen. Die Mr. Cobains "Come as you are" eingeatmet und dazu noch das Glück haben, auf ein Umfeld zu treffen, das es ähnlich sieht. Ein Umfeld, dass ihn oder sie akzeptiert wie er oder sie wirklich ist. Aber es gibt eben auch jene, die sich so sehr verbiegen, um allem und jeden gerecht werden zu können - sei es aus persönlichen, familiären, psychischen, wirtschaftlichen oder sonst welchen Gründen - dass von ihnen selbst am Ende des Tages nicht mehr sehr viel oder gleich gar nichts mehr übrig ist. Die sich so sehr damit verausgaben, aufzehren, von der einer Rolle in dem einem Mikrokosmos in die nächste Rolle des nächsten Mikrokosmosses zu schlüpfen, dass sie vielleicht sogar vergessen haben, wie sie im Grunde selber sind und wer sie sind. Menschen die sich vergessen haben.

Wenn es soweit gekommen ist, ist es bereits zu spät. Dann hat er wieder gewonnen, der Zeitgeist. Aber ab und an, erkennen wir ihn ja auch rechtzeitig. Und ich meine, es ist dann an der Zeit zu sagen:
Fick Dich Zeitgeist!

Ändern kann das im Grunde eh nur jeder selber, aber vielleicht achten wir einfach mal ein wenig aufeinander und legen nur die Erwartungshaltung an andere Menschen an, die wir selber auch u erfüllen bereit sind. Vielleicht aber auch einfach etwas weniger als das. Nicht jeder kann das gleiche leisten. Und viele von denen, die das Gefühl haben, nicht mehr alles leisten zu können, steigen einfach aus.

Und mir persönlich steigen einfach gerade zu viele aus.







Ich schrieb einmal vor über zwei Jahren auf diesem Blog den kurz gehaltenen Text "Ich habe nie wieder Angst!"

Es ging um eine moralische Innensicht und eine ganz persönliche Antwort auf die Frage, in wie weit man sich von äußeren Einflüssen das eigene Leben und Wohlbefinden durch künstlich eingeredete Angst versauen lässt. Die Antwort war damals so knapp wie klar und gipfelte in dem Satz: "Aber ich, ich habe nie wieder Angst!"

Nun bin ich von Natur aus leider ebenso wenig ein komplett angstfreier Mensch, wie jeder andere unter Euch auch. Aber mich persönlich beruhigt eine Art geistiges Mantra, welches mir - praktischerweise ohne es beständig aufsagen zu müssen, um es zu glauben - einmal zurecht gelegt, den unglaublich beruhigenden Dienst erweist, beinahe auf ewig zu wirken. 

Die Sache ist im Grunde ja auch glasklar. Was soll mir schon den Tag versauen können, wenn ich es erst gar nicht an mich heran kommen lasse, bzw. wenn ich dem jeweiligen Thema gegenüber eine Position einnehme und diese auch mit Verve vertrete, die in sich fest und wenig wankelmütig ist. Das alte Credo von Peter Ustinov, der meine Lieblingsdefinition eines Optimisten aus dem Ärmel schüttelte mit dem Satz: "Ein Optimist ist jemand, der genau weiß, wie traurig die Welt sein kann, während ein Pessimist täglich neu zu dieser Erkenntnis gelangt."

Nun pflege ich des morgens als allererstes einen nachrichtenlastigen Radiosender einzuschalten, um mich jenseits von Twitter mit einem gewissen Grundwissen all dessen zu versorgen, was sich auf der Welt aktuell zuträgt, und - genau das ist vielleicht der wenig zugegebene aber doch relevante Aspekt - was davon mich in meiner heilen, gepflegten, hermetisch luxuriösen Welt in irgendeiner Weise betreffen könnte.

Bezogen auf meinen Blog und meine Haltung von 2012 kann ich natürlich ganz sicher sagen, dass ich keine Angst vor den Herren (ja, es sind ausnahmslos Herren) Wladimir Putin, Petro Poroschenko oder Barrack Obama, Baschar al-Assad oder Dschawad al-Maliki oder auch Abu Bakr al-Baghdadi, Benjamin Netanjahu oder Mahmud Abbas habe. Der eine mehr, der andere weniger, sind sie doch allesamt aus genau dem menschlichen Holz geschnitzt, das Macht als oberste Direktive, Kontrolle über andere Menschen als erstrebenswert, wahrscheinlich sogar staatstragend ansieht und nicht davor zurück schreckt, Schicksale, Menschenleben zu opfern, wenn es denn der eigenen Sache dient. Und diese eigene Sache, ist so was von unübertroffen subjektiv definiert, dass man - ohne selber betroffen zu sein zu müssen - in hohem Bogen kotzen möchte.

Angst ist hier aber auch nicht der zentrale Punkt. Wer vor diesen Leuten wirklich und im Wortsinne Angst hat, hat ein ganz anderes Problem (Hätten Sie etwas Angst gehabt, nachts in einer kleinen Gasse Hitler alleine zu begegnen?). Aber - und das ist der Punkt, der mir Sorgen bereitet - diese Menschen, diese An-"Führer" (und hier kann man durchaus einmal ganz bewusst und provokant auf jeden einzelnen der hier genannten das urdeutsche Wort "Führer" anwenden), haben einen derartigen Einfluss, eine derartige Wirkung auf andere Menschen, auf Gruppierungen, auf ganze Bewegungen, die sich dank des menschlichen Strebens nach Gemeinschaft sogar unabhängig von geopolitischen Gebieten überall auf der Welt ausbreiten können, wie ein Geschwür, wie eine Epidemie, dass es einem denkenden, freiheitsliebenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Nicht die Angst wohlgemerkt. Den Zorn! 

Ich weiß, die Steinzeit-Terroristen der IS, formerly known as ISIS, möchten natürlich nur all zu gerne (das ist ja schließlich der Urwunsch jedes herkömmlichen Terroristen), dass man unbändige Angst hat vor Ihnen und Ihren Greueltaten. Und derer haben sie in der Tat in arg kurzer Zeit bis heute derartig viele verbrochen, dass man ihnen geradezu wünschen würde, dass es ihren Gott, in dessen Namen Sie morden, vergewaltigen, sich Aufführen wie die letzten Herrenmenschen, das es diesen Gott wirklich gäbe, denn dann hätten sie in der Tat wenig zu lachen, wenn die Abrechnung käme. Im Grunde - gerade für einen Atheisten - ein sehr schöner, tröstlicher Gedanke.   

Obama und Putin möchten - arg menschlich - jeder auf ihre eigene Art, geliebt werden - gerade letzter könnte ruhig mal einen Freudianer zu Rate ziehen. Assad hat es erst gar nicht anders gelernt, Erdogan ist ein tumber Narziss erster Kajüte, der Freiheit jenseits seines väterlichen Gustos für ein Sakrileg hält, die religiöse Fraktion der Anführer erfreut sich stets an massenverblendeter Meinung, dass Sie dem Propheten das Wort reden und ihm posthum und im Namen Allah, pardon aller, zum "Recht" verhelfen, obwohl sie im Grunde doch auch nur ganz oben auf dem Misthaufen mit dem Fähnlein winken wollen. Jeder hat so sein kleines Grundproblem, welches ihn gewiss um den Schlaf aber auch durch den Tag bringt.

Irgendwie möchten alle, dass man sie versteht, dass man Respekt, ja oft genug in der Tat gar Angst vor Ihnen hat - beides verwechseln sie ohnehin ständig. Angst und Respekt. Ich habe vor sehr vielen Menschen Respekt, aber nur vor sehr wenigen Angst.

Und während ich angesichts der Horrormeldungen aus aller Welt - und machen wir uns da mal nichts vor, es ist gerade überproportional heftig und alarmierend - allmorgendlich also bereits im Bad dem Trübsinn verfallen möchte, schleicht sich immer wieder dieser Yoda gleiche alte Mann in mein Gedächtnis. Es ist, als wohnte er in meinem Blutkreislauf. Und wenn es so ist - er darf mietfrei bleiben auf alle Zeiten. Er lächelt, aber nicht provozierend sondern gütig. Weise. Einfach freundlich. Aber mit einem ziemlichen Schalk im Nacken.

Dieser Mann besitzt sogar 10 Jahre nach seinem weltlichen Ableben eine natürliche Autorität, die jede Angst im Keim erstickt. Ein Umstand, den unsere Titelantihelden in diesem Blog gar nicht erst verstehen würden. Autorität ohne Angst? Eine imperative Sympathität? Tja, meine Herren, merken Sie etwas? Sie haben jetzt schon verloren. Und stellt man sich diesen Meister Peter leiblich an seiner Seite vor, ist es, als wenn beständig jemand neben Dir steht und dem übelsten Menschenschinder unbewaffnet aber furchteinflößend ins Gesicht lächelt und fragt "Na und? Geht`s Dir jetzt besser? Hast Du`s allen gezeigt?"

Das Geile ist: es geht hier gar nicht mehr um Angst, denn ich bin gar nicht unbewaffnet, selbst wenn ich nackt vor Euch stehe. Es geht hier um Gelassenheit, um Humor - ja, scheiße noch eins, es geht hier sogar darum zu lächeln. Aber vor allem geht es schlicht und einfach darum, andere Menschen sein zu lassen, wie sie sind. Und nicht, wie Ihr sie haben möchtet. Glaubt doch einfach was Ihr wollt, aber lasst uns - uns alle, alle, alle - damit ein für alle mal in Ruhe.

Und so, liebe Fanatiker, liebe Extremisten, liebe Führernachläufer, liebe Fremddenkenlasser, liebe IchhabeselberkeineIdeenaberichmöchteeinemFührernachhechelns, stehen wir abermals da - Angesicht zu Angesicht. Ihr glaubt an die Angst, die Ihr schürt - ich glaube, genau diese Angst tritt Euch am Ende ganz gewaltig in den Arsch.

Beide haben wir unseren Glauben, der eine hat einen erfundenen, der andere einen gefühlten. Sucht Euch aus, wer von uns was sein soll.

Möglich dass man es Waffengleichheit nennen kann.
Ihr habt Euren Hass, ich habe Ustinov im Herzen.


Ich möchte nicht all zu esoterisch wirken, aber hey, ich bin nun seit 10 Tagen ohne WLAN, ja sogar gänzlich ohne permanente Funkverbindung zur digitalen Außenwelt. Das bedeutet 10 Tage ohne multimediales Dauerfeuer.
Um 7 Uhr beginnt die Melkmaschine zu surren, um 8 kommt der Bäcker, um 10 kommt der Milchtankwagen, um 12 bimmelt eine beruhigend enervierende Glocke auf der bäuerlichen Minikapelle zum Mittag und um 18 Uhr surrt erneut die Melkmaschine. Ansonsten breitet sich Ruhe aus, die durch das Muhen der Kühe und ihr rauzungiges Grasgerupfe nur noch unterstützt wird.
Es ist nicht so, dass ich im Alltag sonderlich urban wohnen würde. Kein Straßenverkehr weckt mich des morgens auf und auch sonst residiere ich sehr beschaulich. Dennoch merkt man nun hier, in der absolut funklosen Idylle, in der nicht einmal die NSA einen orten könnte, dass das ansonsten durch den Tag begleitende Smartphone nur noch ein Fotoapparat ist und das Tablet remutiert zur Schreibmaschine.
Nicht, dass ich nicht nach wie vor twittersüchtig wäre, nicht, dass ich mein ausgeprägtes digitales Leben plötzlich untragbar fände - ansonsten würde ich auch gerade gewiss keinen Blog darüber schreiben (den ich natürlich erst später irgendwo werde posten können) - aber ich kann nicht ruhigen Herzens verleugnen, dass das Wissen darum, gar nicht erst die Möglichkeit zur digitalen Aktion zu haben, einen enormen Beitrag zur inneren Ruhe leistet.
Vielleicht kann ich sie nun ein wenig besser verstehen, sie, die sie sich bei Twitter eine Pause verordnen, oder jene, die bewusst Ihr Handy am Wochenende ausschalten. Oder diejenigen, die die Terrorapp Whatsapp von ihrem Endgerät löschen. Letzteres ist allerdings auch kaum ein Verlust. Und plötzlich kommt mir die Erinnerung an die Zeit, als es meine Angewohnheit war, am Wochenende nicht zu twittern, so wie ich es heute mit Facebook halte. Aber auch das ist, ähnlich wie Whatsapp, auch nicht sonderlich schwer, da nicht sonderlich wichtig für mich.
Nicht dass das alles eine sonderlich neue Erkenntnis für mich oder sonst wen wäre, aber es ist ein neues Gefühl. Für mich. Und ich denke, ich lerne gerade eine Menge aus diesem Gefühl.
Ich bin hin und her gerissen.

Schaut man fremden Menschen doch stets nur vor den Kopf, so bin ich doch jemand der sich selber ersucht nicht allzu schnell über Menschen, die ich nicht kenne, aufgrund ihrer Art sich zu kleiden zu urteilen. Doch ich bin inzwischen entgegen dieses Glaubens arg überzeugt, dass eine bestimmte Weise sich zu kleiden, gemessen am Ort ihrer Verwendung plus die Art sich zu geben, einen direkten Aufschluss sowohl auf den sozialen Background, als auch auf das meistgesehene Fernsehprogramm zulässt. Musikgeschmack - oder das jegliche Fehlen desselben - inklusive.

Was jetzt gewiss ein wenig nach Sozialdarwinismus klingt, soll gar nicht urteilen oder bewerten, es geht mir hier nicht um arm oder reich, gebildet oder eher weniger. Aber nach einigen Tagen mit Sommerrodelbahnen, Minigolfanlagen oder Freizeitparks maße ich mir an, diese Klassifizierung mühelos abgeben zu können. Ob es der sich vordrängelnde Lehrer, die in Gänze eine RTL-Frisur tragende Familie oder die enervierende Eliteschuleklasse bei der Fastfoodausgabe ist. Alle, alle, wirklich alle Menschen - auch ich selber natürlich - verhalten sich so archetypisch, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Auf jeden Fall relativiert sich hier sehr rasch der so gerne herbeigeflehte Glaube an den freien Willen. Es scheint, als könne man nicht aus seiner Haut, als gäbe einem das was man gelernt hat, das was man kennt, das was man konsumiert und das was man glaubt einfach jede Entscheidung, jede Handlung vor. Ich zum Beispiel bin auch noch nach dem dritten mal des sich so beschissen dummdreist vordrängelnden Sandalenheldens in viel zu kurzer Hose und mit bekacktem Schnurbart noch relativ höflich und raste erst beim vierten mal aus. Dann allerdings richtig unfeierlich. Das habe ich eben so gelernt und wehre mich aus diesem Grund noch immer mit Vehemenz gegen diesen Glauben an die unausweichliche Determinierung, deren unfreiwilliger Zeuge ich soeben wieder einmal geworden war. Logisch, dass ich das maurerdecolletierte, unfreundliche Weißbrot mit einem meine kleingeistige Schadenfreude befriedigendem Sonnenbrand auf dem Parkplatz mit seiner Schulklasse in einen Essener Bus steigen sehe.

Poetisch schreibe ich in Texten gegen diese billige Typisierung weiter an.

Allein der Glaube fehlt mir. Und so muss ich mir selber eingestehen, dass wir zwar eine sehr bunte Spezies, aber wohl doch keine sehr überraschende sind.

Schade.

Es gibt scheinbar dieses Weitweg - aber eben auch das Ganzweitweg.

Letzteres bedeutet glaube ich, so man es sich denn überhaupt wünscht, in der Übersetzung eine Art Freiheit. Diese ist jedoch in der Vorstellung zumeist gekoppelt mit Ruhe, Unversehrtheit, heiler Welt. Sind diese Punkte in der Realität nicht allesamt erfüllt, ist es wohl nur das einfache Weitweg.

Ich sitze gerade inmitten eines idyllischen Fleckchens Erde, alles was als Weg noch weiter, noch höher hinauf und hinaus führt, ist nur noch per Wanderschuh zu erreichen. Der nächste Bäcker ist derart weit entfernt, dass dieser des morgens einen kleinen Wagen auf schmalen Pfaden hinauf schickt, um seine Brötchen an den Mann zu bringen. Die Grillen streiten sich um das phonetische Vorrecht mit Kühen und Wildgeflügel auf den weiten Anhöhen. Es könnte nicht wesentlich friedlicher sein. Und doch, man muss gar nicht hinsehen, hört man unterschwellig permanent, was hier die Idylle stört.

Es sind die durchaus vereinzelt stehenden und hoch über den Wäldern thronenden Windräder, die bei ausreichend Wind, und den gibt es hier fast immer, gewiss ein Grund, warum sie ausgerechnet hier stehen, ihre unsichtbaren aber hörbaren Wunden in die Umgebung schlagen. Jene Energiequelle, die ich vehement befürworte, der ich bislang uneingeschränkt meine Stimme gab, deren unkenrufenden Gegnern ich bislang einen Spleen unterstellte, wenn sie einmal mehr von den verwirrten Vögeln sprachen, die mit den technischen Störenfrieden nicht mehr zurecht kamen.

Mag sein, dass es an dieser ansonsten absoluten Ruhe, der Perfektion einer Idylle liegt, dass es mir überhaupt auffällt. Mag sein, dass es die Geologie dieses Ortes ist, der die Geräusche, die man nicht einmal wirklich als Lärm bezeichnen kann, überhaut erst so dominant in mein Bewusstsein spült. Mag sein, dass ich gerade derart abschalte, so dass mir jeder noch so geringe Misston auffällt. Man kann auf jeden Fall nicht verneinen, dass diese rauschenden Riesen einen Effekt auf Mensch und Tier ausüben.

Mich macht das nun noch lange nicht zum Gegner dieser Technologie, ist sie doch um ein so unendliches Maß intelligenter als die lebensverneinenden, kernspaltenden Brückentechnologiefehler des vergangenen Jahrtausends, doch zumindest denke ich nun darüber nach.

Tag 1.
So leben sie also.

So fühlt es sich an, wenn man offline ist. Ich meine wirklich offline.
Wenn alle Lämpchen blinken und leuchten aber jedes einzelne lediglich das Fehlen jeglicher Konnektivität versichert.

Strom gibt es zur Genüge, kann ich doch sogar hier oben das Flugzeuge warnende Rotlicht der Windräder sehen. Alle Endgeräte strotzen nur so vor Energie. Aber es gibt nicht einmal ein Sekundenfenster, das die Chance für einen Tweet, ein Instagramfoto, ein winzig kurzes Telefonat, geschweige denn für einen Blogpostupload eröffnen würde.

So schlimm das Gefühl für einen Onliner reinsten Blutes zunächst ist, da gibt es gar nichts zu beschönigen, so schnell bringt es einen in die Nähe der Antwort auf die oft gestellte Frage, was habe ich eigentlich früher, vor dem Internet gemacht.

Die Antwort ist so kitschig wie essentiell: leben.
Ich jedenfalls entfalte nun die Wanderkarte und sehe wohin es uns morgen führt.
Falk.
Nicht Google.


Ein wahrhaft tosendes Gewitter
In wirklich jeder einzelnen Nacht
Und glaub mir es war bitter
Vollsten Schreckens aufgewacht

Bereit den Dolch zu greifen
Bereit ihn zu benutzen
Gefertigt um im Ernstfall
Des Teufels Schwanz zu stutzen

Doch feiges Wesen an die Nacht
Gelegt und um den Schlaf gebracht
So ziert er sich der Haderlump
Und kneift noch immer, Stund für Stund

Den Seiber schmeck, den Odem riech ich
Und sei der Umstand noch so wiedrig
Ich lauere jede Nacht dem einen
Der sich verstellt, und der doch meinem

Eigenen Wesen Untertan
So macht er sich an mich heran
Der Waffen Schärfe wohl gewahr
Kneift er noch immer, Jahr für Jahr

Es treibt in meinem Geiste Blüten 
Ich läs ihm gerne die Leviten
Mit lodernd Fackel Ungemach
Verziere ich mein Schlafgemach

Die Akzeptanz des eignen Strauchelns
Vorangestellt der Angst des Zauderns
So bin ich stark und Morpheus kann mich
Ich wache selbst wenn er heran schlich

Doch stets frag ich, erkenn ich ihn,
Hätt all mein Wille seinen Sinn?
Wenn er doch meiner gleich sich zeigte
Und ich mein Sinnen so vergeigte

Als wäre es ein bloßes Schauspiel
Zu lang schon läuft dies Katz- und Mausspiel
Doch jeden Zweifel wisch ich fort
Derlei gibt es in einem fort

Heut Nacht exakt, da muss es sein
Ich lad ihn gern zu mir her ein
Bevor wir noch die Wimpel tauschen,
Lass ich ihn sich an sich berauschen

Die Hybris ist mein schärfstes Schwert
Und so er sich von mir ernährt
Wird er im Taumel wankend fallen
Ich hör ihn schon vor Trunksucht lallen

Mag sein er schafft's und kommt herinnen
Ich lass ihn gern den Sieg erringen
Denn Pyrrus hat uns eins gelehrt
Was ist denn schon der Sieg uns wert 

Wenn wir nicht fähig sind zu denken
Unser' n Triumph bedächtig lenken
Den Kaiserapfel ruhmreich schwenken
Und vor der Zeit den Hals verrenken

Ich geb ihm Zeit, ich wieg ihn still
In Sicherheit und Hochgefühl
Doch grade wenn er meint das war es 
Hol weit ich aus und geb ihm Pares

In dieser Nacht muss ich obsiegen
In dieser Nacht wird er erliegen
Der scharfen Klinge rächend Klang
Nie wieder ist mir Angst noch Bang 

Nebst der Entscheidung werd ich fällen
Ein Urteil vieler kleiner Quellen
Die mir ihr Unbill zugetragen
Zu schnell verliert man sich in kargen

Wortgewalt'gen Einzelviten
Und jede trägt die eignen Mythen
Es langt, der Schnitt, der Schnitt muss sein
So lad ich generös ihn ein

Zur Henkersmahlzeit exklusiv
Heut Nacht geht mir dabei nichts schief 
Ich zittre, bibbre, blinzel, scharre
Mit jenem Huf, dem ich doch harre

Mein Atem brennt dem Schwefel gleich,
Die Augen blitzen rot sogleich
Ich spüre Hass, lass ihn heraus 
Im Nebensatz hör ich Applaus

Er kommt, ich morde, lache auf
Das Biest in mir hat freien Lauf
Und erst als er am Boden liegt
Spür ich wie schwer mein Schicksal wiegt

Denn Tonnen voller Angst versiegen 
Und er bleibt still am Boden liegen
Wo ist mein Wille, einst so wild
Vor mir zeigt sich mein Spiegelbild

Wo mir Dämonen zugewunken
Dort bin soeben ich ertrunken
Sogar der Vers in sich verdreht
Zeigt Jedem wie's mir wahrhaft geht



Ein wahrhaft tosendes Gewitter
In wirklich jeder einzelnen Nacht
Und glaub mir es war bitter
Vollsten Schreckens aufgewacht.


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Edit: Hier geht es zu "Dämonen - Teil II"

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Manchmal haben die Nörgler und Zauderer, die Miesepeter und Bewahrer recht. 

Manchmal aber auch nicht.

Die Eisenbahn, so wurde geunkt, würde den Menschen ob ihrer unfassbaren Geschwindigkeit in den Wahnsinn treiben, ganz zu schweigen davon, dass der Körper gar nicht für eine solche Belastung ausgelegt wäre. 

Das Telefon schien das Ende zwischenmenschlicher Kommunikation vis a vis. 

Und jetzt auch noch das verdammte Internet. Wir werden alle vereinsamen, verblöden, zu Stubenhockern und was nicht sonst noch alles. Vermutlich das gottverdammte Ende der Welt.

Das Schlimmste aber sind diese dauernd um Zuneigung buhlenden Endgeräte. Überall verführen Smartphones und Tablets ihre fremdgesteuerten Besitzer dazu, das weiter oben erwähnte, gottverdammte Internet mit Worten, Daten, Fotos zu füttern. 

Nun - wir reisen inzwischen putzmunter knapp unter Überschall (oder umgekehrt) durch die Welt, das Telefon konnte nicht verhindern, dass ich mit meinen Nachbarn am Gartenzaun ein After-Rasenmäh-Bier trinke und das Internet ist dafür verantwortlich, dass ich meine Steuererklärung nicht mehr mit der Post schicken muss und mal eben Zugriff auf das Wissen der Welt habe, wenn mir danach ist.

Und diese grauenhaften Smartphones ... haben mich vielleicht sogar vor einem Dasein als Pizza fressendem Stubenhockern bewahrt. Denn waren frühere Technologien oftmals noch ein Widerspruch zu erbauenden Dingen wie Naturerlebnissen und aktiven Freizeitaktivitäten, befreien mich die - zu 99% ja von sie nicht nutzenden Menschen - gescholtenen Endgeräte mich geradezu. 

Wollte ich noch vor ein paar Jahren einen Text schreiben, musste ich mich damit abfinden,dies an meinem Schreibtisch tun zu müssen, sei das Wetter draußen noch so verlockend. Etwas später konnte ich immerhin mein Netbook mitschleppen und darauf hoffen, irgendwo in einer ultramodernen Kneipe vielleicht einen Netzanschluss vorzufinden, nicht selten gegen Bares. Ist es nicht unglaublich wundervoll, dass ich nun, wann immer mir die Eingebung einen Schreibzwang ins Hirn hämmert, dieser nachgeben kann und das immer und überall? 

Diesen Blogeintrag schreibe ich beispielsweise gerade im Garten, lasse mir von den Vögeln ein Konzert  zur Untermalung gefallen und kraule die vorbeischauende Nachbarskatze. Nicht falsch verstehen,mich mag auch Schreibmaschinen, aber ich liebe meine Mobilität. Technik ist nur böse, wenn man sie für etwas Böses einsetzt. Und das zu entscheiden liegt alleine in unserer Macht.

Und nun setzen sie sich bitte wieder auf ihr Hochrad und entfachen ein Signalfeuer, das kann ja auch sehr romantisch sein.


Meinungen sind gefragt im Web 2.0, das nun - nur nebenbei erwähnt - eigentlich langsam mal eine höhere Versionsnummer verdienen würde. Meinungen sind gefordert, sind erwünscht und stets willkommen in unserer ausgewiesenen Mitmachkultur - meiner Meinung nach.

Allerdings: Meine ich das nur oder ist es nur ein geringer Prozentsatz derer, die überhaupt eine Meinung haben, die sie auch offen mitteilen? Meistens sind es dann doch immer dieselben. Und von denen, die keine Meinung haben oder äußern, lassen zudem immer mehr dann doch eine Meinung hören, nämlich die, dass sie der Meinung sind, dass die anderen, die ihre Meinung ungefragt mitteilen, diese doch lieber für sich behalten sollten. 

"Alle haben zu allem eine Meinung und sie teilen sie jedem mit, das ist das Grauen" klang es schon in den 90ern vertont durch eine von mir sehr geschätzte Band aus den Lautsprechern. Interessanterweise ist ja auch das eine Meinungsäußerung gewesen. Die Frage scheint interessanterweise gar nicht wirklich die zu sein, OB man seine Meinung äußert, sondern vor allem WOZU und noch vorallemiger WIE. Und da scheint es gesellschaftliche Schablonen zu geben.

Den Mund verbieten wollen einem spannenderweise exakt jene Zeitgenossen, denen die Meinung nicht passt, die man gerade geäußert hat. Soweit so menschlich und auch legitim. Könnte eine Diskussion werden, meint man. Fragt sich nur, muss sich derjenige mit der Meinung nun zurückhalten oder wäre es nicht wesentlich schlauer von dem die Meinung nicht hören wollenden, einfach nicht zuzuhören, einzuschalten, mitzulesen? 

Wahr ist: Meinungen von Gleichgesinnten sind gefragt im Web. Aber auf jeden Menschen mit einer Meinung kommt mindestens ein Troll, der sich mit Absicht und zumeist großem Vergnügen über die freie Meinung desjenigen aufregt, den er eigentlich gar nicht sehen, hören, lesen will. Aber anstatt mit seiner eigenen Meinung dagegen zu halten, argumentativ zu kämpfen, wird gepöbelt, gejammert, geschimpft, oder kleinlich jeder kleinste Fehler herausgearbeitet. Das Ziel ist das Bloßstellen. Da geht es Markus Lanz nicht anders, als jedem Blogger.

Es ist so viel einfacher die Leistung anderer schlecht zu machen, als selber mal etwas anzustoßen. Verstehe ich ja auch. Armselig und entlarvend ist so ein Verhalten trotzdem. Meine ich.
Das Beruhigende daran ist jedoch, man weiß plötzlich wer wo steht. Der Pöbel - das Wort passt hier einfach zu schön - verlässt ohne es zu merken seine schützenden Gräben und rottet sich zusammen. 

Meinung verbindet also mehr als den keine Meinung habenden lieb ist. Meint Ihr nicht?




Als einer der herzblutorientierten Vertreter der Kleinen, der aus einem Drang, heraus Schaffenden, möchte ich hier all denen das Wort reden, die weder vom staatlich subventionierten Kulturbetrieb, noch von der popkulturellen Maschine finanziell oder sonst wie ernährt werden.

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, auch und sogar unter vielen meiner engen Freunde, dass Kunst - sei es Musik oder Malerei, Performance oder Schreiben, Bildhauerei oder Fotografie - doch zu etwas führen müsse. Und was mit "etwas" gemeint ist, lässt sich in zwei Worten zusammen fassen: Geld und Bekanntheit.

Dabei wird in gewiss 95% aller Fälle übersehen, dass es der Subkultur genau darauf nicht ankommt. Abgesehen von einem ohnehin existenten, gesunden Misstrauen dem Mainstream gegenüber gilt: Es ist mitnichten das Ziel eines Künstlers - und war es noch nie - mit seiner Kunst möglichst viel Geld zu machen, ja nicht einmal davon leben zu können. Es kommt absolut nicht darauf an, dass man seinen Namen in versalen Lettern in der Klatschpresse liest. Es ist zwar wunderschön, wenn möglichst viele Dein Bild betrachten, Deinen Roman lesen, Deine Ausstellung oder Deine Konzerte besuchen - aber im Grunde kommt es auch darauf nicht an. Es ist gänzlich ohne Belang. Es ist einzig und allein wichtig, dass Du rauslässt, was raus muss.

Spannend ist, dass an sich als Künstler stetig dafür rechtfertigen muss, warum man denn hier noch nicht ausgestellt, dort noch nicht gespielt oder da noch nicht gelesen habe. Die Wenigsten sind bereit sich auf Kunst wirklich einzulassen - unabhängig von Rang und Namen eines Künstlers. Doch wer verleiht hier das Signet "Rang und Namen"? Die Fachpresse, das Feuilleton, Kunstinteressierte, Menschen, die noch niemals einen kreativen Drang verspürt haben?

Ich könnte jeden Sonntag Abend kotzen, wenn ich in der ARD die von mir eigentlich gern gesehene Sendung ttt einschalte, und mir einmal mehr der neue, natürlich wunderhübsch anzusehende Soulgesangsstar präsentiert wird, der uns alle jetzt ob seiner einzigartigen Stimme ach so irre umhauen muss. Jeden Sonntag. Um Inhalt geht es hier dabei eher selten, junge Musik, politische Musik, ambitionierte, risikobehaftete Musik? Fehlanzeige. Mir fällt dieser Hohn allen Musikern gegenüber, die mit ihrer Musik etwas ausdrücken, verändern, bekämpfen wollen natürlich besonders auf - bin ich doch selber Musiker. Ich denke aber, es geht anderen Künstlern in der Wahrnehmung der abgebildeten Kunst hier nicht wirklich anders.

Gesellschaftlich der Konsens tragenden Ignoranz gegenüber der aus sich heraus erwachsenden Kunst die glänzendste Krone aufsetzend, ist jedoch jene bildungsbürgerlich etablierte Haltung, zu keiner Vernissage unbekannter Künstler seiner Heimatstadt, zu keinem Konzert einer Band, die man nicht aus dem Formatradio kennt, zu keiner Lesung eines ungedruckten Schriftstellers aus der Region zu gehen - ABER dann nach fucking Berlin zu fahren und hier jede verdreckte Innenhof-Spelunke für ihre dichtenden Säufer zu feiern, da HIER ja die Subkultur noch richtig lebt! Und dann bei jedem Besäufnis im Freundeskreis mit Inbrunst und einer unfassbaren Ignoranz zu betonen, es gäbe ja nichts Neues und Relevantes mehr.

Unser Kulturtourismus zeigt, wie oberflächlich unser Kunstverstand in Wirklichkeit ist. Wie sehr das "Ich war da"-Phänomen bestimmt, welche Ausstellungen besucht werden, unfrei nach dem Motto: "Kann ich das erzählen, dass ich da war und wie sehr werde ich dafür bewundert?" Und nein, richtig Arschloch, Du wirst in der Masse gewiss nicht dafür bewundert werden, wenn Du mit den Namen nie gehörter Künstler um Dich wirfst. Nein, da wird kein Glanz eines Gerhard Richter auf Dich abstrahlen, der hochbegabt, aber offensichtlich inhaltlich schon immer inspirationslos sein Werk den Massen in ausverkauften Monsterausstellungen präsentiert, was ich hier nicht einmal Herrn Richter vorwerfen möchte.

Hier ist eine Lanze, all jenen, die etwas in sich spüren, die dem was sie in sich tragen Ausdruck verleihen wollen. Verzweifelt bloß nicht daran, dass Ihr glaubt, niemand würde sich für Eure Kunst interessieren, denn das ist scheißegal. Es ist wichtig, dass Ihr es spürt, dass Ihr es heraus lasst, dass Ihr kreativ seid. Kunst ist Kunst, jenseits von Zuschauern oder Lesern, ungeachtet von Charts und Rankings. Derartige Maßstäbe haben Bürokraten eingeführt, die Unkreativen, die Neidischen, die gewiss selbst niemals erschaffen haben und werden.

Es gibt so viele Vorbilder in Sachen Do It Yourself in beinahe allen Epochen. Der Dadaismus, der Punk, der Hardcore, die kreativen Keimzellen einer jeden Subkultur. Lasst Euch nicht von Redakteuren oder Kritikern erzählen, dass das was Ihr tut weniger wert ist, als das was andere tun, weil die vielleicht mehr verkaufen. Scheißt auf ihre Punktesysteme. Führt Euch vor Augen, dass Kunst und Verkaufen, im Prinzip Gegensätze sind, denn Ideen, die zu Geld werden, sich verkaufen, werden Mainstream und wollen nicht mehr Probleme skizzieren, sondern mutieren zum Selbstzweck, und das ist das Verkaufen.

Und wenn Euch Freunde das nächste Mal fragen, was Ihr mit Eurer Kunst erreicht habt, sagt Ihnen, sie mögen es selbst herausfinden. Wenn sie den Mut und die Energie dazu haben.


Es ist der Kern. Das Herz. Das Wesen von jedem, von allem.

Es ist die Sehnsucht, den Dingen möglichst nahe zu kommen. Und im Grunde ist alles ohne das Wissen um den Kern nichts. Es ist verrückt danach zu suchen - und noch viel verrückter es sein zu lassen. Man kann es also (im Grunde) nicht richtig machen, aber - und das ist die gute Nachricht - auch nicht falsch.

So trennt sich der Weg derer, die es richtig machen, und derer, die es nicht falsch machen wollen. Fraglich ist, wer von beiden es aus seinem Antrieb heraus versucht und wer es genau aus dem selben Grunde lässt. Ist im Grunde, nicht im Kern, aber auch egal.

Wichtig ist vermutlich nur, was man aus der jeweiligen Wahl heraus macht - oder lässt. Denn wenn man sich dem Kern, dem Herzen, dem Wesen aller Dinge bewusst nähert, oder ihm bewusst fern bleibt, ändert man es - hat man zumindest die Chance es zu ändern.

Und nicht zuletzt das zu versuchen ist die Pflicht eines jeden, der dem Kern näher kommen möchte - oder gar muss. Auch wenn es klingt wie eine Chance, eine freiwillige Entscheidung, ist es für diejenigen die es anstreben, nicht selten eine Unabdingbarkeit. Ein Zwang der allerdings paradoxerweise eine Chance bedeutet. Und so mündet es in einen Kreislauf.

Und so suche ich den Kern. Das Herz. Das Wesen von jedem, und allem.

Der Niesgewalt ich Einhalt such, die Frühlingssonne steht im Ruch,
Der Bösewicht des Spiels zu sein, drum geh ich selbst fürs Sonnen rein.

Den Qualbefreiten schau in Ruh, ich ohne Neid von innen zu,
Wie sie sich unter Birken scharen, um sommerlichen Schein zu wahren.

Sie grillen sich zu jeder Stund, den nackten Körper rundum wund,
Bis Teile der gegrillten Stellen, sich ganz von selbst vom Leibe pellen.

Der Mücke sind sie ausgesetzt, die sie sogleich im Schwarm zerfetzt,
Die Wespen tun es ihnen gleich, und rauben noch ihr letztes Fleisch.

Vernetzt mit Mobilendgeräten, sie virtuell das Gras betreten,
Und postend voller Wortgeschick, teiln sie mir das dann auch noch mit.

Die Selfies füllen Timelines fixer, als Alkopops die ganzen Typen,
Sie preisen Sommersonnensinn, und nähren meinen Sommergrimm.

Erwägend ein Gedicht zu schreiben, verbleib ich zürnend beim Verbleiben,
Im Niesen episch ausgemaßt, und zwischen drin betont verhasst.

So tu ichs allen Grillern gleich, und wähne mich voll Sommers reich,
Ich schmeiß mich unter die Gesunden, und niese schamlos meine Wunden.

Den Birken werf ich gönnend Blicke, durch Ast und Zweig tief ins Gewicke,
Die Qualbefreiten straft mein Niesen, es ist, als würd ich Blumen giessen.

Ich bin der Rechteinhaber meiner Urängste. Und ich erwarte stündlich einen persönlich via Sendboten zugestellten Brief von der GEMA, die mir standrechtlich mitzuteilen gedenkt, dass dem nicht so ist. Schließlich habe ich ja keinen Freistellungsauftrag zur kostenfreien Nutzung meiner Ängste bei der Pseudobehörde angefragt.

Das alleine wäre beinahe noch zu ertragen, so wäre man im Falle eines Anfalles von Urängsten wenigstens nicht alleine. Sofort stünden einem zwei, drei Pseudobeamte zur Seite, die einem mit fiktiven, da völlig willkürlich festgelegten Rechnungsbeträgen vor der Nase herumfuchtelten und auf die sofortige Begleichung dieser Pseudorechnung bestünden.

Was aber, wenn ich unerwartet eine Fantasie in die Tat umsetzte? Ungefragt und nicht genehmigt von der GEMA? Darf ich ja schließlich nicht einfach machen. Eine Idee, die ich irrigerweise als die meine erachtete, Gestalt annehmen zu lassen, ohne zuvor einen der wirklich so wichtigen wie umsichtigen und im Wohle der Kunst handelnden Pseudobeamten gefragt zu haben.

Wo kämen wir denn da hin? Wenn sich plötzlich jeder befähigt sähe, seiner Kreativität einfach so ungefiltert und - das ist der Punkt - ungenehmigt und - das ist der zweite Punkt - unbezahlt und ungehemmt freien Lauf zu lassen. Das wäre ja verrückt. Eine unregulierte, eine enthemmte, eine kreative, eine freie Gesellschaft! Das darf nicht sein. Das sehe ich natürlich ein. Das hier ist Deutschland. Wir brauchen immer jemanden, der uns sagt, was wir dürfen und ob wir es überhaupt dürfen, und vor allem wann und zu welchen Bedingungen wir es dürfen. 

Ich mag die GEMA!
Ich mag die Regulierung.
Ich mag Klugscheißer und kreative Bremsen.
Ich mag Beamte und regulierende Paragraphenreiter.
Ich mag gedankliche Fesseln und staatliche Bevormundung.
Ich mag kleinkarierte Sakkoträger im Geiste.
Ich mag horizontal beschränkte Stempelkissenverbraucher.

Und vor allem mag ich es zu wissen, gegen was es sich bis aufs Blut zu kämpfen lohnt!


Was ist der Treibstoff Deiner Seele?
Was ist der Ursprung Deiner selbst?
Was bedeutet Dir Deine Erinnerung .. an Dich selbst?
Was macht Dich zum Menschen?

Wir sind allesamt Verräter. Verräter an uns selbst. Das lässt sich gar nicht umgehen. Nicht mal für den ghandieskesten unter uns. Das ist auch okay. Auf das Maß kommt es an. Den Pegel. Die Dosierung. Wie immer und überall.

Kannst Du Dich noch erkennen, wenn Du Dir alles wegreißt, was Dich stört? "Bist Du noch da" - hinter all dem Gekauften, den Fassaden, dem Gespielten?
Weißt Du was Träume sind - oder ... träumst Du gar nicht mehr?*
Lässt Dich das nächtliche Trommelfeuer Deiner Gedanken kalt, streifst Du es morgens mit der selbst temperierten Dusche ab oder gibst Du ihnen die Chance, Dich zu überzeugen? Mit Argumenten, mit Gefühlen. Mit Erinnerungen an Dich selbst?

Dunkelheit kann ein Antrieb sein, Selbstzweifel ein Nährboden aus dem Neues erwächst.
Es ist verdammten Phönix. Das alles sind wir - auch wenn wir zu weit gehen oder unfassbar weit hinter unseren Möglichkeiten zurück bleiben.

Wenn Du etwas spürst, das hinaus will, lässt Du es zu? Auch wenn es vielleicht das letzte ist, was übrig ist von Dir, wenn es Dich dann doch noch zerstört, und sei es nur gesellschaftlich.Vieles ist einfach peinlich. Zu peinlich. Gegen jedes Image. Mag sein. Aber das Meiste davon geschieht ja eh in Deinem Kopf. Die verdammte Schere, das Skalpell, der Pranger.

"Es wird nie mehr, wie es war." Ein Wahrheit. Es sei denn, Du bist erfüllt von religiösen Gedanken, die alle oben gestellten Fragen mit einer so schnellen wie endgültigen Antwort ad acta legen.

Als vielleicht einzige Ausnahme in diesem Fall stellt sich dennoch irgendwann diese Frage aus Zeile drei:
Was bedeutet Dir Deine Erinnerung an Dich selbst?
Wenn Du nicht weißt, was Du auf diese Frage antworten sollst, bist Du ja bereits auf einem guten Weg. Wenn Du kopfschüttelnd weg siehst, hat auch der weiter oben erwähnte Phönix im Prinzip seine Asche selbst in alle Winde geblasen.

Solange wir eine vage Ahnung an und von uns selbst haben, gibt es keinen Grund zu verzagen - egal wie es um uns bestellt ist. Wir sind auf dem Weg. Und der ist scheißeholpriglangunebenkurvigkackeundichmusszumbeispieljetztauchnochdieverdammtewäscheaufhängenschwierigundungewiss. Aber er ist nicht vorherbestimmt. Das wäre mitunter tröstlicher und einfacher - aber scheißenochmal langweilig!

Also, Verräter aller Länder, vereinigt Euch und kommt klar! Aber verbannt die Ausreden!
All das sind wir!
 

*Mit unbedingtem Dank an Marathonmann und ihre ultimative Freigeist-Retrospektive "Holzschwert" - ab und an braucht man ihn: den Arschtritt! In Erinnerung an den 4 Jahre zurückliegenden Text in Reminiszenz an Escapado "Worte, Rot markiert!"

Es geht einfach kaum etwas darüber, sich selber bewusst zu machen, dass man lebt. Dass man frei ist, und unfassbare Möglichkeiten hat. Dass man etwas geben kann, dass man einem anderen etwas bedeutet und dass einem andere etwas bedeuten. Dass man für jemanden da sein kann. Dass man jemanden helfen, trösten und beschützen kann. Dass man sich selber, seine Gedanken, sein Wesen ausdrücken kann - auf welche Art auch immer. Scheißegal auf welche Art.

Und dann das gruselige, beinahe irreale, da nicht unmittelbar greifbare Gefühl der Stufe eins, dass all das für unzählige Menschen auf dieser Welt - egal ob nah oder fern - nicht zutrifft. Dass sie geknebelt werden, nicht selten von ihrer eigenen Regierung, ihren eigenen Landsleuten. Dass sie erst mundtot gemacht werden, bevor sie auch körperlich sterben - wenn das dann noch einen Unterschied macht.

Schließlich das - weitaus dichtere - gruselige Gefühl der Stufe zwei, dass Menschen aus Deiner Umgebung, denen eigentlich dieselben Freiheiten zur Verfügung stehen sollten oder standen wie Dir, eben diese nicht mehr nutzen können. Vielleicht sind sie existenziell bedroht, vielleicht sozial gebunden, vielleicht tot. Letztere haben - auch das ein Horror - niemals mehr die Möglichkeit Ihre Stimme zu erheben, Ihre Gedanken zu teilen.

Und dann ist es wieder da. Dieses seltsame, aber wärmende Drängen, von Deinen Dir scheinbar so selbstverständlich gegebenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Sie einzusetzen. Sie freizusetzen. Sie zu befreien. Dich zu befreien. Und damit stellvertretend auch all die anderen, die dieser Möglichkeiten nicht habhaft oder beraubt sind.

Abwarten und jammern ist einfach - und doof - und RTL - und vor allem: eine Lüge!

Ihr haltet Freiheit für eine Plattitüde?
Ich halte Freiheit für existenziell!  

Wir, die wir einen Fetzen Freiheit in Händen halten, haben die verdammte Pflicht dazu, sie zu nutzen.
Damit sie leben kann - damit wir leben können!